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Marburg, Donnerstag, 12 März 1885,

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Notiz hervor, daß 90 Prozent all r Lehrerbesolduagen, wenn sie nach dem neuen PensionSgesetz veranlagt würden, nicht mehr als 800 Mk. betragen würden, viele natürlich noch viel weniger. Denn die Pensionen sollen nach den Besol­dungen prozentualiter berechnet werden. Jene Thatsache wirst also ein sehr ungünstiges Licht auf den Stan? der Besoldungen und beweist, daß die Pensionsregulierung ja immerhin eine dankenswerte Wohlthat wäre, daß aber die Hauptsache immerhin die BesolrungSaufbesiemng selbst bleibt; denn erst, wenn die Besoldungen bester werden, können auch die Pensionen wachsen, weil sie nach den Besoldungen be­rechnet werden. Der Schwerpunkt liegt also immer in den letzteren und man muß darum immer wieder die Regierung bitten und mahnen, doch ja recht bald mit einer BesolrungS- auchesterungS'Vorlage vorzugehen. Daß eine solche Regu­lierung ihre große Schwierigkeit hat, weil die jetzigen Ber- hältniste in den einzelnen Orten sehr verschieden und die meisten Orte gar nicht im stände sind, die Aufbesterung allein zu tragen, da der L-Hrer zu viele sind und also der Staat mit seinen Mitteln Eintreten muß und es sich dann auch fragt, ob die Besoldungen nach den Stellen oder nach dem Dienst­alter geordnet werden soll, das ist zweifellos. Aber ebenso zweifellos ist, daß eine solche Besoldungsrezulierung dringen­des Bedürfnis ist. Man führe gegen uns nicht an, daß der Lehrerstand immer noch eine große ^Anziehungskraft ausübe, wie die große Z chl der Aspiranten derselbe bc« weise. Die Wahl des Berufes beweist für besten Ver­hältnisse in der Regel nichts; Thatsache aber ist, daß weit­aus die meiste Zahl der Lehrer klagt und unzufrieden ist. Diese Unzufriedenheit ist aber gerade beim Lehrer die Ur­sache vieler und großer Versuchungen. Das erste Geld, welches der Staat aus den neuen Einnahmen, aus den erhöhten Zöllen oder aus anderen Steuern b.kommt, sollte er deshalb zur Aufbesterung der Lehrerbesoldungen ver­wenden. Die Regierung verhält sich zu demPenstonS resetz sehr zurückhaltend, hoffentlich aber giebt eS den energischen Anstoß zur bal igen Inangriffnahme der Besolduugsver- besterung, worauf stch dann auch eine entsprechende Ver- besterung des PenstonSwesmS aufb-uen läßt.

Zöglin • einzuführen, seine frühere Wärterin in ihrem Stüb­chen zu besuchen? — daS hielt er auch für unpassend; aber wie? Wenn er stch als Lehrer der Musik dort einfühlte?

Jeder abenteuerliche Plan ist der Jugend der liebste, und so war er bald mit sich einig, heimlich einen Schritt zu thun, den seine Familie Im höchsten Grade mißbilligen mußte.

Diese Familie bestand nur noch aus 4 Personen, und zwar aus rem alten Grafen von Rosteck, dem kaiserlichen Staatsrat — dem ältesten Sohne und Majoratsherrn auf Donauwerth, Grafen Maximilian, besten Gemahlin Gräfin B-renice und aus unferm jungen Bekannten, dem Grafen Stephan.

Graf Maximilian wohnte größtenteils auf feinen Be­sitzungen, die er schon zu Lebzeiten feines Vaters über­nommen hatte und weilte nur selten tot väterlichen Palaste in Wien, wuS jedoch jetzt grade der Fall war. ES gab dort zur Freude der lebenslustigen Gräfin und besonders zum Ergötzen des jüngern Bruder» viel Besuche und größere Fest­lichkeiten, die er sonst entbehren mußte, da seit dem Tode seiner Mutter eS dort recht einsam war.

