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JRarfiurg, Sonnabend, 2. Mai 1885.

XX. Jahrgmg.

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh Ang Koch °

BC* Bestellungen für die Monate Mai und J««t auf die Oberhesfische Zeitung und deren Beiblätter werden sowohl von der Post als der unterzeichneten Expedition ent- gegcngenommen.

Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen an.

Ex-ed. der Oberh. Ztg.

Deutsches Reich.

Berliu, 30. April. Von unterrichteter Seite wird die Absicht Sr. kaiserl. und köuigl. Hoheit des Kronprinzen, dm 25. Erinnerungstag an die Ernennung zum Chef des 1. Regiments zu Königsberg zu feiern, bestätigt. Kaiser und Kronprinz waren vor 25 Jahren nach der Provinz Preußen gereist, um dort der feierlichen Einweihung des SchlußgliedeS der Ostbahn, der Strecke Königsberg - Eydt« kühnen, beizuwohnm. Eine Woche zuvor hatte der Prinz- Regent gelegentlich der Eröffnung der Bahnstrecke Trier- Saarbrücken in letzterer Stadt am 25. Mai die berühmt gewordene patriotische Erklärung abgegeben, daß er niemals zugeben werde, daß auch nur ein Fuß breit deutschen Landes verloren gehr. Die frmdige Begeisterung, welche diese Worte am Rheine erregten, fanden auch im Osten ihren Widerhall, und der Jubel, der dem Prinz - Regenten auf seiner Reise durch Preußen entgegrntöute, war deshalb doppelt herzlich. Am 2. Juni abends trafen b-toe hohe Herren in Danzig ein, besichtigten anderen Tages die eben fertig gestellte Brücke bei Dtrschau und erreichten um 5 Uhr Königsberg, wo als Vertreter Rußlands der Statthalter von Warschau, Fürst Gortschakoff, sich vorstellte. Am 4. Juni stand die Königs­berger Garnison in Parade, und als der Prinz-Regent an der Tete des 1. Infanterieregiment« anlangte, rief er seinen erlauchten Sohn hervor, hieß ihn den Degen ziehen und ernannte ihn unter den ehrendsten und freundlichsten Worten zum Chef des Regiments. 115 Jahre waren an diesem Tage verflossen, daß alle drei Bataillone bei Hohenfriedberg gefochten hatten; der Kronprinz gedachte nach Beendigung der Parade dieses freundlichen Zufalls in einer markigen Ansprache, die er an das Regiment richtete — daö Regi­ment, das für ihn in doppelter Beziehung das „erste" ist, einmal seiner Bezeichnung nach, und dann, weil es auch das erste preußische war, daS in dem hohen Herrn seinen Chef verehrt. Noch am selben Tage wurde die Festfahrt bis Eyrtkuhnen gehalten und von dort aus di- Rückfahrt nach Gumbinnen angetreten, wo Nachtlager genommen wurde. Am 6. Juni waren beide hohe Herren wieder in Berlin. — In der heutigen Plenarsitzung des Bundesrats, welcher Fürst Bismarck präsidierte, wurde dem AuSlieferunzS vertrage mit Rußland die Zustimmung erteilt. Die zweite Beratung des Gefetzeutwurss wegen Abänderung und Er­gänzung des GerichtSverfafsungesetzeS und der Strafprozeß, orduung, sowie des Antrag« des IV. Ausschusses betr. den Gesetzentwurf wegen Abänderung von Bestimmungen des Ge-

An,eigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowird.Annoncen-Burcaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M., Kastel, Magdeburg und Wien; RudolfMofle in Frankfurt «• M., Berlin,München und V Köln: ®. L. Daube und «o. in Frankfurt a. M* Berlin,Hannover u. Pari».

Srscheint^täglich außer 'an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- Abonnements-PreiS bei der Expedition 2% Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 «fg. (erd- Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Bfg. Reklamen für die Zeile 25 Psg.

Eine Krauenthat.

