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Seine Hand zuckte nach dem Messer in seinem Gürtel, t ls wollte er sich mit eigner Hand desjenigen entledige», der ihm Gefahr bringen konnte.

Was ist ans meinem edlen Meister geworden,* klagt« Poschacher,daß Lüge und Moro sich in seine Seele stehlen 1*

Wer trägt die Schuld?*

Die Junker, * kreischte er auf,sie haben mich zu dem gemacht, w-S ich dtn und Du meinst, ich könnte auf mdiie Rache an jenem Weibe verzichten! Niemals!"

Und wenn Deine R che gesättigt ist, was dann?*

Dann/ und seine Augen leuchteten in schwärmerischem Glanze,dann erhallen alle Menschen gleiche Rechte, ste beten in Tempeln zum guten Geist, Jeder in seiner Art, und Friede unv Lieve regieren die Welt! So stehts in dem Buch, da» drunten in den Oesen liegt und daS Du nicht begriffen hast.

Wohl las ich von einem Reich," antwortete Rupert, ,to nur Friede und Liebe sein wird, daS kommt aber nie auf diese Erde!"

Doch, es kommt, aber durch einen blutigen Bach geht der Weg, und stehe da, «S bricht an!"

Kein Wort mehr sprachen die beiden Steinschleifer, daS Unwetter halte längst auSgetobt, die Nacht brach herein, gellend pfiff Steintnger und im nächsten Augenblick hatten sich die ausrührcrifchen Bauern um ihn gesammelt.

VIII,

Al» Junker Joseph den Mann verlassen hatte, der die Ehre, sein Schwiegervater zu werden, so hartnäckig auS- schlug, begab er stch zu seiner Mutter, dir müßig im Fenster saß. Sie hatte eine Stickerei auf de» Schoß, aber bk blaut und tot« Wolle, mit der da» »eißleiaenr Tischtuch

gestickt werden sollte, war zur Erde gefallen und die Nadel ihrer Hand entglitten. Die schwere Luft bedrückte ste, so daß ihr das Denken sauer wurde, und ste hatte so vtä zu denken; mußte ste doch Mittel und Wege finden, die Stetn- schleiferdtrne zu entfernen, damit ihr Sohn eine reiche Erbin freien und den gesunkenen Glanz des Hause- wieder heben könne, ES schien fast, al» sei in dieser Frau jedes beflere Ge­fühl erstorben, Rachsucht, Ehrgeiz, Lüge, Hinterlist stritten um die Oberhand, ste alle waren gekommen im Gefolge jene» unheimlichen Dämons, der stch zuerst in der Jugmd ihrer bemächtigt hatte, des Golddurstes. Die Goldgier hatte olles Große und Gate in ihrer Seele erstickt und war obenein nie befriedigt worden. Die Goldgier hatte sie ruhelos und hart gemacht, die Goldgier ließ die schlanke, weiße Hand fast unaufhörlich zittern, ließ ste nachts keinen Schlaf finden und raubte ihr im Gotteshause die Andacht. Al» sie den Schritt ihre» Sohnes vernahm, fuhr ste au» ihrem Brüten auf; finsteren Angesichts stand er vor ihr, urd mit zorniger Stimme fragte er:Habt Ihr ein« Drohung aus­gesprochen, Frau Mutter, wider Poschacher den Steinschleifer und seine Tochter?"

Ja," entgegnete st« kalt,ich wrrde sie al- Ketzer verklagen, wenn Du dabei beharrst, die Dime heiraten zu wollen, die Dich nicht einmal will!"

Joseph biß sich di« Lippen blutig, daß Margarethe ihn verschmähte, war das Bitterste bei der Sache, dann sagte er:Ihr werdet da» nicht thun, Frau Mutter, oder e» soll Euch Übel bekommen. Wird Euch auch kaum Zeit bleiben, benn der Mann, den Ihr schwer bedroht, hat mir eine Warnung gegeben, die wir doch nicht in dm Wind schlagen dürfen. Der arme Konrad spukt zu Golltng, wir myss« rüst«« gegen die BaueruI^ (twtfcfrme folgt.)

