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XX. Jahrgang

JliaCÖUCg, Donner-tag, 11. Juni 1885.

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das alles erlauben ihm seine Mittel.

Und wie steht rS mit den Frauen? Ist er denen ab­hold?" fragte Praß gespannt.

Das wohl nicht, obgleich er keineswegs ein enragierter Verehrer der Damenwelt zu sein scheint," berichtete der Graf weiter.Ich habe ihn in zwei Jahren nicht mehr geschehen und bin daher über seine jetzigen Neigungen und Gewohn­heiten nicht genau informiert.

Sein Entschluß, nach Dresden zu kommen, ist mir unbequem! es wäre mir lieber, er ginge nach einer größerem Hauptstadt, etwa Wien oder Berlin, wo der Strudel der Vergnügungen sich rascher dreht, als so den hiesigen, jenen Welt­städten gegenüber immerhin etwas kleinlichen Verhältnissen."

Wenn Sie Ihrem Mündel aus dem Wege gehen wollten, so körnten Sie ja Ihrem Wohnsitz noch einem andern Orte verlegen," warf der Jurist ein,indessen würde ich daS für sehr unklug halten, denn der junge Mann könnte glauben Sie wichen ihm aus, und diese Vermutung würde möglicherweise zu einer Quelle des Argwohns werden. Das aber müssen wir vor allm Dingen vermeiden; Ihr Neffe muß Ihnen sein vollstes, unerschütterliches Vertrauen hrwahrrn, wenn wir mit Erfolg operieren wollen."

der Petition beschäftigen. Hier ist eS kein geringerer als Virchow, welcher sie vorlegen wird." Daß die Materia­listen aller Gattungen die Leichenverbrennung begünstigen, war uns nie zweifelhaft; aber alle diese Gründe, welche gegen daS Beerdigen immer aufs neue aufgewärmt werden, sind längst widerlegt. ES ist erwiesen, daß die Kirchhöfe nicht gesundheitsschädlich sind. Wenn die Verwesung der menschlichen Leichen gesundheitsschädlich wäre, dann müßte cs auch die Verwesung der tierischen Leichen und der Pflanzen sein und man müßte dann auch alle toten Tiere und Vögel, wie alles abfallende Laub der Wälder rc. ver­brennen. Die Verwesung ist aber der von der Natur ein­gerichtete Vernichtungsprozeß für die toten Körper und was die Natur einrichtet, das ist nie verderblich. Darüber können sich die Herren Mediziner beruhigen. Verderblich ist alles Un- und Widernatürliche und dahin gehört auch die Leichenverbrennung. Gegen diese Begründung der Leichenverbrennung muß aber auch wegen ihrer Folgen protestiert werden, denn wenn es erst anerkannt wäre, daß die Kirchhöfe gesundheitsschädlich seien, dann würden die LeichenverbrennungS - Fanatiker nicht ruhen, bis die Leichenverbrennung obligatorisch eingesührt wird und also alle Leichen verbrannt werde» müßten.

Von einem Korrespondenten in WilhelmShafen wird demB. T." abermals von der Beschlagnahme eines englischen Fischelkutters gemeldet, der in Gemeinschaft von etwa 200 englischen Fischerfahrzeugen in den unter deutscher Oberhoheit stehenden Gewässern der Nordsee angetroffen wurde. Der Gewährsmann des genannten Blattes schreibt darüber vom 7. Juni:Nachdem der AvisodampferPomme- rania" gestern morgen 5 Uhr den hiesigen Hafen verlaffen hatte, kehrte derselbe bereits gestern abend gegen 11 Uhr und zwar abermals mit einem großen englischen Zweimast- Fischerkutter im Schlephtau zurück, um denselben heute morgen gegen 6 Uhr in den Vorhafen eivzuliefern. Der Kuiter, welcher bedeutend größer ist, als der am vergange­nen Mittwoch eingebrachte, war 2,6 Seemeilen von Nor- derm y also um 0,4 Seemeilen zu nahe der deutschen Küste, ebenfalls bei Ausübung der Fischerei angetroffen worden. Die übrigen in der Nähe befindlichen Fahrzeuge, etwa 200 an der Zahl, ergriffen beim Jnfichikommcn des Avisos schnell die Flucht. Der Name des Kutters istLondon Pit", die Besatzung besteht aus sechs noch sehr jungen Leuten. Der Führer deS KutterS, namens Wright, befindet sich in Sichrr- hrttSarrest. DaS an Bord befindliche Netz, zu dessen Trans­port allein 15 Leute erforderlich waren, sowie dte sonstigen vorgefundenen Fanggeräte wurden in polizeilichen Gewahrsam genommen. DerLondoner Pit" gehörte nach Mitteilung der noch an Bord befindlichen Mannschaft desselben zu der großen, 150 Fahrzeuge und Dampfer zählendenFishing Kompany" zu London und ist in Iarmouth heimatSberech- tigt. Während die Besatzung deS zuerst elngelteferten KutterS

