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Marburg, Freitag, 20 März 1885.

XX. Jahrgang.

Erscheintitäglich außer 'an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- Abonnements-Preis bei der Expedition 3*/« Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 Psg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 35 Pfg.

littlfkUcht jfitmig

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», s owicd-Annoncen- Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M., Kastel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M.,Berlin,München und Köln: G. L. Daube und Co. m Frankfurt a. M., Berlin,Hannover u. Pari».

Wöchciitlichc Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

gsg* Auf das mit dem 1. April beginnende Quartal- Abonnement der

Oderhessische« Zeitung

und deren wöLtlichen Beilagen

Amtlicher Anzeiger

für die «reise Marburg und «irchhaiu Und

Illustriertes Sonntagsblatt bitten wir die Bestellungen bet den Poststellen baldigst zu machen, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattstndet.

Deutsche- Reich.

Berlin, 18. März. Die „Nordd. Allg. Ztg.' sagt gegenüber den Besorgnissen der deutschen Handelskammern wegen Schädigung der deutschen Schiffahrt durch den Ent­schluß FravkceichS, während der Feindseligkeiten mit Edina den ReiS als KriegSkontrebande zu behandeln: Wir heffen, daß diese Besorgnisse zu weit geben und daß die französtsche Maßregel eine so nachteilige Rückwirkung nicht üben wird. Die Maßnahme ist keinesfalls völkerrechtlich unstatthaft. Allerdings bleibt sie nur berechtigt, wenn fle gleichmäßig gegen alle neutralen Schiffe durchgeführt wird. ES ist daher zu erwarten, daß Frankreich, wenn es den Nationen gegenüber, welche anderer Meinung über die Berechtigungen bet der Kriegsführung find, darauf verzichtete, Reis als. KriegSkontredanve zu behandeln, auch die Schiffe aller anderen Nationen in gleicher Weife wird behandeln müssen. —Die Zolltarifkommisfion deS Reichstags lehnte alle Anträge auf Erhöhung des RapSzolleS ab; demzufolge wurden auch die Anträge auf Erhöhung der Oelzölle abgelehut. — Die Börsensteuer-Kommifston des Reichstag» hat heute die zweite Lesung der Vorlage beendet und den Gesetzentwurf im ganzen mit 12 gegen 6 Stimmen angenommen. Bet § 7 wurde folgendes Niue Alinea angenommen: Bedingte Geschäfte gelten in betreff der Abgabe als unberingt. Ist einem Kon­trahenten ein Wahlrecht eingeräumt oder die Befugnis, innerhalb bestimmter Grenzen den Umfang der Lieferung zu bestimmen, so wird die Abgabe nach dem höchstmöglichen Wert des Gegenstandes deS Geschäfts berechnet. In § 9 ist die Bestimmung hinzngefü t worden: zur Entrichtung der Abgabe ist zunächst ve: pflicht-t, wenn eS sich um das AbwtckelungSgefchä't zwt'chen dem Kommissionär und dem Kommittenten handelt, d r Kommissionär. Ji § 10 wurde ein neuer Absatz angefügt, welcher besagt: Der zur Ent­richtung der Abgaben zunächst Verpflichtete darf unversteuerte Schlutznotm über vaS abgabenpflichtige Geschäft nicht auS stellen und aus der Hand geben. 3« § 11a wurde Al. 2 folgende Fasiung gegeben: Wird bet Kommissionsgeschäften für einen auswärtigen Kommittenten, welcher seinerfettS als

Irrwege.

Novelle von Egon Belten.

(Fortsetzung)

Dann sandte Eveline auch wohl stille Grüße über den Ozean zu dem, den sie nicht so leicht zu ve geflen vermochte und der vielleicht ihrer auch noch gedachte, wenn er auch sein Versprechen hielt, ihr nie zu schreiben.

Oft la« sie die schönsten Dichtungen älterer und neuerer Zeit, denn sie laS mit Auswahl, wie eS ihr der Onkel Profeffor gelehrt hatte und vertiefte sich so in Liesen Genuß, daß sie alle« um sich her vergaß.

