JRarÖUCfl, Donnerstag, 30. April 1885.
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XX. Jahrgiug.
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25 Pfg.
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg ii. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaqsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. — Quartal» Abonnements-Preis bei der Expedition 21/« Mk, bei den Postämter 2 «k. 50 «sa. (excl. Bestellgeld). Insertionsgebühr für die
Mae Franeuthat.
Erzählung von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung.)
„Krötzsch, setzen Sie sich,' sprach H.lene, auf einen Stuhl zeigend. „Mir ist erzählt, daß Brune« Geschäft seit einiger Zett zurückgegangen s i, ist da« wahr?•
.Ja, und ihn selbst trifft die Schuld. Nach dem Tode seiner Frau litt e» ihn nicht dahtm, der Schmerz nahm ihn sehr mit und cs schi n ihm alles gleichgiltig zu sein. Run wird dar wieder anders, denn Judith wird eine tüchtige Frau werden."
Der sonst so schlaue Krötzsch hatte diese- mal die Frage Helenen« völlig mißverstanden.
.Glauben Sie wirklich, daß e« ihm so leicht wirken wird, sein hemntergekommene« Geschäft wieder emporzubringen ?" rief Helene mit spöttischem Ausdrucke. .Er hat jetzt einen Konkurrenten!"
»Ah, Steller I" fiel der Agent ein. .Den hat er wenig ru fürchten, denn es fehlm ihm die Mittel. Er hat ziemlich groß begonnen, aber nur auf Kredit, jetzt wird et von verschiedenen Setten um Zahlung gedrängt, ohne daß er ste leistm kann, daß wirs ihm stürzen."
»Glauben Sie, daß er sich halten wird, wenn er mit Geld unterstützt wird?-
Krötzsch zögerte einen Augenblick mit der Antwort.
»Ich glaube «8, denn er ist sehr thätig", entgegnete er van». Aber wer wird ihm Geld leihen? Er hat berelt«
verschiedene Thüreu gepocht — einem Anfänger schenkt “kmanb leicht Vertrauen.".
«Weshalb ist er nicht zu mir gekommen?" warf Helene
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattes, sowied.Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undVogler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt »• M., Berlin,München und V Köln: G. L. Daube und
*o. in Frankfurt a. M* Berltn,Hannover u. Paris
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von, ob wir dasselbe aufrichtig billigen können. Aber das gegenwärtige Verhalten des Emirs, feine Aeußerungen dem Vizekönig Lord Dufferin gegenüber und i ie Prinzipien, die er ausgesprochen hat, geben ihm das absolute Recht, uns dazu aufzufordern, daß wir ihm mit Rat und That bei- stehen, damit er feine Besitzungen und feine wohlbegründeten Rechte wahren tarnt. Zu diesem Zwecke wurde ein Plan entworfen zur Abgrenzung seine- Gebiete- von demjenigen, was bisher turkmenisches Gebiet war, aber jetzt mit reißender Geschwindigkeit zu russischem Gebiete geworden ist. Gegenwärtig ist Rußland in direkte Berührung mtt Afghanistan getreten. DaS Projekt für die Feststellung der Grenze ist leider auf ein Hindernis gestoßen, so daß es noch nicht hat zur Ausführung gelangen können. Die cingetretene Verzögerung ist bedenklich und hat zur Ergreifung militärischer Maßregeln auf dem streitigen Terrain geführt, welche ernste Gefahren für den Frieden, den guten Willen und die künftige Lösung der Grenzfrage mit stch bringen. Um die Gefahr abzuwenden, hatten wir am 17. März mit Rußland ein Arrangement getroffen. Dasselbe enthielt eine Verpflichtung und einen Vorbehalt feiten- Rußlands. Dieser Vorbehalt hat bet uns dasselbe Gefühl hervorgerusen, wie in dem Unterhause, als er von mir mitgeieilt wurde. Wir hätten das Recht gehabt, unsererseits auch einen Vorbehalt zu machen, wir waren aber in diese Verpflichtung Im Sinne einer liberalen Auslegung eingetreten. Wir meinten, daß der Vorbehalt tat ehrenvollen Sinne und im guten Glauben gemacht worden sei. (Beifall.) Ich bedauere nicht, sie so aufgefaßt zu haben
