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Marburg, Dienstag, 3. März 1885.
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Sie griff nach ihrem Mantel, der Junker küßte ihre Hand, drückte die des Steinschleifers und eilte in den Hof zu seinen Leuten, die ihn mit einem Jubelruf empfingen. An eine Schonung der Bauern war jetzt nicht mehr zu denkt« und ein heißer, blutiger Kampf begann auf dem Hofe des Schlosses.
— Die in französischer Sprache gehaltene Anrede, mit welcher der Reichskanzler Fürst v. Bismarck am Donnerstag die Schlußsitzung der Afrikanischen Konferenz eröffnete, lautet deutsch folgendermaßen: .Meine Herren I Nach langen und mühevollen Beratungen ist unsere Konferenz an da« Ziel ihrer Arbeiten gelangt, und ich bin glücklich, bestätigen zu dürfen, daß dank Ihrer Bemühungen und dem versöhnlichen Geiste, der Ihre Unterhandlungen geleitet hat, ein vollkommenes Einvernehmen über alle Punkte des vorgelegten Programms erzielt worden ist. Die Beschlüsse, die wir feierlich zu vollziehen (sanctionner) im Begriffe stehen, sichern dem Handel aller Nationen den freien Zugang zum Mittelpunkt des afrikanischen Festlandes. Die Bürgschaften, mit denen die Handelsfreiheit im Congobrcken ausgestattet sein wird, und die Gesamtheit der Verfügungen, die in den SchtffahrtSakten des Congo und des Niger verzeichnet wurden, sind dazu angethan, dem Handel und der Industrie aller Nationen die zu ihrer Entwickelung und zu ihrer Sicherstellung vorteilhaftesten Bedingungen zu gewähren. Durch eine andere Reihe von Verfügungen haben Sie Ihr vorsorgliches Bemühen (sollicitude) und das sittliche und leib« ltche Wohl der eingeborenen Völkerschaften bekundet, und wir dürfen die Hoffnung hegen, daß die von einem Geiste weiser Mäßigung eingegebenen Grundsätze ihre Früchte bringen und dazu beitragen werden, jene Völkerschaften an die Wohlthaten der Kultur heranzuziehen. Die besonderen Bedingungen, unter denen sich die weiten Gebiete, welche Sie den Unternehmungen des Handels erschlossen haben, befinden, haben auch besondere Bürgschaften für die Aufrechterhaltung des Friedens und der öffentlichen Ordnung erheischt. Die Plagen des Krieges würden in der Thal einen besonders verhängnisvollen Charakter annehmen; wenn di- Eingeboren veranlaßt würden, bei Zerwürfnissen unter den Kulturmächten Partei zu ergreifen. In berechtigter sorgsamer Erwägung der Gefahren, die eine solche Mög- lichkeit für die Interessen des Handels und der Gesittung mit sich bringen könnte, haben Sie nach den Mitteln gesucht, welche einen großen Teil des afrikanischen Festlandes den Wechselfällen der allgemeinen Politik entziehen und die Eifersucht der Nationen auf die friedliche Arbeit des Handel« und der Industrie beschränken. In demselben Sinne haben Sie den Mißverständnissen und Streitigkeiten, zu denen neue Besitzergreifungen an der afrikanischen Küste Ber- anlassung geben könnten, vorbeugen wollen. Die Erklärung über die Förmlichkeiten, welche zu erfüllen sind, damit diese Besitzergreifungen als endgültig vollzogen betrachtet werden, führt in das öffentliche Recht eine neue Regel ein, die ihrerseits dazu beitragen wird, aus den internationalen Beziehungen Ursachen zu Mißverständnissen und Zerwürfnissen auszuscheiden. Der Geist gegenseitigen guten Einvernehmens, der Ihre Beratungen auözeichn.te, hat gleichermaßen die Unterhandlungen geleitet, die außerhalb der Konferenz statt-
Fast hätte sich der Junker auf ihn gestürzt und ihn, den er für den Anführer der Rebellen hielt, zu vernichten gesucht, aber Poschacher streckte den Arm auS und rief; »Hütet Such, Junker, ehe Ihr unschulstgeS Blut vergießt, sie brachten mich mit Gewalt au Ihre Spitze, mühsam nur j habe ich mich befielt, nm Such zu retten l* In fliegender
genommen sei auf ein Wort, welches er bei anderer Gelegenheit gesprochen habe über die Festlegung bestimmter Einnahmen zu bestimmten Staatsausgaben, als ob es in Beziehung stände zu dem vorliegenden Gegenstände, müsse er einige Worte zur Richtigstellung sagen. WaS er sage, sei keine Erklärung der Staatsregierung zur Sache, nicht einmal eine Erklärung des Finanzministers zu dem ganzen Artrage, sondern nichts, aiS seine eigene persönliche Mei-
Die Schleifer hon Solling.
