Marburg, Freitag, 13. Mürz 1885.
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Irrwege.
Novelle von Egon Velten.
(Fortsetzung)
Graf Maximilian aber litt schwer darunter, daß er nicht Liebe mit Liebe vergelten konnte, denn sein Herz war gut. Tie schöne Gräfin aber besaß Weltklugheit genug, um lieber alles zu übersehen, als sich verletzt zu zeigen und war voller Güte gegen ihren Gemahl, und stets bereit, die Stellung der Frau in diesem prächtigen Haushalte einzunehmen, — schmeichelte dem Schwiegerpapa, und entzückte den jungen Schwager durch ihre Anmut. Doch heute verscheuchte weder ihre glänzende Erscheinung noch ihre herrliche Tviletle, noch ihre tändeln'e Rede, den Eindruck welche VxlmaS Mitteilungen aus den schwärmerischen Stephan gemacht hatten, weshalb die schöne Gräfin bald in Stephans Nähe sich überflüssig fühlte. Schoa am Abend dieses Tages stand der Entschluß in Stephan fest, am folgenden Morgen al« Mufiklehrer Wernhoff bei dem Prokefior'feine Aufwartung zu machen. Alles konnte er an sich verändern, Sprache, Haltung und Kleidung, nur feine Jugend nicht, und zu einer Verstellung solcher Art wollte er ja auch gar nicht seine Zuflucht nehmen. Er dachte einfach, ein Musiklehrrr brauche ja auch gerade nicht alt zu sein, und vielleicht lege der Pro- fefior darauf auch keinen besonderen Wert.
So war es auch als er stch vorstellte, denn der alte Herr erfreute stch gerade an dem jungen Mann der so gut zu feiner Eoeline paßte, und besten Unterricht so ganz nach der neuesten Lehrmethode sein mußte, da sein Spiel so Herr, lich klang, und so Neues vorsüh'-te, wa» der Prof.stör noch gar n'cht kannte. Aber oer gute Professor kannte in seiner eins itigkn Gelehrsamkeit vieles nicht, besonders sicht die List und Verschlagenheit dies« Welt.
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Deutsche- Reich.
Berlin, 11. März. Durch eine dem BundeSrate zu- gegangene Vorlage wird die Geltungsdauer deS Gesetzes, btt reffend die Steuervergütung für Zucker, bis zum 1. August 1886 verlängert.— Die Börfensteuer - Kommission des Rächt tageS hat heute die Beratung de» von der Subkom- mifsion vorgelegten Entwurfs fortgesetzt. Der gestern zurück- gestellte Rest des § 27a, Abf. III, welcher lautet: „Die Steuerbehörde kann gegen solche Personen, welche auf Grund der 88 Ile 11 f oder 11g wegen Steuer - Hinterziehung bestratt worden sind, eine periodische Revision für die D mer von längst nS drei Jahren nach erfolgter Bestrafung an- ordnen", wurde gestrichen, dagegen a IV und V: „Die St undirektivbehörde kann in einzelnen Fällen anordnen, daß auch bei anderen Personen eine Prüfung der Abgaben- Entcichtung durch höhere Beamte stattfinden soll. Den parierenden Beamten sind alle bezüglichen Schriftstücke U:;b erforderlichenfalls auch die Geschäftsbücher zur Eis sicht vorzulegen", angenommen. 8 28a wurde wie folgt sormu- licrt: Der Bundesrat ordnet an, in welchen Fällen bei administrativen Straffestsetzungen Sachverständige zu hören stad; solche sind, wo HanvelSvorstände bestehen, von diesem zu bezeichnen. Die HandelSvorstände können unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisie und Gewohnheiten ihres Bezirks, zum Zwecke der Durchführung deS Gesetzes und Sicherung der Entrichtung der Abgaben allgemeine Anordnungen e>lassen; letztere bedürfen der Zustimmung der Landesregierungen. Schließlich wurde ein Antrag des Abg. Dr. Grimm angenommen, wonach börsenmäßize Warengeschäfte dem Schlußnotenzwang unterliegen, andere Warengeschäfte bei Erfüllung des Geschäfts dem Fakturen- wang. — Morgen wird die Beratung fortgesetzt.—Gegen- .ber der „Pall Mall Gazette", die auf Granvilles Rede
