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XX. Jahrgang.

Marburg, Mittwoch, 3. Juni 1885.

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stücken werden als besiere Kapitalanlage vorgenommen werden. Was den zweiten Test der Frage anlange, so folge die Beantwortung schon aus derjenigen beß erst« Teils der Frage: Zum Betriebe einer intenfiven Forstwirt­schaft, sowie zu den Aufforstungen werdm bedeutend mehr Arbeitskräfte erforderlich sein. Ebenso werden durch die Zurichtung der Hölzer zu Bauhölzern und Schnittmaterialten, durch die Anlage von Brettmühlen wieder bedeutende Ar­beitskräfte gebraucht werden. Stellenweise könnten dann auch bessere Löhne gegeben werden, am so die Arbeiter wehr an die Heimat zu fesseln, damit diese Arbeitskräfte, welche im Winter für den Wald gebraucht «erden, im Sommer für die Landwirtschaft erhalten bleiben. Auch die Bekturanteu werden mehr und auch einen besierev Verdienst haben. Infolgedessen werden sich die kleinen Feldbefltzer im Winter mehr der Vekturanz zuwenden, Zugvieh anschaffm, mit welchem ste eveut. im Sommer ihre Fel-er zur rechten Zeit und auch bester würden bestellen können. — Die „Dauz. Allg. Ztg.' sügt hinzu: Hierzu bemerkt die Danziger Zeitung": „Leider vergaß Hr. DeltuS mitzu-

Teite im Besitze des Staates und einer Reihe von Groß­grundbesitzern. Dem Staate und den schlestschm Magnaten erwächst also aus den Holzzölleu die höhere Rente, welche die Konsumenten deS Holzes aufbrtngen wüsten. —Das ist richtig, aber ist es denn ein Unglück- Wenn dem Staate und den Gemeinden höhere Einnahmen zuflietzeu, so gereicht dies der Gesamtheit zum Vorteil. Daß der gemeine Mann an den höheren Renten der Großgrundbesitzer kein Jnkreste hat, geben wir gern zu; aber sinv es nicht auch die Groß­kaufleute und Groß mduftriellen, welche den Löwenanteil des Profits davon tragen, wenn Handel und Industrie einen Aufschwung nehmen, und ist darum dieser Aufschwung ein uuerfreultcher? Der Arbeiterstaud hat in jedem Falle dabei den Vorteil der Vermehrung der Arbeitsgelegenheit und stellenw'ise höherer Löhne; aber auch den Handwerkern kommt der Aufschwung irgend eine« großen Erwerbszweiges stets indirekt zu gute. — Ausschlaggebend aber ist im vor- liegenden Falle — die „Danziger Zeitung' vergißt dies regelmäßig — daß die Holzzölle in erster Linie bestimmt sind, der Forstwirtschaft eine Aufmunterung zu teil werden »u lasten. Wenn die Forstwirtschaft so unrentabel geblieben wäre, wie ste eS in den letzten Jahrzehnten geworden ist, so würden sich die Besitzer nach und nach veranlaßt gesehen haben, ihre Wälder, soweit ste nicht auf absolutem Wald- hoben stehen, abzuholzen und zu anderen, lohnenderen Kul­turen überzugehen. An der Erhärtung unserer Wälder aber sind wir alle interestiert, denn Leben und Gesundheit । des ganzen Volkes und die Fruchtba keit unseres Landes 1 stehen mit dieser Frage im engsten Zusammenhänge.