Graf Maximilian war ein schöner, aber düster auSseheu- dcr Mann, der seine liebenswürdige Gemahlin nicht liebte, da die Heirat mit ihr nicht aus Neigung, sondern aus ver- wandtschaltlichen Rücksichten, auf den Wunsch der verstorbenen Gräfin geschloffen war. So sah man ihn stets ernst und in sich gekehrt, und nur mühsam die äußeren Formen beob­achten, wenn er seine Gemahlin der vornehmen Welt zeigte. Man hielt dieses Paar nicht gerade für glücklich, glaubte aber nicht an die Kälte, die der Graf zur Schau trug.

(Fortsetzung folgt.)

Irrwege.

Novelle von Egon Velten.

(Fortsetzung)

Erregt und voller Freude drückte Ev'line deS Oheims Hand an ihre Lippen und sprach mit beredten Worten ihren Dank und ihre Wünsche aus.

Bald las mau in der Zeitung, daß der Professor einen tüchtigen Mustklehrer suche und ebenso machte der alte Herr viele Geschäftsgänge nach den Magazinen berühmter Piano- fortebauer. Er kaufte dort einen Stutzflügel von vorzüglichen Eigenschaften für seine Nichte, welche überglücklich wir, als das Instrument als ihr Eigentum den altertümlichen Salon schmückte; dieses Ereignis erschien ihr al» der Anfang aller nachfolgenden Freuden.

Nun fehlte noch der Lehrer und besten Wahl war immer­hin schwierig, da der Profestor zu wenig tu der Außenwelt lebte, auch eigentlich mehr Musikfreund als Kenner wir.

An diesem Tage nun besorgte dir Haushälterin auch viele Gänge und Aufträge, eilte deshalb, ohne sich umzusehen, durch die Straßen, da tönte plötzlich eine helle Stimme au ihr Ohr; «Axima, meine Teuerste, wohin geht dieRise," und eine Hand drückte ihre Schulter.

,®oH verzeihS — wie haben Sie mich erschreckt, Junker Stephan, so die alten Leute zu überfallen!" sprach sie, sich erschreckt umwendend und in das blühende Antlitz eines stattlichen jungen Mannes blickend, „Ihnen muß Ihre alte Wärterin viel Ber&eben, waren Sie doch stet» ihr Schoß­kind. Ja, wohin die Reise geht, fragen Sie? Nun, eine solche ist e» gerade nicht, aber dringende Geschä-tr treiben mich hin und her, denn mein Herr Professor hat einen lieben Gast für lange Zeit bekomm«, mtv da giebt ke» vielerlei zu thun.'

Zur Lehrerpensionsfrage.

Das dringende Bedürfnis einer balligen Regelung der Pensionierung der Volksschullehrer wird in wahrhaft dra­stischer Weise beleuchtet durch die Mitteilung in einem Spezialbericht bes Abg. v. Seckendorf über die Kommission- Beratung des L hrerpensionSgesetzeS, wonach der Staat 90 Prozent aller Pensionen tragen wüste, wenn er alle Persionen bis zu 800 Mk. auf fein Konto nehmen solle. Daraus ergibt sich also, daß 90 Proz. der Lehrerpenstonen nach dem neuen PenstonSgesetz nicht mehr als 800 Mk. betragen würden. Daß eine solche Pension zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist, bedarf keines Wortes weiter; daß es aber ein absolut unhaltbarer Zustand ist, die Lehrer, nachdem sie ein langes Leben hindurch in einem so wichtigen, einflußreichen und schweren Berufe, wie der Beruf deS Lehrers ist, tr n gedient haben, mit einer solchen Hungerpension zur Ruhe zu fetzen, bedarf ebenso wenig eines WsrieS. Aber nun denke man, daß diese Berechnung auf Grund des neuen PensionSzesetzeS aufgebaut ist, welches doch noch eine wesentliche Verbesserung der Pensionen bringen soll I— Dieselben wüsten also jetzt noch viel geringer sein! Mit welcher Angst und mit welchem Schrecken mögen die alten Lehrer, welche kein Privatvermögen haben, dem Alter mit seinen Gebrechen und dem Elend der Penstonierung entgegensetzen! Bekanntlich rekrutiert stch der Lehrerstand ans den braven ärmeren Volksschichten, ste bringen also kein Vermögen mit; In früherer Zeit heirateten ste öfter wohlhabende Bauernmädchen, bebauten selbst ihren Schul­acker und gelangten auf diese Weise meist zu einem ver­hältnismäßigen Wohlstände, sodaß viele von ihnen ihre Söhne später konnten studieren lasten. Allein in neuerer Zeit hat ber Staat durch die vermehrten Ansprüche an die Semtna bilvunz die Lehrer über ihre früheren einfachen B.-rhäktniste — wir meinen nicht die des vorigen Jihr- hun.ertS, sondern unserer Zett, — immer mehr htnans- gehobrn, so daß für sehr viele von ihnen ein schlichtes Bauernmädchen nicht mehr zur Ehefrau und ste nicht mehr zum Mann für ein solches Pasten, wenn die Ehe eine glück­liche werden soll und daß den meisten Lehrern auch rie Hände nicht mehr zur Garten- und Feldarbeit stehen. Die Lehrer streben deshalb auch immer mehr nach fixen Geld­besoldungen, da ste bei der Berpachtu ig der kleinen Schul acker ebensowenig herausshlagen können, wie bei der eigenen Bewirtschaslung, und bet neuen Schulstellen wird die Be- sol.-ung auch meistens in Geld fixiert. Die soziale Stellung der Lehrer ist eine ganz andere geworden — und zu dieser Stellung paff en die alt n Besoldungen nicht mehr. Mit denselben konnte ein schlichter Mann 'xistieren, der nach der Schule die Hacke auf die Schulter nahm u id auf dm Acker ging, aber nicht mehr ein moderner Lehrer, der zu solchen Beschäftigungen nicht paßt. Im Lause der Jahre ist ja auch manches zur Aufbesterung der Besoldung gethan worden, aber doch nicht in genügender W:ste. Das geht ans jener