ein neue» schroffes Berliner Dementi erwartet, sagt die „Nordd, Allg. Ztg.": „Die Hoffnungen auf eine weitere Polemik des deutschen und englischen Kabinetts sind unbegründet. Lord Granville hat in der zitterten Stelle seiner Rede mit vollem Recht sagen wollen, daß vor zwei Jahren, in demselben Jahre, auf welch-S stch die Mitteilungen in der Rede des Reichskanzlers vom 2. März bezogen, nach dem Bombardement von Alexandrien, in Deutschland — und wir glauben, bei allen europäischen Kabinetten — die Hoffnung vorwaltete, daß England die durch sein Eingreifen in E yptcn gewonnene Stellung benutzen werde, als negotiorum gestor oer europäischen Interessenten, die Ord nuug aufrecht zu halten und die egyptischen Finanzen t« Jntcreffe deS Lande» wie der Gläubiger haushälterisch und gerecht zu verwalten. Diese Ansicht war oamalS allgemein und die Staatsmänner aller Kabinette haben sie geteilt. Sie bildete namentlich das Motiv für Frankreich, den Erfolg und die Herstellung der Ordnung in Egypten durch englische Streitkrälte abzuwarten uno der englischen Der«
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bisher nicht übernommen sind und voraussichtlich auch nicht übernommen werden sollen, weil sie von RogozinSki ausschließlich in antideutscher Berechnung behufs Einengung des dortigen deutschen Territoriums acqutriert worden sind. Hoffentlich werden in kurzem Nachrichten einzehen, welche Klarheit an Stelle der Konjektur geben, auf die wir bisher beschränkt sind. — Der BundeSrat hält Morgen seine regelmäßige Plenarsitzung ab. Auf der Tagesordnung stehen neben einer größeren Anzahl unbedeutender Vorlagen der Gesetzentwurf betreffend die Verlängerung der jetzt bestehenden Steuervergütung für Zucker auf ein Jahr, der Entwurf einer allgemeinen Literarkon- vention nebst Zusatz Konvention, Schlußprotokoll sowie ein Gesetzentwurf betreffend Abänderung des Gerichts-Ver- fasiunge-GesetzeS und der Strafprozeßordnung. Die letzteren beiden Entwürfe find den Mitgliedern des BundeSrate» noch nicht gedruckt zugegangen. ES scheint aber, daß die Abänderung der Gerichtsverfassung sich auf die Wiedereinführung der Berufung gegen die Urteile der Strafkammern bezieht; der Entwurf, welcher stch auf die Abänderung der Bestimmungen über die Schwurgerichte bezieht, hat in den Ausschüssen eine vollständige Umarbeitung erfahren. Auch das internationale Uebereinkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr steht wieder einmal auf der morgigen Tagesordnung.
Braunschweig, 10. März. (Sitzung des Landtag».) (Ausführlichere Meloung.) Der StaatSminister Graf Görtz- Wrisberg gab folgende Erklärung ab: ES liege die Annahme nahe, daß seit Schluß deS außerordentlichen Landtages am 17. Dez.v.J. Schritte geschehen seien, um die wichtige Frage der Thronfolge zur Klärung zu bringen; daher sei die Landesversammlung berechtigt, Mitteilungen der Regierung zu erwarten, um so mehr, als eine Menge Gerüchte in den Zeitungen verbreitet seien, daß dir Landesregierung bereits in Verhandlungen bezüglich der Thronfolge eingetreten sei; mm habe auch auf dir letzte Anwesenheit deS Ministers in Berlin verwiesen. Diese habe aber wesentlich zum Grunde gehabt, den Austausch von Ratifikationsurkunden der Eisenbahnverträge herbeizuführen. Der RegMschaftSrat halte es für sachgemäß, dem Landtage davon Mitteilung zu machen. WaS die gegenwärtige Lage der Thronfolgefrage betreffe, sei die Sachlage seit dem 17. Dezember wesentlich dieselbe wie damals. E« seien bd der Landesregierung von keiner Seite und namentlich nicht von Seiten des Herzogs von Cumberland, der ja bisher allein Rechte auf die Thronfolge im Lande beansprucht habe, irgend welche Schritte zur Klärung der schwebenden Thronfolgefrage geschehen. Ob in dieser Beziehung und inwieweit an anderer Stelle Schritte geschehen seien, — darüber sei die Landesregierung nicht in der Lage, der Versammlung irgend welche Mitteilung machen zu können. Ob in den kommenden Monaten bis zum er mutzte ja Glück haben dieser liebenswürdige Stephan Wernhoff, mußte ja mehr Glück haben, wie Andere, die das Glück mit weniger glänzenden Gaben bedacht hatte.