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Mr. »» Maröurg, Freitag, 27. Februar 1885. XX. Jahrgang.

MfnaA^Snnntrnh ZA A A jL/m4 a » Anzeigen.nimmt entgegen:

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Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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____-___________ Die Erp, d. Oberh. Zeitung.

Deutsche- Reich.

Berlin, 25. Febr. Der Kaiser konfelirrte nachmittags mit oem Fürsten Bismarck. Als Nachfolger des verstor­benen sächsischen Gesandten von Noftitz-Wallwitz nennt die Nalionalzetlung" den Grafen Wilhelm Hohenthal. Der Toi des lächsischen Gesäurten und BundeSbevollmächtigten v. Nostitz Wallwitz hat hier in weitesten Kreisen aufrichtigste Teilnahme erweckt. Er war seit etwa zehn Jahren einer der Vertreter Sachsen» im Bundesrate, trat sehr häufig im Reichstag als Vertreter der sächsifchm Landesinteressen her­vor und genoß allseitig den Ruf eines sehr tüchtigen, liebenS- würoigcn uuv wohlwollenden Beamten. Er hat wiederholt auf finanzwissenschaftlichem Gebiete stch du ch gute Aufsätze ausgezeichnet; insbesondere entsinnen wir un» zweier vor­züglicher Arbeiten aus seiner Feser über die Finanzen des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reiche», sowie übet dell Aufwand der Flotte und des LandheercS im deutschen Reiche, die in der Zeitschrift deS sächsischen ftati- fttschen Amtes veröffentlicht worden sind. Er war Stell­vertreter des Vorsitzenden der gegen die Sozialdemokratie 1878 errichteten Retchskommisston, sowie Mitglied des Reich»- bank-Kuratortums. In der hiesigen Gesellschaft erfreute er sich besonderer Beliebtheit. Aus Voeschlag Frankreichs verhandeln die Mächte über die Berufung einer diploma­tischen Sachverständigen - Konferenz, deren Aufgabe darin bestehen soll, die Frage der Durchfahrt durch den Suez- Kanal in einer alle beteiligten Mächte befriedigenden Weise zu lösen. Die endgültigen Einladungen find noch nicht er­gangen, da England anscheinend noch gewisse Vorbehalte macht, doch gitt als gewiß, daß die Türket bereits Mit­teilung erhalten hat, daß sie demnächst etngeladeu werden soll.Der Abgeordnete Frhr. v. Hucn: hat zu seinem an­genommenen Anträge, betuffettb den preußischen Anteil an den Mehreinnahmen ve» Reiches aus den agrarischen Zöllen aus Grund der Verhandlungen bei der erstea Beratung im Plenum nachstehende Abänoerungsanträge h d:r Kommission ««gebracht: Für den Fall, daß die Ueberweisung oer unver- türzlen Beträge nicht thunlich erscheint, event. in § 1 in der vorletzten Zeile das Wortunverkürzt" zu streichen und an dessen Stelle zu setzen:nach Abzug von X Pro­zent". Die Einfügung der Zahl der Prozente bleibt vor- dehaiteu. II. Im 8 2 Abs. 2 hinterWestfalen" einzu-

Dte Schleifer von Golltng.

Ein« Geschichte au» dem Bauernkriege. Erzählt von Ludoviea Hesekiel.

(Fortsetzung.)

Die Bauern zerstreuten stch in den Thäleru und im Walde, Steintnger blteb vor dem gebundenen Poschacher stehen, der an v-n Stamm einer riesigen Tanne gesessen war. Trauer und Triumpf, Zorn und Liebe sprachen zu­gleich aus seinen Augen.

Zu solcher List muß ich also greisen, um Dich vor Dir selbst zu retten," begann er in ernstem Ton.

Wollt Ihr behaupten, Ihr hättet an mich gedacht, «wiverte Poschacher, unschädlich wolltet Ihr mich machen, damit ich nicht im Stande sei, die mit den sammetnen Schuhen zu warnen vor den Dreschflegeln!"