Durchschnitts- und Maximalgehalt, sowie denselben WohuungS- gelozuschuß zuzubilligen und ihnen denselben Rang zu er­teilen, wie den Richtern erster Instanz. Die oben bezeich' rieten Lehrer an höheren Unterrichtsanstalten nicht König­lichen Patronats durch ein Gesetz denen an staatlichen An­stalten völlig gleich zu stellen, insbesondere auch hinsichtlich des WohnungSgeldznschusteS, der Pensionsberechtigung und der Zulassung zur Reliktenkaste. Der RegteruvgSkommistar erklärte u. a., daß die Rangfrage gegenwärtig im Staats­ministerium verhandelt werde; diese Angelegenheit würde wohl in den nächsten Tagen und möglicherweise in einem für die Petenten nicht ungünstigen Sinne entschieden wer­den. Ferner wurde folgendes auffallende Separatvotum von einem Mitgliede der Kommission ausdrücklich schrift­lich zu Protokoll gegeben: Nachstehendes Votum gebe ich durchaus nur in meinen Namen: Dem ersten Petitum der vorliegenden Petitionen stehe ich durchweg ablehnend gegen­über. Ein Recht der betreffenden Lehrer, im Gehalt den richterlichen Beamten erster Instanz gleichgestellt zu werden, vermag ich nicht anzuerkennen; auch nicht die finanziellen Ansprüche, welche eine Gleichstellung tm Beamtenrange nach sich zöge oder ziehen könnte. Den gesellschaftlichen Rang kann der Staat schwerlich den Petenten verschaffen; ge­schähe eS aber auch in irgend einer Weise, so würde die Gesellschaft selbst, insofern eS sich um die betreffende Lehrer­welt als Ganzes handelte, diesen Rang schwerlich anzuer­kennen. Die Gründe für diese Urteile liegen in Familien- verhältnisteu der Mehrzahl bet Lehret und den Umständen, unter welchen ste die Vorbildung für ihren Staus er­langen; sowie die Ueberzeugung, daß die Erfüllung der Wünsche der Petenten für die Erfüllung der Aufgaben uns Anforderungen deS Standes selbst sich nachteilig er­weisen märe. Der Hauptanttag der Kommission an daS Haus, welcher mit allen gegen eine Stimme ange­nommen wurde, lautet wörtlich: DaS HauS der Abgeord­neten wolle beschließen: „Die Petitionen der Königlichen Staatsregierung zur möglichsten Berücksichtigung im Sinne einer einheitlichen Regulierung der Gehalts-, PensionS- und Rangverhätt-üste der Lehrer an den höheren UnterrichtSan« stallen staatlichen und kommunalen Patronats zu überweisen.*. —- Die Bötsensteuer-Kommlsston deS Reichstags setzte heute in dreistündiger Beratung die Verhandlungen über die Bor- schläge der Subkommission fest, welche mit geringen redaktionellen Aenderungen fast durchweg genehmigt wurden. § 11h lautet danach: Bei Genossenschaften und Aktien­gesellschaften wird die Strafe gegen die Vorstandsmitglieder, bei K-mmanditgefellschaften gegen die persönlich haftenden Gesellschafter, bei offenen Handelsgesellschaften gegen die Gesellschafter nur im einmaligen Betrage, jedoch unter Haftbarkeit jedes Einzelnen als Gesamtschuldner erkannt.— 8 21 erhielt folgende Fassung: Der Bundesrat erläßt die Anordnungen wegen der Anfertigung und des Vertriebes der 1 ach Maßgal e dieses Gesetzes zu verwendenden Stempel-

