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Marburg, Sonnabend, 28 Februar 1885.

xx. Jahrgang.

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______________Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Oberhefsische Zeitung

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Die Erst. Oberh. Zeitung.

Deutsche- Reich. ~

Berlin, 26. Febr. Der König der Belgier richtete einen Brief an den Fürsten Bismarck, worin er dem Reichs­kanzler seinen Dank ausspricht für die großen Dienste, welche er durch die Einberufung der Konferenz der Zivilt- sation in Afrika geleistet hat. In der heutigen Schluß­sitzung de- Cougo-Konferenz sprach Fürst Bismarck In der Rede, mit der er heute die Sitzung eröffnete, seine Befrie­digung über die erzielte Einigung aus, gab sodann ein Resümee über die einzelnen Punkte des nunmehr durch- gesührten Konferenzprogrammes, zollte insbesondere seine Anerkennung dem versöhnlichen Geiste, in welchem die Ver­handlungen geführt worren, bezeichnete den neuen Congo- staat als eine der wertvollsten Stützen für den Bestand des Werkes der Konferenz und sprach schließlich namens des Kaiser« den Dank an alle Bevollmächtigten au«. Namens der Bevollmächtigten dankte Gral Launay, indem er die großen Verdienste des Fürsten Bismarck um den Erfolg der Konferenz heevorhob. A-Sdann teilte Fürst Bismarck mit, daß die internationale Congo - Gesellschaft beschlossen habe, der Konferenz beizutreten und daß namens derselben die Schriftstücke bereits von Oberst Strauch unterschrieben seien. Hierauf wurden vierzehn Vertrags-Dokumente unter­schrieben. Nach dem Schluffe der Konferenz wurde der in­zwischen erschienme Oberst Strauch allseitig beglückwünscht. Die verstärkte Budgetkommisfion des Abgeordnetenhauses fetzte gestern abend die Beratung über die Sekunsärbahn- vorlage fort. Eine lebhafte Diskussion knüpfte sich an das seitens des Abg. v. Meyer (A nSwaloe) angeregte Pcoj kt einer Fortsetzung der Linie über Calltes, zu welchem oie Regierung bis jetzt noch keine bestimmte Stellung genommen hat. Mehrere Kommisstonsmitglieder hielten auch die der meckienbu-gischen Regierung gemachten Konzessionen für zu weit gehend. Eine Petition, die Hauptlinie über Barth zu führen die Stadt erhält nur eine Stichbahn wurde ab gelehnt. UebrigenS wurden sämtliche Positionen bewilligt.Der Direktor der König!, preußischen Staats­archive Herr v. Sybel veröffentlicht in derN. A. Z." eine von ihm und dem Herrn Prof. Dr. Kofer unte-zeichnete Erklärung, welche sich gegen de jüngst M Fr. W. Grünow in Leipzig erschienenen »Gespräche Friedrich dcS Großen mit Henri de C üt" wendet. Die genannte Publikation sei

Die Schleifer von Golltag.

Eine Geschichte aus dem Bauernkriege. Erzählt von Ludovira Hesekiel.

(Fortsetzung.)

Frau Maria lachte.Wozu braucht- da des Rüsten«; ein halb Dutzend Schüsse gegen ihre Dreschflegel und sie ziehen mit blutigen Köpfen ab/

Könnte auch anders kommen/ murmelte Joseph,thut mir leid, daß Firmian nicht hier ist, der würde noch am besten mit ihnen fertig, obgleich er ein Priester ist/

Kannst ja nach ihm schicken, wenn Du Dich fürchtest/ spottete die Mutter.

Ich fürchte mich nicht," entgegnete Joseph,das wißt Ihr, was liegt mir viel an meinem Leben, ich glaube, das Meiste habt Ihr zu fürchten, den« Ihr habt dem armen Kinde das L ben sauer genug gemacht I"

Was littest Du«, Du warst ja der Herr!"

