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MarSurg, Freitag, 6 März 1885.

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg». Kirchhain. - Zllnstriertes Soiintaqsblatt.

___ .... ........Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch. *

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König Friedrich II. als Gourmand.

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berühmte Verfasser des Werkes ,Ueber die Einsamkeit*, ^geblich eifern, wird der König fortwährend von .brennen« y Hitz«' geplagt, ab« Friedrich ist sehr mäßig im Trinken,

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8111 dann eine Polenta, zu gleichen Teilen mit fein« 10011° Aich-Mui Knoblauch und Parmesankäse und Pfeffer oer« 10411 neben, eine Aalpastete, die so hitzig und würzhast gemacht 101 Horden mußte, daß sie sonst Niemand avzurühren wagte;

62 »UkS Menu absclvierte Friedrich II. noch wenige Tage vor 83iL5kTm Tode, und am Vorabend desselben ißt er noch eine «SS. 4^°e Seespinne. In Folge dieser so scharf gewürzten «ost, 96 Äbfr “el$e die Aerzte, vor allen Georg von Zimmermann,

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grscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal« «donnements-Preis bei der Expedition 3*/4 Mk., bei den Postämter Ä Mk. 50 Psg. (erd Bestellgeld). Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

,AuS den Memoiren des Magens, kulinarische Histo- nctten" betitelt sich eine Serie interessanter Feuilletons von Julius Walter, welche das „Neue Wiener Tageblatt' publiziert. Der Verfasser läßt zunächst die regierenden Fürsten aus dem Hause Hohenzollern R.vue passieren, über wen gastronomische Neigungen er manches in weiteren «eisen uicht bekannt gewordene Detail erzählt. Ueber Friedrichs des Großen kulinarische Liebhabereien schreibt der Berfasser: „Friedrich hält auf guten Tisch; er meint, daß

«ährend der Tafel nicht altert, und hält, der liebens- würdigste Amphitrion, die Gäste oft stundenlang fest. Die nattei ie de cuisine des Königs ist sehr stattlich; da sind ,e| Köche: Franzosen, Italiener, Rusten, Engländer, Hol- i ■ ber und Deutsche, und jeder vertritt seine nationale Küche ।y hat seine Spezialität. Friedrich ißt mit Vorliebe scharf . j furzte Speisen, in alle Suppen müssen besonders viel in Man, Muskatnuß und gestoßener Ingwer, die Saucen ij md so gepf'ffert, daß sie den Gästen oft die Zunge auf- , 1 «ßen; seine Lieblingsplatte ist das „Boeuf ä la Bussienne“, • ( Stück Rindfleisch mit viel Zwiebeln, in Branntwein

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowied.Annoncen«Bureaux vonHaasenstein undVogler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; RudolfMoffe in Frankfurt ♦ a. M., Berlin,München und fiäln; G. L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin,Hannover u. Paris.

