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Marburg, Miltwoch, 1. April 1885.
XX. JahkMg.
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Illustriertes Sonntagsblatt.
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. —
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.
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>s braust ein Jubelruf durchs deutsche Vaterland.
Von Ost' gen' West', vom Süden hin gen' Norden, Und von der Alpe First bis zu des Meeres Strand, Bisfzn der Inseln schaumgekrönten Fjorden, Allüberall, wo deutsche Zunge klingt, Wo treue Herzen für Alldeutschland schlagen, Wo auf dem Ozean die deutsche Flagge winkt, Von deutscher Flagge Mastenwald getragen:
Heil unferm Kanzler Heil, der wetterstarken Eiche, Der Männer Bestem in dem deutschen Reiche!
Furchtlos und kühn, mit echtem deutschen Mut Hat er zu Kaiser und zu Reich gestanden;
„Mit schönen Reden nicht, durch Eisen nur und Blut Erlösen Deutschland wir aus seinen Banden!" Das stolze Wort, es ward zur kühnen That, — Ob auch manch' Unverstand dem Ziele sich verschlossen, — Durch Bismarcks Kraft, auf fremder Fluren Pfad, Jst's deutsche Reich zur Einigkeit entsprossen!
Drum jubelt zu in hellstem Freudentone Das deutsche Volk Germaniens bestem Sohne.
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Der Mann von Eisen, der heut fünfzig Jahr Dem deutschen Volk gedient in deutscher Treue, Ob auch der Winter-Sturm gebleicht das Haar, Des Fürsten Thaten weisen es aufs Neue, Daß ewig jung und ungebeugt die Kraft, Die unentwegt für Deutschland sonder Zagen Ein ganzes Menschenleben hat hindurch geschafft, Die uns zum Ruhmesgipfel hat emporgetragen.
Drum heut ein donnernd Hoch dem Mann von echtem Adel, Dem reckenhaften Helden sonder Furcht und Tadel.
Ein Fels von Erz, von wildem Wogendrang Gar oft umrauscht, umtost von Ungewittern, So stand der Kanzler fest — sein mächtig Wort erklang, Das Wort, es macht der Feinde Schaar erzittern. Hoch hielt des Reichs Panier des Kanzlers starke Hand, Er hielt es schützend über deutsche Gauen, Bis daß am Niederwald das Heldenweib erstand, Bis daß Germania er könnt' die Wacht vertrauen.
Zum Jubelfest Germania heute sendet Der Eiche Kranz, vom deutschen Volk gespendet.
Wir aber wollen heut am FesteStag
Die Wünsche all zu einem Wunsch vereinen:
Des Himmels Segen ewig ruhen mag, Und immerdar des Glückes Sonne scheinen Auf uns'res Kanzlers Werk und immer frohgemut
Mag kraftvoll er für Deutschlands Ehre walten, Und als des Reiches unantastbar Gut Mag ihn der Himmel lange uns erhalten.
Und „Hoch" und dreimal „Hoch" erschall es in der Runde Dem Kanzler zu in dieser Festesstunde.
Zur Jubelfeier «useres Reichskanzlers.
Das deutsche Volk ist ein dankbares Volk. Schwer genug ist es, selbst für die hochgestelltesten Persönlichkeiten, sich die Gunst des deutschen Volkes, derbreiten Volksschichten zu erwerben und nur Männer, die wirklich bedeutende Thaten aufweisen können, Thaten, die den weltgeschichtlichen Fortschritt, das Glück, die Ruhe und den Frieden der Gesamtheit zu fördern und zu erhalten geeignet waren, können sich dieser Volksgunst, die noch höheren Wert hat, als Diplomatengunst, rühmen. Wenn aber erst einmal die Herzen des deutschen Volkes einem Manne entgegenschlagen, von dem es fest überzeugt ist, daß er das Beste des deutschen Volkes erstrebt und errungen hat, wenn das Volk erst einmal aus vollem Herzen einem solchen Manne zugejubelt hat, dann gibt es keine Macht, die im stände wäre, das treue deutsche Herz diesem Manne abwendig zu machen. Und dann erblüht auch im Volke die Blume der Dankbarkeit, einer echten, ungekünstelten Dankbarkeit, die sich in hellstem Lichte an den Ehrentagen des Mannes zeigt, dem das Volk zujubelt, weil es weiß, daß es auch an solchem Festtage von thm verstanden wird, der da tief und unerschütterlich im Volke wurzelt.
