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Marburg, Sonntag, 10 Mai 1885.
XX. Jahrgang
Ausland.
welche die beiden Regierungen Mit Vollmachten versehen würden. Um die GrenzabsteckunzSarbeiten zu erleichtern, sollen die respektiven Vorposten sich erst nach der Ankunft der GrenzregulierungskommWon und je nach der Richtung der Grenzlinie zurückziehen. Die Grenzpunkte werden durch die beiderseitigen Truppen besetzt. Eö wird alsdann Sache eines jeden Teile« derslben sein, die Ruhe und StcherhAt auf dem Gebiete, d.s ihm zucrteilt wird, aufrecht zu erhalten.
sandte re. Graf von Hohcnthal und Bergen teil. Der Vorsitzende legte zunächst eine Mitteilung de« Präsenten
Loudou, 7. Mai. (Unterhaus.) Gla stone erklätte, Lumsden sei nach London berufen, weil dort die Hauptpunkte der Grenzsrage geregelt würden. LumSden habe auch in Afghanistan eine wichtigere Mission als die Regelung der Grenzdetails gehabt. Die Debatte über die afghanische Frage wurde auf Dienstag vertagt. Im Oberhause brachte Lord Stratheven dir Dardamllmfrage zur Sprache. Lord Salisbury bemerkte darauf betreffs der von ihm bei dem Berliner Kongnfse abgegebenen bezüglichen Erklärung: er habe bezweckt das Prinzip festzustellen, daß die Be> Pachtungen Englands bezüglich der Dardanellen keine von emopäscher oder internationaler Bedeutung fiten, sondern nur Verpflichtungen dem Sultan gegenüber, und daß England, wenn der Sultan nicht unabhängig, fonbern unter dem Drucke einer fremden Macht handeln sollte, nicht verpflichte, sei, sich der Durchfahrt durch die Dardanellen zu enthaltent Der „Standard" erwartet bei den Verhandlungen mit Rußland über die afghanische Grenze keine ernsten Schwierigkeiten; die Hauptfrage sei die, ob sich Rußland gemäß dem Wunsche Englands verpflichten werde, auch später nicht über die Grenze vorzurücken. — Eia Telegramm au» Kalkutta vom 7. Mai meldet: In Rangun ist die Cholera auögebrvcheu.
Petersburg, 8. Mai. Der .Regierungs-Anzeiger" veröffentlicht folgende Mitteilung: Die am 18./30 April im „Regi-rungSanzeiger" veröffentlichte Note berichtet über die Umstände, welche den zwischen den russischen und afghanischen Truppen am Kuschkflusse stattgehabten Kampf hervorgerufm haben. Aus j nem Berichte ging hervor, daß General Komaroff, indem er die Aktion gegen die Afghanen vornahm, um sie zum Berlaffen des rechten Ufers des KuschkfluffeS zu zwingen, sich nicht im Widerspmch mit den th« vom KriegSmtnister zugegangenm Instruktionen setzte. Rach dem Wortlaute dieser Instruktionen
Marburg, 9. Mai. Der achte Mat 1885 wird in der Geschichte unserer inneren Entwickelung stet« ein bedeutsamer Gedenktag bleiben, weil er die Börsen steuer endlich zur Wahrheit gemacht hat. Nicht die Thatsache an sich, daß die Großfinanz nunmehr auch ihrerseits zur Teilnahme an den Staat Slasten herangezogen werden soll, ist es, was diesem Vorgänge seine Bedeutung giebt. Darin vielmehr liegt dieselbe, daß der Zauber gebrochen ist, der die Vorrecht« der Börse bicher umgab und unantastbar erscheinen ließ. Der erste schwere Schritt ist gethan; dir wetteren werven nunmehr vergleichsweise leicht sein. Eine unabweisltche Pflicht der Daukbarkeit und Anerkennung ist e«, bei dieser Gelegenheit derjenigen zu gedenken, welche da« Hauptv-rdienst um die glückliche Erledigung dieser hoch- wichtigen Frage haben. Daß Herrn v.Wedell-Malchow dabet der Ruhm der Baterschast gebührt, kann niemand bestreiten. Er ist e«, der seit Jchren unermüdlich für die Börsenbesteuerung eingetreten ist und sich von der Verfolgung dieses Zieles weder durch Spott, noch durch Verleumdung Hai abhalten laffen. Seine mannhafte Ausdauer ist nun belohnt. Neben ihm aber müffen wir auch de« Abg. Dr. Grimm gedenken, dessen eminente Sachkunde und eiserner Fleiß für da« Gelingm de« Werke« von der allergrößtm Wichtigkeit gewesen ist. Die konservative Partei wirs nicht vergessen was sie diesen Vorkämpfern wird die Zeit kommen, wo da« ganze । d-usche Volk sie zu denen zählt, die ihm in dies« att- war Komaroff I scheidungsvollen Tagen den Wrg gewiesen haben. (C. Q.)
