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Ät. SS

Marburg, Sonntag, 12, April 1885.

xx. Jahrgang.

OWeUchk ZritiiW

begleitet:

Dem Fürsten Bismarck.

-

«pril 1, 1885.

und Rußland in Aste«.

Der unerwartete Zwischenfall am Kuschkflusse (in Afghanistan) hat die ohnehin bedeutenden Schwierigkeiten, welche der Verständigung zwischen Rußland und England entgegenstehen, erheblich gesteigert, da die von dem kriegs­lustigen Bizeköntge von England, Lord Dufferin, beein- flußten Nachrichten über das Verhalten der Russen in dieser Angelegenheit ganz dazu angethan sind, die Eng­länder mit dem tiefsten Mißtrauen gegen die Endziele Ruß­lands zu erfüllen. Hierin, in dieser tendenziösen Entstellung der Thatsachen, liegt die größte, man kann sagen, die ein­zige Gefahr für den Frieden. Bei alledem braucht die Hoffnung, denselben erhalten zu sehen, noch keineswegs vufgegeben zu werden. Gladstone selbst hat im Unterhause erklärt, daß die russische Regierung bereits ihr Bedauern über den Vorgang ausgesprochen und daß die Verhand­lungen gerade in der allerletzten Zeit einen besieren Verlauf genommen hätten. Wmn man also in London dem Drängen Lord DuffertuS und des mit ihm eng verbündeten Grenz- Kommisiars Str P. Lumöden nicht zu viel Raum läßt, wird eS am Ende doch wohl möglich sein, dem Zusammen­stoß für diesmal aus dem Wege zu gehen. Die Prahle­reien der englischen Prefle hinsichtlich der Unterstützung der eingeborenen Fürsten sind, nach dem Berichte eine» Sach­verständigen, der die Kontingente an hundert derselben kennen gelernt hat, völlig haltlos. Aus dem Papier sind da allerdings über 300000 Mann mit 4200 Geschütze» beisammen; in Wirklichkeit soll die ungeheure Mehrzahl aber aus zusammengelaufenem Gesindel bestehen, das nicht einmal mit modernen Feuerwaffen, d. h. Hinterladern aus­gerüstet ist. DieTreue- dieser Vasallen erklärt der Ge- währSmann allerdings für zweifellos. Woher er das aber weiß, ist nicht gesagt. Im Jahre 1857 find die meist« RadjahS allerdings treu geblieben; damals stand Rußland aber noch nicht vor den Thoren von Indien, sondern tausend Meilen davon entfernt. Das macht einen großen Unterschied, wie die Engländer vielleicht sehr bald erfahren werden. So viel ist jedenfalls gewiß, daß die Zuver­lässigkeit von Orientalen immer nur im Ernstfall geprüft werden kann, d. h. wenn es schlecht geht. Wenn die in­dischen Fürsten da aushalten dann alle Achtung, 'rüher aber nicht. Lord Dufferin, der erst im Herbste 1884 nach Indien gekommen ist, kann nicht als ein so gründlicher

vismarckfeier.

(Schluß.)

Die Adresse, welche die noch lebenden Veteranen der erbkaiserlichen Partei von 1849*, die für denErbkaiser* stimmenden Mitglieder des Frankfurter Parlaments, am 1. April an den Reichskanzler gerichtet haben, hat folgen­den Wortlaut: Durchlauchtigster Fürst 1 Vor mehr als drei Jahrzehnten berufen, dem lang'« Sehnen des deutschen Volkes nach Vereinigung seiner Glieder zur Erfüllung zu helfen, vermochten die ehrerbietigst Unterzeichneten damals nur, auf den Weg hinzuweisen, der die Nation zur Einheit führen könne; ihnen war nicht mehr vergönnt, als ihrer Ueberzeugung, daß der deutsche Bundesstaat nur unter der Führung des HohenzollernstaatS zu gründen sei, festen Aus­druck und bestimmte Foflung zu geben und di.se gegen Anfechtung, Thorheit und Leidenschaft aufrecht zu erhalten. Daß wir jene Bahn in stürmischen Tagen betreten, die Fahne erhoben und unentwegt zu ihr gestanden hab«, giebt uns ein Anrecht, dem Manne, der unsern Glauben zur That gemacht und uns zum Ziele geführt hat, den Dankeszoll, der ihm in unsern Herzen lebt, heute auSzu- sprechen. Wer hat eindringlicher und schmerzlicher als wir erfahren, welch« Kluft, Streben und Erreichen, Gedanken und Vollbringen trennt? Wer könnte deutlicher di« volle Wucht der Aufgabe empfinden, die Ew. Durchlaucht inmitten feindseliger Mächte auf stch genommen, wer aufrichtiger und lebhafter bewundern, was Ew. Durchlaucht vollbracht haben: die Erweckung der versunkenen Herrlichkeit der deutschen Nation zu neuem Leben und hellem Glanze! Politische Größe ruhte niemals auf Weitsicht, Kühnheit unv Kraft allein, nicht minder auf Mäßigung und Selbstüberwindung; wie zu gespanntestem, vermtwortlichstem Handeln, ist sie zu ge­duldigem Ausharr« berufen. Was die einsam in schweren Stund« rrrung«« Sntschlüffe kost«, ermißt, der sie zu

