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XX. Jahrgang,

Marburg, Mittwoch, 20. Mai 1885.

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1881, wird saßt werden, dehnung der Gesetzentwurf

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aussichtlich vom Balkon des königlichen PalatS aus zuseheu werden. Am nächsten Tage wird König Leopold sodann der Parade über die Berliner und Spandauer Garnison auf dem Tempelhofer Felde und am Sonnabend derjenigen über die Potsdamer Regimenter beiwohnen, mit welch' letzterer zugleich die Enthüllung des Denkmals Friedrich Wilhelms I. im Lustgarten zu Potsdam verbunden werdm soll. Der Erbgroßherzog von Baden, welcher vor noch nicht langer Zeit durch Ausgletten auf dem Trottoir sich den rechten Ellenbogen derartig verletzte, daß derselbe mehrere Woche» zur Heilung bedurfte, ist seit Freitag an dm Masern erkrankt und konnte deshalb an der heutigen Familientafel im königl. Palais nicht teilnehmen. Die Großherzogin fuhr auf die Kunde von der Erkrankung so­fort am Sonnabend nach Potsdam und hat auch heute wieder ihrem Sohne daselbst einen Besuch gemacht. Wie es heißt, wird die Großherzogin bis zur Abreise des Kaisers nach Wiesbaden die Stelle der Kaiserin vertretm und bei den in die nächsten Tage fallenden Festlichkeitm die RepräsentationSpflichten ihrer erlauchten Matter über­nehmen. In der am Sonnabend unter dem Vorsitz des StaatSmintsterS, Staatssekretärs des Innern, von

am selben Abend von den Musikkapellen und der hier gegenwärtig konzentrierten Garde- etwa 800 Mann an der Zahl, ein großer auf dem Platze zwischen dem Schlöffe und stattfiiden, dem die hohen Herrschaften vor-

Dem Entwurf eines Gesetzes über die Aus- Kranken- und Unfallversicherung und dem zum Schutz des Papiers der Reichskaffrn- unbefugte Nachahmung wurde mit den vom

Bemühen gewesen war, der Konkurrenz durch dieses Mittel Trotz zu bieten. Nur durch gute Arbeit konnte er das Vertrauen seiner Kunden wieder gewinnen und an diesem Grundsätze hielt er fest.

WaS die Genesung der Kranken so sehr erschwerte und verzögerte, wußte außer ihr niemand. Als sie die Krisis des Fiebers überwunden hatte und ruhiger geworden war, war ihr das Geschehene wie ein wüster Traum erschienen. Ihre kranke Fieberphantast- hatte sich unablässig damit be­schäftigt, und sie wußte selbst nicht, ob eS Wahrheit oder nur ein Traum war. Vergebens strengte sie ihr Gedächt­nis an, dasselbe war noch schwach und sie besaß nicht den Mut, ihren Mann zu fragen, denn sie schreckte vor dem Gedanken zurück, daß eS wahr sein könne, was sie noch für «inen Traum hielt.

Da erzählte ihr Brnne, daß Weiland erschaffen und der Mördrr immer noch nicht entdeckt sei. Er teilte ihr mit, daß Weiland» eigene Frau der That verdächtig sei und von vielen beschuldigt werde, daß di« Untersuchung jedoch noch keinen Beweis ihrer Schuld ergeben habe.

Judith hatte die Augen geschloffen, während ihr Mann sprach, sie zitterte heftig, nun hatte sie die Gewißheit er­halten, daß das, was sie so entsetzlich geängstigt hatte, mehr als ein Traum war. Brune sah ihre Erregung und glaubte, dieselb- zu begreifen, hatte sie Weiland doch einst geliebt. Er vermied eS, das Geschehene wieder zu berühren, da die Erregung den Zustand der Kranken wieder verschlimmert hatte.

AlS die Krank« all<in war, preßte sie die Hand auf die brennende Stirn, um Klarheit über das, was sie so ent­setzlich peinigte, zu erlangen. Sie erinnerte sich, daß sie an jenem Abrme mit der Büchse ihre« Vaters nach de«

DieVerteuerung des Brotes".

