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Marburg, Sonnabend, 38. März 1885.

XX. JahrMg.

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Oberhesfische« Zeitung

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Amtlicher Anzeiger

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Illustriertes Gountagsblatt

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Deutsches Reich.

Berlin, 26. März. In der Antwort de- Kaisers au den Magistrat auf desien TkburtStagSadrefle heißt es: »In dem einträchtigen Zusammenwirken zwischen Fürst und Volk wurzelt die Kraft der Nation. Ich begrüße daher in der Adrefie mit besonderem Wohlgefallen den Ausdruck des Vertrauens in die fürsorglichen Benlühungen, welche Ich im Vereine mit der Regierung unausgesetzt aufwende, um den Ausbau des deutschen Reiches auf festen Bahnen all­mählich fortschreitend zu fördern. Mit um so größerer Zu­versicht darf Ich der Hoffnung Raum geben, daß durch die neuerlichen Maßnahmen daS wirtschaftliche Leben der Nation sich wieder einer günstigeren Entwickelung zuwenden uud unter dem Schutze gebesserter und gesicherter Zustände auch die arbeitende Klasse zu dem nationalen Empfinden kommen wird, welche-, gepaart mit strenger GotteSsnrcht, eine wirksame Waffe gegen manche in unseren Tagen her­vortretende beklagenswerte Verirrungen bildet." Mit dem Ablauf dieses Monats gehen die letzten Generalver­sammlungen zu Eue, welche da- ReichSverstcherungSamt behufs Errichtung von Genossenschaft« abzuhalten genötigt war. Leider sind die vom Gesetze für die definitive Kon­stituierung der Genoffenschaften vorgeschriebenen Förmlich­keiten so weitläufiger Art, daß noch Monate vergehen werden, ehe trotz aller Anstrengungen das Ziel erreicht werden dürste. Sämtliche Beschlüffe, welche von den zahlreichen General­versammlungen gefaßt worden stad, werden nunmehr im ReichsversicheruagSamt gesichtet und geprüft, wozu gleich- falls bei anstrengendem Fleiß noch einige Wochen erforrer- lich fein wer en. Demnächst gehen sie sämtlich mit dem Gutachten des RrichSverstcherungSamtS an den Bundesrat, und da eS hergebracht ist, daß tu wichtigen Angelegenheiten den einz lnen deutschen Regierungen Gelegenheit gegeben wird, zu Anträgen, welche an den Bundesrat gelangen, Stellung zu nehm n, fo wird die Entscheidung des Bundes« rats üb-.r rille diese Anträge wohl erst in der zweiten Hälfte des Mai erfolgen können. ES würden demnach die so­genannten zweiten Generalversammlungen, oder richtiger ge

Intime Keiude.

Eine KaisergeburtstagSgeschichie von Eugen Rahden.

(Schluß.)

Unsere kleine Geschichte ist nun eigentlich zu Ende und waS etwa noch folgen könnte, die große Versöhnungsfeier derintimen Feinde" und die obligate Weinbowle können sich wohl unsere L ser selbst auSmalen. So wenig wir nun geeignet sind, in dieser einfachen Geschichte nach be­sonderen Eff kcen zu Haschen, so müffen wir doch unsere Erzählung mit einem Knall-Effekt in deS Wortes ver­wegenster Bedeutung beschließen. Daran sind wir aber nicht schuld, sondern dergute Onkel", der diesen Knall- Effekt hcrbeigeführt hat.

