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Marburg, Freitag, 10. April 1885.
XX. Jahrgmg,
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^«cheiitliche Beilage»: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain.
Ltarkt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch
Wenn wir nun zum Schluffe der Zeichnung deS Lebensbildes unseres Reichskanzlers eilen, so dürste eS heute, an dem Tage, an dem wohl jeder Deutsche, gleichviel auf welchem politischen Standpunkte er stehen mag, die unsterblichen Berdtenste des Fürsten Bismarck anerkennt, angebracht sein, jene Zcrwüifmffe und Befehdungen, denen sich Bismarck von einem Tci.e der Volksvertretung ausgesetzt sah, nur zu tnj.b0^i tCt$ 8°r 6läIe Gegner der inneren Politik BiSmarckS -iusehen gelernt, daß auch hierin der Kanzler immer nur das B-ste des Volkes gewollt, erstrebt und fast immer erreicht hat.
Ja die Zett der Kämpfe mit den Ultramontanen — und auch diese Kämpfe haben längst an ihrer Heftigkeit verloren und ein dauernder Friede wird wohl auch mtt der Zeit eiutrüen — fällt ein zweites Attentat auf Bismarck, mm Böttchergeselle Kullmann tu Kiffiugeu vollführte. Ein Pistolenschuß streifte BiSmarckS Hand, sonst blieb er SÄ hm.2?tber wurde ergriffen und zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Das Lebensbild des Reichskanzler- Fürsten Bismarck.
(Schluß.)
In der Depesche hecht eS u. A.: „Wir dürfen uns nicht darüber täuschen, daß wir uns infolge dieses Krieges auf einen baldigen neuen Angriff von Frankreich und nicht auf einen dauerhaften Frieden gefaßt machen müffen. Es ist die Niederlage an sich, eS ist unsere siegreiche Abwehr ihres frevelhaften Angriffes, welche die französische Nation uns nie vergtffen wird! Wir sind in mehr als zwanzig Jahren niemals der Angreifer gegen Frankreich gewesen und wir haben von letzterem nichts zu begehren, als unsere von ihm so oft gefährdete Sicherheit im eigenen Lande. Frankreich dagegen wird jeden jetzt zu schließenden Frieden nur als einen Waffenstillstand betrachten und uns, um Rache für feine jetzige Niederlage zu nehmen, ebenso händelsüchtig und ruchlos wie in diesem Jahre wiederum augreifen, sobald eS durch eigene Kraft oder fremde Büudniffe sich stark genug dazu fühlt. — Nachdem uns der Krieg, dem wir mit Sorgfalt und mit Ueberwindung unseres, durch Frankreich ohne Unterlaß hecausgeforverteu nationalen Selbstgefühls vier Jahre aus dem Wege gegangen sind, trotz unserer FrirbenSliebe aufgezwungeu worden ist, wollen wir zukünftige Sicherheit al- den Preis der gewaltigen Anstrengungen fordern, die wir zu unserer Verteidigung haben machen müffen. Niemand wird uns Mangel an Mäßigung vorwerfen können, wenn wir diese gerechte und billige For- deru'-g festhalten.* u u
Während des Krieges, Ende 1870, kamen auch die Eitizelverträge mit bett süddeutschen Regierungen zum Abschluß, die sich der neuprojektiertm Verfassung DeutschlaudS rinorduen wollten. Der 18. Januar 1871 endlich brachte
von sich reden. Ein der Jnvalidenkaffe des Verbandes der Gewerkvereine von 1872—1885 als Mitglied angehörender Arbeiter wurde wegen eintretender Invalidität aus seiner Stellung als Zinkhüttenarbeiter entlaffen und stellte den Antrag, als Ganzinvalide die statutenmäßige Pension zu erhalten. Wiederholt abgewiesen, wurde er klagbar. Die Kaffe wollte ihn nur als krank gelten laffen und berief lZ- wie der „HK." mitteilt, darauf, daß Kläger eine schlechtbezahlteHortierstelle inne habe; auch habe er bieder Invalidität notwendig vorangehende Krankenunterstützung nicht bezogen. Die Kammer entschied, wie der erste Richter daß der Kläger die volle P-nston von 4 Mk. 50 Pf. wöchentlich seit 1881 zu erhalten habe. Falls diese Mit- tellung deS Hamburger Blattes den Thatsacheu entsprich« würde das Kammergericht die Beschlüffe der beiden letzten VecbandStage zu Stralsund und Berlin annulliert haben, und eS wäre in keiner Weise abzusehrn, wir eS mit der von der Kaffenleitung in Aussicht genommenen Saniernng der finanziellen Verhältciffe der Kaffe werden sollte.
