lichen Augen, so kam er voch nicht als Schützer und Retter, sondern als Anführer der Feinde.
Der Irrtum des Junkers war verzeihlich; er konnte ja nicht sehen, daß der vermeintliche Anführer mit festen Banden verstrickt war und kein Glied rühren konnte, datz sein Pferd von jenem finsteren Greise geführt wurde.
Frau Maria war neben ihren Sohn getreten, ihr Blick fiel ebenfalls auf die Gruppe und auch ste schrie laut auf, aber ihr Schrei galt dem Greise, dm sie sofort erkannte.
„Meister und Schüler," murmelte ste, „die Steinschleifer von Gollingl"
Eine bange Ahnung kam über die unselige Frau; ste schwankte und wäre zu Boden gestürzt, wenn nicht ihr Sohn ste gestützt hätte.
Die Dienerschaft deS Schlofies, die Mannen de- Junkers hatten strengen Befehl, aus die Bauern erst dann zu schießen, wenn es dt'sen g-lungm sein sollte, das Thor zu erbrechen und in dm Hof zu dringen; Joseph gab flch der Hoffnung hin, sie würden unverrichteter Sache abziehen, die ganze Geschichte » 'blutig enden und sich deshalb auch leicht beilegen taffen, aber er hatte sich geirrt. Die Bauer« erstürmten das Thor und gelangten in den Hof, wo ste auf die bewaffneten Mannen stiehen. Im nächsten Augenblick fiel ein Schuß, hatte ibn jener finster blickmde Greis ab- geseurrt oder einer der Leute des Junkers? Jeder schob thn nochmals cem Gegner zu und Keiner konnte es dem Andern beweisen, aber dem ersten folgten andere, die Meute war los und eS war kein Halte« mehr. Auch Steininger konnte jetzt die enrfeffcltm Mafien weder aufhalten noch vorwärts dringen; wie einem P Habium waren sie Pofchacher gefolgt, den Steininger aufs Pferd hatte setzen lassen. „Sprichst Du «in Wort sür die Junker, so bist Du ein
ÄUb deö Todes,* h-tte er ihm noch einmal zugerannt, „und dann kannst Du ihn n sicher nicht mehr helfen!"
Das Wort hatte den unglücklichen Mann getroffen, doch anders als Steininger meinte. Ja, so lange er noch atmete, noch lebte, war auch noch eine Möglichkeit vorhanden, den Bedrohten zu helfen, wenn es ihm nur gelang, seiner Bande ledig zu werden, und so ergab er sich denn scheinbar in den Willen SteintugerS, der ihn nicht einen Augenblick aus den Augen ließ.
In PvschacherS Brust aber wallte plötzlich gegen de« einst so geliebten Meister ein ihm bis dahin ganz unbekanntes Gefühl auf, das des HafieS; dieser Mann wollte die Freiheit mit sich bringen und knechtete chn, den er wie einen Sohn zu lieben vorgab, an Leib und Seele schlimmer, als es die Junker je Einem gethan hatten. Hatte er denn viLt seinen freien Willen zu lieben und zu hafim, »en er wollte l Die । roßen ehrlichen Augen verloren ihren stillen, in sich gekehrten Blick, ste begannen zu flammen und zu funkeln, daß selbst Steininger davor erschrak.
Auf der anderen Seite neben PvschacherS Pferd ging ein junger Bursch von kaum sechszehn Jahren, deffen einzige Waffe in einem scharfen Broomeffer bestand, daß er heulend um seinen Kopf schwang. Die Mutter deS unglücklichen Knaben war dem schweren Frohndienft erlegm, ste hatten leichtes Spiel mit ihm gehabt; nur zu gern hatte er dem Liede von Rache und Freiheit gewünscht. An diesem blitzenden Messer, von deffen «schneide Blut za triefen < schien, wenn es der Schein der Pcchfackrin traf, hiogm PvschacherS Augen, ein Schnitt mit demselbm durch seine Banve und er war frei, aber wie eS erringen? Wenn er , sprechen wollte, erstickte Steininger seine Worte dadurch, < daß er mir hall, «der Stimme ein wildes Lied zu fingen begann, In Has der ganze Haufe einfiel. (lottf*mg folgt )
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Klarburg, Sonntag, 1. März 1885.