| mithin 1225000 Mark zur Deckung der Ausfuhrver- i gütuug eines um circa 60000 Hektoliter vergrößert« Quantums derselben überschießen.Da eine um 5 Mk. erhöhte AuSsuhrvergütung*, heißt e» in der Begründung weiter,voraussichtlich einen nicht unwesentlichen Einfluß auf die Konkurrenzfähigkeit des deutschen Sprits auf dem Weltmärkte ausübeu wird, so ist anzunehmen, daß der in­ländische Markt von seinem Ueberfluß an Ware einiger­maßen befreit werd« wird, daß somit der inländische Preis mindestens um so viel steigen wird, daß den Branntwein­brennern hierdurch reichlich die zu zahlende höhere Stmer dadurch ersetzt werden wird. Hingegen steht nicht zu be- fürchten, daß die Ausfuhr einen die Reichsfinanzen schä­digenden Umfang erreiche» wird, da der Konsum im Jn- lande notorisch ungefähr % der Gesamtproduktion er­fordert.* Bon einer entsprechenden Erhöhung der ©teuer für die sogenannten landwirtschafllichen Brennereien fleht der Antrag ab,da einerseits diesen Betrieben, welche zum großen Teil nicht den DurchschntttSertrag von 7,75 pCt. TralleS erzielen, eine Erhöhung der Steuer von 10 pCt. unter dm obwaltenden Verhältniffm nicht aufzuerlegen sein möchte, und andererseits in steuerlicher Hinsicht die aus dieser Kategorie von Brennereien fließenden Steuerein- künfte so geringfügig sind, daß auf eine Steuererhöhung derselben wohl auf die Dauer dieses Gesetzes Verzicht ge­leistet werden kann. Da» Gesetz soll für zwei Jahre gelten, da inzwischen eine andere gesetzliche Regelung erfolgt sein und die Wirkung desselben auf die Spiritus-Industrie und den Spiritushandel einen Anhalt für die Gesetzgebung auf diesem Gebiete ergeben wird."

Braunschweig, 10. April. Das Antwortschreiben de« Kaisers auf die Geburtstagsglückwunsch-Adreffe des Bürger- Vereins lautet:Dem Bürgervereine der Haupt- und Residenzstadt Braunschweig danke Ich für seine Glück­wünsche. Ich freue Mich, das Vertrauen der Bevölkerung der Stadt mit der Versicherung zu erwidern, daß Ich wie bisher, so auch ferner bereit bin, für die Zukunft de« HerzogtumS und feine bundesmäßige Stellung unter den Gliedern des Reiches die verfaflnngSmäßige Gewähr zu leisten.*

Anzeigen.nimmt entgegen die Expedition b. Blattes, fowied.Annoncen>Bureaux von Haasenstein undVogler inFrankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Men: RudolfMoffe in Frankfurt a. M., Berlin,München und V Win; ®. L. Daube und

Co. in Frankfurt a. M» Berlin,Hannover u. Paris.

Erscheint täglich außer an Mrktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- AbonnementS-PreiSbei der Expedition 2*/, Mk., bei den Postämter S «k. 50 Pfg. (erd. Bestellgeld). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 35 Pf».

Bestellungen Amtlichem Anzeiger und Sonn- tagsblalt für das II. Quartal 1885 werden noch fort­während von der Post wie auch von der Expedition ange­nommen. Die erschienenen Nummem werden auf Wunsch nachgeliefert.