Herr Zer.kerle war nämlich auf seinen zahlreichen Irr­fahrten, die oft genug zu den sonderbarsten Quiprcquo» Veranlafiung gegeben und über die wir ganze Bände füllen könnten, auch in die Nähe de» Orchesters gelangt, da» sich ziemlich in der Mitte des FestplatzeS befand. Herr Zenkerle war sehr müde und suchte ein Plätzchen zum Ausruhen, das er aber so still für sich, wie er eS wünschte, leider nicht finden konnte. Da fiel sein Blick auf da« Orchesterpodium, daS die Musiker In der Pause verlassen hatten. Schnell war sein Plan gefaßt und auch eben so schnell auSzeführt. Durch die kleine Hinterlhür gelangte er rasch auf daS Podium und wie er seine Blicke umherschweifen ließ, blieb« diese auf der großen Trommel haften. Da hatte er gefunden, was er suchte. Mit einem S-ufzer, halb der Ermüdung und halb der Befriedigung, ließ er seinen Körper auf die Trommel fallen. Zm nächsten Moment gab eS einen Knall wie beim Adschießen einer kleinen Kanone und aus der Trommel strampelt« zwei Beim verzweifelt in bie Lust.

sagt, die ersten Versammlungen der genehmigten BernfS- genostenschaften im Laufe des Juli stattfinden können. Nun muß bekanntlich dann noch eine weitere Generalversamm­lung ab galten werden, ehe die Genossenschaft« endgültig als konstituiert anzusehen find. Man wird kaum fehlgehen, wenn man annimmt, daß deshalb wohl der September herankommen dürfte, ehe diese Förmlichkeiten alle zum Ab­schluß gebracht sind; wenn man nichtsdestoweniger mit Be­stimmtheit annehmen kann, daß die vom 1. Oktober ab vorkommenden Unfälle auf Grund deS neuen Uniallver- stcherungSgefetzeS behandelt würden, so wird eS zweifellos rastloser Thätigkeit aller bei der Lösung dieser Aufgabe be­teiligten Kreise bedürfen, um die Organisationen zu voll­enden. Die Thatsache, daß der vom Abg. Frhrn. von Hüne im preußischen Abgeordnetenhause eingebrachte Antrag Über die Verwendung eine» Teils der aus den Zollerhöhungen zu erwartenden Mehrbeträge zu gunsten der Kreise und der Gemeinden die Zustimmung der Konservativen gefunden hat, versetzt die liberale Preffe in hochgradige Erregung. Wie gewöhnlich, wo eS sich um ein Zusammengehen zwischen Konservativen nnd Zentrum handelt, wird den ersteren blinde Unterwerfung unter den Willen der Ultramontanen nach­gesagt. DieNational-Zeitnng" versteigt sich sogar zu dem Ausspruch, daß die Konservativen, wenn sieeine Spur von Selbständigkeit" besäßen, mit den Liberalen gegen den Hüneschen Antrag stimmen müßten. In Wahrheit spielen subjektive Erwägungen, namentlich die Frage der Sympathie oder Antipathie hier gar keine Rolle; es handelt sich um die denkbar nüchternsten praktischen Gesichtspunkte, wie das ja auch die Zustimmung der Regierung zeigt, von der denn doch niemand behaupten wird, daß sie den Ultramon­tanen zu Gefallen lebe. Wie das zufammenhäagt das hier zu erörtern, ist nicht an der Zeit. Die Thatsache selbst aber steht fest,, daß eS sich um außerordentlich tief­greifende Dinge handelt, und daß die Konservativen daS Jrtereffe ihrer Wähler und ihr eigenes sehr schlecht ver­stehen müßten, wenn sie dem Rate derNational-Zei­tung" folgen wollten. Diese samt ihre Freunde hätten allerdings einen Grund zum Jubel, um den man sie beneiden könnte. Hier wären zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, wenn die mutige Minorität auf unserer Seite nicht zum guten Glücke der Vergangenheit angehörte. DieKöln. Ztr.", die sich sonst doch diplomatischer und offiziöser Beziehungen zu rühmen pflegt, zeigt gelegentlich, daß sie von denselben wenig Nutzen zieht. So erklärt sie den Zusammenstoß zwischen Rußland und England für bald bevorstehend, da vie Neigungen Kaiser Alexanders III. fürkriegerische Lorbeeren" hinlänglich bekannt seien. Eine ärgere Entstellung der Wahrheit ist nicht denbar. Kaiser Alexander zeichnet sich, wie jedermann In Rußland weiß und wie nachgerade auch außerhalb desselben bekannt sein könnte und sollte, durch ungewöhnlich weitgehende Friedens­liebe aus. Wenn man an ihm etwas vermißt, so ist es