Herr Eugen Richter hat dem Fürsten Bismarck im Reichstage mit Pathos angeküudigt, daß die sogenannten -kreistmitgen die Getretdezölle bei den bevorstehenden Wahlen ®qiii benutzen würden, um die städtische Bevölkerung, und vornehmlich di- Arbeiter gegen die Regierung und gegen hie national gesinnten Parteien aufzuhetzen.

DaS geschieht denn auch redlich. Bei den Bauern hetzt «an gegen die Jndustriezölle, welche in erster Linie den Arbeitern und den Städtern zu gute kommen, und bei den Städtern hetzt man gegen die Kornzölle, welche den Bauern die Konkurrenz gegen Amerika, Rußland und Indien er­möglichen, der sie sonst erliegen müßten.

Auch in der letzten Nummer des .Reichsfreund" zetert der VolkStrtbun Richter in einem zwei Spalten langen Hetz- artikel über die Verteuerung des Brotes, noch ehe eine Ver­teuerung eingetreten ist, und sagt unter anderem vorwurfs­voll:Fürwahr, das deutsche Volk wird schwer dafür bestraft, daß eS bet den letzten RetchstagSwahleu nicht die Kraft entwickelte, die freistnntge Partei vor einer Vermin­derung zu schützen.... Vierzig freisinnige Abgeordnete «ehr, vierzig Konservative wmtger und alles dies wäre nicht möglich gewesen."

DaS ist teilweise unrichtig und teilweise sehr «ar.

Das deutsch« Volk hat seine Kraft bet den letzten ShichStagSwahlen entwickelt; aber nicht zur Stärkung der sogenannten Freisinniger», sondern zur Schwächung derselben und zur Stärkung der national gesinnten Parteien.

DrS deutsche Volk sah, daß die deutschen Arbeiter fast bttfreien Konkurrenz" der alten, reichen englischen In­dustrie erlagen; ebenso wie die deutschen Bauern und Guts­besitzer durch die vernichtende Konkurrenz der billigen ameri­kanischen und indischen Erzeugniffe mit dem Bankerott bedroht wurden. Das deutsche Volk sagte sich, daß ein Land, in dem Arbeiter und Bauern (also die Mehrzahl des Volks) zu Hungerlöhnen arbeiten müflen und dem Banke­rott verfallen,daß ein solches Land nicht gedeihen kann. Die große Mehrzahl der deutschen Wähler sagte sich, daß es weiser s-t, den deutschen Bauern und Arbeitern für ihre Arbeit ein wenig mehr zu zahlen und das Geld im Lande zu behalten (wo es jedermann zu gute kommt), als daS Gilv aus Nimmerwiedersehen in das Ausland zu schickem Deshalb wandte das deutsche Volk sich von den sogenannten Freisinnigen ab und denjenigen deutsch gesinnten Parteien zu, welche der deutschen Arbeit in Staat und Land Schutz versprachen und gewährten.

Richtig aber ist, daßvierzig freisinnige Abgeordnete mehr" dies alles gehindert habe» würden I Das Hindern alles dessen, was Deutschland frommt und unser Vaterland groß macht, ist von jeher die Aufgabe der sogenannten Freisinnigen und ihrer Vorläufer, der Fortschrittler, gewesen!

Alles, was der Kaiser und sein Kanzler für die Eint- gung, die Größe und den innern Ausbau unseres Vater-

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landeS zum Teil mit der Zustimmung der großen Mehr­heit des Volkes gethau haben, ist gegen den hartnäckigen, mitunter an Landesverrat streifenden Widerstand der so­genannten Fortschrittspartei und der aus dieser hervor­gegangenen sogenannten freisinnigen Partei zu stände ge­kommen! Hätte der Kaiser als König von Preußen im Jahre 1863 seine zielbewußte Politik dem Gerede der Fort­schrittspartei untergeordnet, hätte er Herrn von Bismarck entlaffen und eia Ministerium auS den politischen Gevattern deS Herrn Richter gebildet, so könnten diese im Reichstage ihre schönen Reden gar nicht halten und nichtnachweisen", daß sie alles und noch vieles andere viel bester verstehen, als der Kanzler, die verbündeten Regierungen und die deutsch gesinnten Parteien.