Erzählung von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

,3« — ich hoffe es", sprach Judith dann, aber ihre Worte klangen so kalt. Sie trat in ein Nebengemach und legte den Brautschmuck ab, der wie eine Bürde auf ihr ruhte. Einige Augenblicke blieb sie noch allein und blickte starr vor sich hin. Sie zitterte bei dem Gedanken an die Vergangenheit, ihr bangte bei dem Blicke in die Zukunft. Dann richtete sie den Kopf entschlossen empor, sie hatte Pflichten übernommen, getreu wollte ste dieselben erfüllen.

Sie ging zu Brune und den Kindern. Erregt preßte sie die Kleinen an die Brust. „Ich bin jetzt Eure Mutter und ich will es stets gut und ehrlich mit Euch meinen", rief ste.

ES war ein Glück für ste, daß ste in der neuen Wirt- toaft zu viel Arbeit fand, nm an sich denken zu können. Die Sorge für die beiden Kinder und ihren Vater nahmen sie vollständig in Anspruch. Sie war äußerlich vollständig ruhig, aber selbst wenn die Kleinen ihr lachend die Arme mt- gegenstreckten, kam kaum ein schwaches Lächeln in ihre Züge.

«Willst Du nicht Wellands Trauung ansehen?" fragte Brune ste zwei Tage später. «Die ganze Kirche ist prächtig ausgeschmückt, schon jetzt ist sie von Neugierigen fast über­füllt, obschon die Trauung erst in einer Stunde stattfindet."

.Ich habe keine Zeit", gab Judith zur Antwort. ES wurde ihr schwer, die Antwort hervorzubringen und ste wandte das Gesicht ab, um nicht dem Blicke ihres Manne« zu begegnen.

«Die kurze Zest solltest Du Dir nehmen," fuhr Gerhard fort. .Ich glaube nicht, daß hier schon eine solch« Trauung gesehen ist."

«Ich bleibe bei den Kindern,; entgegnete Judith.

derselbe den Hauptpunkt der Unterhandlungen bilde. Mit dem Vorschläge, wegen der Vorgänge am 30. März eine Untersuchung vorzunehmen, sei gleichzeitig daS Anerbieten gemacht, die afghanische Grenze thatsächlich in der von Rußland vorgeschlageuen Weise zu regulieren unter der Bedingung, daß Rußland vertragsmäßig eine deutliche und bedingungslose Garantie gebe, daß e« unter keinen Um­ständen versuchen wolle, sich Herats zu bemächtigen. - Die Englisch-Deutsche Kommission für die westlichen Süd- seeinseln beendete ihre Arbeiten. — Die Abendblätter ver­öffentlichen eine Depesche auS Newyork vom 30. April, wonach Aizpura, der Führer der Aufständischen in Panama, seine Truppen auS Panama zurückgezogen hat und die Stadt von Truppen des St'.ateS Kolumbia besetzt ist.

Stockholm, 30. Aprll. Das «Telegraphenbürrau von SvenSka" erklärt die gestrige Nachricht der «National- «°knde aus Kopenhagen, baß gegenwärtig infolge der Initiative Frankreichs zwischen Schweden-Norwegen und Dänemark wegen einer Neutralität auf gemeinsamer BastS bei einem eventuellen englisch-russischen Kriege Unterhand- lnngen stattfänden, als unbegründet; die Initiative dazu sei lediglich von Schweden-Norwegen ausgegangen.