Bielefeld, 8. April. Der Belagerungszustand wurde heute aufgehoben. — Ferner wird von gestern berichtet: Die Festtage sind ruhig vorübergegangen und sind Aus- chreitungen nicht vorgekommen, auch haben sich Ansammlungen von Arbeitern außerhalb des im BelagerungSzu- stan-e befindlichen Territoriums, wie sie noch am Char- freitag stattgefunden, nicht wiederholt. Infolge deffen hat das Garnisonskommando heute die Aufhebung des Le- lagerungSzustandeö höheren Ortes beantragt, zumal die strikenden Arbeiter der Nähmafchinenfabrik von Koch und Komp, sich nunmehr endlich entschlossen haben, vom nächsten Donnerstag ab die Arbeit wieder aittzunehmen. Schon seit nahezu 14 Tagen schwebten die Verhandlungen zwischen Arbeitern und Fabrikanten, doch konnten die strikenden niemals genug bekommen, resp. diejenigen, die hinter den Strikenden standen und die ganze Sache leiteten. Am letzten Freitag traf nunmehr ein VorstaudSmitglicd des deutschen Metallarbeiler-FachvereinS, ein Herr Willich aus Mannheim hier ein, welcher die Vermittelung zwischen den beiden Parteien wieder aufnahm und eine Einigung zu stände brachte. Danach erlassen die Arbeiter eine Erklärung, daß die über dir Firma Koch u. Komp, in auswärtige Zeitungen lancierten, die Fabrikinhaber verächtlich machenden Artikel nicht von ihnen herrühren. Ferner Weiden zwei Arbeit-r, welche zu den Wortführern der Strikenden gehört, aus dem Arbeiterverbande der Fabrik aus. Sodann liefert die Fabrik den Arbeitern auf ein ernere« Jahr das kleine Handwerkszeug, wie Feilen und dergleichen, während nach dieser Frist ein Tarif ausgearbeitet sein muß, welcher die Preise dieser Handwerksgeräte, velche von den Arbeitern gegen Lohnerhöhung zu beschaffen ein werden, fests tzt. Die von den Fabrikherren beabstch- trgte Maßregel hatte vor 4 Wochen den Strtke He'vor« die Wiedergeburt der alten deutschen Herrlichkeit; im groß n Saa«e des Schlosst von Versailles n hm König Wilhelm von Preußen die ihm von den versammelten Fürsten angetragene deutsche Kaiserkrone an. So war auf französischem Boven das Endziel erreicht worden, das Bismarck von Anbeginn seiner Thätigkeit verfolgt und erstrebt hatte.
Am 11. März war Bismarck wieder tu Berlin. Außer der Dekoration mit dem Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse, seinem Avancement zum Generalleutnant und einer berentenden Dotation, hatte ihm der so ruhmvoll beendete Feldzug die Erhebung in den Fürste-tstand eingetragen.
: gerufen; die Arbeiter haben somit eine einjährige Frist erlangt. Die letzte Bedingung ist, daß die Arbeiter vom Donnerstag ab zunächst mit 8stündiger Arbeitszeit beginnen, und wird die Arbeitszeit von den Fabrikanten, je nachdem Arbeit vorliegt, bis auf 11 Stunden ausgedehnt. Diese Vereinigungspunkte waren' mit unwesentlichen Abweichungen, schon am 1. April seitens des damals ver- mtttelnden Pastors v. Bodelschwingh zur Annahme em- pfohlm worden; die Strikenden wollten jedoch nicht darauf eingehen, bis daß ihnen der Abgesandte aus Mannheim die Unmöglichkeit nachgewiesen hatte, daß bei dem bestehenden Belagerungszustände besseres nicht zu erreichen 'c ’m“ ttebet die vermeintlichen Brandstiftungen auf bett v- Bodelfchwinghfchen Anstalten verlautet noch nichts Genaueres; die Angelegenheit schwebt bet der Staatsanwaltschaft.