Frau Mutter, das Wort sollt Ihr nicht umsonst ge­sprochen haben/ fuhr er auf,ich werdS nicht mehr leisen, ich werde der Herr sein und ich werve es anders sein, al« Ihr! Ich Habs satt, daß man sich bei meinem Anblick kreuzt und segnet, daß st- mich den wilden Jäger nennen, ich will auch - in Stück von all der Liebe, die in der Welt umgeht l"

Ich fürchte nur, daS kommt alles zu spät/ hohulachteFrau von Kuchl, und Deine Bauern glauben DirS nicht mehr/

KönntS ihnen nicht verdenken/ sagte der Junker und Frau Maria hätte vor Staunen fast aufgeschrieen, denn eine große schwere Thräne, die erste seit feinen Knaben­jahren, rollte über de« »Üben Jäger« braune Wange. Er wischte fie mit dem Rücken der Han» ab und verließ da« Gemach mit den Worten:Ich gehe nach dem Rechten, Frau Mutt«, damit fie uns nicht snbeschützt überfallen,

ein deutscher Auszug aus den al« 22. Band derPubli­kationen au« den Königlich preußischen Staatsarchiven" (L-ipzig, S. Hiezel) erschienenen, von H.-rrn Prof. Kosec herausgegebenen Aufzeichnungen Catt« über seineNnter- haltungen mit Friedrich dem G oßen" und sei trotz des Einspruches dec Königlichen Archivverwaltung und des Ver­legers derPublikationen" erfolgt.Du: Grunowschen Auswahl", fährt die Erklärung fort,liegen allein die Memoiren CattS zu Grunde; fortgelaffen find seine Tage­bücher unter der Motivierung, daß dieselben mehr eine Fundgrube für den Geschichtsschreiber als Gegenstand einer wirklichen Lektüre seien. Nun enthalten die Memoiren allerdings eine Menge des intereffantesten und auch wohl beglaubigten Stoffes; da ste aber erst 1786, mithin 30 Jahre nach den Erlebnissen, geschrieben sind, zeigt sich an vielen Stellen eine falsche chronologische Gruppierung des Juhalts, und nicht feiten werden dem Könige Aeuße- rungen in den Mund gelegt, welche nachweislich anderen Personen angehören. Wer also sich nicht durch diese Er­findungen de Catts täuschen lasten will, muß überall bei der Lektüre der Memoiren, die 17581760, gleichzeitig mit den Ereignisten, ausgezeichneten Tagebücher, die in der Originalausgabe mit abgedruckt sind, zur Vergleichung heran­ziehen." Solch- historische Lizenzen seien dem Verfaster in dem kritischen Apparat der Originalausgabe zu Dutzen­den nachgewiefen worden. Um da« Publikum somit durch dieCattschen Mystifikationen, zu derm Mitschulbigen sich der Leipziger Verleger gemacht habe", nicht irreführen zu lasten, erscheine jetzt die V-ranstaltuna einer authentischen deutschen Ausgabe der intereffantesten Teile der Memoiren und Tagebücher, in welcher die der Wahrheit beigemischte Dichtung als solche kenntlich wird, als eine Notwendigkeit. Dieser authentischen Bearbeitung, deren demnächstiges Er­scheinen in Aussicht gestellt wird, soll bann als wertvolle Ergänzung eine deutsche Uebersetzung des im Königlichen Geheimen Staatsarchive befindlichen italienischen Manuskripts der Tagebücher de- Marquis Lucchestni über die Tisch­gespräche der Tafelrunde zu Sanssouci (17801783) hin- zugefügt werden.