Eine Geschichte aus dem Bauernkriege.
Erzählt von LudovicaHesetiel.
(Fortsetzung.)
So mußte der unglückliche Poschacher es mit ansehen, wie die Bauern das Burgthvr stürmten; er sah oben den Junker stehen, er wußte, daß diesir ihn für den Anführer der Meute halten mußte, sein mildes, freundliches Herz
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»Wohl dem, der Gnade üben tonn*, sagte Rupert, „mich dünke'S größer, als verurteilen!*
„ES ist etwa« an dem*, flüsterte Junker Joseph, „aber*, setzte er laut hinzu, „ich kann die nicht verlassen, die treu für mich kämpfen, ich muß jetzt zu ihnen und ihnen betstehcn!*
„Ihr habt Recht*, erwiderte Poschacher, „das hatte ich nicht bedacht, so laßt wich aber Eure Mutter in Sicherheit bringen, denn ich kann Euch nicht verhehlen, ich fürchte, die Bauern werden Sieger, und es droht Euch da« Schlimmste, denn ihr Anführer heißt — Steiuingerl*
Die stolze Frau bebte wie Espenlaub. „Er hat Recht*, sagte sie, „vor ihm allein fürchte ich mich, er soll mich vor ihm retten!*
„Aber wohin wollt Ihr meine Mutter führen?* fragte der Junker.
„Zu meinem Weibe und meinem Kinde, aber besinnt Such nicht lang« gestrenge Frau, sonst ist« zu spät!*.
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IX.
Durch einen geheimen Gang brachte Poschacher unterdessen Frau Maria ins Freie; Beide sprachen kein Wort mit einander, aber Einer hörte de« Anderen Herz klopfen. Draußen schien der Mond ruhig, klar und glänzend, als als sei eS rings auf Erden tiefster Frieden, als wisse er nicht« davon, daß er auf soviel Blut und Thränev hinab scheinen müsse. Der Steinschleifer betrat die kleine Kapelle, vor der er so oft mit Cyrilla gesessen und mit bebender Hand nahm er eine Kerze vom Altäre, die er an der ewigen Lampe entzündete. „ES muß sein*, murmelte er, „ich will sie durch eine doppeit so große ersetzen.* Schützend hielt er seinen Hut dafür, aber eS war so windstill, daß ste nicht einmal flackerte. Frau Maria hielt sich an seinem Arm fest und nun begann eine mühselige Wanderung durch die Oefen; fast wäre die unselige Frau der Anstrengung erlegen, wäre nicht SteiningerS Gestatt wie die Verkörperung ihres bösen Gewissens in ihren Gedanken immer hinter ihr gewesen, der ste um jeden Preis entfliehen wollte. Endlich schimmerte wie dn Sternlein ihnen ein Licht entgegen, mit einem Jubelruf begrüßten Frau Cyrilla und Margarethe den Gatten und Vater, fuhren aber erschrocken zurück, als ste die gestrenge Frau erkannten, die bleich und erschöpft auf einen großen Stein niedersaok.