Breme«, 7. April. Wie die „Wes. Ztg.' berichtet hat die englische Regierung an den .Norddeutschen Lloyd* Anerbietungen gelangen lassen, um dessen ausgezeichnete Schnellschiffe in ihre Dienste zu nehmen. Der .Nord- deutsche Lloyd* hat sich aber nicht bewogen gefunden, diese Schiffe aus feiner Linie zu ziehen und hat daher das Anerbieten abgelehnt.
Ausland.
, . daris, 6. April. Der Optimismus der Franzosen hat schon wieder Oberwasser bekommen. Die durch die Besetzung Port Hamiltons auf Korea durch die Engländer w eder in den Vordergrund geschobene koreanische Frage wird hier nämlich als ein Ereignis aufgefaßt, welches für China angeblich von verhängnisvoller Bedeutung sein soll und deshalb, nach hiesiger Auffassung, ein Grund mehr für das letztere sein dürfte, den Konflikt mit Frankreich nicht bis zum äußersten zu treiben, sondern die augenblick- ttche Geneigtheit des letzteren, Frieden zu schließen, beim ^lsen. Port Hamilton war seit etwa einem halben Jahre durch ein russisches Kriegsschiff besitzt, welches jedoch infolge der afghanischen Wirren einen anderen Bestimmungsort erhielt. Diese Gelegenheit nahmen die Engländer wahr, um flugs Port Hamilton zu besetzen, welches die besten Ankergründe an der koreanischen Küste hat, und sie geben damit allerdings ein bedenkliches Beispiel für die ander« Mächte insofern als sie sich vertragsmäßig China gegenüber ver- pflichtet halten, die Integrität Koreas aufrecht zu erhalten. Mau glaubt hier, daß dieser Vertragsbruch Englands die Situation auf Korea vollständig verändert hat und sowohl Japan wie Rußland sitzt ihren alten OkkapationSgelüsten dort freien Lauf laffen werden. In Verbindung mit der Blokade PetcheliS durch Admiral Courbet und der Besetzung der Fischerinseln, sieht man hier schon China in einer so bedrohten Lage, daß es nichts BeffereS thun könne, als flehentlich in Paris um Frieden zuMten. Infolge dessen
Die MiinungSverschiedenheiten, die zwischen dem Reichskanzler und den Ultramontanen, der Fortschrittspartei und den Sozialdemokraten herrschen, sind bekannt, und dir langen Spalten in den Zeitungen, die die Berichte auS dem Landtag und dem Reichstag beanspruchen, hätten die Leser stets auf dem Laufenden. Den Sozialdemokraten gegenüber) mußte Bismarck das Ausnahmegesetz schaffen. Aber er schuf auch die berechtigten Forderungen des Arbeiter- standes anerkennend, und fußend auf der Kaiserlichen Bot- schäft, die sozialpolitischen Gesetze, durch welche der Sozialdemokratie die guten und dem geordneten Staatsleben sich fugenden Elemente entzogen werden. Und daß diese sozial- politische Gesetzgebung zum Segen der Gesamtheit weiter au-gebaut werden wird, dafür birgt uns der hohe, edle Sinn dcs Kanzler».
Furchtlos und kühn, treu zu Kaiser und Reich stehend, ist er allen Parteien gegenüber mit seinen Ansichten, seinen Gesetzes - Entwürfen und Reformen hervorgetreten. Mag ihm auch mancher unmotivierte und auch vielleicht mancher berechtigte Widerspruch — beim eS kann eben nicht auf Erden nur eine Meinung geben — oft genug bittere Stunden bereitet haben, das ist sicher und das hat der große Staatsmann mit seinem weiten Blicke auch ganz gewiß erkannt: Die breite Maffe deS Volkes, die Männer, die sich mit Stolz Deutsche nennen, sie stehen treu zu dem Kanzler deS deutschen Reiches. DaS hat erst die jüngste Zeit bewiesen und da» beweist die allgemeine, tiefgehende Feier des 70. Geburtstage« und deS 50jährigen Amts- JublläumS des ersten Staatsbeamten des deutschen Reiches.
