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JRarfiurg, Donnerstag, 28. Mai 1885.

XX. Jahrgang.

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OIierlieUchk Zitiliiz

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, s owied-Annoncen-Bureaux von Hänfenstem undVogler in Frankurt a. M., Kastel, Magdeburg und Wien; Rudolf Messe in Frankfurt a. M., Berlin,München und Köln: L. Daube und

6o. tn Frankfurt a.

Berlin,Hannover u. Pari-.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. -. Kreise Marburg n. Kirchhain.Illustriertes Sonutagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Vertag von Joh. Aug. Koch.

Bestellungen für den Monat In ui auf die Oberhesfische Zeitung und deren Beiblätter werdm sowohl von der Post als der unterzeichneten Expedition entgegen« genommen.

Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen an. ______________________Exped. -er Oberh. Zig.

Deutsche» Keich.

Berlin, 26. Mai. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge begiebt sich Graf Herbert Bismarck heute abend nach dem Haag, um sein Abberufungsschreiben zu überreichen. Den Abendblättern zufolge wird aus den Schiffen »Prinz Adelbert",Stosch" und »Elisabeth" ein Geschwader bet Zanzibar gebUbet Der Großfürst Michael und die Großfürstin Maria Paulowua werden in den nächsten Tagen, von Petersburg kommend, hier erwartet. Lord Rosebery begiebt sich heute abend, mit eintägigem Aufent­halt im Haag, nach London. Ueber die Ausweisung russischer Staatsangehöriger aus Preußen schreibt man der »Schlesischen Zeitung" aus dem oberschlestjchea berg- und hüttenmännischen Grenzdistrikte: Bei UNS in Oberschlesien sind die Landräte zunächst zum Bericht darüber aufgefor- dert worden, ob die oberschlestsche Industrie durch die Ver­hinderung der Beschäftigung polnischer Arbeiter beeinträch­tigt würde. Es darf demnach mit Sicherheit angenommen werden, daß etwaige Wünsche der oberjchlestfchen Grenz- Industrie nicht unberücksichtigt bleiben werden, soweit sie dem eigentlichen Zwecke der beabsichtigten Maßregeln, »Ver­hinderung der Polonisteruug", nicht geradezu entgegen« stehen. Die hier beschäftigten russisch-polnischen Unterthanrn können in drei Kategorteen geteilt werden: 1. solche Per« jonen, welche diesseits ihren dauernden Aufenthalt genommen und ihren eigentlichen Wohnsitz hier Haven; 2. tn solche, welche ihren Wohnsitz und Hausstand jenseits der Grenze haben, aber sich während der Woche hier im Qaartter be­finden und nur an Sonn- und Feiertagen nach Polen zu­rückkehren; 3. in solche, welche täglich die Grenze hin und zurück überschreiten und sich nur während der Arbeitszeit hier aushalten. Der Zweck jener Maßregel dürfte wesent­lich durch Ausweisung der Personen der ersten, übrigens wenig zahlreichen Kategorie erreicht werden; eine empfind­liche Schädigung der Industrie wäre damrch nicht zu be­fürchten. Bedeutend empfindlicher würve der Wegfall der zweiten Kategorie fein. Ein schwer zu überwindender Nach­teil aber würde es sein, wenn denjenigen Personen der Uebertrttt verwehrt werden sollte, die täglich aus Polen zur Arbeit kommen. Namentlich auf den hiesigen Zinkerz­gruden rekrutieren sich cte untersten Arbeiterklassen, Schlep­per, Wagenstößer, Tagearbeiter, Klauber, sowie die Arbei­terinnen tn den Erz- AusderettungSanstalten größtenteils aus Polen. Wie das »Lieg«. Stadtblatt" berichtet, sino