Wurdest DuS auch jetzt noch thun, wenn ich Deine Bande löste?" fragte der Andere.

Ich könnt« nein sagen und List gegen List setzen, aber ich mag nicht lügen, ja, Meister, aus der Stelle ging ich hinauf zum Schlosse und sagte ihnen, wa» st« bedroht!"

Sie würden Dir» nicht danken und die Bauern Dich «schlagen wie ein Stück Vieh, deshalb mußt Du gebunden bleiben, bi» alles vorüber ist!"

Könnt Ihr auch meine Zunge binden; tu die Ohren will tchs ihnen schreien, daß st« Mordbubea stnv, daß Ihr ihnen Märchen aufgrbunden habt, daß ich die Janker warnen will, nicht ste erschlagen."

Stetninger schaudert«.Dann kann ich Dich nicht tttten," murmelt« er,vielleicht, daß ste mich selbst für einen Verräter halten!*

Zitterte er selbst vor bett Vewaltm, die er entfefieln WM

schiebenSchleswig Holstein, Hessen-Nassau". III. 1. Prin­zipal. Den Absatz im § 3 wie folgt zu fasten:Als Verteilungsmaßstab für die nach 8 1 zu überweisende Ge­samtsumme an die einzelnen in 8 2 angeführten Kommunal- verbände werden die Zahlen zu Gründe gelegt, welche stch ergeben durch Zusammeurechnung der Zahlen, welche oer Einwohnerzahl der Kommunalverbände entsprechen, und der­jenigen Zahlen, welche der in Mark ausgedrückten Summe der in dem betreffenden Kommunalverbande aufgebrachten Grund-und Gibäudesteuer entsprechen." 2. Eventual. Den 8 3 Abs. 1 in nachstehender Fassung anzunehmen:Die Verteilung der nach 8 I zu überweisenden Gesamtsumme an die einzelnen im 8 2 angeführten Kommunalverbände geschieht derart, daß */3 der Summe nach dem Verhältnis der in den betreffenden Kommunalverbänden aufgebrachten Grund- und Gebäudesteuer überwiesen werden, Vs der Summe nach dem Verhältnis der Einwohnerzahl der Kom- munalverbänve. Keinem anderen Vorwurfe gegenüber zeigen stch die Wortführer der Partei Richter - Rickert em­pfindlicher als demjenigen, die Fortschrittspartei habe stch jederzeit als beste Vorfrucht für die Sozialdemokratie be­währt. Im Abgeordnetenhause kam nun kürzlich die sozial­demokratische Wahihiife für Herrn Virchow im 2. Berliner Reichstagswahlkreise zur Sprache, und dieVolks-Zeitung" nimmt Anlaß, der Behauptung entgegenzutreten, Herr Vir­chow sei nur mit dieser Hilf« in den Reichstag gelangt. Dabei sagt daS demokratische Organ, die Sozialdemokraten hätten für Virchow gestimmt und den Lockungen Stöckers widerstanden, weil sie stchihres demokratischen Ursprungs bewußt geblieben". Ueber die Vaterschaft des Fortschritts bezüglich der Sozialdemokratie wird also in Zukunft wohl kein Streit x mehr .entstehen. Es gilt in unterrichteten Kreisen jetzt für ausgemacht, daß Graf Hatzfeld nicht mehr auf seinen Posten als Staatssekretär des Auswärtigen zurückkehrt; als sein Amtsnachfolger wird von einer Seite Graf Herbert Bismarck, von einer andern UnterstaatSsekretär Busch bezeichnet. Der BundkSrat hält morgen seine übliche Plinarsitzuug ab; auf der Tagesordnung stehen außer einer Vorlage, betreffend di« Ermäßigung der Gerichts­gebühren nur unbedeutendere Gegenstände, Rechnung-fachen, Bildung von BerufSgenoffenschaften und Eingaben.