DieGetreum von Jever* haben, wie nunmehr kon­statiert werdm kann, am 1. April in der That unter den Gratulanten im P-laiS des Reichskanzler gefehlt, well die Kibitze st« für dm Ehrentag des Fürsten Bismarck im Stich gelaffen hatten. Sie haben das Versäumte aber bald nach­geholt und am jüngsten Sonnabmd, also drei Tage nachher, das aus den üblichen 101 Kiebitzeiern bestehende Geburts­tagsgeschenk an.den Reichskanzler absendrn können. Die Gabe war in diesem Jahre .von folgmder poetisch« Widmung

Ausland.

.. Aom, 10. April. DieAgencia Stefant* dementiert die Behauptung mehrerer hiesiger Blätter, daß der gestrige Ministerrat eine eventuelle Okkupation Egypten» im Falle eines englisch-russtschen Kriege« erörtert habe.

Loudon, 10. April. (Unterhaus.) Auf eine Anfrage de« Parlamentsmitgliedes Croß erwidert Gladstone, feit seiner abends abgegebenen Erklärung sei eine Depesche LumsdenS eingegangen, worin derselbe folgendes mitteilt:

2°!' Reichsgerichts, Leipzig; S. Sirnfon,

Geh. Justizrat, Berlin; Sturm, Landgerichtsprästdent a.D., Magdeburg. Der Jüngste der Unterzeichneten (Dr. Drechsler) ist 63, der Aelteste (Präsident Rothe) 81 Jahre, die große Mehrzahl der Unterzeichneten 70 Jahre alt.

Dem Zrntral-Komtts- für die BiSmarckspende werdm, wie derMagdeb. Ztg.* berichtet wird, noch immer neue und recht erhebliche Summen, namentlich vom AuSiaude her, teils übermittelt, teils angemeldet, so daß stch da» Ge­samtergebnis der Ehrengabe noch gar nicht übersehen läßt. Erst wenn die» der Fall sein wird, dürfte stch Fürst Bismarck über die Art der Verwendung schlüssig machen. ES heißt, daß er hervorragende Namen aus dem geschäftsführmdm Ausschuß dabei zu Rate ziehen würde. In ähnlicher Weise ist bekanntlich seinerzeit auch seilen» de« Kronprinzen be­züglich der National-Ehrmgabe zu seiner silbern« Hochzeit veisahren wordm.

Kenner de» Lande« gelten, wie ihn die Regierung in London gerade jetzt für vöttg hält. Um so mehr, da« wiederholen wir, ist Vorsicht für sie geboten. Kommt e« zum Kriege mit Rußland dann mag die Lawine in« Rollen ge­raten und eine Entwicklung beginnen, die schlechterdings unabsehbar ist.

Deutsches Reich.