jetzt aus Rußland Deutsche auSgewiesen worden, die dort seit vielen Jahren gewohnt hatten. Sie wurden per Schub über die Grenze transportiert und dort wurde ihnen alle Barschaft abgenommen. Die »Petersburger Wedomosti", eines der angesehensten Organe der Hauptstadt, schreibt über dieselbe Angelegenheit: »Kein ernstlich denkender Poli­tiker, zu welcher Nationalität er auch gehören mag, wird, wenn er sich auf den objektiven Boden stellt, die preußische Regierung dafür tadeln, daß sie für das Wohl des ihr an- vrrtrauten Volkes forgt, und daß sie bestrebt ist, eine für dasselbe schädliche Ueberfüllung des Territoriums mit Ein­wanderern zu hindern, die dem Staate nichts einbringen, sondern nur überflüssige Sorgen, Ausgaben und Schwierig­keiten. ES wäre ungerecht, tn den Schutzmaßregeln der preußischen Regierung, wie hart dieselben auch erscheinen mögen, den Ausdruck blinden Haffes gegenüber der pol­nischen Nationalität zu sehen. Wenn die preußische Re­gierung beschloffen hat, sich von Einwanderern zu befreien, die keineswegs ruhige und unschädliche Menschen sind, so liegt darin nichts Unnatürliches. Die Polen haben sich nicht über M Polenfeindschaft des Fürsten Bismarck zu beschweren, sondern über das harte Gesetz des Kampfes umS Dasein, von welchem die Geschichte der Völker ebenso sehr wie das Leben einzelner Menschen gelenkt wird. Am meisten aber haben sich die Polen über ihre politischen Rädelsführer zu beklagen, welche alle Waffer trüben möchten, um toten J^een, die ihre historischen Wurzeln bereits ein­gebüßt haben, neues Leben zu verleihen." Der zu Warschau in russischer Sprache erscheinendeDnewnik'' äußert:Diese Sache ist in unseren Augen sowohl eine wichtige, als eine belehrende. Dieselbe darf freilich keines­wegs als eine solche aufgefaßt werden, welche die guten Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland, die für beide Staaten so nützlich sind, stören könnte^ Von irgend welcher Revanche gegenüber den in Rußland sich aufhal­tenden deutschen Reichsangehörigen kann nicht die Rede, sein. Nichtsdestoweniger halten wir es für nützlich, von dem sei­tens des preußischen Ministers aufgestellten Prinzipe Notiz zu nehmen, wonach die internationale Gastfreundfchaft im eigenen nationalen Jntereffe des Staates ihre Grenzen haben muß und berechtigt ist, die schädlichen Elemente der Bevölkerung sogar massenweise zu entfernen. Es erübrigt, uns darüber zu freuen, daß nicht wir cs sind, die einen solchen Präzedenzfall geschaffen haben, welcher übrigens, wie der preußische Minister sich ganz richtig ausdrückt, auf reu unbestreitbaren Rechten eines je-en unabhängigen Staates basiert." Dazu bemerkt die panflavistifcheNowoje Wremja": Wir müssen sagen, daß wir die Schlußerwägungea des Dnewnik" für reinen Unsinn halten. Es handelt sich nicht um Präzedenzfälle, sondern um Charaktereigentüm­lichkeiten: ein staeker Charakter braucht keine Präzevenzien, waS Preußen auch bewiesen hat; ein schwatzer Charakter

dagegen wird sich auch trotz aller Vorgänge nicht zu einer schroffen Maßregel entschließen können, selbst wenn dieselbe im Jntereffe des Staates die allervotwendigste ist." Der General-Adjutant des Sultans, General Hove Pascha, ist gestern vormittag in besonderer Miffion aus Konstan­tinopel hier angekommm. Der preußische Antrag im Bundesrat, betreffend die braunschweigische Erbfolgefrage, scheint den Etnzelregierungen überraschend gekommen zu sein, wenigstens erklärt dieGermania" gegenüber der Behaup­tung, daß die Regierungen vorher davon verständigt worden seien, ein süddeutscher Staatsmann habe das Gegentell be­hauptet. Seine Regierung habe von dem Vorgehen des Reichskanzlers vorher nichts gewußt. Das hiesige Organ der Sozialdemokraten erklärt, daß die Partei sich an den bevorstehenden Landtagswahlen nicht beteiligen werde.

