XX. Jahrgang
Marburg, Mittwoch, 25 Februar 1885.
fit. «
Der Deutsche Kolouinlverei«
hielt, nachdem am Sonnabend die vorberatrnde Sitzung de« Borstande» stattgefunden hatte, Sonntag den 22. d. M. seine zweite ordentliche Generalversammlung in Berlin im Architektenhause ab. Außer den Borst mdSmttgttedern und den Abgeordneten von 25 Zweigvereinen hatten sich zahl- uiche andere Teilnehmer an der Versammlung eingrfunden; wir bemerkten unter ihnen den Prinzen Friedrich von Srchsm- M-iningen, Vizeadmiral vo i Huck, Generalmajor Regely, Frhr. v. Röder, Dr. v. Eye, P of. Marquardseu. Landrat vr.Lederath u.a. Um 11 Uhr 30 M nuten eröffnete der Vorsitzende, Fürst zu Hohenlohe«Langenburg die Sitzung. Nachdem er die Versammlung begrüßt, wieS er auf den großen Aufschwung hin, den der Verein (er zählt gegenwärtig 10275 Mitglieder) in der kurzen Zett feines Be- stchens genommen. Dies sei aber nicht der Thätigkeit drö Vereins allein zuzuschretben, sondern in erster Linie dem großen, weltbewegenden Ereignis, der von dem Reichskanzler inauzu'-ierten Kolonialpolitik, die von dem größten Teil des deutschen Volkes mit Jubel begrüßt wurde, und der gegen dieselbe gerichteten Opposition. Seine agitatorische Thättgkett dürfe der Verein jetzt noch nicht aufgeben, wenngleich die praktische Arbeit bereits in Angriff genommen worden sei, wie die in der Versammlung zur Verhandlung kommenden Anträge darthun würreu. Sodann ersuchte der Vorsitzende, in den Verhandlungen alle politischen Streiflichter beiseite zu lassen; der Verein sei kein politischer, sondern ein rein nationaler; alle Mitglieder mögen durch Vorschläge und Anregungen dem Vereine zur Erreichung seine« Zieles behilflich sein. Hierauf wurde der Geschäftsbericht pro 1884 verteilt. Der Geschäftsführer des Vereins, H. Thiel, resümierte denselben mit kurzen Worten. Wir entnehmen dem Berichte folgende Daten. Der Verein ie- sitzt Mitglieder in 1075 deutschen und 128 cmßeroeutschen Orten. Er sucht sür seine Zwecke durch Vorträge und Verteilung von Broschüren und hauptsächlich durch daS Vereins- organ, die von Hrn. R. Lest er redigierte »Deutsch: Kolonialzeitung-, die nunmehr schon eine Auflage von 15000 Nummern hat, Propaganda zu machen. Der Verein steht mit in- und ausländischen Korrespondenten und I.stituten tu regem Verkehre. Der Verein hat durch den Tod seinen zwelten Vizepräsidenten, Hrn. Dr. v. Brüning, verloren. Die Organisation de« Büreaus ist durch Anstellung eines
Die Schleifer vo« Solling.
Eine Geschichte auS dem Bauernkriege.
-rzlihlt von Ludoviea Hesetiel.
(Fortsetzung.)
Draußen war« schwüler als es sonst tat Mai zu sein pflegt and auf des finsteren Jägers Stirn standen die Schweißtropfen; er begehrte Antwort auf seine gestrige Werbung.
Ruhig fragte ihn Poschacher nach der Einwilligung seiner Mutter; da lachte er höhnisch auf und meinte, er ließe seiner Mutter ihren Willen in allen Stücken, sie möge auf dem Schlöffe walten, wie es ihr beliebe, aber heiraten thue er nur für sich allein. Weiter fragte der Steinschleifer, womit denn der Junker sein Weib zu ernähren gedenke. ES gäbe viel Wild im Walde, viel Fische im See und fingen sich viel Vögel in den Retzen, erwiderte Joseph, waS sonst nötig wäre, müßten die Banern liefern, nach Glanz und Pracht stehe fein Sinn nicht und er könne auch nicht bentn, daß sich des Steinschleifers Tochter danach sehne, sie sei doch auch nicht daran gewöhnt, «o schlug der Junker alle Ausflüchte des Vaters zurück, so daß dieser sich endlich kurz faßte und die Werbung rund heraus abschlug, dieweil der Reitmoser sein Wort habe, von dem Besuche bet Mutter und ihren Drohungen sagte er dem Sohne nicht«, wozu auch, er wollte ihm ja Margarethe ohnehin nicht geben.