lassungrn zwischen den Staatsmännern beider Regierungen für die Zukunft abschneidet. Der praktische Zweck, den man im Auge gehabt haben kann, wenn man sich in diesem Maße über die Tradition im Verkehr befreundeter Regie« rungen hinwegsehte, ist schwer erkennbar. Man sagt, und entsprechende Zeitungsartikel lassen es vermuten, daß damit in Frankreich Mißtrauen gegen Deutschland hätte geschaffen werden sollen. Ein solcher Wunsch wäre ja begreiflich; der englischen Politik kann weniger an einer Feindschaft zwischen Deutschland und England als an einer solchen zwischen Deutschland und Frankreich gelegen sein. England mag annehmen, daß es Frankreich seinen Wünschen gefügiger finden würde, wenn es darauf rechnen könnte, daß Frank­reich mit der Feindschaft Deutschlands von Hause auS be­lastet ist. Beide Nationen sind gleich stark; stehen sie sich also feindlich gegenüber, so wird der Ueberschuß an Kraft, den eine von ihnen noch gegen eine dritte Großmacht ver­wenden könnte, immer nicht bedeutend sein. Wir begreifen also, daß es im Interesse der englischen Politik liegt, in Frankreich Mißtrauen gegen Deutschland zu erregen. Wird das aber mit der Veröffentlichung dieser Depesche wirklich erreicht? Wir glauben eS nicht, auch wenn der Teil der englischen und französischen Presse, welcher daS gleiche Interesse hat, sich noch weiter bemüht, die Veröffentlichung dahin auszubeuten. Der Bericht des englischen BotschafterS ltefert nur einen neuen Beweis für die Geradheit und Offenheit der deutschen Politik. Am 5. Mai hat Graf Münster den Auftrag erhalten, zu verstehen zu geben, daß Deutschland, wenn England sich der Verständigung ver­sage, eine solche mit Frankreich suchen werde. England hat sich dem deutschen Entgegenkommen versagt, und so­bald das deutsche Kabinett sich hiervon überzeugt, hat daS- selbe, seiner in London gemachten Vorhersagung entsprechend, den Weg der Annäherung an Frankreich betreten. Derselbe Hit zu der Verständigung zwischen Frankreich und Deutsch« land zunächst über die Kongofrage und die Konferenz, dann aber auch über die egyptische Frage und zur Ueber- einstimmung der konttnei talen Mächte in der letzteren ge­führt. Diese Thatsachen find weltkundig und liegt in ihnen nichts, wodurch das Vertrauen, welches die französische Re­gierung in die Ehrlichkeit der deutschen Politik setzt, abge- schwächt werden könnte. Dies ist umsomehr der Fall, als der Bericht Sir Edwards selbst die Thatsache konstatiert, daß der Versuch, die französisch-deutschen Beziehungen wiederum zu lockern, an der Ablehnung des Fürsten Bis­marck unter Bezugnahme auf die Pflichten gegen Frankreich scheiterte. Ganz unerfindlich ist der Grund, welcher den Letter der englischen Veröffentlichung dazu bewogen hat, Aeußeruugen über den deutschen Botschafter, Grafen zu Mirnster, welche der Reichskanzler in seinen vertraulichen Unterhaltungen gethan haben soll, der Oeffentlichkeit zu

Maitre Ncöl, dem obersten Küchenchef und Haushofmeister, beriet, debattierte und meist eigenhändig korrigierte. Noch in seiner letzten Krankheit, neun Tage vor seinem Tode, korrigierte Friedrich wie gewöhnlich sorgsam kritisch daS Menu. Eine große Anzahl dieser Speisekarten sind der Nachwelt aufbewahrt worden, vor jedem Gericht steht der Name deS Koches, bei einzelnen Speisen findet sich von Friedrichs Hand F als Zeichen, daß Ihm diese Platte ge­schmeckt habe. Der letzte Speisezettel, welcher durch Fried- ^chs Hand ging, ist vom 5. August. Ncöl stand in hoher Gunst bei Friedrich, er erschien stets gleichzeitig mit dem SDeffett, das nur aus Obst bestand, in reich galonnierter Kleidung an der Tafel, um dir Lobsprüche seine« ihm stet- gnädigen Herrn eivzuheimsen; als er aber die „Bombe de Sardanapal' zum etstenmale serviette, ward Friedrich von diesem mit Speck, Würstchen, Knoblauch und Safran ge-

Kohlkopf so begeistert, daß er zur Leier griff und in 137 Versen Mo!.re Ncöl deS Weiteren für die Ewigkett besang. Für den Küchenetat waren anfangs jährlich zwölf- tausend Thaler ausgesetzt, wofür täglich acht Schüsseln aus des Königs Tisch und ebensoviel auf die MarschallStafel kommen und die zehn bis zwölf Bedienten mit drei Schüsseln des Mittags und Abend», die Hunde des König» mit kalter Küche abgefertigt werden mußten. Friedrich der Zweite prüfte sehr strenge die Küchenrechnungen, die ganz genau spezifiziert werden mußten — eS finden sich Rechnungen, in eenen l’/s oder IV« Pfennig verrechnet wurden — fügte nicht selten eigenhändig dazu: „impertinmt ge- stöhlen! In einer Weisung an seinen Schatzkanzler heißt kS: „die Köche müssen uicht die Hälfte von den Ingredienzen stehlen, sonst gehen alle Tage elf Thaler mehr drauf, ich «Ul, baß unser FraS nicht kostbar aber nur delikat ist.'

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nach Süden, wenn auch nicht gerade gegen Herat, kein Zweifel. Eine feindliche Absicht besteht dabei nicht; wenn die Engländer aber unvorsichtig auftreten und die A f g h a n e n gegen Rußland in Harnisch zu bringen suchen, so kann eS Ri alledem zu Konflikten kommen, hinter denen viel größere Gefahren lauern, als der Kampf mit dem Mahdi in sich birgt.__

Deutscher Reich.