Ueber das Befinden des Kaisers waren heute wieder einmal ungünstige Berichte im Umlauf. Der offi­zielle Bericht konstatiert aber ein Fortschreiten der Befferung. Lord Rosebery reist heute abend nach London zurück, begleitet von Herbert BiSmarck, der sich, tote oben gemel­det, zur Ueberretchung seines Abberufungsschreibens nach dem Haag begiebt. Daß die Anwesenheit des LordS in Berlin mehr war, als ein freundschaftlicher Besuch, als welchen die Offiziöfen ihn ausgaben, unterliegt keinem Zweifel mehr, Der politische Charakter der Reise Roseberys geht schon daraus hervor, daß Fürst Bismarck seinen Besuch ganz in der offiziell üblichen Form erwidert und gleich darauf, ebenso wie Graf Hatzfeldt, mit dem englischen Botschafter konferiert hat. Ueber den speziellen Zweck der Anwesenheit des englischen Ministers weiß man hier bis jetzt noch nichts GewiffeS und beneidet den Pariser Korrespon­denten derTimes", der seinem Blatt den ganzen Inhalt der Unterredung Roseberys mit dem Reichskanzler meldet. Darnach wären in dieser Unterredung so ziemlich sämtliche schwebenden Fragen gelöst worden. Bismarck habe sich für die Neutralisierung Egyptens ausgesprochen und übernommen; Rußland von weiterem Vordringen in Zentralasien abzu­halten und von England freie Hand für die überseeische Politik Deutschlands verlangt. Hier, wo man die Zuge­knöpftheit der betreffenden Persönlichkeiten in allen Fragen der äußeren Politik kennt, stößt die Pariser Meldung natürlich auf starke Zweifel. Die hiesigen Blätter beschränken sich somit, soweit sie sich überhaupt mit der Sache be­schäftigen, auf Kombinationen. Lord Rosebery selbst hat tn Abrede gestellt, daß er in spezieller Mission hier einge- troffen sei. Er soll, derNat.-Ztg." zufolge, nur die auf­richtige Friedensliebe Englands gegenüber Rußland beteuert und sie Verständigung für sicher erklärt haben, falls sich Rußland in den Rahmen der ursprünglich von ihm er­hobenen Forderungen halte. Daß es dazu nicht einer be­sonderen Reise nach Berlin bedurft hätte, leuchtet wohl eia.

Osnabrück, 26. Mai. Die hier tagende Versammlung

^Nachdruck »erboten.]

Die Burg Holleude (Hoheuliudeu) i« Oberheffeu.*)

Wenn in neuerer Zett so manche jetzt in Trümmern liegende, und au sich wenig beachtenswerte Burg dennoch von Freunden der Altertumskunde tn den Bereich ihrer Thättgkett auf diesem Gebiete gezogen und so einer wohl­verdienten Vergeffenheit entzogen worden, so verdient gewiß auch eine frühere Burg, welche seit vielen Jahrhunderten in Trümmern liegt und der Unbeachtung gänzlich anheim gefallen zu sein scheint, dieser entrückt zu werden. ist dies die frühere Burg Holleude, die aus dem Hügel eine» GebirgSgaugeS fern von einer Heerstraße liegt, von Hoch­wald vervecki und so in der Ferne dem äuge entzogen ist. Versuchen wir eS, das Wenige, welches uns dir Geschichte von dieser Burg ausvewahrt hat, tn nachstehendem mitzu- tiiien und einige B melkungen daran zu knüpfen.

Ja südwestlicher Richtung von dem, zu dem AmtS- gertchlSbeztrke Welter gehörenden Dorfe Tretsvach, von diesem kaum 8A Stunden entfernt, zeigt sich dem Auge eine große, sich wert erstreckende GebtrgSwaldung, In welcher man, einige Minuten von dem östlichen Walvjaume entfernt, einen mit hohen Bäumen bewachsenen Hügel antrifft, auf deffen Gipfel sich die Trümmer der Burg Holleave btfiaden. Dieser Hügel gehört zu einem von Norden nach Süden ziehenden, bewaldeten uno hohen Wichen Gebirgszuge deS Rolhhaar- gebirgeS, liegt zwischen dem 1462 Fuß hohenLeiseberge" uno einem 1544 Fug hohen Berge, dieKuppe" genannt,

*) Dieser feit Herbst 1884 in den Händen der Redaktion be- findliqe Aussatz konnte in Rücksicht auf einen gewissen Leserkreis unseres Blattes wegen feiner etwas großem Ausdehnung erst jetzt Ausnahme im Feuilleton finden. Die Redaktion.