Denn hätte der König von Preußen im Anfang der sechziger Jahre seine ztelbewußte Politik den fortschrittlichen Krakehlern geopfert, so gäbe es heut kein Deutsches Reich, keinen deutschen Kaiser und keinen deutschen Reichstag; sondern eS würde in Frankfurt der Bundestag tagen und unser Vaterland wäre daS Aschenbrödel unter den Völkern, wie vor der glorreichen Regierung Kaiser Wilhelms I.

DaS sieht das deutsche Volk mehr und mehr ein. Es fühlt aus den Abstimmungen heraus, daß die sogenannten Freisinnigen die Wortführer der NichtS-alS-Börsenbarone und Geldverleiher sind, daß sie aber kein Herz haben für den deutschen Bauer und den deutschen Arbeiter. Deshalb wenden die Stimmgrber sich immer mehr von denFrei­sinnigen" ab und denjenigen zu, welche Freude am Vater­lande haben, welche treu zu Kaiser und Reich halten, welche die ehrliche deutsche Arbeit in Stadt und Land schützen gegen die vernichtende Konkurrenz des Auslandes und welche endlich einer vemünftigen, warmherzigen Sozial­und Kolonialpolitik zustimmen. (D. T.)

Deutscher Reich.

Berliu, 18. Mai. Der Kaiser folgt nachmittags einer Einladung des Staatsministers v. Hatzfeld zum Diner. Der russische Botschafter Graf Schuwaloff stattete gestern dem Reichskanzler einen längeren Besuch ab. Der Kaiser hat zur Linderung der Not in den du-ch den Orkan vom 16. Juli 1884 heimgesuchten Gem inden der Kreise Kol- mar und Gehweiler eine Summe von 24487 Mk. aus

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Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung deS Bundesrats wurden Mitteilungen des Präsidenten des Reichstags über Be« schlösse des letzteren, betreffend die Ueberstcht der Reichs- Ausgaben und Einnahmen für daS Etatsjahr 1882/83, eine Petition wegen Abänderung des Gesetzes über die Abwehr und Unterdrückung der Reblauskrankheit und eine Petition wegen Befreiung der Lotterielose des Vereins Kinderheim" von der Stempelabgabe, ferner ein Antrag Badens, betreffend Zollerstattung aus BilligkeitSrückstchten und der vom Landes auSfchuß von Elsaß-Lothrlngen in ver­änderter Fassung angenommene Entwurf eines Gesetzes für Elsaß Lothringen über die Verzinsung der Gelder der Spar« kästen und der auf Gegenseitigkeit beruhenden HülfSgenoffen- schäften den zuständigen Ausschüffen überwiesen. Ueber dm Entwurf eines Gesetzes, betreffend Abänderung des Gesetzes wegen Erhebung von Reichsstempelabgaben vom 1. Juli in einer der nächsten Sitzung« Beschluß ge-

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Reichstage vorgenommenen Abänderungen die Zustimmung erteilt. Dieselben werden mit den vom Reichstage borge«

Sine Sraueuthat.

Erzählung von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

IX.

JMith hatte unsagbar schwere Tage durchlebt, denn selbst der Arzt hatte an ihrem Auskommen gezweifelt. Die Krisis des NervrnfieberS war endlich glücklich überwunden, aber dir Genesung schrttt so langsam fort, daß der Arzt den Kops schüttelte. _

ES fehlte der Kranken nicht an Pflege, denn Brune wich kaum von ihrem Bette; er suchte durch erhöhte Liebe zu sühnen, waS er verschuldet hatte. Eine wirklich auf­richtige und ttese Reue hatte ihn erfaßt und er begriff letzt selbst nicht, wie es möglich gewesen war, daß er sich dem Leichtsinn so blind hingegrben und sein Glück vernichtet hatte.

Ich werde nie wieder ein Wirtshaus besuchen", gelobte er der Genesenden mehr als einmal, aber diese Worte riesen ans ihre« Gesichte kem Lächeln der Freude hervor, ste er­widerte nur leise den Druck seiner Hand.

Brune hatte an dem Krankenbette seiner Frau Zett Schabt, übr die schlimme Lage seine» Geschäfts nachzudenken, und er erschrack bei der Wahrnehmung, daß er die Seint- grn fast an den Bettelstab gebracht hatte. Er mußte alle seine Kräfte aufbieteu, um daS Verlorene wieder zu ge­winnen. Seit Jahren war er in der Fabrik nicht selbst thätig gewesen, nun trat er wieder w'e einst an den Smboß, um die Arbeiter durch sein Beispiel anzufeueru. Die Arbeit Älein brachte ihm ein Gefühl der Ruhe.