wge nicht, daß diese Auffassung eine irrige gewesen sei. Was auch geschehen mag, ich werde e- nie bereuen, gehandelt zu haben. Die Abmachung war eine in aller Form abgeschlossene. Wir hatten darauf gerechnet, daß die Verpflichtung mit vollster Aufrichtigkeit übernommen sei, wie je nur eine von zwei Nationen feierlich abgeschloffeve Abmachung und daß, wenn ein Irrtum vorgekommen, beide Mächte dann darin wetteifern würde«, dir Urfache de- Irrtum« aufzuklären und der Welt zu zeigen, wodurch derselbe ver» aulaßt worden und wer die Verantwortung baffir trage. Der blutige Zusammenstoß am 30. März war dem am 17. März geschloffenen Uebereinkommen gefolgt. Dieser unglückliche Zusammenstoß hat deutlich gezeigt, daß von Seiten eines Teile- oder beider Teile durch Uebelwollea o er durch einen unglücklichen Zwischenfall eö uuterlaffen worden ist, die Bedingungen de- getroffenen Arrangement« zu erfüllen. Wir haben eS angesehen und sehen eS noch an für die Pflicht beider Mächte und vor allem für eine Ehrensache beider Mächte, zu untersuchen, auf welche Weise und durch weffen Fehler der Zusammenstoß veranlaßt worden ist. Ich will durchaus nicht von vornherein als feststehend ansehen, daß wir im Recht sind, aber ich darf sagen, daß ich volles Vertrauen auf die Ehrenhaftigkeit und Intelligenz unserer Offiziere habe. Aber diejenigen, welche unsere Abmachung zum Scheitern gebracht haben,
Hebet da« Gesicht des Agenten glitt ein vetschmitzteS Lächeln. »Ich wetde ihn watnen", versetzte er.
»Wit erweisen ihm einen Dienst damit", fuhr Helene fort. »Aber Gerbert ist seht genau und eS fragt sich, ob er stch erkenntlich erweisen wird. Für Sie ist die Zest Geld, ich werde Sie deshalb für Ihre Bemühung mtschädigen l"
Sie gab Krötzsch rin Goldstück au- ihrer Börse.
»Gerbert wird in wenigen Tagen die Hypothek kündigen", versicherte bet Agent, dessen Rechte da- empfangene Geldstück fest umschlossen hielt.
Helene sah ihren Verlobten sich dem Hause nähern und gab Krötzsch ein Zeichen, sich durch eine Seitenthür schnell zu entfernen, da Weiland e« nicht liebte, daß sie mit diese« Manne verkehrte.
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Gerhard Brune hatte keine Ahnung, in welcher Weise seinen Jntereffen entgegengearbeitet wurde. Et wat glücklich übet den Besitz Judiths und wollte das ihr gegebene V rsprechen voll einlösen. Mit frischem Mute nahm er ich der Arbeit wieder an, aber das im letzten Jahre Beräumte war nicht so leicht wieder einzuholen. Einen Teil einet Kunden hatte er verloren und Sieltet hatte dieselben gewonnen, seine besten Arbeiter standen jetzt im Dienste seines Konkurrenten. Er war der festen Uebetzeugung gewesen, daß Sieltet zusammenbrechen müffe, statt deffen vergrößerte derselbe seine Werkstatt und bezahlte Alle, denen er schuldete. Es konnte keinem Zweifel unterliegen, daß derselbe von anderer Seite mit Geld unterstützt war, wer die- gethan hatte, brachte et nicht in Erfahrung.
(Fortsetzung folgt.)