Petersburg, 30. April. Der „Regierungs-Anzeiger" veröffentlicht eine Depesche Komaroffs au« Aschabad vom 12./24. April, worin derselbe meldet, er habe die Depesche, welche die Besetzung Penschdeh« untersagt, am 11/23. März erhalten. Da er nur Vorposten kommandiert habe, machte er die Depesche nicht allgemein bekannt. Oberstleutnant ZakrSzewSki unterredete sich und korrespondierte mit seiner Erlaubnis mit den britischen Offizieren ganz privatim. ZakrSzewSki erhielt niemals die Berechtigung, offizielle Pourparlers zu führen. Er (Komaroff) habe mit feinen izorderungen unmittelbar an den Kommandierenden des Afghanendetachements sich gewandt». Oberst Alichanoff sei mit einer Sotnia Turkmenen in Richtung nach Mor- kala am diesseitigen Ufer geritten" m« Pendfchdeh vorzu- dringea, habe er nicht beabsichtigt. Bei Tage mit nur einer mit Säbeln ausgerüsteten Sotnia im Rücken eines 4000 Mann starken Detachements vorzugehen, fei undenk­bar. Auf den Höhen des rechten Murghabufers sei eine Kompagnie marschiert; dieselbe habe noch nicht einmal die Höhe der russischen Wachtposten am linken Wer erreicht. 8lls die Afghanen anzurücken begannen, sei die Kompagnie auf Befehl ins Lager zurückgekehrt. Bet dm beständigen Translokationen auf Hunderte von Wersten sei er (Komaroff) ber Möglichkeit beraubt, zu genau bestimmten Terminen Berichte zu erstatten, werde j doch alles beachtenswerte mög­lichst berichten. Außergewöhnliche Ueberschwemmungen der Flüffe und Kanäle unterbrachen die Kommunikation. Die Ueberschreitung der Flüffe war nur geschickten Schwimmern möglich. Bei SerahkS sei seit dem 6/18. April nichts vorgefallen. — DaS „Journal de St. PeterSbourg" be- spricht die Rede Gladstone«, welche wohl geeignet sei, Ber-

Seine Verlegenheiten wuchsen mit jedem Tage. Die besten Arbeiter hatten ihn verlaffw, und eS wurde ihm schwer, neue zu gewinnen. Sein Mut schwand, denn sein Charakter war nicht stark genug, all diesen Widerwärtig- ketten Trotz zu btetm. Zudem fand er zu Hause nicht da«, wa« imstande gewesen wäre, ihn aufzuhettern. Judith er- füllte ihre Pflicht im strengsten Maße, sie sorgte gewiffen- haft für ihn und die Kinder, aber sie blieb emfl. Wa« hinter ihr lag, ließ sich nicht so schnell verwischen und vergeffm.

Dieser Ernst raubte Brune dm Mut, ihr offen tnitiu. ieilm, wie schwere Sorgen auf ihm lasteten. Wozu sollte er auch ste mit Bangen erfüllen, da ste ihm doch nicht helfen konnte? Um abzuschütteln, wa« so schwer auf ihm lastete, ging er wieder in« Wirtshaus, anfangs selten, dann täglich, die Schwäche, von der schon sein Vater nicht frei gewesen war, brach sich immer mehr Bahn — er trank.

Judith hatte noch schlimmere Tage. Beide Kind« warm erkrankt und der Zustand ihres alten Vater«, an dem ste mit voller Liebe hing, wurde mit jedem Tage schlimmer. Zusehends nahmen seine Kräfte ab. Tag und Nacht kam sie nicht von seinem Bette und nur ber sie beseelende feste Wille verlieh ihr die Kraft, dies zu ertragen.

6« entging ihr nicht, daß ihr Mann in feinen früheren Fehler zurückgefallen war, und schmerzlich durchzuckte ste der Gedanke, daß er sein Versprechen so schnell vergesim. Ruhig machte sie ihm Vorstellungen. ™

-3st es denn etwas Schlimmes, wenn ich ein Gla« vi« trinke? entgegnete Brune. «All meine Bekannt« thun e«. Willst Du mir die Erholung mißgönnen?"

(Fortsetzung folgt.)

richtsverfaffungsgesetzes und der Strasprvzeßordnung wurde auf die nächste Sitzung vertagt. — In der heutigen kon­stituierenden Generalversammlung der deutschen Kolonial- gesellschast für Westafrika wurde die Zahl der Berwaltungs- ratsmitglieder auf 17 festgestellt; ihre Wahl erfolgt demnächst. In das Präsidium des Berwaltungsrat« wurden gewählt: Herzog v. Ujest, Dr. Hammacher und Geheimrat Schwabach; in den Vorstand wurden vorläufig gewählt: Oberbürger­meister a. D. Weber und Rentier Corneliu«; die Wahl tz« dritten Vorstandsmitgliedes bleibt Vorbehalten. Bei der Generalversammlung, sowie in der Sitzung de« VerwaltungS- rats war als Vertreter der Staatsregierung Geheimer Ob-r- RegiemngSrat Rommel anwesend. — Schon gestern hatte verlautet, England beharre auf der Forderung irgend einer Gmugthuung für den Zwischenfall vom Ende März. Die Lage erschien daher unsicher und die Lösung schwierig, wenn auch die Friedenshoffnung noch immer aufrecht erhalten wurde. Man wird diese nicht ganz fallen lassen, auch wenn sich die heutigen Londoner Nachrichten über daS plan­mäßige Borrücken ter Ruffen, dessen Absicht gerüchtweise schon in den letzten Tagen verlautet hatte, vollauf bestätigen sollten. Ein Ausgleich würde dadurch allerdings erschwert. Man hatte gestern die Entscheidung spätestens binnen acht Tagen erwartet. Die Nachrichten lauten widersprechend und bedürfen umsomehr der Aufklärung, als man gestern nach­mittag an unterrichteten Stellen wieder einigermaßen beffere Anzeichen erhalten haben soll.