Doch der junge Graf sah zu spät ein, wie seine verzehrende Leidenschaft für daS junge Mädchen ihn beherrschte, und vor welch einem Wtrrsal von Möglichkeiten und Unmöglichkeiten er stch befand. Vergebens überlegte er jetzt mit der alten Axima — welche ihn voller Kummer in seinem eignen Hause ausgesucht hatte — welcher nun der richtige Weg sei, stch als Ehrenmann zu zeigen, und doch nicht seine angebetete Eveline zu verlieren.
ES fand stch aber schwer ein solcher Ausweg, umsomehr da die Zeit heranrückte, wo er Wien verlassen und sich al» Attache einer Gesandtschaft anschlteßen sollte. Seine Liebe ließ ihn immer nur zu dem einen Entschluß kommen, Eveline als seine Gattin heimzuführen, und wäre dieses auch nur durch eine heimliche Vermählung möglich. Aximas Vorstellungen wurden zurückgewiesen unr et beeilte sich, den HauSkaplan seiner Familie aufzusuchen, um mit Bitten auf ihn einzu- stürmen, daß derselbe ihm zur Erreichung feine» Glücke», durch eine heimliche Trauung, verhelfe.
Eine Verbindung zwischen dem Sohne einer strenggläubigen katholischen Familie und einer nicht ebenbürtigen Protestantin erschien dem Geistlichen aber unerhört und da olle Vorstellungen seinerseits nichts halfen, verzögerte er wenigstens so sehr als möglich eine bindende Antwort, um selbst erst Klarheit in seine Pläne zu bringen, wie er ohne Aufsehen diese» Unheil von der gräflichen Famllie abwenden könne. Leider wählte er Den falschen Weg und brachte dadurch viele Verwickelung in die allseitigen Verhältniffe.
(Fortsetzung folgt.)
Wödjciitlidjc Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sountagsblatt
Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
waltung in Ausübung seines mandatum praesumptum fair play zu lasten. Ja Deutschland wurde angenommen, daß England gerade da« System befolgen werde, von welchem der Reichskanzler neulich sagte, er würde eS, wenn er englischer Minister wäre, gehandhabt haben: nämlich die Ausübung de« englische»! Einflusses namens des Sultans als Souveräns, und unter dessen Autorität. Die deutscherseits ausgegangene Mitteilung auö dem Januar nimmt bezug auf dieselben sicher privaten und feeundschaftlichen Eröff- nungen von 1883, von denen der Reichskanzler im Reichstage sprach. Der Reichskanzler hat sich vor zwei Jahren nur in diesem Sinne geäußert und darauf in geschä'tlichen Mitteilungen dieses Januars wieder angespielt. Die Anführung Lord Granvilles ist also korrekt, daß in der späteren nicht vertraulichen Erklärung daran erinnert wurde, daß Deutschland vor zwei Jahren vertrauensvoll der Vertretung der europäischen Jnteresten in Egypten durch England entgegensah." —• Dasselbe Blatt schreibt: Nach Reu- terschen Telegrammen, deren Reproduktion wegen der Unwahrscheinlichkeit ihres Inhalts unterblieben ist, soll via Madeira die Nachlicht nach England gelangt sein, daß Deutsche bei Victoria auf englischem Gebiete die englische Flagge eigen» mächtig niedergeholt hätten. Hier liegen keine Meldungen derart vor, und in amtlichen Kreisen glaubt man nicht, daß ein derartiges Vorgehen im Widerspruch mit dem völkerrechtlichen Herkommen gerade Im gegenwärtigen Augenblicke möglich