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61/2 Millionen eine geringfügige fei, aber, den Krimkrieg ausgenommen, ist diese Kreditforderung atößer als irgend eine während der letzten 70 Jahre, sie ist auch größer, als es nach dem ersten Augenblick scheint, denn ste erfolgt gleichzeitig mit der großen Erhöhung des Budgets für das Heer und die Flotte und mit der beträchtlichen Vermehrung, welche wir durch den Kredit von Millionen für bett Sudan erhalten werden. Ganz abgesehen davon aber muß man sich vor Augen halten, daß eS nur der Anfang von militärischen Vorbereitungen ist und daß man demnächst erst die Gesamtheit der Ausgaben für die gegenwärtigen Rüstungen und auch der Ausgaben für die KriegSvorberei- tungen in Indien kennen mnß, um die Regierung in den Stand zu fetzen, den gegenwärtigen Erfordernissen Rechnung zu tragen. (Beifall.) Man verlangt Informationen über die gegenwärtige Lage und die Haltung der Regierung. ES ist nicht der Fall eines Krieges, der vorliegt, wir haben auch einen augenblicklichen oder vielleicht in nächster Zeit bevorstehenden Krieg nicht vor uns, eS würde schwer sein, den Grad von Gefahr, vor dem wir unS befinden, festzustellen. Wir haben an einer ehrenhaften Lösung durch friedliche Mittel gearbeitet und werden fortfahren, mit Heberzmgung und Ernst daran zu arbeiten, ich meine damit Eventualität eines Krieges ober des Abbruchs der Beziehungen zwischen zwei großen Stationen, wie Rußland und England, zu beseitige«, wir werden eS uns zur Aufgabe machen, diese diplomatische Kontroverse in einer Weise zu Ende zu führen, daß, wenn dieselbe unglücklicherweise mit einem Bruche oder mit einem Gewaltakte enden sollte, wir wenigstens das Urteil der zivilisierten Welt zurückw-iseu können, daß wir nicht alles Mögliche gethan hätten, um durch gerechte uud ehrenhafte Bemühungen zu vethtadrrn, daß sich die beiden Länder in einen Krieg stürzen. (Anhaltender Beifall.) Alles, was wir gegenwärtig thun, find Borbeitungen, aber eS ist unsere heilige Pflicht, weitere Vorbereitungen zu treffen. Dir Erteilung einer Information ist im Augenblicke unmöglich, die Frage ist dazu noch nicht reif. Rechnen wir aber nicht zu sanguinisch auf ein zu günstiges Resultat. Verzweifeln Sie aber auch nicht daran, daß tie Vernunft und die Gerechtigkeit nicht auf beiden Seiten die Oberhand sollten behalten können. Sehen wir uns das an, was stch zugetragen hat. Der Ausgangspunkt vabei ist unsere Ehrenverpflichtung dem Emir gegenüber. Die diesbezüglichen politischen Erwägungen, sowie unsere Verpflichtungen geaen den Emir sind keine absoluten, wir würden nicht verpflichtet fei«, ihn zu ver- tcidigeu, wenn er der Tyrannei gegen seine Untertanen schuldig wäre, es würde unserer Pflicht zuwtderlaufen, ihn zu unterstützen bei einer Politik der Thorheit, aber wir haben die Verpflichtung, ihm Unterstützung und Beistand zu gewähren und diese Verpflichtung wird ohne jede Einschränkung erfüllt werden. (Anhalter Beifall.) Sie ist lediglich bedingt durch die Art seines Verhaltens und da- ein. »Wenn er mir irgend eine Sicherheit btet.n kann, so will ich ihn unterstützen, aber er soll e« geheim halten. ®aoen Sie ihm das. Er selbst soll auch nicht zu mir kommen, durch Sie will ich alle- mit ihm abmachen."
»Und au- meinem Munde wird niemand ein Wort erfahren", verstcherte der frühere Schreiber, der jetzt endlich b'griff, daß e- der Tochter de- Apothekers nur darauf ankam, Brune zu schaden, weil er stch mit dem Mädchen, welche- ste haßte, verlobt hatte. »Sieltet wird glücklich fein, wenn ihm so unerwartet Hilfe kommt und er wird für Brune noch gefährlicher werden. Denn dieser ist auch in Verlegenheit. Als er die Fabrik vor Jahren einrichtete, mußte et eine Hypothek auf sein Grundstück nehmen; früher hat er die Zinsen regelmäßig bezahlt, seitdem aber sein Geschäft zurückgegangen, ist er damit im Rückstände geblieben."
Helenens Augen leuchteten. Dieselben ruhten so forschend aus dem Gesichte de» Agenten, als ob ste jedes Wort, noch ehe es ausgesprochen, aus demselben lesen wollten.