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, fowied.Annoncen- Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt ’a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; RudolfMoffe in Frankfurt ▲ a. M., Berlin,München und V Köln; G. L. Daube und

Co. in Frankfurt a. M., Berlin,Hannover u. Paris.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- Abonnements-Preis bei der Expedition 2*/t Mk., bei ben Postämter 2 Mk 50 «sg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile

25 Pfg.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg 11. Kirchhain. - Illustriertes Sountagsblatt

Expedition? Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

ige < 12.

Deutscher Reich.

Berit«, 10. März. Das Herrenhaus wird zur Be­ratung des Staatshaushalts - Etats und einiger anderer Vortagen am 20. d. Mts. und ben folgenden Tagen Plenarsitzungen abhalten. — Von der Unterrichtskommis- stou des Abgeordnetenhauses liegt jetzt der Bericht (vorn Abgeordneten Bergenroth) über ole bekannte Lehrerpetitlon vor: DaS hohe Hins der Abgeordneten wolle der Königlichen Staatöregierunz empfehlen, 1. ben akademisch gebildeten Lehrern aller Im Lehrplan vorn 31. März 1882 genannten höheren UnkerrichtSanstalten (Gymnasien, Real­gymnasien, Oberrealschnlen, Progy nnasien, Prorealgym- nasten und Real- oder höheren Bürgerschulen) dasselbe

„Ihr einen Gast, Axima? Nun, ben möchte ich sehen, bet es w gt, Eure Einsamkeit zu teilen und in Euerm alten Unkennesi zu Hausen."

„Nun, ein Unkennest, Herr Junker, ist unser HauS eben nicht, wenn es auch kein Palast ist, wie bie Grafen Roff.ck ihn haben, aber unfern Gast, ben können wir schon sehen lasten, besten brauchte stch kein Kaiser zu schämen. So ein rosiges Kino steht man nicht alle Tage, so ein Püppchen, wie von Wachs, mit einer Stimme, baß die Vögel sie beneioen könnten. Nicht, daß bie schönen Wienerinnen stch verstecken müßten, aber apart ist unser Gast und heißt Eveline Engel­hardt, ist meines Professors Nichte."

„Sol meine teuerste Axima, das läßt stch hören! Und da komme ich gleich noch ein Stückchen mit, um von solchem Wunderkinoe noch mehr zu erfahren."

Fragend unb plaudernd, aufmerksam auf bie Antworten Axiaias horchend, folgte ihr der Graf noch durch mehrere Straßen bis »n des ProfestorS Haus, vor welchem er endlich von der alten Axima Abschied nahm.

Der davongehmde Jüngling war dn vornehmer Eocl- mann, der jüngste Sohn eines hohen StaatSbeamtm und widmete stch der Diplomatie. Ersah oft in seinen Träume­reien in weiter Ferne ein GesandtschaftS-Hütel mit allem Luxus der großen Welt im Innern und in der Umgebung, sich selbst aber als Gesandten eines großen Kaiserreichs, be­wundert und umworben von schönen Frauen fremder Nationen. Doch heute verdrängte b-i ihm die angeregte Neugierde alle Träumereien unb seltsame abenteuerliche Pläne zogen durch feinen Kopf. Wie konnte er auf p astende Weise das holde Mädchen indes ProfestorSHause kennen lernen. Bei dem alten Profestor hatte er weder Lust noch Ursache, stch als

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