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Hst erzählte er das Geschehene. „Mann, Mann,* rief der Junker erschüttert, „das habt Ihr für uns erduldet!* „Für mich 1* kam eS ganz leise von Frau Marias Lippen, zum erstenmal war auch ste ergriffen.
„Ich halte mein Wort,* entgegnete Poschacher einfach.
„Mit Retten meint Ihr Fliehen?* fragte der Junker, „das thue ich nicht, mögen ste mich erschlagen, wenn ste nach meinem Blute lüstern sind, eS wird auch ein Rächer kommen!*
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nung. Die Regierung habe erst Veranlassung, eine bestimmte Stellung zu nehmen, wenn ein Beschluß deS Hauses vorltege. Die Regierung könne eS nicht verantworten, ohne Deckung Ausgaben in Anregung zu bringen zur Befriedigung von sehr dringlichen Bedürfnissen, die, wie sie anerkenne, in Menge vorhanden seien. Der ursprüngliche Antrag v. Huene habe diese Rücksicht ebenso nicht gewahrt, wie der auf Erlaß eines LehrerpenstonS- GefetzeS gerichtete Antrag v. Zedlitz. Beide Anträge glichen sich darin, daß sie Bedürfnisse befriedigen wollten, die die Regierung auch anerkenne und gern befriedigen möchte, bezüglich welcher ste sich aber das Vorgehen versage, so lange daS dazu erforderliche Geld nicht vorhanden sei. Wenn da» HauS der Abgeordneten diese Anträge billige und mit erheblicher Mehrheit annehme, werde damit die Situation wesentlich verändert. Denn damit erklärt da- HauS die Bedürfnisse für so dringend, daß ste befriedigt werden müssen. ES müsse sich dann die Regierung fragen, ob ste mitgehen könne. DaS HauS sei der Wächter der Finanzlage dlS Staates. Dieser schwer verantwortlichen Stellung müsse sich daS Haus vollbcwußt sein. Der Antrag von Huene nach der Abänderung sei viel weniger bedenklich, denn danach solle erst eine Ueberweisung stattfinden nach Beseitigung des Defizits im Staatshaushalt. So fasse er die noch zu findende Prozentzahl der zu überweisenden Erträge auf.* Die Kommission vertagte sich, ohne einen Beschluß zu fassen.
Berlin, 1. März. Der Kaiser empfing heute nachmittag um 4 Uhr den Reichskanzler Fürsten Bismarck zu einem längeren Vortrag. — Die „Nordd. Allg. Ztg.* schreibt offiziös: Die allarmierende Sprache der englischen Blätter bezüglich Afghanistans beruht auf der Fiktion, daß durch die englisch-russischen Verhandlungen von 1872/73 tle Westgrenze Afghanistans festgestellt sei, während doch die dem Parlament seit 10 Jahren vorliegenden Akten das Gegenteil beweisen. Die englischen Karten zeigen, daß Khorassan und Herat durch einen breiten von unabhängigen Turkmenenstämmen bewohnten Gürtel getrennt sind. Nachdem einige Stämme den Russen unterworfen stnd, handle es sich darum, die Grenze zwischen Rußland und Afghanistan zu ziehen. Die zweite Fiktion sei, daß die Rassen Herat beanspruchten oder dahin schon auf dem Marsche seien. Die Grenze, welche der dem russischen Botschafter in London als Experte beigegebene Ingenieur Lessar vorgeschlagen habe, laufe aber 80 englische Meilen nördlich von Herat und überlasse den südlich streichenden Gebirgszug mit seinen Pässen am Herat. Die Erlegung über Herat sei daher gegenstandslos. Das wirkliche Streitobjekt sei nur die im vorigen Sommer von den afghanischen Truppen bes tzte Oase Pendjeh, über welche aber eine Lösung sich würde finden lassen. Kein russischer oder englischer Staatsmann werde aus diesem Objekt einen Casus belli machen.