So fand sie heute Magister Oloff, der sich nicht mehr entfernen konnte — wie schon früher einmal — da sie den Kopf grade nach dieser Seite wendete und ihn bemerkte. Sie war ihm gegenüber so harmlos, daß sie stet» da« richtige Wort zum Beginn einer Unterhaltung fand, doch er war sehr Befangen, wenn er da- schöne junge Mädchen einmal allein traf.

.Sie kommen mir wie gerufen, Sie großer Gelehrter. Da können Sie mir gleich eine Erläuterung geben zu einer Phrase, die — wie der Dichter voraussetzt — jeder Leser verstehen muß. Aber natürlich dachte er an Leser, also an Männer, die alles auf der hohen Schule gelernt haben und r icht an Leserinnen im Allgemeinen und an junge Dorf- mädchen insbesondere.'

Diese heitere Anrede rief wie immer, so auch heute, eine freundliche Miene in Oloff« Antlitz und schnellen Schritte« eilte er hinzu, um au« Evelinen« Händen das Buch zu empfangen, worin sie die fragliche Stelle mit ihrem rosigen Finger bezeichnet«. Bon Erklärungen kam e« zu

Kommissionär eine« Dritten handelt, die Schlußnote mit dem Zusatz? „in Kommission' ausgestellt, so bleibt daS Ab- wickelungSgeschäft zwischen ihm und seinem Kommittenten von der Abgabe befreit, wenn er die Schlußvote spätesten- am ersten W rktage nach deren Empfang unter Beifügung deS Namens seines Kommittenten an letzteren absendet. Zn 8 27 wurde für Bbs. 3 folgende neue Fasiung beliebt: Die Steuerdtrektivbehörde kann in einzelnen Fällen an­ordnen, daß euch bet anderen Personen, welche abgabe­pflichtige Geschäfte gewerbsmäßig betreiben oder vermitteln, eine Prüfung der Abgabenentrichtung durch höhere Beamte stattfinden soll. Ferner wurde dem § 27 folgendes neue Alinea angefügt: Von anderen als den in Abf. 3 bezeich­neten Personen kann die Steuerdivktivbehörde die Ein­reichung der auf bestimmt zu bezeichnende abgabepflichtige Geschäfte bezüglichen Schriftstücke verlangen. Schließlich wurde auch Art. II. angenommen: Dieses Gesetz tritt mit dem 1. Oktober 1885 in Kraft. Der Reichskanzler wird ermächtigt, den unter Berückstchtigung der obigen Aendr- rungen steh ergebenden Text des Gefetzt vom 1. Juli 1881 mit einer fortlaufenden Nummernfolge der Paragraphen durch das „ReichSgesehblatt" bekannt zu machen. — Ab­geordneter Singer hatte bekanntlich zu dem Börstnsteuer- ges.tze folgenden Antrag eingebracht: Mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes ist das Gesetz vom 12. Oktober 1867, Bett, die Erhebung der Talgsteuer, aufgehoben. — Diesen Antrag zog Abgeordneter Singer heute zurück. Ein fernerer Antrag desselben Abgeordneten, welcher lautete: Aus dem Ertrage dieser Steuer wird ein Fonds gebildet, der den Namen regelt, — wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Der Bericht­erstatter Adg. G r i m m will den Bericht noch vor Ostern fertig stellen, sodaß bald nach Ostern die Plenarberatung erfolgt.— „Arb.'tter-JnvaltdenfondS' führt und welcher bis zum Erl ß ineS die Versorgung erwerbsunfähiger Arbeiter regelnden Gesetzes anzusammeln und zinsbar anzu^egen ist; die Ver­waltung dieses Fonds wird durch besonderes Gesetz ge- Die Zahl der in Preußen vorhandenen Asiesioren beträgt zur Zeit 1014; daS Tausend wurde anfangs diese« Monats überschritten. Da wölentlich fast ohne Au-nahme to: der Justiz-Prüfungskommission drei Prüfungen stattstnden, aus denen 12 bi« 18 Assessoren hervorgehen, die Zahl der zur Anstellung gelangenden oder zur Rechtsanwaltschaft gehenden Asiesioren aber selten 10 in der Woche übersteigt, ergi bt sich, daß die Anzahl der vorhandenen Asiesioren stetig steigen muh. Wenn man bedenkt, daß vor 7 Jahren kaum 300, vor 5 Jahren etwa 400 und vor 2 Jahren 750 Asiesioren vorhanden waren, kann man sich eine Vorstellung machen, wie sich die Aussichten der jungen Juristen ver­schlechtert haben. Eine Besierung dürfte, da die Zahl der b i der Justizprüfungskommtsston eingehenden Prüfungs­anträge noch jahrelang ziemlich dieselbe bleiben wird, kaum in den nächsten 5 Jahren etntreten. — Das Schwurgericht