Wer es je bezweifelt haben mag, daß unser Reichskanzler Fürst Bismarck zu jenen seltenen Männern gehört, die in des Volkes Seele zu lesen verstanden, wer jemals an dem innigen Zusammenhang zwischen dem ersten Staatsmanne Deutschlands und dem Volke Zweifel gehegt haben mag, der darf nur die einfache, schlichte, echte und rechte Volksfeier betrachten, die heute an dem doppelten Ehren- und Jubeltage des Reichskanzlers ihm zu Ehren in ganz Deutschland gefeiert wird. Mögen auch einige Unzufriedene — und wo und wann hat es bereit nicht gegeben? — abseits stehen am heutigen Tage, der Wert der „Bismarck - Feier" am 1. April 1885 wird darum kein geringerer und die Erinnerung an diesen Tag wird leben, so lange es Deutsche gibt. Nicht umsonst und nicht ohne Grund spricht das Volk von „unserem Reichskanzler" und der Stolz, der in dem Wörtchen „unser" liegt, er ist und bleibt gerechtfertigt im Hinblick auf die gewaltigen Thaten des Gefeierten, im Hinblick auf die unsterblichen Verdienste, die sich Fürst Bismarck um Deutschland und das deutsche Volk erworben. So ist es gerechtfertigt, daß am heutigen Tage, an dem der „eiserne Kanzler" die Vollendung seines 70. Lebensjahres und sein 50jähriges Dienstjubiläum feiert, ganz Deutschland in den dankbaren Freudenruf ausbricht:
Fürst Bismarck, Deutschlands Kanzler hoch und dreimal hoch!
Eine so kernige, eiserne, deutsche Kraftsgestalt wie Fürst Bismarck, ein so ganzer Mann in des Wortes bester Bedeutung, eine so edle, selbstbewußte und doch bescheidene Persönlichkeit verträgt auch am heutigen Tage keine liebedienerischen Lobhudeleien, keine Hyperbeln der Bewunderung. „An den Thaten sollt Ihr ihn erkennen!" Wenn jemals, so hat das Wort auf den Fürsten Reichskanzler gepatzt. ES genügt deshalb, wen» wir an dieser Stelle nur eine kurze zusammenfassende Charakteristik der Thätigkeit des
Reichskanzlers geben, die er tn seiner 50jährigen Dienstzeit dem deutschen Reiche gewidmet hat.
Der „stockpreußische Junker", der „Ultrakonservative", wie Bismarck von vielen Seiten und selbst von Männern ehemals genannt wurde, die Anspruch auf politische Bedeutung machten, er hat das Schicksal der meisten wirklich bedeutenden Männer gehabt: er ist in seinen Bestrebungen anfangs nicht verstanden und es sind ihm Hindernisse aller Art auf den Weg gelegt worden, den zu gehen er für den einzigen richtigen und zum Wohle Deutschlands ersprießlichen hielt. Nur eine so eiserne Natur wie die des Reichskanzlers war im stände, unentwegt allen Anfeindungen gegenüber, seinen Anschauungen und seinem Streben Geltung zu verschaffen, nur die Energie eines Bismarck war geeignet, umwogt von einem feindlichen Parteigetriebe, fort und fort das eine große Ziel im Auge zu behalten und auszuharren auf einsamem Posten bis zur Erreichung dieses Zieles. Und dieses Ziel, es war allerdings auch wert, ein Menschenleben voll Mut und Kraft daran zu setzen, denn es lautete ja: Die Einigung Deutschlands. Freilich, als der Erfolg das Streben des großen Diplomaten krönte, als das große Werk trotz innerer und äußerer Hindernisse vollbracht war, da verwandelte sich wohl das Mißtrauen in Vertrauen, da wurde wohl der vielgehaßte und vielgeschmähte Manu um- jubelt und diese allgemeine Anerkennung durfte ihm Ersatz bieten für die früheren Angriffe und das Mißverstehen seines Strebens.
Die Einigung Deutschlands war es, die Bismarck im Auge hatte, schon damals im Auge hatte, als er als Preußischer Bundestagsgesandter in Frankfurt dem Uebergewichte Oesterreichs entgegentrat. Aber der Weg, auf dem diese Einigung erzielt werden konnte, er war für ihn himmelweit verschieden von dem breitgetretenen Pfade, auf dem fast alle Politiker der vierziger Jahre die deutsche Kaiserkrone zu finden hofften. „Nicht auf Schützen- und Sängerfesten kann die deutsche Einigkeit ersnngen werden, sondern nur durch Blut und Eisen kann sie erkämpft werden!" Diese prophetischen Worte, sie wurden damals nicht verstanden und demzufolge auch nicht die Maßregeln, die Bismarck, im Verein mit dem Könige Wilhelm, zur Erreichung des hohen Zieles für notwendig hielt. Mit eiserner Energie und gegen den Willen der Volksvertretung mußte der preußische Minister-Präsident Bismarck die große Heeres-Reorganisation durchführen, die als der Grundstein des wetterfesten Gebäudes „Deutschland" anzusehen.