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ward immer bitterer, da — gerade in dem Augenblick, wo das Thor nachzab, war eS ihm nach unsäglicher Mühe gelungen, eine Hand auS den ihn eng umstrickenden Bauden los zu machen; blitzschnell faßte diese Hand nach dem Messer des jungen Burschen, in einem Augenblick waren die übrigen Stricke zerschnitten, Steininger merkte eS in dem furchtbaren Durcheinander wohl nicht einmal. Zudem wurde « von dem Gefesselten abgedrängt und verlor die Zügel des Pferdes aus Der Hand. So gelang eS Poschacher, sich dom Rosse gleiten zu lassen, und kaum war er drunten, „ Jo bahnte er sich mit seinen Fäusten einen Weg durch das |(U> dichteste Gedränge; die Dienstmannen der Burg umging er und nicht umsonst hatte er des ehemaligen Pförtners ei’ Tochter geheiratet, der jeder Schlupfwinkel 6.tonnt war.
Ueber Gänge und durch Thüren, die man nicht besetzt hatte, weil man sie von Niemand gekannt glaubte, drang er in das Innere deS Schlosses und stand endlich hoch auf-
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Kürz:
Bflt** Für den Monat März nehmen alle Postanstalten Bestellungen auf die
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Soweit der Vorrat noch reicht, wird der Wandkalender für 1885 beigegeben.
_______________Die Ex-, d. Oberh. Zeitung.
Deutscher Reich.
Berlin, 28. Febr. Der Staatsrat, und zwar das engere aus den Staatsministern und den Mitgliedern der Reffortabteilungen bestehende Plenum, ist von Sr. Majestät berufen; der Zusammentritt steht nahe bevor. Diesem engeren Plenum wird das gesamte über die Frage der Geschäfts- und Börsensteuer erwachsene gesetzgeberische Material zur Beratung und gutachtlichen Aeußerung behufs Beratung der preußischen Regierung für ihre Abstimmung im Bundesräte über die Frage vorgelegt werden. — Der „Reichs-Anzeiger* schreibt: Nach einer Mitteilung der französischen Botschaft wird Reis nur dann als Kriegs- kontrebande behandelt, wenn er nach den nördlich von Kanton gelegenen chinesischen Häfen verschifft wird, während Reis Sendungen nach Kanton selbst oder nach südlich von Kanton gelegenen chinesischen Häfen unbehindert bleiben.— Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung des Antrages des Abg. v. Huene auf Annahme des Gesetzentwurfes, betreffend die Ueberweisung von aus landwirtschaftlichen Zöllen eingegangenen Beträgen an die Kommunalverbände, trat gestern zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Mehrfach wurde die Idee, schwankende Beträge ans landwirtschaftlichen Zöllen den Kommunalverbänden zu überweisen, bekämpf, ebenso die spezielle Verwendung solcher Erträge überhaupt, so lange ein Defizit besteht. Die Deckung des letzteren erhoffte Herr v. Rauchhaupt aus der Börsensteuer. Allgemein wurde anerkannt, daß man zunächst eine Ueberstcht über die aus neuen Zöllen und Steuern zu verwendenden Erträge gewinnen müsse. Der Finanzminister erklärt sich bereit, dazu mitzuwirken, und eS wird voraussichtlich eine Subkommisston mit dieser Aufgabe beiraut werden. Im übrigen war die Haltung deS FinanzmtnisterS durchaus tilatorisch. Er erklärte: „Er sei in der Kommission erschienen, um zu hören, nicht aber
„Damit er nicht kommen müsse*, bat Poschacher, „flehe ich Euch an: reitet Euch! Der Sturm wird sich leoen, übt Ihr dann, so seio Ihr Richter und könnt Gnade lassen, seid Ihr tot, müßt Ihr gerächt wirren!*
„Gnade!* rief Frau Maria zornig, „Gnade Bestien?*
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