herabziehende Wiesengrund unmittelbar unten an den Saum der Waldung stößt. Man will hier zuweilen noch auf große Steine gestoßen sein, die man für frühere Grabsteine gehalten. Ob hier vielleicht auch die auf der Burg Hollende ermordeten Grasen ihre letzte Ruhestätte gefunden oder etwa zu Bambach, kann nicht angegeben werden, eines hiervon stcht aber wohl zu vermuten, wenn überhaupt diese beiden Orte damals schon bestanden haben. Das Dorf Hohenlinden hat seine Entstehung der Burg Hollende zu verdanken, von welcher auch sein Name entlehnt ist, da mau es tu alten Zeiten vorzog, sich in der Nähe einer Burg anzustedeln, auf deren Schutz dann zu rechnen war. Hohenlinden war ein Kirchdorf und gehörte zu dem früheren Kirchengebiete deS Christenberges. Ja einer Urkunde vom Jahre 1362 wird es in der Art erwähnt, daß ein Hermann von Falkenberg von dem Erzstifte Mainz das Gericht Bambach und Hollende« zu Lehen erhält, wie Landau in seinen wüsten Orten im Kurfürstentum Hessen angtbt. — Etwa iL Stunde von dem Dorfe Hohenlinden und beinahe ebenso wett von der Burg Hollende entfernt lag in süv-südöstltcher Richtung daS Dorf Bambach am Saume des Walde-, welcher hier den östlichen Fuß der hohen .Kuppe' bedeckt. Wenn man auch von diesem Dorfe selbst jetzt nichts mehr wahrnimmt, so ist doch die Stelle, auf welcher früher die Kirche gestanden, bekannt, da noch im vorigen Jahrhundert Mauerreste derselben vorhanden waren. Die Glocke dieser Kirche soll jetzt auf dem Kirchturme zu Warzenbach hängen; ste trägt die Inschrift: Edo somnum bambam, possum repellere satan (Ich gebe von mir dm Schall Bambam, ich kann vertretbm den Satan.).— WaS dm Namen dieses vielleicht gleichzeitig mit Hohmltnden eiugegangenm Dorfe- anfangt, da- nachLandau am angeführten Orte tu eine«

Aalten- Zeile 10 Pf«. Mamen für die Zeile SS Pf,.

Bestellungen für den Monat Jttttt auf die Oberhessische Zeitung und deren Beiblätter werdm sowohl von der Post als der unterzeichneten Expedition entgegen« genommen.

Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen an.

Exped. der Oberh. Ztg.

Stöhnen der vor alterS auf der Burg Hollende erschlagenen Grafen, womrch diese von ihrem schmachvollen Ende der Nachwelt Kunde bringen. „ ,

ES sei hier noch bemerkt, daß vor 60 bis 70 Jahren in der Nähe der Burgstätte Hallende ein großer, alter Schlüssel von Eise« gefunden worden ist, welcher durch seine eigentümliche Gestalt auffallend war und von dem man annimmt, daß er der Burg Hollende angehört hab?. Dieser Schlüssel soll in das Museum zu Kassel abgcliefert Worten sein wo er früher so gut wie nicht mehr vorhanden anzu- ehen war! Die Stell', auf welcher dieser Shlüssel mnve der Burgstätte aufgesunden wurde, wird jetzt vielfach mit dem Namen .Thorauf' bezeichnet, wie Bewohner de« Dorfes

^umschweben Geschichte, Saze und WalreSdunkel eine Stätte, welche vor 800Jahrm der blutige Schauplatz einer gräuelvollen That gewesen und auf welcher früher eine Burg gestanden, die als eine Stammburg de« hefstscheu Fürstenhauses, von weiblicher Linie herrührend , anzusehen ist, da bekanntlich die Erbtochter de- Grafen Giso IV. von Gudensberg sich mit dem Grafen Ludwig von Thüringen, der im Jahre 1130 die Würde eine- Landgrafen erhielt, vermählt und diesem die ererbten großen Besitzungen in jDcffcn xuftcbrcit^t Ijcit»

B rwüleu wir nunmehr noch au einigen, mit der Burg Sollende teilweise in Verbindung stehendm und ganz in deren Nähe liegenden Orten. Zunächst sind dicS deren zwei, nämlich oie Dörfer Hohenlinden und Bambach, welche beide, da» erstere etwa im 16. Jahrhundert, auS- gegangm sind. Da- Dorf Hohenlinden lag am östlichen Kuße de- Burghügel- in der Richtung nach Treisbach §1«, da, wo jetzt der an der Nordwrstseite de» Burghügel- sich

Deutsche- Reich.