Die verwitwete Großherzogin Al xandrine von Mecklenburg-Schwerin, die einzige noch lebende Schwester unjereS Kaisers, vollendete am 22. d. Mts. ihr 82. Lebens­jahr. Von den drei Schwestern unseres Kaisers ist dir älteste, die Kaiserin von Rußland, als Witwe Nikolaus I. 1860, die jüngste, Prinzessin Friedrich der Niederlande, 1870 gestorben, die Großherzogin Alexandrine noch am Leben. Ste hat ihren Gemahl früh (1842) verloren und auch alle ihre Kinver sind vor ihr gestorben. Ste soll ihrer Mutter, der Königin Luise, sehr ähnlich sein.

Im Anschlüsse an daS Jnter-sse, welches vte Ver­

breitung der Kurzsichtigkeit unter der unsere höheren Schulen besuchenden Jugend tu weiteren Kreisen seit mehreren Jahren gefunden hat, ist tteuetblng» von medi­zinischer Seite auch auf das Vorkommen der Schwerhörig­keit hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, daß nicht selten Katarrhe, insbesondere Nasen- und Rachenkatarrhe, den Anlaß zu diesem Uebel geben. Während indessen an der weiteren Ausdehnung der Kurzsichttgkeit den Ansprüchen und Einrichtungen der Schule selbst ein wesentlicher Tell der Schuld beigemessen wird, so daß die UnterrtchtSver- waltunz stch für verpflichtet erachtet, die Thatsachen im weitesten Umfange festzustellen, die Ursachen deSj Uebel», soweit dieselben in Einrichtungen der Schule zu suchen sind, zu ermitteln und auf ihre Beseitigung hinzuwtrken, ist tu betreff der Schwerhörigkeit ein gleicher Vorwurf gegen die Schule nicht erhoben. Denn wenn auch die Weg« zur Schule oder unzweckmäßige Lüftungen während der Schul­stunden Katarrhe veranlassen und steigern und dadurch im weiteren Verlaufe möglicher Weise Schwerhörigkeit herbei­führen, so sind dergleichen Vorkommnisse doch nicht als spezifische Einflüsse der Schule und ihrer Einrichtung an­zusehen. Jedenfalls aber ist es von Wert, festzustellen, In welcher Häufigkeit dal Uebel der Schwerhörigkeit stch bei den Schülern unserer höheren Lehranstalten überhaupt vorstadet. Zu diesem Zwecke bedaif e» jedoch weder einer genauen Feststellung de» Begriffe» der Schwerhörigkeit noch besonderer Ermittelungen in den einzelnen Schulen. E» ist vielmehr anzunehmen, daß den Lehrern jeder Klaffe, insbesondere den Ordinarien bekannt ist, ob, bez«. welche Schüler an diesem Uebel leiden. Eltern oder deren Stell­vertreter pflegen, wenn ste einen schwerhörigen Knaben der Schule übergeben, schon im Jntereffe desselben diesen Umstand nicht zu verschweigen, und selbst wenn dies unter­blieben sein sollte, kann derselbe beim Unterricht auch in größeren Klaffen und bet den sonstigen Anläffen de- Ver­kehrs nicht leicht verborgen bleiben. Es liegt daher zu­nächst kein Grund zu besonderen Veranstaltungen behufs Ermittelung etwa übersehener Fälle der Schwerhörigkeit vor. Der Kultusminister hat deshalb ein Formular an- fertigen lasten, nach welchem anzugeben sei, wie viele Schüler in jeder Klaste schwerhörig find und wie viele e» bereits bei ihrem Eintritt in die Schule waren. Die königlichen Provinzial - Schnlkollegten sollen dem Direktor, bezw. Rektor jeder höheren Schule ihre» Amtsbezirke» ein solches zugehen lasten, mit bet Aufforderung, nach Be­nehmen mit den betreffenden Lehrern, eventuell nach An­frage in der Lehrerkonferenz, aber unter ausdrücklicher Ab­standnahme von besonderen Maßregeln der Ermittelung va» Formular ausfüllen und längstens binnen 8 Tagen den Provinzial - Schnlkollegten wieder zuzustellen. Seitens der letztgenannten Behörden steht der Minister alsdann der Einreichung der ausgefüllten Formulare entgegen.