Debatten und schließlich waren Beide so erregt, daß die Zeit und die Sonne entflohen war, ohne daß sie c« be­merkten, daher gezwungen waren, jetzt ihren Heimweg zu beschleunigen.

Dieser Abend war der glücklichste gewesen, den Erick Oloff jemals erlebt hatte, doch leider bemerkte das junge Mädchen nichts von jener Glückseligkeit, die sie dem Etn- samsteheuden bereitet hatte; dieser interesianten Unterhaltung folgten viele nach und so sehen wir da« junge Paar noch oft beisammen, teils im Pfarrhause oder auf der Düne, selbst auf der Fahrt nach der Stadt in Begleitung der Mutter, welche mit stiller Freude ou8 dieser Annäherung Beioer die Erfüllung ihres Herzenswunsch:« prophezeite. Keiner lag dieser Gedanke aber ferner, als gerade der einen Hauptperson, der lteblichen Eveline nämlich, deren Herz jetzt und für immer unberührt von den Gefühlen der Liebe gegen Oloff blieb.

VII

Zwei Jahre sind vergangen seit wir da« Pfarrhaus und dessen Bewohner verließen und schon hat sich vieles dort verändert. Im Sch'osie wohnt der junge Baron von Brünmck, der seine militärische Stellung in Friedenszeiten gerne ausgab, um aus seinen herrllchm Besitzungen zu leben und al« gütiger Herr für seine Untergebenen zu sorgen. Seine Mutter vertauschte, als sie die einzige Tochter fortgab, auch die Stille des Landlebens gegen das geräuschvolle Treiben in der Residenz.

Im Pfarrhause sehen wir als neuen Seelsorger der Gemeinde, von Allen hochgeehrt, Herrn Oloff, den früheren Adjunkt des Pfarrer Engelhardt und zu unserer Ueber- raschung Eveline al« seine Gattin, nachdem wir doch wissen,

verurteilte den Studenten Oehlke wegen Tötung seine- Gegners im Duell zu 4 Jahren Festungshaft. — Die WahlprüfungS-Kommtfston des Reichstags beriet über die Wahl des Abg. v. Wnrmb im 5. Wiesbadener Wahlkreise (Aemter Dillenburg, Herborn, Rennerod, Marienberg, Selters und Hachenberg). Gegen bie Wahl lagen mehrere Proteste vor und beschloß die Kommission über die in den­selben enthaltenen angeblichen Wahlbeeinflussungen amtliche Erhebungen mit Hilfe deS Reichskanzlers anstellen zu lasten und den Beschluß über die Giltigkeit der Wahl bi« dahin auSzuletzen.

A«rlaxd.