Das unschuldige Trommelfell war für solche Lasten, wie die deS guten O-kelS, eben nicht berechnet und so lag nun der arme Mann begraben im Innern der großen Trommel. Während die Leute der Richtung zuströmten, woher der angebliche Schuß gefallen war, eilte im Geschwindschritt Herr Spiller die Stufen zu dem Orchester hinauf und eine Minute später war der arme Onkel cu8 seiner unangeneh­men Lage befreit. ES war gerade noch knapp Zeit genug gewesen, um dem Publikum daS lächerliche Schauspiel vor- zuenrhalten. Jetzt kam auch H rr Valentin, nichts Gutes ahnend, herbei um als er die zerriffeae Trommel, den Oi kel und Herrn Spiller sah, eniet er sofort den Zusammenhang. Als jedoch die Musiker herbeikamen und das liebe Publikum auch gar zu gerne wissen wollte, was denn eigentlich passiert sei, da sagte Herr Spiller laut und vernehmlich, so daß eS auch die ferner Stehenden hören konnten:Es ist nichts Bedeutendes. Ich bin nur aus Versehen in die Trommel gefallen."

Daß Herr Spiller nun gar manchen guten und schlechten Witz mit tu den Rauf nehmen mußte, ist selbstverständlich. Als aber Herr Valentin und Herr Spiller die Treppe des Orchester« hinadgestiegen waren, blieb Herr Valentin stehen . und die offene Hm, Herrn Spiller hinhaltend, sagte er und es glänzte so etw 'S wie verhaltene Rührung in feinen Augen:Na, alter Junge."

Und Herr Spiller schlug kräftig in die dargebotene Rechte ein und er sagte auch weiter nichts als:Na, alter Junge.'.

Gegen Abend ober konnte man die beidenalten Jungen" Arm in Arm, cllrr straS nicht mehr ganz paraeemäßig böse Leute behaupteten sogar, sie sei« von eine« niedlich«

militärischer Sinn. Seine Vorliebe für das Heer und die damit zusammenhängenden Fragen ist vergleichsweise gering, wenn er diesen Dingen die vom Standpunkt deS obersten Kriegsherrn selbstverständliche Aufmerksamkeit auch nicht versagt. Herr von GierS sitzt vorzugsweise deshalb so fest, weil er persönlich und amtlich von den gleichen friedfertigen Anschauungen auSgeht und überall bemüht ist, ausgleichend und beschwichtigend zu wirken. Wenn daS russische Kabinett gleichwohl nicht in der Lage ist, jeder Aufforderung Glad­stones nachzukommen, so ist daS noch kein Beweis vom Gegenteil, sondern einfach durch die Würde und das In­teresse deS Reichs gebotene Haltung. Nachdem Rußland in Mittelasien dreißig Jahre lang unaufhaltsam vorwärts« geschritten ist, kann es nicht auf den ersten englisch« Zn« ruf hin ohne weiteres umkehren. Gewiß aber wird an der afghanischen Grenze nichts geschehen, waS über die Grenzen des Notwendigen hinausginge und deshalb bleiben wir dabei, daß trotz allem KriegeSlärm in England der Friede erhalten bleiben wird.