Gegen den Willen der Volksvertretung führte er den Krieg gegen Dänemark, durch welchen die Elbherzogtümer wieder deutsch wurden und unter dem Unwillen fast des gesamten Volkes begann er den Krieg von 1866. Es ist wohl nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß es im ganzen deutschen Reiche damals keinen Einzigen, außer Kaiser Wilhelm und den dem preußischen Ministerpräsidenten am nächsten stehenden Personen gab, der die weitsichtigen Pläne und auf sicherster Grundlage ruhenden Berechnungen Bismarcks verstand und würdigte. Um so gewaltiger ist das Verdienst des auf einsamer Höhe stehendes Mannes,
daß er das Notwendige Begann und glücklich durchführte. Und als nun endlich im Volke und b.i der Volksvertretung sich die bessere Ueberzeugung Bahn brach, als man endlich die gewaltige Größe Bismarcks erkannte, da führte er das begonnene Werk zum ruhmreichen Ende und auf den Schlachtfeldern Frankreichs ward das deutsche Kaiserreich wieder errichtet.
Der Diplomat BiSmarck, der durch seine Staatskunst Deutschland zum ersten Reiche der Welt zu erheben verstand, er wandelte nicht die konventionellen Pfade der diplomatischen Schule. Bismarck ist ein offener, ehrlicher Charakter, der die Hinterthürchen und Querzüge der Diplomatie verschmähte, der oft mit einer geradezu verblüffenden Offenheit vorging und gerade mit dieser Offenheit großartige Erfolge erreichte. Diese diplomatische Kunst Bismarcks, sie wird im Buche der Geschichte ihre volle Würdigung finden, hier kann nur Einzelnes in großen Zügen angedeutet werden. Es ist geradezu als ein Meisterstück der Staatskunst zu betrachten, wie Bismarck im Zeitraum von 15 Jahren Oesterreich gegenüber auftrat, wie er vom ersten Augenblicke au, da er Preußen als BundestagSgefandter vertrat, die Gleichberechtigung seines Staates neben dem Kaiserreiche vertrat, wie er dasselbe Oesterreich, mit dem der spätere Konflikt bereits in Sicht war, zur Teilnahme des Krieges gegen Dänemark zu bewegen wußte, wie er endlich die Macht Oesterreichs im deutschen Bunde, jene unheilvolle Macht, deren Beseitigung die Vorbedingung für eine Einigkeit Deutschlands war, brach und nun nach dem Kriege von 1866 das Werk durch die Errichtung des norddeutschen Bundes krönte. In nicht minder glänzendem Lichte aber zeigte sich die Diplomatie Bismarcks vor dem Ausbruch des deutsch-französischen Krieges. Durch einen einzigen kühnen und glücklichen Schachzug, durch die Veröffentlichung der schmählichen Anerbietungen Napoleons, welche die Vergrößerung Frankreichs auf Kosten der süddeutschen Staaten bezweckten, bewog er die süddeutschen Staaten, sich gegen den französischen Imperator zu erheben und Schulter an Schulter mit Preußen gegen Frankreich vorzngehen.
Aber der Diplomat Bismarck ist auch Soldat, wie sein königlicher Herr. Und daß er das ist, war von keiner geringen Wichtigkeit für die Folgen der ruhmreichen Siege der preußischen und deutschen Armee. Nicht umsonst trägt der Mann, der an der Spitze der Staatsgeschäfte Deutschlands steht, den Kavalleriesäbel, nicht umsonst hat er selbst in dem wilden Tosen und Wogen der Schlacht mitten drin gestanden. Die Zeit, wo es leider hieß „was das Schwert gut gemacht, haben die Federfuchser verdorben", war mit dem Auftreten Bismarcks vorbei; so große und gewaltige Siege, die mit dem Blute Tausender deutscher Söhne erkämpft worden, durften nicht ohne große, gewaltige Erfolge bleiben, die dem ganzen deutschen Reiche zu Gute kamen. In diesem Gedanken stellte Bismarck die Friedensbedingungen, sich weder durch Thränen noch durch Drohungen rühren lassend!
Es ist bedauerlich, daß der Mann, der alle Bitternisse des Nichtverstandenwerdens aus dem Gebiete der äußerest