XX. Jahrgang.
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Die Exp. Oberh. Zeitung.
~ Deutsche- Reich.
Berlin, 27. Febr. Der „RcichSanzeiger" veröffentlicht das Gesetz, betreffend den weiteren Erwerb von Privat- eisenbahneu (der braunschweigischen, schleswigschen und Münster-Eiffcheder) für den Staat. — Dem Bundesrate ist seilens des Reichskanzlers eine Ueberstcht der Geschäfte deö Reichsgerichts im Jahre 1884 zugegangen. ES wurden danach anhängig gemacht 2103 Revisionen in Zivilsachen, davon wurden 359 in die frühere Instanz zumckgewiesen, bei 198 des Urteil unter Entscheidung In der Sache selbst aufgehoben, und bei 1328 die Revision zurückgewiesen oder verworfen. Mündliche Verhandlungen sanden im ganzen 1835 statt, davon 1675 kontradiktorische. An Patentsachen waren anhängig 8 über jährige und 23 diesjährige, von welchen 19 erledigt sind, und zwar 17 durch Urteil. In 5 Fällen wurde dabei die angefochtene Enficheidung bestätigt. An Sach tt, welche nicht zur ordentlichen streitigen Gerichtsbarkeit gehören und laut S 3 des Einführungsgesetzes zur Gerichtsverfassung dem Reichsgerichte übertragen sind, wurden 10 anhängig, uns zwar ein schiedsgerichtliches Verfahren und 9 Revisionen gegen Entscheidungen deö königl. preußischen Oberlandeskulturgerichts. Vier Sachen der letzteren Art waren noch aus dem Jahre 1883 anhängig. Neun Sachen wurden hiervon erledigt. An Revistonen in Straf» fachen waren anhängig 352 überjährige, 3271 diesjährige, zusammen 3623; unter den diesjährigen Sachen befanden sich Revisionen In erster Instanz 3045, In der Berufungsinstanz 18. Davon wurden erledigt durch Verzicht oder sonst ohne Gerichtsbeschluß 41, durch Beschoß, in welchem die Revision für zulässig erachtet wurde, 408, durch Beschluß, der die Unzuständigke-t des Reichsgerichts aussprach, 4, durch Urteil 2918, zusammen 3371. Unerledigt blieben 252 Strafsachen. Hauptoerhandlungen fanden 2918 statt. 196 Urteile ergingen auf Revisionen gegen Urteile von Schwurger chttn und 2100 gegen Urteile der Strafkammern. Strafsachen, in welchen das Reichsgericht in erster und letzter Instanz zuständig ist, waren 5 überjährtge und 3 diesjährige anhängig, 2 davon wurden durch Urteil und 5 rurch Außerv-rfolgungsttzung der Angeschuldigten erledigt. An Jirjmiensachen, in welchen vor dem 1. Oktober 1879 bereits ein Urteil erster Instanz ergangen, sind zwei ein-
gegangen und durch Urteil erledigt. Beschwerden in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, Strafsache und Konkursverfahren waren 669 anhängig, davon wurden 15 ohne Entscheidung erledigt, 90 für begründet und 543 sür unbegründet erklärt. 9 von diesen Beschwerden betrafen das Konkursverfahren. Außerdem wurden 3 Bcfchrerden gezen Verfügungen deS Untersuchungsrichters beim Reichsgericht für ungültig erklärt. An Sachen, welche in erster Instanz zur Zuständigkeit der Konsulargerichte gehören, waren anhängig 6 Berufungen in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, welche durch Urteil erledigt wurden, und 3 Berufungen in Strafsachen, von denen 2 unerledigt blieben. Die Reichsanwaltschaft hatte zu bearbeiten 3276 Strafsachen, 14 DiSziplinar- sachen, 29 Ehrensachen gegen Rechtsanwälte, 77 Ehesachen, 1 Entmündigungssache, 4 Beschwerden über Beschlüsse dcS UntersuchuugSrichtecS in Hochverratssachen, 119 Anträge auf Entscheidung des Revisionsgerichtes, 27 Gesuche um Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, im ganzen 4768 Vortragsstücke. 2967 Verhandlungen fanden statt, davon 2922 in Strafsachen. An Berufungen in ehrenrechtlichen Sachen gegen Rechtsanwälte waren 33 anhängig, von denen 3 ohne Urteil, 15 durch Urteil erledigt wurden. En sich waren an Revistonen, Nichtigkeitsbeschwerden, KafiationS- reknrsen und Oberappellationen in Zivilsachen nach älteren Pcozeßzesetzen 67 aus den Vorjahren und 93 diesjährige, zusammen 160 anhängig,.von denen 21 ohne Urteil, 108 durch Urteil erledigt wu den, und 31 unerlerigt blieben.