Srschemt täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- ilbonnementS-PreiSbei der Expedition 2‘/t Ml., bei den Postämter 2 Mk. 50
WerMche Mmg
«Mdjciithdje Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonutaasblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. ö
Anzeigen nimmt entgegen bte Expedition d. Blattes, sowied.Annonken-Bureaux vonHaasenstein undVogler inFrankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; RudolfMosse in Frankfurt ♦ a. M-, Berlin,München und
Köln: 0. L Daube und 6o. in Frankfurt a. M„
Ttentfin, 8. Mai. Die „Agrnce HavaS" meldet: Die Instruktionen der französischen Regierung für die Eröffnung ver offiziellen Verhandlungen mit China werden morgen erwartet. Der Boden wurde durch direkten Meinungsaustausch zwischen den Kabinetten von Paris und Peking geebnet. v ”
Ottawa, 8. Mai. Der Dampfer .Northcote", welcher bisher zum Transport verwendet worden ist, wird in ein Kanonenboot umgewandelt und soll die Truppen gegen die Aufständischen unter Niel unterstützen. Nun rüsten auch die Indianer westlich vom Battleford zum Kriege. Bonden feindlicher Indianer haben Weiber und Kinder mehrerer Ansiedler geraubt.
Hessen-Raffan.
Deutscher Reich.
, Berlin, 8; Mai. Gestern haben hierselbst die Früh- Mrbesichtigungen der zur Berliner Garnison gehörenden «ardetruppen begonnen. An Stelle des Kaiser« werden kr in diesem Jahre vom Kronprinzen vorgenommen und °ur die beiden Schlußparaden in Potsdam und Berlin Werden vor dem Kaiser selbst stattfinden. — Der Bundes- 2» hielt am gestrigen Tage unter dem Vorsitz de« Staats- Mister«, Staatssekretär« de« Innern v. Bötticher, eine Wnarfltzung ab. An derselben «ahm der »eueruaunte «niglich sächsisch« Bevollmächtigte zum Bundesrat, Gr«
ffg. (erd. Bestellgeld). Znsertionsgebühr für dir gespaltene Zeile 10 Pf,. Reklamen für die Zeile 35 Pfg.
nur untersagt, die Oase von Pendschdeh zu besetzen, wo
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zwischen der kaiserlichen und der englischen Regierung eine Meinungsverschiedenheit darüber, welche« der beiden Kabinette die zwischen ihnen getroffene Abmachung, auf Grund welcher bi« zur Lösung der Grenzfrage weder von englischer, noch von russischer, noch von afghanischer Seite eine Offeustv-
Petttion, b: treffend bte Rückerstattung von Zoll für Talg, vor. Da« Schreiben wurde dem Au: schuß für Zoll- und Steuerwesen überwiesen. Eine Vorlage, betreffend die Bildung von BerufSgenvffenschaften auf Grund de« Unfall» Versicherungs-Gesetzes, und eine Erklärung von Mecklenburg-
b^^^fs^vh ^ie Erledigung einer Streitigkeit mit I w» «vu# wu U'gvaiüiwer Teile eine utteofib«
^”u6cn wegen Stauung de« Dechower Sees wurden eben« bewegung gemacht werden soll», wichtiger auSaeleat^babe' fall« den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Hierauf ES handelte sich darum, festzustellen, ob die Komaroff er« aÄfl ?mtm “fa6 ?ie 28?,lr, et"e6 Neigen Mit- I teilten Instruktionen mit dem in Rede stehenden Arranae-
£b„e6k beS Patentamts vor, erteilte dem Entwurf einer ment übereinstimmten, oder ob, wie da« Londoner Kabinett