Metz, 29. April. Herr Landgerichtsrat Göhring hat seine definitive Einberufung als Kaiserl. RegieruligSkom- missarius für Angra P quena erhalten, und trifft alle Vor­bereitungen zu seiner sofortigen Ueberstedrlung an seinen neuen Posten. Es ist noch nicht entschieden, ob er seine Residenz im Hafen von Angra Pcquena ober in Bethanien aufschlagen wird.

Ausland.

Wie«, 30. April. Die «Politische Korrespondenz" vernimmt aus sicherer Quelle, daß in Wiener maßgebenden Kreisen von den Einzelheiten, welche ein ungarische« Blatt über eine angeblich im Sommer bevorstehende Kaiser- zusammmkunft zu geben wußte, nicht« bekannt ist und dieselben lediglich auf einer willkürlichen Kombination beruhen.

Jtari6, 30. April. General Courcy schiffte sich heute in Toulon nach Tonkinz ein. — Eine Depesche an Hanoi vom 30. April meldet: Die Chinesen haben Langson geräumt. 0

London, 30. April. „Standard" sagt, England be­trachte die Besetzung Merutschaks durch die Ruff« al« eine entschiedene Verletzung des Abkommens vom 17. März und verlangt von der russischen Regierung Erklärungen. Die „T'mes" behauptet, die Vorschläge Englands seien nicht auf den Zwischenfall bei Pendscheh beschränkt, obwohl

Allein verließ Brune da« Haus. Er begriff seine Fran nicht; sie nahm die Sorge für die Kinder zu gewissenhaft. Um ste für das Versäumte zu entschädigen, erzählte et ihr nach seiner Rückkehr alle« auf da« Ausführlichste.

„Das Kleid der Braut soll mehr denn hundert Thaler gekostet haben," berichtete er, „und die Schmucksachen be- Hefen sich wohl zehnmal so hoch an Wert. Weilands Augen leuchteten, man sah ihm fein Glück an. Und er hat Glück, denn an Geld wird e« ihm nicht fehlen. Als ich aber die alten, häßlichen Züge der Braut erblickte, hätte ich ihn nimmer beneiden können, und noch weniaer hätte ich mit ihm tauschen mögen l"

Er streckte Judith bei diesen Worten die Hand hin, sie erfaßte dieselbe und hiett ste fest. Ihr Ange begegnete dem ehrlichen Blicke ihre« Manne« und zum erstenmale dämmerte in ihrem Herzen ein Gefühl auf, welche« mehr wat al« Pflicht. Er schätzte sie höher al« da« Geld ber reich« Erbin, obschon ste ihm noch keine Liebe entgegen­gebracht hatte. Leise, leise regte sich der Gedanke, daß ste doch vielleicht noch glücklich werden könne, in ihr. E« war, al« ob durch graue, düstere Wolken für einen Augenblick da« Blau be« Himmel« hindurchschimmere.

Dankend drückte ste die Hand ihre« Manne«.

VI.

Langsam, langsam schwand der Winter. 1

Brnue hatte vergebens versucht, sein Geschäft wieder mf die frühere Höhe zu bringen, wa« er unternahm, schlug hm fehl. Stelter hatte durch billigere Preise die Mehrzahl einer Kund« an sich gelockt und al« er sich endlich em- chloß, für deuselb« Preis zu arbeiten, fand er keine Mnehmer.