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Jfiaröurg, Donnerstag, 23 April 1885.

XX. Jahrgasg.

grscheint'täglich außer ian Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Quartal» «bonnements-Preis bei der grpedition 2A Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 «ig. (erd. Bestellgeld), -taiertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 «fg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Matte», sovied.Annoncen»Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; RudolfMosse in Frankfurt a a. M., Berlin,München und V Köln: ®. L. Daube und

Co. m Frankfurt a. M, Berlin,Hannover u. Pari».

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. 6. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sanntagsblatt.

Expedition^ Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Aug. Koch.

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3C* Bestellungen für die Monate Mai und Juni auf vie Oberhesstsche Zeitung und deren Beiblätter werden sowohl von der Poft al» der unterzeichneten Expedition ent» gkgengeuounnen.

Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen an. __Ex-ed. der Oberh. Ztg.

Das Lehrer-eufiouS-Gesetz.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat daö Lehrer- penstonL Gesetz am 17. d. MtS. in einer Gestalt endgiltig angenommen, welche vom konservativen Standpunkt große Bedenken bietet. Der gegen die Stimmen unserer Partei­genossen und derjenigen Minister, die zugleich Abgeordnete find, abgelehnte Antrag Rauchhaupt wollte vor allem die neue Belastung der Gemeinden verhindern, wie sie unver­meidlich eintreten muß, wenn der Staat die Penstonölast nicht zum Betrage von 900 Mark, sondern nur zu dem von 750 Mark oder gar von 600 Mark, wie letzteres von dem Herrn Ftnanzmiuistrr v. Scholz ausdrücklich erklärt worden ist. Nach dem vom Hause angenommenen Be- schlusse soll der Staatsbeitrag allerdings 750 Mk. betragen uns hiernach würde die Beitragspflicht der Gemeinden sich nicht auf 300, sondern nur aus 150 Mk. stellen. Auch das aber wird schwer empfunden werden, schwerer jeden­falls, als wenn, wie der Antrag Rauchhaupt will, der junge Lehrer diesen Betrag von seinem Gehalte abzugeben hat. Die Thatsache, daß eS sich hier nicht um alle, son­dern nur um 3000 handelt, ändert daran nichts; auch das ist schon eine so bedeutende Zahl, daß die Gesetzgebung an ihr nicht vorüoergehen darf. Um so weniger geht da» an, als konservativerseitS vachzewiesen worden ist, daß der Nachsolgec eines peustonierten Lehrers bet den Bestimmnngen des Antrages Rauchhaupt in Verbindung mit den n des neuen PeustvnögesctzeS Im ungünstigsten Falle Nicht schlimmer als bisher, in der Regel aber viel günstiger gestellt sein würde. Unter diese« Umständen ist durchaus keine Ver­anlassung, die Lehrer aus Kosten der Gemeinde zu bevor­zugen, wie eS das Gesetz in seiner gegenwärtigen Fassung will. Im Herrenhause wird dann auch schon dafür ge­sorgt werden, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wenn daS Ganze an dem MetnungSzwiespalt zwischen der Regierung uns der Mehrheit deö Abgeordnetenhauses schei­tern sollte, so roeiben die Gemeinden wissen, wer die Schuld daran trägt. Die Konservativen haben ein gutes Gewissen. Sie wollen die ohnehin überbürdeten Gemetuden vor Neu- belastungcn schützen, ohne dem Interesse der Lehrer zu nahe zu treten. Das ist eine Leistung, der stch in tiefem Falle keine andere Partei zu rühmen vermag. Den Lehrern wollen freilich alle eine Wohlthat erweisen, allein ste ver- vergessen, daß Vie Lehrer nicht allein auf der Welt sind, und daß das Interesse der Gemeinden denn doch noch schwerer wiegt.

Deutscher Reich.