Zur braunschweigischen Erbfolgefrage berichtet die Voff. Ztg " folgenses:Der Erbgroßherzog von Olden­burg, deffen Besuch beim Herzog von Cumberland in Gmunden solches Aufsehen erregte, ist gestern nach Berlin gekommen und vom Kaiser vormittags empfangen worden. Ebenfalls vormittags empfing der Kaiser den Prinzen Wilhelm von Preußen, der nachher dem Fürsten Bismarck einen Besuch machte. Nachmittags erschien Fürst BiSmarck beim K -iser zu einer Konferenz. Stellt man mit den vor­stehenden Meldungen de« gestrigenHofberichts" die wei­teren zusammen, daß der Vorsitzende de« braunschweigischen Regentschafterats, Graf Görtz WciSberg, vorgestern Abend hier einzetroffen ist, uns -atz der englische Botschafter gestern

wa« ich vorhin gesagt, dabei bleibtS: Ich bin hir der Herr und kein Anderer!"

Als Frau Maria allein war, lief ste unruhig in dem weiten Gemach auf und ab, was war mit dem Sohne vor- gebangen! Sie wußte nichts von der Allgewalt der Liebe, die den ganz « Menschen verändern kann und doch war es nur die Liebe, die den finsteren Junker zum Nachdenken und Andere gebracht hatte, wi-er seinen Willen, leise, un- mcrkiich fast, begann ste die harte Rinde zu lösen, die um fein Herz lag. Wohl war Joseph gewaltig aufgebraust darüber, daß ihn Margarethe verschmähte, aber inwendig im tiefsten Herzen hatte eine Stimme gefragt: Wer bist Dn denn, dag sie Dich lieben sollte, ste die Licht, Feine, Dich den finstere« Gesellen? Dan« war heut Morgen das Gespräch mit ihrem Vater gekommen, für alle Drohungen hatte dieser Mann nur eine Warnung gehabt, keine Gegen- drohung, keia Scheltwort, nur Freundlichkeit, wenn auch ei« eisernes Bestehen auf s inem festen Manneswillen! Da« hatte dem Junker tiefen Eindruck gemacht; den häßlichen Verdacht, der für einen Augenblick in seiner Seele aufge­stiegen war, hatte er schon wieder fallen laffen, die Augen dieses Manne« mit ihrem großen ehrlichen Blick tonnten nicht lügen. Der Junker war, nachdem er den Stein­schleifer verlassen, in den Wals gegangen und unter fern Rauschen der grüne« B.ätterkroaen hatte er ernstlich über Vieres nachgedacht, was ihm bis dahin sehr fern gelegen fratte. Den Erfolg dieser Gedanken mutzte jetzt Frau Ma.ia spüre«.

Die stolze Frau wurde ihrem Brüte« durch einen ihrer Diener entrissen, der die Kunde brachte, da» HauS des Steinschleifers Poschacher sei leer, die ganze Famllie wie von der Erde verschwunden; ein Schauer rann durch ihre

beim Kronprinzen zum Abschiedsdiner gelabtn ward, um heute nach London abznreisen, so kann man kaum noch zweifeln, daß eS stch in dem gegenwärtige« Augenblicke in den maßgebenden Kreisen ganz ernstlich um irgend einen Schritt zur Entscheidung der brannschwristschen Frage han­delt. Nach welcher Richtung dieser Schritt gethan wird, kann man nicht wagen vorauSzusazen." DieNat.-Ztg." schreibt folgendes:Die Mitteilungen unserer letzen Morgen­ausgabe über die Bemühungen auS dem Kreise der euro­päische« Dynastieen zu Gunsten der Camberlandschen Erb­folge in Braunschweig werden unS mit dem Zufügen von ausgezeichneter Seite bestätigt, daß auch weibliche Hände sehr stark dabei beteiligt seien. Der Herzog von Cumber­land selbst soll zwar dabei außer Frage bleiben, dagegen der Nachdruck auf der Berufung seines Sohnes ruhe«. An dem Stand der Sache selbst hat stch indeffe«, wie wiederholt konstatiert werden kann, nichts geändert/ Auch dieser Bericht bestätigt untere Mitteilungen, daß nämlich eifrig in der Sache verhandelt wird. Nach unseren In­formationen dürfte übrigens das Ergebnis der jetzt that« sächlich stattfindenden Verhandlungen zweifelsohne noch nicht eine endgiltige Lösung der Frage, sondern eine nochmalige Verlängerung de« Provisorium«, wenn auch möglicher Weise in anderer Form, sein. Wie uns aus Braupschweig mitgeteilt wird, hält man dort,an der durch die Landes« verfaffung fest gestellten Erbfolgeordnung fest, in der Ueber- zeugung, daß die S:lbständigkeit des Herzogtums am sicher­sten erhalten bleibt, wenn der Herzog von Cumberland oder, wenn dieser die geschichtlichen Ereigniffe von 1866 nicht anerkennen sollte, deffen Sohn refr. einer der übrigen nach der Erbfolgeordnung berufenen Prinzen nach der Reihen­folge zur Regierung komme."