— Der Bundesrat hielt am 26. d. M. unter Vorsitz deS Staatsministers von Bötticher eine Plenarsitzung ad. Bor dem Eintritt in die Beratungen gab der Vorsitzende unter allseitiger Zustimmung dem Bedauern über den Verlust Ausdruck, welchen die Versammlung durch daS am 23. d. M. erfolgte Ableben deö königlich sächsischen außer- ordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers von Nofttz-Wallwitz erlitten hat» Demnächst gelangten Mit- trilungm deS Präsidenten des Reichstags Über vom Reichs' tag gefaßte BeschlÜfie zur Vorlage, und zwar wurde der Beschluß, betreffend die Petitionen zweier jElbschlf ahrtS- gesellschfiten um Niederschlagung von Sttmp lbeträgen, den zuständigen AuSschüfien, der Beschluß wegen Ermäßigung ter Gerichtskosten und der RechtSanwaltSgebÜhren dem RetchS- k nzler überwiesen. Eine Denkschrift über die Ausführung der seit 1875 erlassenen Anlcihegesetze, eine Vorlage wegen Befreiung der Führer von Hochfeefischereifahrz'Ugen von dem PrüfungSzwange für Schiffer, ein Antrag von Renß ä. L. betreffens die Bildung einer SerufSgenofienschaft der Wollen- warenbranche für das Gebiet beider R«utz auf Grund des Unfallversicherungö-GesetzeS, sowie der Jahresbericht der Reichsschuloenkommission gingen gleichfalls an die zuständigen Ausschüsse. Den mündlichen Berichten der Ausschüsse entsprechens wurde auf die vorliegenden Anträge auf Befreiung
der ohne maschinelle Einrichtungen betriebenen Zigarrenfabrikation von der UnfallverstcherungSpflicht ablehnende Bescheidung beschlofien und eine Eingabe, welche aus gesetzgeberische Maßnahmen gegen daS bandenwetse Umherziehen der Z'genner gerichtet ist, dem Reichskanzler überwiesen. Zum Schluß wurden Kommifiarien für die Beratung von Vorlagen im Reichstag ernannt und über die geschäftliche Behandlung von Eingaben Beschluß gefaßt.
— Dem Abgeordnetenhause ist der Nachtragsetat für 1885—86 zugegangen, in Einnahme und Ausgabe sich auf 833186 Mk. belaufend. Neben Ausgaben für Eisen- bahnverwaltung, Verzinsung von Staatsschulden rc. fordert der NachtcagSetat 20970 Mk. für die Polizeiverwaltung in Franksutt a. M. Nachdem bereits im Hauptetat die Mittel für 1 Polizrikommifiar und 20 Schutzleute mehr gefordert worden, sollen noch (Folgen des Attentats Rumpff) 1 Polizeikommifiar und 12 Schutzleute eingestellt werden. — Die Unterrlchtskommtsston des Abgeordnetenhauses wiederholte in ihrer Sitzung am Mittwoch den früheren Beschluß, die Petition der Lehrer höherer Unterrichtsanstalten wegen Gleichstellung mit den Richtern erster Instanz der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Bezüglich der geforderten Ausdehnung der Grundsätze deS Reliktengesetzes bemerkte der Regierungskommifiar, die bezüglichen Verhandlungen seien in der Schwebe und stellte ein günstiges Resultat tn Aussicht. — In der verstärkten Budgetkommtsston deö Abgeordnetenhauses wurde gestern abend die Beratung der Sekundärbahnvorlage fortgesetzt und die Linien Hannover—Visselhövede 5 100 000 Mark, Fulda—Gersfeld 1280000 Mark, Warburg—Arolsen 2490000 Mark, Wissen—Morsbach 858000 Mark und Schee—Silschede 950000 Mark bewilligt.