Wir Alle aber wollen wünschen, daß uns unser Reichskanzler noch lange zum Wohle des gesamten deutsche« Vaterlandes erhalten bleibe.
Anzeigen, nimmt entgegen vier Expedition d. Blattes, fowied-Annoncen-Bureaux von Haafenstein undBoaler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Men: Rudolf Mosse in Frankfurt A a. M., Berlin,München und
V Aöln; G. L. Daube und
Co. tn Frankfurt a. M., Berlin,Hannover u. Paris.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- Abonnements-Preis bei der Expedition 31/. Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 Pfg. (erd. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
a"f die Oberh. Zeitung mit iW Amtlichem Anzeiger und Sonn-
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Deutsches Reich. '
t, Berit«, 8. April. Die „Nordd. Allg. Ztg.* enthält folgende Danksagung deS Fürsten-Reichskanzler: Nachdem ich den Besitz des vollen ehemaligen Erbes meiner Väter in Schönhausen habe antreten können, drängt eS mich, allen denen, welche dazu mitgewirkt haben, daß dieser seit vielen Jahren von mir gehegte Wunsch erfüllt wurde, nochmals von Herzen zu danken. — Am ersten Ostertage vormittags gab der Staatssekretär Dr. v. Stephan im Haupttelegraphenamt den dienstthuenden Beamten und Gehilfinnen Kenntnis von nachstehendem Erlaß des Reichskanzlers: „Euerer Exzellenz gefällige Mitteilung über den gestrigen Telegrammverkehr hat mich von neuem von der Zweckmäßigkeit unserer telegraphischen Einrichtungen und der Tüchtigkeit der Beamten Ihre« Refforts überzeugt. Euerer Exzellenz und Ihren Beamten fühle ich mich um so mehr ve, pflichtet, für ihre angestrengten Leistungen in den letzten Tagen zu danken, als dieselben durch meine Person veranlaßt worden sind.* Wir bemerken hierzu, daß auS Anlaß der Feier des 71. Geburtstages Sr. Durchlaucht nahezu dritthalbtausend Telegramme mit etwa 100000 Worten aus fast allen Teilen der bewohnte« Erde ein» gelaufen waren. — Es ist Aussicht dafür vorhanden, daß im Jahre 1888 hier eine große deutsche nationale Gewerbe- unv Industrie-Ausstellung stattstadet. Die leitenden Per- sönlichke.ten der Ausstellung von 1879 faßten gestern einen entsprechenden Beschluß und scheinen der Zustimmung der maßgebenden Kreise sicher zu sein. — lieber die Begründung eines „deutschen Bauernbundes* geht der „Neuen Pr. Ztg." ein längerer Bericht zu, aus dem dieselbe vorläufig folgendes mittet»: In einer von dem Leiter und Mitbegründer des seit 25 Jahren bestehenden „Bauernvereins für den Saalkreis", LandtagSabgeordneten Knouer Gröbe-S, einberufenen Generalversammlung des bisherigen „Deutschen Landvereins* erklärte die Mehrzahl der Erschienenen ihren Austritt auS diesem Verein und konstituierte sich, unter Annahme eines sorgfältig ausgearbeiteten neuen Statuts, al» „Deutscher Bauernbund*. Zum Vorsitzenden wurde sofort der Abgeordnete Knauer, zum geschäftsführenden Direktor der landwirtschaftliche Bücherrevisor EberS-Berlin, und zu deffen Stellvertreter der Landwirt Albert Küster aus Fürstenwalde gewählt. Der Bund, welcher daS gesamte Reichsgebiet umfaßt, hat seine« Sitz in Berlin, bis auf weiteres Hollmannstraße 20. — Die Perle der Gewerkvereine des Herrn Dr. Max Hirsch macht schon wieder