Pari-, 17. März. Heute, am Vorabend de» 18. März, wurden bereits Blumenkränze nach der Stelle des Pöre Lachatse gebracht, wo nach den blutigen Maitagen von 1871 die auf diesem Kirchhofe erschossenen Kommunarden ein- gescharrt wurden. Einer der Kränze trug die Inschrift: „Aux vaincusl* In seiner Mitte war ein Bild ange­bracht, welches Ferro und Rostel darstellte, wie sie in Satory bet Versailles erschosien wurden. Die Polizei aber nahm denselben sofort weg. Ein anderer Kranz mit der Inschrift: „Aux fusilles de 1871 les paysans de la Haute Savoie", wurde jedoch geduldet. Dee Polizei wird sich auf den Kirchhöfen neutral verhalten unv nur, aber dann kräftig, einschreiten, wenn e» zu Kundgebungen aus der Straße kommen sollte. Die geringste Zusammen­rottung soll sofort unter Berufung auf daS Gesetz von 1848 anSeinandergesprengt werden. Für morgen abend haben die Kommunarden 12 Festesten und eine noch größere Anzahl von Versammlungen vorbereitet. — Da der größte Teil der Pariser Bäcker den Preis des vierpfündigen Brotes schon jetzt, obgleich das neue Zollgefetz noch nicht einmal vom Senat genehmigt ist, um 5 und 10c erhöht hat, so hat die Regierung die Absicht, die Brottaxe wiedrr- herzustellen.

London, 18. März. (Unterhaus.) ChildeZS erwi­derte auf die Anfrage NorthcotrS, er hoffe nachmittag» in allgemeineren Umriffen Mitteilungen über die egyptifche Finanzdeklaration und die Finanzkonventton machen zu können. Die Vorlegung des Entwurf» der Schriften er­folge voraussichtlich am Freitag.

Bukarest, 18. März. Der Chef der politischen Ab­teilung de» Ministerium» de» Aenßern, Beldiman, wurde zum Generalkonsul in Sofia ernannt. — Die Kammer verwarf dir Vorlage, betreffend die Wiederherstellung de» Freihafens von Galatz und Bratla, mit 61 gegen 29 (Stimmen.

Washington, 18. März. Der Senat nahm gestern eine Resolution an, in welcher eS heißt, man müsse ver­hindern, daß der Präsident von Guatemala seinen Plan der Einigung Zentralamerika« zu einer Republik auSsührr.

wie wenig ihr Herz bei solcher Bereinigung beteiligt sein kann. Doch hat sich auch hier die alte Erfahrung bestätigt, daß nicht die Liebe allein die einzige Grundlage de» ehelichen Glücke« sein darf, sondern daß Achtung und Vertrauen ost die sichersten Stützen dauernden Glücke« auch in der Ehe sind.

Nachdem der Profeffor wirklich noch Dünenholm ge­kommen war, um mit den Seinigen die beiderseitigen Zu- kunftSpläne zu besprechen, wer die Folge dieser Erwägungen die gewesen, daß der Pfarrer emeritiert wurde und mit seiner Gattin nach einem Flügel de« alten Schlosse« zog, wo hübsche Räume für penstonierte Beamte eingerichtet waren. Da faßte der Profeffor den Entschluß, der HauSgenosie de» neucn Pfarrer« zu werden, denn bie alte Axlma wollte ihn in Wien auch verlassen, da sie jetzt ihre Altersversorgung auf Schloß Donauwerth antreten konnte, wie e« ihr schon früher von der gräflichen Famllie zugesagt «ar.

Wie sollte also der alte gelehrte Herr ferner fertig werden, wenn er sich nicht zu lieben Verwandten flüchten könnte.

So waren denn alle diese Veränderungen vor fich ge­gangen und Eveline bereitete auch in der neuen Umgebung den Ihrigen die Annehmlichkeiten, die, durch die ihr eigene Art der Ausführung, stets zu einem wahren Genüsse wurden.

Rüstig wanderte täglich, wenn fein junger Freund mit Arbeiten beschäftigt war, der Professor den steilen Schloß- berg hinan, um seine Verwandten zu besuchen, ruhte in der Halle de« Hauptgebäude» au», in welcher er oftmals von dem freundlichen Schloßherrn oder einem Dimer be­grüßt wurde und eilte dann weiter durch dm Schloßhos und den schattigm Lindengang nach dem Wohngebäude der Seinen.

(Schluß folgt.)

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