Sie meinen, wir sollen ihn hier erwarten, mit ihm verkehren, uns nach ihm richten, vielleicht wohl gar von ihm abhängig machen?" fragte der Graf verwundert.

Mit ihm verkehren gewiß, von ihm abhängig machen niemals l" erkiärte Jener.

Lasten Sie ihn getrost kommen, und geben Sie sich den Anschein eine» väterlichen Freundes, wohlwollmdeu Beraters. Durch den Umgang mit ihm, durch aufmerksame Beobachtung werden wir denn bald die ArchilleSferse Ihres Neffen kennen lernen; denn eS wäre doch wunderbar, wenn er nicht irgend eine Schwäche, eine Leidenschaft besäße, die wir für unsere Zwecke auSbeutm können."

Gut denn, lieber Doktor, lasten wir e» dabei!" tief der Pole nach kurzem Besinnen;ich vertraue auf Sie und Ihre Umsicht. Wenn die Sache glückt, so ist eS für unS Beide gut; Sie wisten, Doktor, ich kann erkenntlich fein."

Da berühren Sie einen Punkt, Herr Graf, der so gut wie alles andere besprochen sein will," versetzte der Jurist. Seim wir offen und ehrlich gegen einander, wie eS sich unter Männern geziemt, die sich gegenseitig inS Vertrauen gezogen hrben. Für Sie bandelt eS sich nicht blcS um Namen, Ehre und Existenz, sondern auch um ein Vermögen, mir dagegen kann ein schlimmer AuSgang keinen Nachteil bringen. Gelingt eS mir also, durch Klugheit, Vorsicht, Scharfsinn, vielleicht auch durch ein wenig Spitzfindigkeit Sie verstehen mich, Herr Graf, die Sache zu einem glücklichen Ende zu führen, so würee ich auf diesen schwer errungenen Erfolg stolz sein, und eS ist wohl nur billig, wenn ich in diesem Falle auch auf eine angemestene Remu­neration rechne. Meinen Sie nicht auch, Herr Graf?"

Sie wünschen eine bestimmte Summe zugrstchert?" sagte Jener.Wie viel verlangen Sie?"

geboten wird, die in der UnfallverstcherungSkommisston deS Reichstags in der letzten Session stattgesunden. Wenn ge­meldet worden, daß eS in der Absicht der RetchSregierung liege, dte Unfallversicherung speziell auf die Personen auS- zudehnen, welche in dem Betriebe der Seeschiffahrt beschäftigt sind, so wird diese Mitteilung als unrichtig bezeichnet. DaS Bedürfnis ist hier zum Teil schon in dem neueren Gesetze, welches dte Unfallversicherung auf die im Verkehrswesen be­schäftigten Arbeiter ausdehnt, zum Teil auch durch die allgemei­nen PenstonSbesttmmungen für die in der Marinere, beschäftig­ten Personen befriedigt. So weit sich noch Lücken zeigen, sollen dieselben durch die zuerst erwähnte Novelle ausgefüllt werden. Der Botschafter v. Courcel reist heute mittag mit seiner Familie nach Frankreich ab und gedenkt in zehn bis zwölf Tagen wieder hierher zurückzukehren. Die Mitteilung mehrerer Blätter, daß der Bundesrat sich demnächst mit der Frage der Doppelwährung zu beschäftigen haben werde, weil ihm auf dieselbe bezügliche Eingaben vom Reichs­kanzler überwiesen worden seien, beruht offenbar auf einem Irrtum. Gemeint sind die Eingaben, dte dem Bundesrat schon vor einigen Monaten, kurz vor der Beratung des Kardorffschen Antrags im Reichstage, überwiesen worden waren. Diese Eingaben hat der BundeSrat nicht, wie in der jetzt verbreiteten Mitteilung angenommen wird, an AuSschüste verwiesen, sondern er hat sie, wie der offizielle Bericht über die damalige Sitzung auSweist, durch Kennt­nisnahme für erledigt erklärt.

