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Hiaröurg, Donnerstag, 2. April 1885.

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»odjentlidjc Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. L. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt. gybittou: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

zu Caff prtl 1881 eutenant.

Am Redner einigten kmntnis

Am 27. In« 1847 hatte sich Bismarck mit Johanna von Puttkamer, der einzigen Tochter eines pommerschen EdelmanneS, vermählt. Auf seiner Hochzeitsreise durch Italien traf er in Venedig mit dem König Friedrich Wilhelm IV. zusammen und die längere Unterredung, die er mit dem Monarchen hatte, ist sicher nicht ohne groben Einfluß auf sein spätere« Wirken gewesen.

Am 2. April 1848, dem Revolutionsjahre, war es Bismarck, der in der Sitzung des Landtages als Einziger in der ganzen Versammlung sich erhob und gegen die Dank- adrefle an den König sprach, in welcher dem Danke für die bereitwillige Nachgiebigkeit den Revolutionsforderungen gegenüber Ausdruck gegeben werden sollte. Der kövizStreue, streng konservative Mann mußte in dieser Nachgiebigkeit eine Erschütterung der Würde des Königtums sehen und noch mehr, er erkannte mit außergewöhnlichem Scharfblick, daß auf dem eingeschlagenen Wege ein einiges deutsches Vaterland nicht geschaffen werden könne. Von diesem Augen­blicke an sah man in BiSmarck immer nur den »stockpreu- ßischeu Junker*, bis der Junker durch seine Erfolge die

In dem Augenblick, wo JuleS Ferry gestürzt ist und wo alle im Tonking begangenen Fehler auf sein Haupt als das des alleinigen Sündenbocks geladen werden, ist eS vielleicht eine Forderung der Gerechtigkeit, klarzustellen, was Ferry verschuldet hat und was auf das Konto anderer zu schreiben ist. An der Niederlage NegrierS ist er sicher unschuldig; denn nicht er, sondern seine Generäle leiteten die militärischen Operationen. Wenn eS ihnen nicht ge­lang, durch wett ausgreifende RecognoSzierungen die über­mächtige Stärke des Feindes festzustellen, wie soll das dann am Quai d'Orsay möglich sein? Wenn eS ferner richtig ist, daß seine Generäle die ihnen gelieferten Streit«

Zureichend erklärten, so lag für den Minister kein Anlaß vor, weitere Truppen zu schicken. JuleS Ferry hat ferner die ganze Angelegenheit in durchaus verfahrenem Zustande überkommen, da Challemel-Lacour die Sache vom sachlichen auf das Gebiet der persönlichen Beleidigung ge­spielt hatte: seine anmaßende gröbliche Haltung, die be­kannte quantite negligeable verletzte den Tsung-li-Yamen und schuf ihm einen persönlichen Feind in Marquis Tseng, der diese Feindschaft auf Ferry übertrug, wozu ihm letzterer allerdings auch einigen Anlaß gab. Späterer Zeit wird es vielleicht Vorbehalten bleiben, zu beweisen, wie sehr der ganze Streitfall einer persönlichen Fehde zwischen Herrn Jules Ferry und Marquis Tseng glich, der immer und immer mit allen Mitteln darauf hinarbeitete, JuleS Ferry zu stürzen, nicht den Minister, sondern den Mann. Heute räumt JuleS Feny daS Palais am Quai d'Orsay und der chinesische Marquis wird wahrscheinlich in Folestone illuminieren. Wenn aber Herrn Ferry mildernde Umstände zur Seite stehen für die Niederlage NegrierS und die Feindschaft des Marquis Tseng, so trifft ihn der unab- meisliche schwere Vorwurf, daß er, so lange die ganze Ge- schichte spielt, dem Lande niemals mit der vollen Wahrheit gegenübergetreten ist und häufig sogar das Parlament durch kleinliche Mittel zu täuschen gesucht hat; eS trifft ihn, ferner der Vorwurf, daß er eine zögernde, schwankende Politik betrieb, die in den «kleinen Paketen* ihren prak­tischen Ausdruck fand.

Nichts wird den bisherigen Ministerprästdenten vor der formellen Verantwortung für diesen Fehler retten können; geht man der Sache aber tiefer auf den Grund und fragt sich, wer die moralische Schuld an dieser Stückpolitik trägt, so ist es vielleicht am Platze, einmal ein offenes Wort zu sprechen: Warum hat man niemals große Verstärkungen schicken und «die Mobilmachung gefährden* wollen? Weil Thoren und Fanatiker seit Jahren zum Kriege gegen Deutschland gehetzt hatten und nur in ihrem schlechten Ge­wissen die Befürchtung empfanden, daß Deutschland seiner­seits die Gelegenheit benutzend über Frankreich herfallen

würde. Diese Leute hatten die Anschuldigung von Deuffch- lands Kriegslust zur Legende gemacht und sie, dieaccroupis et hypnotis6s* vor dem Vogesenloche saßen, sie sind daran schuld, daß die Sache nicht von Anfang an kräftiger an- gefaßt wurde, sie tragen die moralische Verantwortung, wenn heute bei Langson vielleicht 2000 französische Leichen den Boden bedecken. Ihnen denn sie sind unzurech­nungsfähig und leider auch unverantwortlich wird da« keine Lehre fein, aber das friedliche und arbeitsame Frank­reich möge sich klar machen, daß ohne die Herren Patrioten schon seit Jahresfrist die ganze Unternehmung friedlich be- endet wäre mit dem zehnten Teil der Opfer.