Berlin, 4. März. Der Bundesrat wird morgen über die Petitionen, betreffend die Einführung der Doppelmüm- währung, beraten. — Graf Herbert Bismarck ist nach London abgereist. - Die „Nordd. Allg. ZV." schreibt: Unter den 3nbStationen, welche dir jüngsten englischen Blaubücher enthalten, ist die Veröffentlichung de» Berichte», welchen der englische Botschafter in Berlin am 25. Januar über eine Unterredung mit dem Reichskanzler erstattet hat, soweit unsere bisherigen Forschungen reichen, die auffälligste und bedauerlichste. Die Möglichkeit erfolgreicher Diplomatie beruht wesentlich auf dem Vertrauen, von welchem der per­sönliche Verkehr der Diplomaten und auswärtigen Minister beherrscht wird. Kann in demselben nur daS gesprochen werden, was sich zu sofortiger polemischer Publikation eignet, so wird natürlich die Thätigkett der Diplomatie eine ziemlich unfruchtbare und, man kann wohl sagen, überflüssige werden; denn die Art des Verkehrs, die dann übrig bleibt, kann, wie der Reichskanzler vorgestern richtig bemerkte, auch durch die Post besorgt werden; man braucht sich deshalb nicht den Luxus einer Botschaft und den Steuerpflichtigen die Kosten dafür aufzulegen. Der Reichskanzler ist durch seine freundschaftlichen Beziehungen zu dem verstorbenen Lord Ampthill gewöhnt gewesen, mit dem englischen Bot­schafter am diesseitigen Hofe vertraulich und offen zu ver­kehren, und er hat diese Gewohnheit auf feinen Nachfolger um so leichter übertragen können, als beide Herren seit länger als 30 Jahren in Beziehungen stehen, die sich au das kollegialische und freundschaftliche Verhältnis gründen, welches in Frankfurt a. M. zwischen den Eltern des jetzigen Herrn Botschafters und dem H nse deS Reichskanzlers statt­fand. So erklärt es sich, daß Fürst Bismarck mit Sir Edward Malet, um diesem den Nachweis seiner ehrlichen, aber fiuchtlosen Bemühungen um Englands Freundschaft zu liefern, sich mit der rückhaltlosen Offenheit ausgesprochen hat, von welcher der darüber erstattete Bericht Zeugnis giebt. Daß dieser Bericht in der Art, wie er vorliegt, überhaupt erstattet wurde, darin liegt nichts, was zum Vor­wurf berechtigte; aber wir sind überzeugt, er würde nicht in diesem Umfange erstattet worden sein, wenn sein Ver­fasser darauf hätte rechnen können, daß et sofort und in extenso veröffentlicht werden würde. In dieser Veröffent- ltchung liegt eine Indiskretion, welche vertrauliche AuS- und als die Stelle des „Oberschenken* durch den Tod des Grafen Henckel von Donnersmarck, noch ein Erbstück des Vaters, erledigt wird, weist er die Neubesetzung dieses Hof- charge mit den Worten ab: „die alte Barbarei des GrsöffS ist gottlob von meinem Hofe verdrängt, ich will nicht, daß sie durch eine solche Stelle wieder eingeführt werben soll.' Friedrich trinkt nur wenig Burgunder mit Wasser stark ge­mischt, aber er ißt, um den Durst za löschen, foriwähreud Obst, welche« auf all n Kamin-Konsolen und Tischen stand und auch seine Taschen füllte, und größtenteils in Sans­souci selbst gezogen wird. Am liebsten ißt er Kirschen, für die er oft bis zwei Thaler das Stück im Winter zahlen muß. Er ist kein Freund von Wils, dagegen liebt er vor­nehmlich die Hühner. Der Bruscr, Prinz Heinrich, hat Wunderdinge von den Hühnern erzählt, vie er in Paris gegessen; nun sollte eine solche Race in Rheinsberg erzielt werden; es wurden Poulardhäuser nach französischem Muster gebam, berühmte Hühnermäster aus Paris berufen, die besten Hühner au« der Normandie und Pikardte geholt, aber die Zucht gelang nicht, man glaubte, e» läge am Wasser. Der Tourist Baron Pöllnitz, den Friedrich wegen seines heiteren Geistes und seiner reichen Kenntnis des Klatsches der Kou- lissengeheimnisse vieler Höfe gern bei Tische sah, sonst aber sehr säuberlich behandelte, erhielt hier und da auch Küchen- aufträge, unter Anderem einen mit Walnuß gefüllten Trut­hahn zu besorgen; er sandte ihn mit den Worten: Voila le dindor, Sire, worauf Friedrich einen Ochsen durch die ganze Stadt führen und an der HanSthüre des Baron» anbtnden ließ mit einem Zettel, worauf weithin zu lesen war: Voila le boeuf Pöllnitz. Die Tafel war