Zur Leichenverbrennung schreibt man derBost. Ztg.":Die Feuerbestattung deö verstorbenen braunschwei­gischen Bevollmächtigten zum BundeSrat v. Liebe zu Gotha dürfte die Bestrebungen des Vereins für Feuerbestattung zu Berlin aufs wesentlichste unterstützt haben. Die medi­zinischen Kreise beginnen sich bereits bet Agitation der Ceemisten" anzuschließen. In der letzten Sitzung des Vereins für innere Medizin (Vorsitzender Prof. Leyden) legte der Physiologe Dr. Th. W<yl die Petition des ge­nannten Vereins an den Reichstag betreffend Erlaß eines Gesetzes, welches die fakultative Feuerbestattung im Deut­schen Reiche ordnet, vor. Derselbe führte im Anschluß hieran auS, daß eS Sache der Aerzte sei, weiteren Kreisen mit gutem Beispiel voranzugehen. Das Publikum werde durch die Beteiligung der Aerzte an den Bestrebungen deS Berliner Vereins erkennen, daß es sich um eine Agitation handele, welche sich auf dir Resultate wiffenschaftlicher Unter­suchungen stütze. DaS Publikum müffe wissen, wie ver­derblich die Kirchhöfe der öffentlichen Gesundheit werden könnten. DaS Vergraben der Leichen schädige die Lebenden. Wer könne in Abreve stellen, daß die im Boden faulenden Kadaver eine Brutstätte der gefährlichsten JnfikiiouSkrank- heiten sind. Wir bemerken darunter die Namen der be­kanntesten Berliner Aerzte. Wie wir mitteilen können, wird sich demnächst auch die medizinische Gesellschaft mit

Im Bann des Schicksals.

Roman von Moritz Lilie.

(Fortsetzung.)

er gewiffe kostspielige Passionen?" forschte der

Doktor Praß wiegte das Haupt hin und her, als wolle er seine Leistungen mit dem Vorteile abwägen, den sein Klient durch ihn erlangen könne.

Wie hoch schätzen Sie den Gewinn im Falle deS Ge­lingens ?" forschte er, und sein Blick nahm abermals den unheimlichen Ausdruck au, welcher das unwillkürliche Spiegel­bild seiner Gedanken war.

DaS läßt sich schwer in einer bestimmten Summe auS- drücken, ist auch ziemlich gleichgiltig," erwiderte der alte Herr kühl, fast verletzt.Sir wiffen, daß das Vermögen meines Neffen nicht mehr ungeschmälert beisammen ist, daß ein erheblicher Teil desselben fällt. Dennoch verfügt er noch immer über sehr bedeutende Mittel, über große Güter in Polen und Preußen und über ein an Gerichtsstelle ein» gezahltes bares Depositum. Die Höhe der hier in Frage kommenden Summe wird von unferm Wollen, aber auch vom Können und der Himmel weiß welchen Zufälligkeiten abhängen; daher kann von einet Normierung nicht die Rede sein, und ich bitte Sie deshalb wiederholt, Ihre Ansprüche zu präzisieren."

Der Rechtsgelehrte schwieg überlegend, als scheue er sich die Summe auszusprechen, während der Graf unge­duldig mit den Händen auf dem Tische trommelte.

Nun, sagen wir zehntausend Mark," meinte Letzterer endlich, als Praß sich noch immer nicht erklärte.

Zehntausend Mai! das Gebot läßt sich hören, flüsterte der Jurist.Aber vergeffen Sie nicht, Herr Gras, vaß es sich für Sie um Hunderttausende handelt und daß demgegenüber die offerierte Summe ein wahres Spott- geld ist. Verdoppeln Sie also dm Betrag und die Sache ist abgemacht. (Fortsetzung folgt.)