Berit«, 21. April. Der König von Schweden ist heute mittag hier eirgrttoffen und vom Kaiser, dem Krou- prinzen und dem Prinzen Wilhelm am Bahnhof empfangen und herzlich begrüßt worden. Der Kaiser begleitete den König von Schweden in seinem Wagen nach dem Königs- schlosse, wo daö Absteigequartier des GasteS ist. Die Zeitungen melden jetzt allerlei über einen bestimmten Termin der Beförderung des Prinzen Wilhelm zum Obersten und die Verleihung eines Regiments an denselben. Bald soll eS das 13. Infanterie - Regiment (Münster), bald das 2. Grenadier-Reglement König Friedrich Wilhelm IV. sein. Bride Meldungen sind falsch. Zum Kommandeur des 13. Infanterie - Regiments ist erst kürzlich der Oberst von Specht, bisher vom Herzoglich braunschweigischen Infanterie- Regiment Nr. 92 ernannt und daS Kommando des Grena­dier - Regiments Nr. 2 ist augenblicklich nicht unbesetzt, so daß auch hiervon nicht die Rede sein kann. In militärischen Kreisen hält man alle bezüglichen Nachrichten für wertlos. Durch Eintragung in das Preußische Staatsschuldbuch sind während rer Zeit vom 1. Oktober 1884 618 31. März 1885 52 300 200 Mk. vierprozentiger KonsolS in eine Buchschuld umgewandelt und nach Löschung im Buch sind 107 500 Mk. a!S Inhaber Papiere neu ausgefertigt worden. Auf 643 neu angelegte Konten sind 839 Etnfchriftm bewirkt, 2 Konten sind gelöscht. Bon den danach am 31. März d. I. im Schuldbuch verzeichneten 641 Konten mit 52192700 Mk. umfaßt der dritte Teil Beträge über 1000050000 Mk., 27,5 Prozent kommen auf Einzelbeträge bis 4000 Mk., 19 Prozent auf Beträge über 400010000 Mk. Der Rest verteilt sich in dem Maße auf Beträge über 50000 Mk., daß im Durchschnitt auf ein Konto überhaupt etwa 81000 Mark kommen. 511 Konten sind für einzelne physische Personen und Handelsfirmen, 130 für juristische Personen und andere VermögenSmaffen angelegt. Die öffentlichen Behörden haben bereits für die verfchledeusten Arten ihrer Fonds, für gemeinnützige und WohlthättgkettSaustalten, für Kirchen und Schulen, für Spar-, PeustonS», Witwen- und Watfenkaffen, für Familieusttstungen und Famllien - Fidei- kommtffe, für die nach dem RetchSgesetz vom 15. Juli 1883 eingerichteten Kranken- und ähnlichen Kaffen von der Ein­richtung Gebrauch gemacht. Die GewerbeordnungSkom- mifston des Reichstags diskutierte gestern abend den vom Abg. Ackermann vorgeschlagenen § 100 f., welcher eine Innung, der mehr als die Hälfte der in ihr vertretenen Gewerbe beigetreten ist, mit folgendem Privilegium auS- statten will: Alle, welche in dem Bezirk der Innung eines jener Gewerbe selbständig betreiben, sowie ihre Gesellen sind verpflichtet, den von der Innung getroffenen Einrichtungen beizutreten und zu den deSsallstgen Kosten beizutragen, gleich­zeitig aber auch zu deren Benutzung gleichmäßig berechtigt. Da hiernach die JnnungSkaffen auch auf dem Gebiet des