»Wer hat ihm das Geld geliehen?" fragte sie.
»Der Kaufmann Gebert."
»Weshalb läßt derselbe das Grundstück nicht verkaufen, wenn er die Zinsen für die Hypothek nicht erhält?"
»Er würde Brune dadurch zu Gmnde richten."
»Wäre das ein Unglück?" siel Helene mit herzlosem Lachen ein. »Fragen Sie Gebert, ob er mir die Hypothek verkaufen will--doch nein, ich mag sie nicht, denn
ich will mit Bmne nicht« zu thun haben. Aber Krötzsch, wäre e« nicht Ihre Pflicht, den Kaufmann zu warnen und ihn zu veranlaflm, die Hypothek zu kündigen? CS würde mir leid thun, wenn er in Verlust geriete."
3C* Bestellungen für die Monate Rai und Juui auf die O-erhesfische Zeitung und deren Beiblätter werden sowohl von der Post als der unterzeichneten Expedition entgegengenommen.
Auf dem Lande nehmen die Landpostboteu Bestellungen an. ___Exped. der Oberh. Ztg.
Gladstone zur gegenwärtige» Lage.
Die nun vom englischen Unterhause bewilligte Krebst- forderung in Höhe von 11 Millionen für Kriegszwecke wurde von Gladstone in längerer Rebe begründet, über welche der folgende telegraphische Bericht vorliegt:
Gladstone erklärte: „Wenn bei unserer Kreditforderung etwas ist, was dem Herkommen wenig entspricht, so liegt der Grund davon in der Eigentümlichkeit des Falles. Der Fall ist fast ohne Beispiel, denn es ist wahrscheinlich, daß em Teil der für den Sudan geforderten 4V2 Millionen in einem gewissen Grade für einen anderen Zweck verwendet werden wird, nämlich für denselben Zweck, der den Zweck der Kreditforderung für Spezialvorberettungen bildet. Wir schlagen diesen Modus vor, weil er wesentlich ist für die Politik, im Sudan eine große Truppenmacht disponibel zu haben. Im übrigen schlagen wir Ihnen den gewünschten Kre it mit bet ausdrücklichen Erklärung vor, daß der Sudan keinerlei Hindernis bieten soll für die volle Erfüllung unserer Pflichten dem Reiche gegenüber (Beifall), und daß eS unsere Absicht ist, die ganze Macht de« Reiche« frei zu laffen, um ste da zu verwenden, wo man deren bedürfen wird. (Beifall.) Wir etsuchm Ste, uns den Kredit zu gewähren und eö unserem E.meflen zu überlaffeu, denselben ohne irgend welche Hindernisse zu verwenden zu geeigneter Zeit und mit erhöhten Verpflichtungen, sobald wir es für notwendig halte». (Beifall.) Gladstone rechtfertigte demnächst die Politik der Regierung in bezug auf den Sudan. Der Mahdi habe nicht mehr eine so bedrohliche Bedeutung, wie er sie nach der Einnahme von Khartum gehabt habe, derselbe sei von feinen Nebenbuhlern angegriffen. Gleichwohl habe die Regierung in ihren Verpflichtungen für die Verteidigung Egyptens nicht nachgelaffen, die Basis de- Vorschlags der Regierung sei einfach und klar, es liege ihr als die vornehmste Pflicht ob, TruppenstrestkrSfte im Sudan disponibel zu halten, um da für den Dienst verwandt zu werden, wohin sie durch die Pflicht und durch die Ehre der Na ton gerufen werden könntet,. G-adstone ging sodann auf die Forderung der Regierung im befonbereti ein und erklärte: Ich habe mit großer Befriedigung die Berstchetung der Mitglieder der Opposition gehört, daß ste gewillt feien, in jeoer Weife die Bewilligung des Kredits ju beschleunigen, damit derselbe nach unserem Ermessen zur Aufrechthaltung der nationalen und ReichSpolttik verwendet werden könne. Wir find alle einig in bezug auf unsere P6‘Pflichtungen Indien gegenüber. Man hat gesagt, daß m bezug auf diese Politik die Kreditforderungen von