Berlin, 10, April. Nach einer Mitteilung derGer­mania* aus Rom ist die Ernennung des Bischofs Krementz zum Erzbischof« von Köln zwar schon erfolgt, würde aber erst am Ende de« Monat« publiziert werden, da man hoffe, bi« dahin auch «ine Verständigung über die Person de« künftigen Posener Erzbischofs herbeizuführm. Die kom- miflarischen Verhandlungen wegen de« ZollanschluffeS von Altona haben vorgestern tu Altona begonnen, und dürften, wie dieB. P. N. melden, noch diese Woche zum Abschluß ge­lange». Nach allem, wa« verlautet, ist es jedoch nicht wahr­scheinlich, daß eine Vorlage der Regierung bei der Volksvertre­tung in dieser Session in Aussicht genommen ist. ES dürste vielmehr die gesetzgeberische Regelung dieser Angelegenheit erst in der nächsten Session erfolgen. Zu dem kürzlich vou dem konservativen Abgeordneten Uhden im Reichstage eingebrachteu Gesetzentwurf, welcher eine Erhöhung der I Maischraumsteuer und der Ausfuhrvergütung für Spiritus bezweckt, ist nachträglich eine Begründung zur Verteilung gelangt. In derselben wird im Gegensatz zu der in der Denkschrift de« Vorstandes der SpirituSfabrikant« ver­tretenen Anschauung, daß eS unmöglich fei, den Nachweis r« führen, welchen Betrag die Ausfuhrvergütung hinter der wirklich gezahlten Stmer zurückbleibt, behauptet, daß die Ausbeute von 1 Liter Maischraum nicht 8 m Literprozent TralleS Alkohol betrage, wie da-Gesetz voraussetzt, sondern nur 7,75 Prozent. Die Schwindung beim Transport, bei der Aufbewahrung und bei der Rektifikation wird auf 7 P-ozent berechnet; eS müßte also unter der Voraus­setzung der beantragten Maischraumsteuererhöhung von 30 auf 33 Pf. eine AuSsuhrvergütung von 21,18 Mk. gewährt werden. Daß die Ausbeuteziffer zu niedrig gegriffen ist, liegt auf der Hand, da selbst bei Gewährung einer Aus­fuhrvergütung von 21 Mk. die als notwendig bezeichnete absolute Steigerung derselben um 5 Mk. nicht erziett wird. Von der Annahme der beantragten Erhöhung der Maisch­raumsteuer erwartet die Begründung zu dem Uhdensche» Antrag eine Steigerung der Bruttoeinnahme au« der Brannt­weinsteuer auf 67 595 000 Mk. gegenüber der Veranschlagung im laufenden Etat auf 61450000 Mk. Die veranschlagte Exportbonifikation von 15660000 Mk. würde stch auf 20580000 M., also um 4920000 Mk. erhöhen, während die Steuer 6145000 Mk. mehr betragen würde, wobei faffrn hatte, allein. Möge Ew. Durchlaucht zu dem Einen wie zu dem Andern auch hinfort die von innerster Ueber­zeugung getragene Kraft nicht fehlen, möge Ew. Durchlaucht beschicken fein, die hohe Mission, nach glorreichsten Kriegen Deutschland und Europa den Frieden zu erhalten, da» deutsche Reich weiter und weiter erstarken zu last«, über da« heute vollendete Lebensjahr hinaus noch lange zum Heile der lebenden und der komm nden Geschlechter fortzuführen I Die Adresse ist von Max Duncker entworfen und trägt folgeu-e Unterschriften: Dr. G. Beseler, Geh. Rat, Profeffor jur., Berlin; Karl Biedermann, Profeffor, Leipzig; Eugen Bock, Generalmajor z. D., Berlin; Dr. Drechsler, Reichs­gerichts Senats-Präsident, Leipzig; Dr. Mox Duncker, Geh. Ober-Rez.-Rat a. D., Berlin; Freiherr von Ende, Ober- prästvent a. D., Esten; Dr. EvertSbusch, Superintendent- P'äfls der Rhein. Provinzial-Synode, Lennep; Fritzsche, herzogl. Rat in Roda bei Altenburg; Göden, Dr., Geh. Medizinalrot Stettin; Götz, Rekwr a.D., Nmwied; Hall­bauer, Rechtsanwalt und Notar, Meißm; Haym, Dr. Profestor, Halle a. d. Saale; F. Jordan, Ober-Reg.-Rat, Potsdam; Dr. W. Jordan, Schriftsteller, Frankfurt a. M.; Dr. Käfferlein, Notar, München; v. Kalckstein, Landrat a. D., Rittergutsbesitzer, Wogau in Ostpreußen; Graf Keller, Geh. Reg.-Rat a. D., Gotha; Kiernlst, Präsidmt a. D. des Ober-Appell.-GerichtS der freien Städte in Lübeck; Dr. Löwe Calbe, Arzt, Berlin; Dr. F. Makowitzka, Profestor, Erlang«; G. v. Mevisten, Geh. Kommerzienrat, Köln; Pinckert, Rechtsanwalt, Justizrat, Erfurt; Presttng, Ge- richtSrat a. D., Bischweller; Rothe, Wirkt. Geh.-Rat, Reg.- Präsident a. D., Halle a. d. Saale; Rürnelin, Staatsrat a. D., Kurator der Universität Tübingen; Dr. Schrader, Geh. Regierung»rat, Kurator der Universität Halle a. d. Saale; Schulz«, Wir«. Geh. Obrr-Finanzrat, Provinzial- steuerdirektor, Kastel; Dr. Eduard Stwson, Wir«. Geh.-

Wöchentliche Beilagen: Anitlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

__________ Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug Koch

Söbentig Jahr levt, Uemmer dütsch strevt, Uemmer dütsch bahn: Lat' wieder so gähn!

Die Getreue« In Jever,