sein könnte. So vi>l hier bekannt, befindet stch Kontre- Avmiral Knorr mit seinen Schiffen noch In jenen Gewässern. Derselbe ist als ein erfahrener und besonnener Offizier bekannt, und ist es nicht denkbar, daß von seiner Seite die der fremden Flagge schuldige Achtung nicht beobachtet worden wäre. Dabei find die ihm zur Verfügung stehenden Streitkräfte stark genug, um etwaige rechtswidrige Privathandlungen deutscher Eingesessener zu hindern. Die Entstehung der Nachrichten, welche in England ein berechtigtes Aussehen erregen, ist bisher nicht aufgeklärt. In cm lichen Kreisen wir) die Vermutung ausgesprochen, daß eS sich um Vorgänge handeln könne, welche nicht von Deutschen he rühren, und auch nicht auf englischem Gebiete, sondern auf den angeblichen Acquisttionen RogozinSkiS stattgefunden haben. Die borkigen Unternehmungen des Letzteren haben nach allem, was wir darüber aus polnischen Zeitungen wissen, keinen anderen Zweck als den, der antideutschen Tendenz Ro,>ozinskis Ansvruck zu geben und, wo möglich, Unfrieden zwischen Deutschen und Engländern anzustiften. In der Richtung dieser Tendenz könnte es ja auch liegen, wenn man da» Auf- und Niederziehen einer englischen Flagge ad hoc unter geeigneter Inszenierung herbeiführt, um demnächst EnkrüstungStelegramme nach England zu werfen und dort gegen Deutschland zu Hetzen. Wir bemerken dabei, daß die Erwerbungen, welche RogozinSki Im Namen der englischen Regierun, gemacht hat, von letzterer
Eveline wurde herbeigeholt und frappierte den Grafen förmlich durch ihre holdselige Erscheinung. — Ein Liedchen — als Probe gesungen — befriedigte alle Hörer, und so wurden bald die wetteren Verabreduigen getroffen.
Die sonst so brave Dienerin Axima wurde durch die dringendsten Bitten und Beteuerungen Stephans auch für seinen Plan gewonnen und traute dessen Verstcherungen, nur im Genüsse der Musik, vereint mit Eveline ab und zu ein paar glückliche Stunden verleben zu wollen.
Des jungen Grafen edler Sinn und achtungswerter Charakter ließen auch nicht» Uaehrenwerte» bei dieser Täuschung fürchten.
Eveline war bewegt und beunruhigt, dem schönen jungen 8 frier gegenüber, welchen ihre Eltern gewiß nicht für sie gewählt haben würden.
Der Professor war dagegen sehr zufrieden gestellt, beteiligte sich von jetzt ab gar nicht mehr an der Unterrichtsangelegenheit, sondern schrieb nur sehr freundliche Briefe nach Dünenholm an Bruder und Schwägerin, um Ihnen von dem Wohlergeben seiner Nichte und den begonnenen Musikstudien Mitteilung zu machen.
Auf welchen Irrwegen aber die Hauptbeteiligten wandelten, wußten sie selbst nicht, denn eS ging lange so fort wie es begonnen, nur in dem Herzen der jungen Leute entstand heftige Liebe, deren Gefährlichkeit der junge Graf zu spät einfah und die er vergebens zu bekämpfen suchte.
Eveline liebte mit der ganzen Glückseligkeit diese« Gefühls, sah auch keine Hindernisse, welche ihre Eltern und der gute Oheim nicht wegräumen konnten. Ein Mufiklehrer von solchem Talente, von so ansprechender Persönlichkeit findet stets einen passenden Wlrkungskrel» — dachte fle voller Hoffnung;
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