Deutsches? Reich.

Berlin, 9. Juni. Minister Dr. von Goßler ist ans der Provinz Schleswig - Holstein wieder angekommen. Die Ausführung des Nord'Ostsee-Kanals wird den BundeS­rat, wie derNat.-Ztg." berichtet wird, vor seiner Ver­tagung für die Sommermoncte nicht mehr beschäftigen, sondern einen der ersten Beratungsgegenstände bei der Wiederaufnahme der Bundesratsarbeiten im Herbste bilden. Wie dieNal.-Lib. Korr." von unterrichteter Seite hört, wird die Vorlage wegen Erneuerung deS Militär-Septen- »vtS dem Reichstage schon in der nächsten Session zugehen. DaS jetzige Septennat läuft bis zum März 1888. Vor kurzem wurde die Thatsache gemeldet, daß der Sultan dem deutschen Botschafter in Konstantinopel, Herrn v. Radowitz, die Brillanten zum Osmanie-Orden erster Klaffe verliehen hat. Jetzt schreibt man über diese Angelegenheit folgendes: Die Verleihung kam ganz plötzlich motu proprio und macht in diplomatischen Kreisen von sich reden, weil die Auszeichnung ungewöhnlich ist, es hat kaum jemals ein Botschafter, so lange er in Konstantinopel im Dienste war, die Brillanten bekommen. Man spricht darüber hin und her, und hier und da werden Vermutungen aufgeworfen des Inhalts, daß der Orden in diesem Fall eine ganz be­sondere politische Bedeutung habe. DaS ist indes nicht der Fall. Einerseits darf man in der Verleihung des Ordens einen Ausdruck persönlichen Wohlwollens und Vertrauens sehen, welches der Sultan dem deutschen Botschafter zu teil werden läßt, andererseits wird man aber auch nicht fehl gehen, wenn man annimmt, der Sultan habe damit sein Festhalten an derjenigen Politik bekunde» wollen, welche die deutsche Regierung ihm durch den Botschafter hat anraten lasten. Jncem die Pforte fich für ihre Neutralität a»S- sprach, hat sie daS ihrige zur Erhaltung deS Friedens in Europa beigetragen und die Nachwirkung davon ist, oaß ihr eine Vergrößerung ihres Kredits im europäischen Rat merklich wirs. Der Sultan hat durch die dem deutschen Botschafter erzeigte Höflichkeit seine Anerkennung dieser That­sache kuudgegeben. Die Unfallversicherung beschäftigt daS ReichSamt des Innern ganz besonders; diese Aufgabe ist es, welche die mu-rdingS erfolgte Berufung weiterer ArbeitS- kläste (Landräle Barthels und v. Rheinbaben) in dieses Reffort notwendig gemacht hat und noch weitere Berufungen notwendig machen wird. ES haben sich bei der praktischen Anwendung veSGefitzeS so viel Mängel herauSgestcllt, daß man, wenn man auf eine ersprießliche Wirksamkeit des Gesetzes rechnen will, keine Zeit verlieren darf, um diese Mängel abzustellen. ES wird deshalb eine Novelle vor­bereitet, die dem Reichstage in der nächsten Session vor­gelegt werten soll. Außerdem wird ein neuer Gesetzentwurf vorbereitet, welcher die Unfallversicherung auf dir Arbeiter in der Land- und Forstwirtschaft ausvehnen soll und zu welchem der RetchSregierung Material durch die Beratungen

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nennen Sie kostspielig, Doktor?" gab Jener zurück.Der junge Mann besitzt ein jährliches Einkommen von mehr als fünfzigiausend Rubel, da kann er stch schon einigen LvxaS gestatten. Er liebt schöne Pferde und Hunde, besucht fleißig die Oper und ist ein Freund feiner DmerS;

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Srscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- «bonnements-PreiSdei der Expedition SV. Mk., bei Sj Postämter 2 Mk. 50 «sg. (erd. Bestellgeld), ^nierticnsgebühr für die yfpaltene Zerle 10 Pf,. Mlamen für die Zeile 25 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», s owied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; RudolfMosse in Frankfurt o. M., Berlin,München und

Köln: Ä. L. Daube und So. tn Frankfurt a. TL, Berlin,Hannover u. Pari».

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