Deutschland hat bewiesen, daß es gegen Frankreich nicht« Uebles im Schilde führt, und e« wird es auch weiter be- weisen, jetzt, wo die Gefährdung des Mobilmachungsplanes, von der vorher so viel geflunkert wurde, wirklich ein tritt. Ferry hat auch seine chauvinistischen Stunden gehabt; daß er als Minister persönliche Gefühle unterdrückte und das Wohl Frankreichs im Auge haltend, Deutschland gegenüber staatsmännisch handelte, das ist sein Verdienst, dem volle Anerkennung nicht fehlen sollte. ES mag fein, daß er weniger durch eigene Neigung als durch den Zwang der Lage und der Thatsachen dazu gebracht wurde; gleichviel, er hat sich der Lage und den Thatsachen anpaffen können und wir dürfen hoffen, daß er insoweit Schule gemacht hat, als auch sein Nachfolger, wer eS auch sein möge, Gewicht darauf legen wird, sich mit Deutschland auf guten Fuß zu stellen. Deutschland hat sich niemals in die inneren Angelegenheiten Frankreichs eingemischt und trotz vieler Herausforderungen stets eine gemäßigte, Frankreich oft be­günstigende Stellung eingenommen; der Staatsmann, der Ju es Ferry nachfolgt, wird sich dieser Thatsache nicht ver­schließen können, und wenn bei ihm doch noch gewiffe Zweifel obwalten sollten, so wird die Folgezeit ihm sicher den Beweis von ihrem Mangel an Berechtigung geben, (ft. 3.)

Deutscher Reich.

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Geburtstage des Fürsten Bismarck wird der Kaiser mit den Prinzen des königlichen Hauses persönlich die Glück- wüasche überbringen. Den Abendzeitungen zufolge würde der Kaffer dem Reichskanzler eine nach den Zeichnungen d/S Heroldsamts gefertigte goldene Fürstenkrone als per­sönliche Gabe widmen. DieNordd. Allg. Ztg.* berichtet: Ihre Majestäten und die Königlichen Prinzen und Prin­zessinnen haben sich vereinigt und machen Bismarck zu seinem Geburtstage mit dem Gemälde: «Die Kaiserproklamation in Versailles*, von Anton Werner gemalt und von einem überaus kostbaren Nahmen umgeben, ein gemeinsames Ge­schenk. Der BundeSrat und das preußische Staats-

Welt belehrte, daß gewaltige, höhere und nur mit außer­ordentlichen Mühen zu erreichende Ziele feine Brust bewegt hatten.

Mißgestimmt zog sich der königstreue Junker auf fein Gut zurück und mit mehreren anderen Männern begründete er das Organ der konservativen Partei, die «Neue Preu- ßische (Kreuz-) Z-itung* und war selbst mit Wort und Schrift für das Durchdringen seiner Idem thStig.

Mit dem 31. Mai 1851 beginnt in dem Leben BiSmarck« eine außerordentlich intereffante Periode, eine Thätigkeit be« Diplomaten, die damals noch weniger gewürdigt worden, die aber heute, wo wir auf jene Zeit als eine vergangene, überwundene zurückblicken, uns den künftigm großen Staats­mann bereits in hellstem Lichte zeigt. 1851 wurde BiSmarck jum Gesandten am Frankfurter Bundestag ernannt, in welcher Stellung er acht Jahre verblieb. Er selbst bezeichnet diese Zeit als seine diplomatische Lehrzeit, aber schon in dieser Lehrzeit hat er Preußen und dem deutschen Vaterlande große Dimste geleistet. Zieht man die Summe der BiSmarck- schen Erfolge in seiner Frankfurter Thätigkett als Bundes« tagSgffandter, so kann man sagen: ES ist ihm gelungen, die Uebermacht Oesterreichs in Deutschland zu brechen, Preußen eine gleichberechtigte Stellung neben Oesterreich im Bunde zu erringen und die politische Lage für die kommen­den Jahre vorzubereiten, in denen eS sich darum handeln 1 mußte, die für die Einigung Deutschlands hinderliche Macht Oesterreich« in Deutschland ganz zu besettigeu. Daß der Gesandte BiSmarck damals schon dieses Ziel verfolgte, dürste heute wohl unzweifelhaft sein und nebm dem diplomatischm Talente Bismarcks ist es wohl auch die machtvolle Persön- lichkeit de« künftigen Reichskanzlers gewesen, die Ende 1858 dem preußischen Staate im Bunde die gebührende Stellung ZU schaffm wußte. (Fortsetzung folgt.)