Verordnung über die Kautionen der Zahlmeister des Reich»- i behauptete, die kaiserliche Regierung den Befehlshaber der Heeres und der Marine und dem Entwurf eines G-fitzeS russischen Truppen hätte verpflichten müssen sich iedwed,»
wegen Feststellung eines Nachtrags zum ReichShauöhaitS- Aug iffeS auf die afghanischen Truppen zu enthalten von
®a‘ f«r„ « «“>«» 1883/86 bk ZMIm-m, und b.m«°,m«Ick- m, SS « b«B-M«»L »N'L
3tec.be" 22 Januar d. IS. zu Berlin unter- Offenstsbewegung zu machen. Keines der beiden Kabinette Schiffahrtsveitrag mit der süd- hielt es für möglich, den von ihm eingenommenen Stand-
£^publtk, sowie die zu Rom am 4, April punkt in dieser Frage au'zugeben. Deshalb und um die
d. I«. unterzeichnete M.istbegünsttgungS«Konvention mit Hindernisse zu beseitigen, welche die Lüsuna der ©remfraae 0hma. ®on vorgelegten Aktenstücken über Egypten wurde hinderten, sind die beiderseitigen Regierungen überein <?e-
^'"S°ben, betreffend die Verzollung kommen, nötigenfalls die bestehende ^MeinungSverschtedew o m Schiffsladung Roggen zu dem früheren niedrigeren Helt dem Urteile eine« Schiedsrichters zu unterbreiten welcher
Branntwetnübergangsabgabe für SpirituSlaü eine der Würde undbetSbWbSTÄTS uni) ben Erlaß von Tabaksteuer aus Billig! iiSrücksichtm, sprechende Lösung Vorschlägen solle. Die beiden Reaierunaen fanden nach den Anträgen der AuSschüffe ihre Erledigung sind gleichzei ig übereingekommen bte UnSSbSen K
H'Upt-Z°llamt MySlovitz wurde die Ermächtigung die Grenztegulierung au^
zur Abfertigung von Waren der Zolltarifnummern 22a aufzunehmen, jedoch mit demLschiede
lionen b8n Ä“ ^lls-tz-n dieser Post- punkte der Grenzlinie b«r$ eCT£fia?n m£Z
Honen erteilt. Nachdem »och über den Antrag BcyernS, austausch von Kabinett zu Kabinett sestgestellt werden sollen
betreff nd den Entwurf eines Gesetzes über die Unzulässig- Die genauere Absteckung der durch dkse Hauptpunkte be«
leit der gerichtlichen Beschlagnahme von Eisenbahnbetriebs- z-ichneteu Linie sollte den Kommissären überlasten werden material in erster Lesung Beschluß gefaßt worden war, > «-=>•-' uverzaffen werden,
wurde die Sitzung mit der Vorlegung von Eingaben vermiedenen Inhalts geschloffen. — Die Freie wirtschaftliche Vereinigung deS Reichstages beriet gestern abend diejenigen AbänderungSanttäge, welche bei der dritten Lesung der Zolltarifnovelle eiugebracht werden sollen, um derselben die Zustimmung des BundeSratS zu sichern. — Die Sozial- demvkraten haben sich bis jetzt von den Landtagswahlen zurückgehalten, wollen aber, wie bericht: t wird, diesmal, nachdem sie mit dem Klassenwahlsystem bet den Sladt- vero netenwahleu und in Sachsen auch bet den Landtagswahlen Glück gehabt haben, auch bet den preußischen Abgeordnetenhaus-Wahlen ihr Glück versuchen. — Die Reichs- tagSsesston wird voraussichtlich nächsten Mittwoch geschloffen.
— Fürst Bismarck hat heute Einladungen an die Reichstagsmitglieder auf Dienstag vormittag halb elf Uhr, also wieder zu einem parlamentarifchen Frühschoppen erlsfin.
W Bestellungen für die Monate Mai und Juni auf die Oberhesfische Zeitung und deren Beiblätter werden sowohl von der Post als der unterzeichneten Expedition entgegengenommen.
Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen an. ___Ex-ed. der Obery. Ztg.
Zwanzig Millionen Steuererleichterung!
Der Gesetzentwurf betreffend die Urberweisung von Beträgen aus ven landwirtschaftlichen Zöllen au die Kom- munalverbände ist vom Abgeordnetenhause in dritter Lesung angenommen worden. Der Streit darüber, ob dieses Ber« Wendungsgesetz da« denkbar beste ist, oder ob von einer veränderten Faffung desselben größere als die den Kom- munalverbäuden zugestcherten Vorteile zu erwarten gewesen wären, erscheint danach ebenso müßig, wie die fernere Beschäftigung mit dem nationalliberalen Anträge. Wichtiger und naheliegender wird eS sein, die Wirkungen des neuen Gesetzes tnS Auge zu faffen und den Umfang der den Kommunalverbänden gewährten Erleichterungen zu prüfen.
Von der Hauptstadt Berlin abgesehen, beträgt die Summe der jährlich in Preußen aufzubringenden Gemeinde Abgaben 136 Millionen Mk., diejenige der Gemeinde-, Kreis- und Provinzial - Steuer (ausschließlich der Gutsbezirke) rund 176 V2 Millionen, einschließlich Berlins rund 159, bezw. 197V2 Millionen. Auf een Kopf der Bevölkerung kommen von oen ersteren Abgaben zwischen 2,es Mk. (Provinz Posen) und 9 Mk. (Provinz Rheiniande), — und w-nn man die Kreis- und Provinztalabgaben dazu nimmt, 5,Oi Mk. und 1O,oi Mk.; in Berlin kommen 20,4« Mk. auf den Kopf der Bevölkerung.
So viel von der Höhe der Lasten, welche die Kom- munalverbände in Preußen zu tragen haben, die in einer Provinz (Weflpreußm) 223,80, in einer anderen (Hannover) 220 Prozent der Staatöst-uer betragen und sich günstigsten Falls (in der Provinz Sachsen) immer noch auf 95 Prozent der StastSsteuer stellen.
Diese Ziffern geben einen Maßstab für die Beurteilung der Erleichterung, die den Gemeinden durch das neue Gesetz in Aussicht gestellt worden ist. Eö handelt sich dabei — wie die nachstehende Berechnung auSwetst — um nicht weniger als zwanzig Millionen!
Preußens bisheriger Anteil an den Erträgen aus den Getreide- und Viehzöllen betrug 14231589 Mk. Da derselbe sich zufolge der neuen Zollerhöhunzen nach ausgestellter Berechnung und bet Zugrundelegung der bisher igen Einfuhr um voraussichtlich 20422053 Mk. erhöhen wird, ist aus diesen Zöllen künftig auf eine Gesamteinnahme von 35 Millionen für Preußen zu rechnen. Davon sollen nach Maßgabe von § 3 de« neuen Gesetzes 15 Millionen für allgemeine Staatszwecke abgezogen werden, mithin 20 Millionen zur Ueberweisung an die Kommunalverbände übrig bleiben.
Dieser Erleichterung von mehr als dem zehnten Teile der bisher von dm Kommunalverbänden getragenen Lasten steht keinerlei mittelbare oder unmittelbare Belastung der Steuerzahler gegenüber. Die zwanzig Milliovm, um welche die bisherige Bürde vermindert wird, werden durch Zölle eiugebracht, die das Ausland zu tragen hat, die unferet einheimischen Land- und Viehwirtschast zu gute kommen, und von denen eine Einwirkung auf die LebenSmtttrlpreise, allen bisher gemachten Erfahrungen nach, nicht zu befürchten steht.
Kann da« Urteil über eine solche Maßregel überhaupt zweifHhast sein? Der neue Schritt, der auf dem Wege der Förderung de« wichtigsten Zweiges unseres nationalen rvirtschaftSlebenS gemacht worden ist, bedeutet zugleich einen «stm Schritt zu dem seit Jahren angestrebtem Ziele einer ^lrichterung der Gemeindelasten. Ueberall, wo man die Schwere dieser Lasten empfunden hat (und wo wäre da« mcht geschehen?), wird man die Wohlthat einer Erleichterung derselben dankbar und freudig begrüßen.