— Bezüglich der braunschweigischen Erbfolge bringt die „Nat-Ztg." heute folgende Mitteilung: Der Erbgroß- herzog vou Oldenburg, welcher sich jüngst lediglich, um mit dem Herzog von Cumberland zu verhandeln, nach Gmunden begeben hatte, ist nach seiner Rückkehr von dort hier vom Kaiser wie vom Kronprinzen empfangen worden. Wie weit es richtig ist, daß der Erbgroßherzog auch mit dem Fürsten Bismarck konferiert hat, kann dahingestellt bleiben. Gleichzeitig mit dem Großherzog ist der leitende braunschweigische Minister, Graf Görtz, hierher gekommen oder vielmehr, wie eS heißt, berufen worden. Graf Görtz hat mit dem Fürsten Bismarck konferiert und der letztere dem Kaiser gestern Vortrag gehalten, und zwar, wie vermutet wird, Über die braunschweigische Frage. Der Herzog von Cumberland soll sich bereit erklärt haben, seine welfische Umgebung zu entlassen und auch bezüglich des WelfeufondS in Verhandlung zu treten. Dagegen konnte die Zusicherung nicht erteilt werden, daß der Herzog für sich und seine Nachfolger auf immer der Erbfolge in Hannover entsagte.
Die Schleifer von Äolltng.
Eine Geschichte aus dem Bauernkriege.
Erzählt von Ludovira Hesekiel.
(Fortsetzung)
Ein Jahr deS Bluts uns der Thränen war eS, dies Jahr 1525; Schuld und Unschuld, Recht und Unrecht sind so durcheinander gewirrt, so blutige Grausamkeit zeigt sich ans betreu Seiten, daß ein klares Urteil dem ewigen Weltenrichter überlassen werden muß.
Dem Junker Joseph von Kuchl war eS tn der letzten Stunde klar geworden, daß er viel und schweres Unrecht gegen die Bauern begangen habe, und er ueloble, es gut zu machen, wenn dereinst die Stürme sich gelegt hätten und er noch am Leben sei. Frau Maria dagegen hatte nichts anderes als zornige Flüche gegen die rebellischen Bauern, die es versuchten, das Burgthor einzurennen, daS ihnen freilich einen gewaltigen Widerstand entgegensetzte.
Anfänglich hatte der Junker gefürchtet, seine eigenen Leute würden zu den Bauern übergehen uns ihn an dieselben verraten, denn sie hatten auch gerade keine Seide gesponnen unter Frau Maria« Herrschaft, aber sie standen zu ihm in unerschütterlicher Treue, so daß Joseph sich fast solcher unverdienter Liebe schämte und die Rinde um sein Herz immer mehr schmolz
Plötzlich aber stieß er einen lauten Schrei au«; an der Spitze dcS Bauemhaufeu« ritt ein Mann auf einem starken Braunen, neben dem ein Greis einherging, in dessen Hand eine Schußwaffe blinkte. Der Manu auf dem Pferde aber war Niemand anders al« der Steinschleifer Pofchacher l Ein unendlich bittere« Gefühl erfaßte den Junker und die Rinde drohte sich wieder fester nm sein Herz zu legen; so war « doch rin Lügner, der Mann mit den ruhigen, ehr