Goth«, 23. Febr. Der Spezial-Landtag de« Herzog­tums Gotha wird am 5. nächsten Monats hier zusammen­treten und zum Gegenstände seiner Beratungen dem Ver­nehmen nach auch Verhältnisse derDeutschen Grund­kreditbank" haben.

A«rla«d.

Wik«, 26. Febr. Die Meldung derNeuen Freie« Preffe", In Castua (Istrien) seien ernste Unruhen au-ge­brochen , ist nach eingeholter Information übertrieben, namentlich ist eS unrichtig, daß militärische Hilfe requiriert worden sei.

Paris, 26. F-br. Einer Meldung aus Shanghai zu­folge nimmt Courbet in der Nähe von Shanghai Stellung, um die AuS'uhr von Reis auf dem Seewege zu verhin­dern. Die Fe ieffen, die vorgestern zu Ehren des 24. Febr. stattfanden, verliefen sehr ruhig und boten gar kein I«- tereff?. In Der letzten Studentenversammlung wurden die Worte, welche der Rektor der Universität Berlin kürz­lich an die dortigen Studierenden gerichtet hak, nicht er»

Adern, sie hatte dasselbe ja schon einmal erlebt vor langen, langen Jahren, sollte sie auf jener Stelle nach einmal eine Flamme auf steigen sehen, düsterrot und unheimlich!

Unheimlich war- heut überhaupt auf Schloß Golliug; die Anzeichen von einem Zusammenrotten der Bauern mehrten sich, und man begann ernstlich an Verteidigungs­maßregeln zu denken. Joseph ordnete und befahl mit der ihm eigenen finsteren Ruhe, sein strenger Befehl lautete: Rur verteidigen, nicht angreifen l" Er wußte, daß ihm dann Niemand, in diesem Falle wenigstens, ein Unrecht vor­werfen konnte.

Und al- die Nacht kam, in der e- fast stiller und stiller zu werden pflegt, da man meint die Füße der Engel über die Berge schreiten zu hören, da wurde es heute nur lauter und lauter; dunkelrot lohten Fackeln auf, heulend zog die Schar der Dauern heran mit Waffe«, die um so furcht­barer waren, als ste sonst nur den Arbeiten de- Frieden- dienten. Da funkelten die Lensen, Arxte und Beile, da schwangen ste die Dreschflegel; alte Leidenschaften waren In diesen unglücklichen Menschen entfeffelt, die nicht nur wirklich unter einem harten Druck gelebt hatten, sondern die auch noch aufgestachclt worden waren von ehrgeizigen Gesellen aller Art. Sie schrieen nach dem Gotte-wort, wie e« Luther gepredigt habe und war ja auch Mancher brunter, btt um seine- Glaubens willen Schwere- erduldet hatte, obgleich gerade solche stch meist dem wüsten Treiben der Aufrührer fern hielten. Wa- sie hauptsächlich verlangten, war Brod und Freiheit und wer hätte ihnen solche- Ser» langen verargen wollen; e- war nur ihr Unglück, daß sie- mit Mord und Aufruhr verlangten und ihren Gegnern fttbst die Waffen in die Hände gaben.

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