Durch Etelter hatte er sich verleiten lass m, schlechte und billige Arbeit zu liefern, jetzt erkannte er, wie thvricht sein

Köchcntliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. -Illustriertes Sonutagsblatt

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Aug. Koch.

-scheint täglich außer an Magen nach Sonn, und vertagen. - Quartal- Lonnements-Prelsbei der Sion 2'/. Mk , bei

Postämter 2 Mk. 50 L« (exel. Bestellgeld), -»niertionsgebühr für die Llt-n- Zeile 10 Pf,. Wmen für bte Zeile 25 Pfg.

dem Allerhöchsten Dispositionsfonds bewilligt. Aus Anlaß der Anwesenheit des Königs der Belgier, welcher, von dem Wunsche beseelt, unserem Kaiser persönlich für die thatkrästtge Förderung an dem Zustandekommen d:S KonzowerkeS seitens der deutschen Regierung zu danken, am nächsten Donnerstage hier erwartet wird, soll, wie ver­lautet, noch Spielleuteu Regimenter, Zapfenstreich den Linden

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undBoaler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; RudolfMosie in Frankfutt o. M., Berlin,München und

Köln: B. L. Daube und So. in Frankfurt a. M Berlin,Hannover u. Pari».

Exp. [ ^ausarbi zes Mai zum M res i. t.

nommenen G setzen, betreffend die Feststellung eines Nach­trags zum RetchShauShaltS Etat für daS EtatSjahr 1885/86, und betreffend die Abänderung des Zollvereinigungsver- trazeS vom 8. Juli 1867, zur Allerhöchsten Vollziehung vorgelegt werden. Den Entwurf eines Gesetzes fürElsaß- Lothringen wegen Unterstützung von dienstunfähigen Forst­schutzbeamten der Gemeinden und öffentlichen Anstalten so­wie von Hinterbliebenen solcher Beamten genehmigte die

WirtShause gegangen war, um den Verführer ihres ManneS zu töten, ihr Gedächtnis hatte die spottenden Worte, welche Weiland ihrem Maune zugerufen, nicht vergeffen, ste wußte, daß ste den Lauf der Büchse erhobeu hatte weiter reichte ihre Erinnerung nicht. Hatte ste den Schuß abgefeuert? Sie wußte es nicht. ES war ihr, als ob ein Anderer in ihrer unmittelbaren Nähe geschoffen habe konnte dies nicht eine Täuschung sein? Sie hatte ja nicht die geringste Erinnerung mehr, wie ste an jen'm Abende heimgelangt war.

Du hast ihn erschossen?" rief eS in ihr und dieser Gedanke trieb sie fast zum Wahnsinn.

Mehr als einmal wollte ste ihrem Manne alle» gestehen, ste wagte r» nicht, denn konnte er eine Mörderin noch lieben? Sie war nicht imstande, ihm in die Augen zu sehen, seine Güte und Aufmerksamkeit peinigte ste. Wenn er zu ihr trat, ihre Hand erfaßte und ste fragte, ob ste sich wohin fühl«, dann entzog ste ihm dieselbe, denn ste «ar nicht würdig, seine Rechte zu berühren.

Sie wandte da» Gesicht ab und schüttelte vemeiuend mit dem Kopfe.

So schwanden böse Tage und Nächte für ste.

Noch hatte sie das Bett nicht ein einzige» mal ver- lass n. Die Kinder und das Di-nstmä chen waren bei Be­kannten, ihr Mann war sorben von ihr gegangen, um nach den Arbeitern in der Werkstatt zu sehen, hatte aber ver­sprochen, bald wtederzukommm. Da erhob ste sich hastig au» dem Bette, warf eine Decke um und schleppte sich, dir schwachen Kräfte zusammemaffend nach dem Zimmer, welche» ihr Vater bewohnt hatte. Sie empfand die kalte, dumpfe Luft in dem kleinen Raume nicht, ihr Auge «ar starr auf die Wand gerichtet. Dort hing die Büchse ihre» Vater».

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