KrankenversicherungSwesenS zu ZwangSkaflen werden würdm, so sprachen stch nicht nur die liberalen Mitglieder der Kom­mission, sondern auch der RegierungSkommiffar Geh. Ober- RegierungSrat Lohmann hiergegen aus, und Abg. Ackermann modifizierte seinen Antrag dahin, daß derselbe auf die Jn- nungökaffen zur Unterstützung der JunungSgeuoffeu, ihrer Gesellen und Lehrlinge in Fällen der Krankheit, des Todes, der Arbeitsunfähigkeit oder sonstiger Bedürftigkeit keine An­wendung finden solle. Ebenso wurden vom Geh. Ober- RegierungSrat Lohmann wettere Bedenken geltend gemacht, auch kam eS zu einer sehr lebhaften AuSeinaudersehuug zwischen den Abgeordneten Ackermann und Dr. Baumbach, welch letzterer die agitatorische Seite der Ackermaunschen Anträge betont hatte. Schließlich wurde der Antrag Acker­mann mit 12 gegen 8 Stimmen angenommen. Große Teilnahme wendet stch dem Abgeordneten August Reichen­sperger zu, der hier an den Masern erkrankt ist. Reichen- fperger steht im 78. Lebensjahre. Masern und Scharlachfieber bei Erwachsenen kommen in letzter Zeit hier häufiger vor. In der heutigen Verhandlung Über den Zusammenstoß des Lloyd-DampfersHohenstaufen" mit der KorvetteSophie" fällte daS Oberseeamt sein Urteil dahin, daß bet Spruch des Seeamts zu Bremerhafen zu bestätigen und die Kosten der Reichskaffe aufzuerlege« seien. Entgegen dem.Seramte zu Bremerhafe« nimmt das Oberseeamt eine unmittelbare Schuld de« angeklagten Kapitäns desHohenstaufen" an der Kollisfion an, da derselbe versucht habe, das kaiserliche' Geschwader zu durchschneiden. ES wäre auf die Entziehung deS Patents erkannt worden, wenn der Angeklagte stch nicht bisher tadelsfrei geführt hätte. Aus Kamerun sind in Hamburg vom 10. März Nachrichten eingetroffen. Es heißt darin:Hier in Kamerun naht der volle Friede immer mehr herb i; die Bell-Leute sind mit ben Hickory- Leuten versöhnt, und wird Abo demnächst auch wieder auf- gcschloffen; ebenso soll in einigen Tagen der Verkauf von gewöhnlichen Waffen und Pulver wieder erlaubt werden. Der Head-manElami JosS" kommt mit.wiederholten Bitten zum Admiral Knorr, um Verzeihung zu erlangen und in kurzer Zeit dürfte auch diese Angelegenheit erledigt sein. e DieOlga" isi nach dem Tagogebiet beordert, ebenso ist der TenderAdler" nach Gabun versegelt und wirs von dort zurückkehrend wohl bald seine Heimreise antreteu. DieMöwe" liegt hier im Fluß und dieBis­marck" an der Barre, beide Schiffe warten auf Ablösung."

Stettin, 19. April. DemVulkan" ist von der deutschen Regierung der Bau einer Dampfbarkaffe über­tragen worden, welche für Kamerun bestimmt ist. Be­kanntlich ist diese Dampfbarkaffe für den Gouverneur von Kamerun tu der ReichStagssttzung vom 10. Januar zu­sammen mit einem Küstendampfer bewilligt worden; der Bau des letzteren wurde derGermania" in Kiel übertragen.

Kiel, 16. April. Die Beendigung der Feindseligkeiten

sich verlobt habe," erwiderte er mit leichtem, lächelnden Tone.

WaS mein Verlobter früher gethan hat, kümmert mich nicht," fuhr Helene fort.Glauben Sie, daß das Mädchen austreten und Ansprüche an ihn geltend machen wird?"

Nein, Sie hat einen leidenschaftlichen, aber zugleich stolzen Sinn, der wird dies nie zulaffen."

Einen stolzen Sinn?" wiederholte die reiche Erbin mit geringschStzendem Tone.Worauf will ste stolz sein? Ihr Vater kann von seiner geringen Pension kaum leben, sie ist nicht viel mehr als eine Bettlerin I"

Können nicht auch Bettler stolz sein?" warf der lange Agent ein.

Sie bleiben Bettler I" fuhr Helene fort, indem ste stch erhob.Krötzsch, ich brauche Ihnen wohl nicht eivzu- schärfen, daß Sie über alles das strengste Schweigen beob­achten, denn Sie wiffen, daß Ihr Geschick in meiner Hand ruht. Ehe ich mich verheirate, habe ich noch mehrere Ge­schäfte abzuwickeln und dabei bedarf ich Ihrer Hülfe."

Sie wiffen, daß Sie zu jeder Zett über mich verfügen Wunen," versicherte der frühere Schreiber.