überließ Jrrchelin feinem Bruder. Das Vertrauen, das man allseitig zu Otto von BiSmarck hatte, bekundete sich darin, daß man ihm da« Amt eines Deichhauptmanns übertrug und ihn zum Abgeordneten des Jerichower Kreises wählte.

11. April 1847 trat Bismarck zum erstenmale als in die Oeffentlichkeit. In einer Sitzung des ver- Landtages legte er sein politisches GlaubmSbe- nicber, daS ihn unter allen Umständen, in allen StmmeSwehen als einen treuen Diener seines Königs aus- harren hieß, ein Glaubensbekenntnis, dem er bis auf den heutigen Tag unentwegt treu geblieben ist.

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Co. fn Frankfurt a. M., Berlin,Hannover u. Paris.

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* Auf das mit dem 1. April beginnende Quartal- Abonnement der

Oberhesfischen Zeitung

und beten wöchtlichen Beilagen

Amtlicher Aniciger

für die «reise Marburg «ud «irchhaiu und

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Der Sturz de« MtuisteriumS Ferry.

Pari«, 30. März.

Also stand es tu ben Sternen geschrieben, daß das Ministerium Ferty, das dauerhafteste, das die Republik beseffen, stürzen sollte, nahe seinem großen Ziele, den allgemeinen Wahlen, in der es sich eine Mehrheit ver­schaffen wollte, stark genug, um allen Stürmen zu trotzen und den Vorwurf von der Veränderlichkeit der französischen Ministerien in das Reich der Legende zu verweisen. Bei Verfaffungsrevision, Listenwahl und vielen anderen Klippen war da« Schiff des Ministerium« glücklich und häufig mit Geschick vorbeigesteuert worden, bi« e« endlich in derjenigen Frage gestürzt wurde, in der es allerdings am meisten ge­fehlt hatte: in der chinesischen. Seit geraumer Zeit war es unverkennbar, daß hier die verwundbare Stellung des Herrn Jules Feny sei, der sich in Tonking auf eine Unternehmung eingelaflen hatte, die wie alle Kolonialunter, nehmungen im Lande die kälteste Aufnahme fand.

Nur durch hervorragendste parlamentarische Geschicklich­keit und durch straffe Disziplinierung seiner Partei war es trotz aller Widerwärtigkeiten dem Ministerpräsidenten bisher gelungen, die Kammer mit sich fortzureißen, nicht aber das Land, das, ob der Opfer an Blut und Geld erschreckt, immer stärker auf die Deputierten drückte und ihnen ihre Wieder­wahl gefährdet erscheinen ließ. Es bedurfte nur noch eine« starken äußeren Anstoßes, einer Niederlage in Tonking, und das Ministerium mußte von ben D putierten gestürzt werden, wenn anders diese nicht für die künftigen Wahlen einen Selbstmord an sich begehen wollten. Sobald die Nachricht von der Niederlage NegrierS eintraf, war der inzwischen eingetretene Ausgang sofort als wahrscheinlich zu betrachten; aber so groß war die Gewöhnung an FeriyS parlamen­tarische Siege, daß man bi« zum letzten Augenblicke noch sein Bleiben für möglich hielt, allerdings nur so, wie ein Arzt einen Totkranken nicht eher endgültig aufgibt, bis der letzte Hoffnungsstrahl geschwunden ist.

Zum 1. April.

Deutsche all im ganzen Reiche, Wählet aus den schönsten Raum, Pflanzt darauf dieBismarck-Eiche* Ihm zu Ehren, der den Traum Unsrer Väter machte wahr Und der Ein'ger Deutschlands war;

Der in schwerstem Kampf und Streite Fest zu feinem Kaiser stand, Treu ihm Blut und Leben weihte Und mit kunstgeschickter Hand Schuf des Reiches stolzen Bau: Preist ihn laut von Gau zu Gau!

Euren Kindern sollt ihr sagen, Was er that, daß immerfort Von den Enkeln noch getragen Wird sein Ruhm von Ort zu Ort- Deutsche, drum auf schönstem Raum Pflanzt heut einen -BiSmarck-Baum!* _ Wittenberg, März 1885.___________________Ernst Sjutf ch.

Da« Lebensbild des Reichskanzler- Fürsten BiSmarck.

(Fortsetzung.)

Behufs eventueller Uebernahme der väterlichen Güter absolvierte BiSmarck nunmehr einen Kursus auf der land­wirtschaftlichen Akademie zu Eldena bei Greifswald und übernahm dann die Güter Kniephof und Jarchelin. Trotz des Ernstes und der Energie, mit der sich BiSmarck der Landwirtschaft widmete, so daß er als Oekonom weit und breit Renommee hatte, ging eS auf Kniephof nach alter krvher Studentenart im Kreise lustiger Zecher oft toll genug 9«r und es ist bezeichnend, daß man scherzhafter Weise den langen Otto in den -tollen BiSmarck* und ben Kniephof in .Kneiphof* umtaufte. Nach dem Tobe be« alten Herrn Von BiSmarck, 1841, übernahm Otto Schönhausen und