Berlin, 1. Juni. Der .Reichs - Anz.' meldet: Der Kaiser litt in den letzten Tagm an erneuter Reizung deS L>alses, die indes gleicherweise wie die übrigen KrankheitS- Erscheinungen nach einer guten Nacht wesentlich vermindert ist. DaS Allgemeinbefinden de« Kaisers beginnt sich zu heben, ist indes noch nicht derart, daß der Kaiser daS Zimmer verlassen kann. Der Kaiser empfing heute den Besuch der Frau Großherzogin von Baden und nahm Vor- träge vom Geh. KabtnettSrate v. WilmowSki und General- leulnaut v. Albedyll entgegen. — Wie die meisten der kommunalen Sparkassen, so ist auch die im Jahre 1818 gegründete hiesige städtische Sparkasse stetig gewachsen. Von den kleinsten Anfängen hat ste sich zu ihrer jetzigen Höhe aufgeschwungen. Selbstverständlich ist die Haupt- urfach- deö Aufblühens der Sparkasie auf die außerge* wötznliche Zunahme der Bevölkerung Berlins, wie dieselbe sich namentlich seit Einführung der Freizügigkeit und der Erhebung Berlin« zur Reichshauptstadl kuns giebt, zurück- Mähren. Heber den Geschäftsverkehr dieser Kasse für die Zeil vom 1. Januar bis 31. Dezember 1884 entnehmen wir dem Verwaltungsbericht de« Magistrat«, daß der Ge­samtumsatz in angegebener Zeit 28 467 478,27Mk. betrug. Die Einzahlungen betrugen 16 987 250,53 Mk., die Rück­zahlungen 11480227,74 Mk., also betrugen die Ein- zahtungen gegenüber den Rückzahlungen mehr 5 507 022,79M. Die meisten Einzahlungen (nach Fällen) haben in der Stufe 1—2099 Mk. stattgesuaden, ein Beweis, daß die Spar- kasie vielfach zu kleinen Einlagen benutzt wird. In den ferneren Stufen nehmen die Einzahlungen (Fälle) erheblich ab: eagegen erhöhen sich die eingezahlten Barbeträge als eine Soiae der von Stufe zu Stufe wachsenden Dnrch-

Die höchste Baretnzahlug mit 5789030,36 Mark erreicht die Stufe von 151—300 Mk. Ja den drei höchsten Stufen (über 301 Mk.) weicht da« Resulmt der Einzahlungen ausfällig von dem oer vorhergehenden Stufen ab: Die Einzahlungen stad bedeutend heruutergegangen. Dies ist erklärlich, wenn man erwägt, daß die höchste Ein­zahlung in einem Monat nur 300 Mk. betragen darf, alle darüber hiaauSgehenven Einzahlungen aber aus die im S 21 de« Statuts erwähnten Ausnahmefälle zu be- iwränten sind. Der Bestand an ausgegebenen Quittung«- büche.n betrug ult. 1884 231086 Stück. Für die von den Jnleresienten bet derzSparkaffe nie oergelegten und ult.

Die Vmg Hollende (Hohenlinden) in Oberhessen.

(Fortsetzung.)

1884 im Bestände derselben verbliebenen Gelder (Gut­haben) im Gesamtbeträge von 55359810,35 Mk. sind an Zinsen berechnet und am JahreSschlusie den einzelnen Konten zugeschrieben worden 1597879,37 Mk. Von dem Berliner Pfennig - Sparverein, welcher den hiesigen Ein­wohnern Gelegenheit gewährt, Beiträge von 10 Pfg. an zu sparen und zur zinsbaren Belegung anzusammeln, sind im Jahre 1884 auf 10292 Stück Bücher 23681 Mk. zur Sparkaffe eingeliefert worden. Ult. 1884 hatte Berlin nach der mittleren BedölkerungSzahl 1244794 Einwohner. Jeder derselben würde an dem Gesamtguthaben der Ja- tereffenten im Durchschnitt mit 4447 Mk. teilnehmen. Ult. 1884 betrug das Gesamtvermögen der Sparkaffe nach dem Nennwerte 58765561,02 Mk.; daS Guthaben der Jntereffenten betrug 55359810,35 Mk. Nach Abzug deS Guthabens der Jntereffenten verbleibt ein Ueberschuß von 3405750,67 Mk. Hiervon find noch 12152,44 Mk. abzurechuen, welche beim GrundstückSerneuerungsfonds zur Disposition für denselben als Bestand ult. 1884 verblieben MÄ I mBäSÄ«