Ich verlange keinen Dienst nmsonst. Wenn ich auch das Geschäft, bei dem Sie mich sehr wesenttich unterstützt haben, aufgeben werde, so brauchen Sie doch keine Besorgnis zu hegen, denn auch nach meiner Verheiratung werde ich Ihren Dienst noch bedürfen. Ich werde Sie jederzett unter­stützen'"

Sie hatte das Wuchergeschäft, durch welches ihr Vater den größten TeU seines Vermögens erworben, nach dem Tode desselben fortgesetzt und stch dabei der Hllfe des Agenten bebient So wenig ste auch dem Charakter des­selben traute, so fürchtete ste ihn doch nicht, beim sie hatte ihn bei einem Diebstahl betroffen und sich von ihm das

schriftliche Eingeständnis seiner Schuld geben laffen. Diesen Schein, durch den sie ihn jederzeit dem Gerichte überliefern konnte, bewahite ste sorgfältig auf. Krötzsch zitterte vor ihr:

Ich werde Ihnen immer zu Dank verpflichtet sein", versicherte er.

Zu Dank", wiederholte Helene, indem ste einen flüchtigen Seitenblick auf die lange Gestalt warf.Ich verlange keinen Dank und weiß auch, daß ein solches Gefühl in Ihrer Brust leinen Raum findet. Sie werden mir dienen, so lange Ihr Vorteil dies erfordert und da» genügt mir, denn dies isi immer das sicherste Band, welches die Menschen verbindet. Zu Geschäftlichem habe ich heute wenig Steigung, kommen Sie morgen früh wieder und hören Sie bi« dahin auf die Stimmung in der Stadt. Es ist hmte mein VerlobungStag, ich fühle mich glücklich und da» sollen Sie mit empfinden."

Sie trat an ihren Schreibtisch und gab dem Agenten mehrere Goldstücke. Krölsch versuchte ihre Hand zu küssen; ste entzog ihm dieselbe.

Gehen Sie, gehen Siel" rief ste und die lauge Gestalt verließ das Zimmer.

Helene war allein und einige Zeit stand ste regungslos da. Sie hatte gesagt, daß sie sich glücklich fühle, aber ihre fest aufeinanoct gepreßten Lippen und ihr starrer Blick ver­rieten kein Glück. Sie dachte an die, mit der ihr Verlobter in der Nacht zuvor im Walde zusammen getroffen war und glühender Haß erfüllte ihre Brust. Sie haßte Judtth, well dieselbe hüvsch war. Wohl hatte ste versichert, daß sie sich um die Vergangenheit ihres Verlobten nicht kümmere, den­noch konnte ste den Gedanken, daß sein Herz vielleicht noch an der Bettlerin hing, nicht ertragen.

(Fortsetzung folgt.)

Eine Fraueuthat.

Erzählung von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Ueber Helenen» Gesicht glitt ein verächtliches Lächeln. Was thatcn ste?" fragte ste.

Ich kann nur nach ihren Bewegungen und Mienen urteilen," fuhr der Agent fort.Das Mädchen schien ihm Vorwürfe zu machen, er suchte ste zu beruhigen. Er wollte stch ihr nähern, um ihre Hand zu erfassen, schroff wie» ste ihn zurück."

Und da» Ende?" unterbrach ihn Helene ungeduldig.

Sie schieden unversöhnt. Da» ML chen eilte fort, er tief laut ihren Namen, aber ste floh, ohne sich umzuschauen, den Berg hinab."

Und et?"

Er blieb zögernd steh« «ud kehrte dann heim."

In seine Wohnung?"

Ja."

Haben Sie ihn 61» dort 6eo6achtet?"_

Gewiß."

Um welche Zeit war dies?"

Es mochte ein Uhr sein, vielleicht auch eftva» später."

Die reiche Erbin schwieg einen Augenblick, ste schien da» Gehörte zu überlegen. Ihr Gesicht blieb ruhig, lalt

Welchen Eindruck haben Sie durch Ihre Beobachtung gewonnen?" fragte sie dann.

Der frühere Schreiber zog langsam die Schulter in die Höhe.

Da» Mädchen ist hübsch, Herr Wellaud ist jung « wird eine Liebschaft mit ihr gehabt und ihr nun auS- sinarwergesetzt hab«, daß bas M aufhörrn muß, da er