welche beide östliche Vorberge jenes Gebirgszuges sind. Mit derKuppe" ist der gedachte Hügel mittelst einer Elr« sattelung verbunden und wird von remLeiseberg" durch einen sich weit nach der Gebirgshöhe erstreckenden Wald- wiesengrund, der Hohenlirder Wiesengrund genannt, getrennt, welcher den nordwestlichen Fuß deS Hügels umgibt, hier 1085 Fuß MeereShöhe hat und von einem Quellenwaff-r dmchflvffen wird, das de.i NamenAmbach" führt. Mit den Dörfern Treisbach und Warzenvach bildet der Hügel, den wir jetzt Burahügel nennen wollen, beinahe ein gleich fchenkeligeS Dre eck, diffen Grundlinie die gedachten Dörfer zu Endpunkten hat. Die Lmgstätte wird von einem Wall- graben umschloffen, der auf seiner Sohle im Umfange 250 Schritte mißt. An der Nordwestseite senkt sich der den Graben einschließende Wall an einer Stelle bis zu der Tiefe eine« hier beginnenden Fahrweges, so daß man an­nehmen könnte (obwohl dieser Weg sicher einer späteren Zett angehört), au dieser Stelle sei ein Zugang zu der Burg gewesen. Die innere Wallhöhe beträgt wohl meistens 5 Fuß, ist jedoch an vielen Stellen noch höher, insbesondere da, wo dieser Graben den vorerwähnten Bergsaitel durch­schneidet und wo eine äußere Wallhöhe nicht vorhanden ist, während diese sonst mitunter eine bedeutende Höhe hat, indem sie sich steilen Hügelwändm anschlteßt und gegen Osten eine Höhe von etwa 80 Fuß und noch mehr er­reicht. Die Gipfelfläche, an deren Rande in ungleicher Entfernung einige Luchenbäume stehen, hat in der Richtung von Osten nach Westen eine Länge von 26 bis 40 Schritten und ist etwa 20 bis 24 Schritte breit, dergestalt jedoch, daß der östliche Tell dieser Fläche etwas breiter, als der westliche ist. Diese beiden Telle werden durch eine auS Steinen und Schutt bestehende Erhöhung von etnanorr ge­

schieden. Der größere Teil hat in seiner Mitte eine keffel- artige Vertiefung von etwa 8 Fuß mit einem Durchmesser von 9 Schritten, während der kleinere, etwa- höher gelegene Tell tn seiner Mitte eine solche Vertiefung von etwa 5 Fuß mit einem Durchmeffer von 6 Schritten hat. Dieser kleinere Teil hat von dem Rande seiner Westseite an nach dem Wallgraben hin nicht die steile Böschung, wie die anderen Seiten der Burgstätte, neigt sich vielmehr in einer Länge von 15 Schritten allmählich seine Breite verlierend, nach dem Wallgraben herunter, Über deffen Sohle er sich hier kaum noch 10 Fuß erhebt. ES scheint, als wenn von hier aus, vielleicht mittelst einer Zugbrücke, ein Zugang zu der Burg gewesen, da eine sonstige, hierzu geeignete Stelle von den sehr steilen, an 20 Fuß hohen Gipselwänden der Burg- stätte sich nirgends wahrnehmen läßt. An der Nvrdsette der Burgstätte gewahrt man unten, etwa in gleicher Höhe mit der Sohle de» Wallgrabens, drei kaum einige Schritte von einander entfernt liegende Stellen, an welchen durch Wegräumung des Steingerölls und des Schuttes eine Mauer in einer Höhe von etwa 2 Fuß bloß gelegt und hier durch­brochen worden ist. Es dürfte dies wohl ein Teil der Mauer fein, welche anscheinend die Burg umgeben und ge» wiffermaßm die innere Sette des Wallgrabens gebttdet hat. Au der Stelle, wo der vorerwähnte Fahrweg sich dem Wall­graben nähert, liegt dermalen ein großer viereckiger, etwa 2 Fuß langer und über einen Fuß breiter unbehauener Sandstein, der jedoch nirgends ein Merkmal seiner früheren Verwendung an sich trägt. Derselbe hat wahrscheinlich früher der Burg angehört und ist durch die oben erwähnte stellenweise Bloßlegung eine- Teile- einer Maurr wieder an- Tageslicht gekommen. (Fortsetzung folgt.)