Friedrich dem Zweiten eine sehr wichtige Angelegenheit. Der Entwurf de« MennS mußt« ihm alle Morgen, oft schou den Abend vorher vorgelegt »eiben, den er dann mit

ter.

rße 16, sucht. Nr. S.

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Deutschland und England.

Die Rede deS Fürsten Bismarck am 2. März scheint in Eng land dermaßen verblüfft zu haben, daß man keine Worte findet, um sich über den erhaltenen Eindruck auS- zvsprcchcn. UebrigenS läßt man e8 in Berlin damit nicht bewenden. Die „Nordd. Allg. Ztg.' fährt, wie untenstehen­der Artikel beweist, fort, das Kabinett Gladstone anzu­greifen und bedient sich dabei einer weniger zurückhaltenden Sprache, als sie der Reichskanzler selbst für geboten hielt. In London wird man daraus den Schluß ziehen, daß Fürst Bismarck das liberale Kabinett zu stürzen suche; nichts aber könnte verkehrter sein. Gladstone lebt vielmehr davon, daß man seinem großen Gegner diese Absicht zutraut, die für den englischen Nationalstolz natürlich sehr verletzend ist. An der Beseitigung diese« schwächlichen Politikers kann uns In Deutschland nichts gelegen sein. Jeder Staatsmann hat lieber mit unfähigen Widersachern zu thun, als mit begabten und entschlossenen. Erwünscht könnte also der Rücktritt Gladstones nur unter der Voraussetzung fein, daß sein Nachfolger entschieden deutschfreundliche Wege wandelt. Dafür fehlt es aber um fo mehr an jeder Bürgschaft, als lliemandweiß, wer dieser Nachfolger fein würde. Lord Salis­bury hat sich zwar bereit erkiärt ins Amt zu treten; da die Konservativen für sich allein aber zu schwach sind, um den Umschwung herbelzuführen, so liegt eS nahe, zunächst an die Bildung eines Koalitionskabinetts zu denkm, das als solches von vornherein auf schwachen Füßen stände und wahrscheinlich sehr bald einer anderen Kombination weichen müßte, von der sich vorerst kein Mensch eine deutliche Vor­stellung machen kann. Unter diesen Umständen ist es leichter, mit den alten bekannten, wenn auch feindlichen Größen zu rechnen, als mit neuen unbekannten, mit denen man erst mühsam Fühlung gewinnen muß, und von denen überdies auch anzunehmen ist, daß sie sich wesentlich wohl­wollender stellen werden, als die anderen. Fürst Bismarck hat gewiß mit vollem Recht betont, daß Deutschland und England keine entgegengesetzten Interessen hätten, da unsere bescheidenen Kolonialbestrebungen den ohnehin schon über­mäßig großen Weltbefltz Englands nicht beeinträchtigen können. Das steht man aber nur von einem großen Standpunkt fo an. Kleinlichkeit und Neid fassen die Sache ganz anders cnf; ob aber die Tories sich in diesem ntcn, 0 Punkte von den Liberalen stark unterscheiden würden — müßte sich erst zeigen. Große« Vertrauen haben wir zu der Objektivität Lord Salisburys auch nicht. Wenn wir »erden uns Darin irren, fo wird es uns sehr lieb fein. Im

[81 allgemeinen aber darf al« Regel gelten, daß die Engländer Mir da Rücksicht üben, wo sie schl-chterdings nicht anders können. In diese Lage könnte Lord Salisbury allerdings leicht kommen. Nach den letzten Erklärungen der Regierung im englischen Parlament ist von dem Vormarsch der R u ss e n