Die charakteristische Bedeutung der Annahme der Dampfersubventionsvorlage in dem Umfange, wie eS durch den Reichstag geschehen, tritt erst zutage, wenn man sich der im vorigen Jahre bei der ersten Vorlage erhobenen Einwendungen erinnert und mit denselben daS jetzt erzielte Ergebnis vergleicht. Damals, vor kaum 10 Monaten, be­fand sich die ganze manchesterliche Preffe in äußerster Auf­regung; Herr Bamberger sprach im Reichstage von einer Schützenfeststimmung", in der derartige Projekte behandelt würden; er sowohl wie Herr Richter warnten, die Reederei solleverstaatlicht" werden, und im Anklang an diese ge­gebene Parole wurde in der bekanntlich speziellwider ben Staatssozialismus" begründetenNation" des Herrn vr. Barth der Widerstand gegen denStaatssozialismus zu Waffer" als Gewistenkpflicht des liberalen Bürgertums in Stadt und Land deklariert. Und heute! Kaum wagt c8 in den letzten Wochen noch ein Organ der wirtschaftlichen Opposition gegen das Prinzip der Vorlage die Stimme zu erheben, ja, dem Abgeordneten vr. Brömel, dem dritten der KämpenWider den Staatssozialismus", wurde von unzweifelhaft manchesterlichen Anschauung« huldigend« Organen jetzt gesagt, gerade in seinem, die Ablehnung angebrachtermaßen", wie Herr Rickert im Juni sagte empfehlen?« Berichte der Kommission fei das am besten für die Annahme derselben sprechende Material gegeben. Damals, wo nur eine ostasiatische und eine austialische Linie vorgeschlagcn waren, lautete der Refrain, fall« c8 sich bei der Vorlage um Förderung der vom Reichskanzler skizzierten Kolonialpolitik vorausgesetzt, sie bleibe in dem von ihm gezogen« Rahmen handeln würde, so wolle mau mit sich reden lasten; aber zur Förderung der Jnteresten de« Exports, des Überseeischen Handels nach Ostasien und dem fünften Weltteil wolle man keine Sub­vention bewilligen; das seiStaatSsozialiSmuS zu Master"

Spitz" begleitet gewesen aus dem Festplatze nmher- waudeln sehen. Und da waten zwei Leute, ein junges, hübsches Mädchen und ein netter junger Mann, die sahen ebenfalls, wie Herr Valentin und Herr Spiller einherwan- bellen und bie Folge wer, daß baS junge Paar es dem alten nachmachte und gar bald auch Arm in Arm daher- schritt, natürlich aber ohne Spitz. Zwischen dm beidm Paaren aber schritt wohlgemut der gute Onkel und mur­melte ein Mal über das andere Mal:So ist« gut, so ist« gut."

Schließlich wollen wir noch verrat«, daß beim nächst« Kriegerfeste nur ein Krieger-Verein Belau erscheinen wird, bet aber nicht weniger Mitglieder aufweisen dürfte, al« feiner Zeit die beiden Belaner Vereine zufammeu.________

Mühlheim a. Rh., 21. März. Kürzlich wurde hier der alte lutherische Thurm versteigert. Derselbe hat, wie dieM. Ztg." berichtet, im Laufe der Zeit mancherlei Wandlungen erfahren. Im Jahre 1614 wurde er mit der Kirche bet der Zerstörung der Stadt dem Erdboden gleich gemacht, in der Mitte de- vorigen Jahrhunderts von den aus Köln vertriebenen Protestanten wieset aufgebaut Der furchtbare Eisgang am 28. Februar 1784 riß die Kirche bis auf den Grund fort, aber der Thurm hielt Stand und rettete 70 Personen, die sich hinaufgeflüchtet hatten, da« Leben. Seiner erprobt« Festigkeit wegen erwarb man ihn unter bet Franzofenherrschast im Jahre 1809 zum Kanton« gefängniS und sperrte in denselben bie ersten 50 bergisch« Freiwilligen ein. Nachdem vor etwa 10 Jahr« das neue Gefängnis erbaut worden war. nahm bet städtische Hunde­sänger von bem alten Thurm Besitz, bet nunmehr in Privat* besitz Übergegangen ist.