fefta. ult Ss"'m« 1036517,33 ®L G-mMdm-ldunM

In den baren Beträgen mit 2357080,90 Mark. — Die heutige Meldung der „Daily News', raß die Verhand­lungen zwischen England und Rußland noch nicht abgeschloffen seien, hat hier wenig Aufsehen gemacht; denn au einen definitiven Abschluß hatte man ja noch nicht geglaubt. Man wußte, daß noch einzelne Punkte zu ordnen seien, daß aber tu Den Hauptsachen der Ausgleich gesich rt sei. Die „Nordd. Allgem. Ztg." bemerkt auch zu dem heutigen Dementi der Daiiy NewS', es widerstreite anscheinend nicht der An­nahme, daß eS sich hier nur um eine bloße Berfrühung handeln dürfte, unbeschadet der baldigen Realisierung deS Kompromisses auf solchen Grundlagen, wie sie im Jatereffe der Erhaltung und Kräftigung de« guten Einvernehmens beider Reiche nur immer gewünscht werden können.

— Der „Allg. Hvlzv.-Anz.' berichtet: Bezüglich deS voraussichtlichen Einflusses der Holzzölle hielt in der letzten Sitzung des lano- und forst-vtrtscha tlichen Vereins des Kreises Tost-Gleiwitz Herr Oberförster DeltuS-Dombrowka einen Vortrag über die Frage: „Welchen Einfluß werden die in Aussicht genommenen Holzzölle auf die Kultur der Wälder und auf unsere Arbelterv.rhLstniffe ausüben: Den ersten Teil der Frage beantwortet der Vortragende, wie der Landwirt' berichtet, dahin: Der Einfluß ter Zölle auf Die Waldeskultur muß ein durchaus nutzbringender sein; unsere ganze Forstbewirtschaftung wird flch ausschw.ngen und unsere Wälder werden zum Teil von neuen Gesichts­punkten aus bewirtschaftet werden müffen. In erster Linie werden die Forsten eine höhere Rente, vielleicht 20 pCt. mehr abwerfen. Aufforstungen von geringwertigen Acker-

Bei den wenigen, geschichtlich bekundeten Nachrichten, die wir von der Burg Hollende besitzen, über veren Er richtung nur eine Vermutung vorhanden, ist eS aus- fallens daß hier die Sage nicht auShelsend^und ergä°z°u° elnaetreten ist. ES sind uns nur zwei Sagen bekannt, welche sich unmittelbar auf die Burg Hollende^beziehen, nämlich folgende: Riesen, die auf den Burgen Hollenve^und Elnhos (jetzt Mellnau genannt) wohnten, hätten stch durch Zuwersen großer Steine gegenseitig davon benachrichtigt, wenn einer dem andern Hobe eine Mitteilung machen Diese Sage ist offenbar ein Nachklang einer ähnlicher: Ri se sage , die^ sich aus den Rimberg und den WetLenstetn be. zieht. Eine andere Sage ist nachftehmde: Bet der Burg Hollende war vor asten Zeiten ein Brunnen, In befien Li-fe bei der Zerstörung der Burg ein Schatz versenkt worden. Der Brunnen hieß deshalb der Gotdbrunneu. Wer diesen Schatz heben wollte, mußte sich, ohne ein Wort zu sprechen/dem Brunnen nähern und hier seine Arbest zur Erlangung de« Schatzes beginnen. AlS nun e n ein Mann den Schatz au« dem Brunnen wollte, erschien eine große Bache mit etnemstlbernenLöffel im Gebiß und fragte den Arbeitenden: »°S er hm ve ginne? Der Mann, nicht mehr daran denkend, daß er jetzt nicht sprechen dürfe, antwortete und — vai waren Brunnen und Bache verschwunden. — Man "Mtsich sodann noch: Wer zur Abendzeit sich tu dem Walde in der Nähe der Burgstätte Hollende befindet, vernimmt von dieser Stelle her zuweilen ein Rauschen und Sausen w den Wipfel« der Bäume. E« ist die« da» Seufzen und

Anzeige« nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowied-Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler inFrankurt a. M-, Kaffel, Magdeburg und Men; Rudolf Moffe in Frankfurt ♦ a. M., Berlin.München und

Köln: B. L. Daube und 60. in Frankfurt a- verlin^annover u. Pari-.

^scheint täglich außer an Erliagennach Sonn- und vertagen. — Quartal* N°ttN-ments.Pr-^bnder

so

«L (erd Bestellgeld). T'7 fflr bte

Mchcutlichc Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

* Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. __