Zornig begehrte Joseph auf und wollte mit dem Mädchen selbst sprech«, aber Pochacher sagte, daS sei in Sicherheit und er möge damit warten, bis er« gefunden.
.Und noch ein« laßt Euch gesagt fein, Junker', schloß btt Steinschleifer und blickte dem Zürnenden mit seinen ehrlichen Augen fest in» Angesicht, „eß ist nicht an der
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Soweit der Vorrat noch reicht, wird der Wandkalender fär 1885 beigegkben.
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Expedition- Marit 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.
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klärt er.^daß der Antrag au« objektiver Erwägung hervorgegangen sei; Beweis deffen, daß derselbe keine wärmere Vertretung als von süd- und ostdeutschen Vereinen gesunde» hat, obwohl die Bestrebungen des Vereins im Norden und Westen Deutschlands bisher nur klägliche Resultate erzielt haben. Aber die Verlegung wird wesentlich dazu beitragen, gerade letztere Gegenden für den Verein zu gewinnen. Nachdem noch Herr Elben - Stuttgart sich mit dieser 93er» legung einverstanden erklärt, da ja die bewährten Kräfte, die an der Spitze de- Verein« stehen, demselben erhalten bleiben, wird § 1, mit dem Au-führungSautraz: „Mit der Ausführung dieses BeschluffeS und namentlich mit der Bestimmung des Zeitpunktes der Verlegung wird der Vorstand des Deutschen Colonialverein betraut', sowie alle anderen Aenderungen der Satzungen en bloc einstimmig angenommen. 3. „Wahl dreier Rechnungsrevisoren sür 1885.* Die Herren Otto Braunfels, C. F. Wm. Meister und Dr. OSwalt werden über den Antrag de« Vorsitzenden einstimmig wiedergewählt. 4. Nach kurzer Debatte wurde dem Vorstände überlasten, die nächste Generalversammlung je nach günstiger Zeil im April oder Mai k. IS. einzuberufen, und Karlsruhe, dessen Wahl Herr Dr. Schenkel- Karlsruhe gegen eine Einladung des Herrn Baron von der Brüggen nach Augsburg befürwortet, mit großer Majorität al« Oct der nächsten Generalversammlung erwählt. 5. Die „Besprechung geeigneter Maßregeln zur Einführung der deutschen Währung im überseeischen Verkehr* wurde von der Tagesordnung abgesetzt, da dem Vorstände wegen Mangel« an Zeit eine gründliche Beratung dieser weittragenden Frage unmöglich gewesen. 6. „Einrichtung von AuSkunftSbüreauS*. Referent Herr Prof. Dr. Fischer-Marburg erörtert in längerer Rede die Notwendigkeit einer deutschen Kolonialkanzlei, die sich zum Mittelpunkt aller unserer überseeischen Unternehmungen gestalten und jedem die Mittel an die Hand geben soll, stch bei überseeischen Unternehmungen vor gar zu üblen Erfahrungen zu bewahren. An die Spitze der Kanzlet soll eine Kraft treten, die Erfahrung besitzt und wiffenschastlich hoch steht, alle einlaufenden Nachrichten kritisch zu sichten und zu verarbeiten. Der Kolonialverein will die Auswanderung nicht befördern, ja sogar verhindern. Deshalb hat man auch die innere Kolonisation in Betracht gezogen. Je größer das Absatzgebiet in der Fremde, desto mehr Arbeit für die Kräfte der Heimat, die dieser dann erhalten bleiben. Auswanderer sollen dahin dirigiert werden, wo nicht ihre Kulturkräfte für die Heimat verloren gehen, ja sogar ihr feindlich werden. Die Auswanderer sind vor den AuS- Wanderungsagenten zu schützen. Dies könne alles durch die Kolonialkanzlei erreicht werden. Redner empfiehlt daher cen Antrag des Dr. Miquel-Frankfurt a. M.: „Der Vorstand des deutschen Kolonialvereins wird ermächtigt, eine Kanzlei behufs Erteilung von Auskunft über die Ber
ber Euren Rettung; ber böse Feind ist lo« tu allen Laudm, Ihr wißt es ja selbst, der Bauer droht dem Priester und rem Junker allenthalben, er hebt auch zu Golltng fein Haupt —*
„Hölle und Teufel*, fuhr der Junker auf, dem in der That mit einem Male die LiebeSgedanken entschwunden zu sein schienen, „wa« wißt Ihr, Mann, sprecht!*
„Ich weiß nicht mehr, al« ich Euch sagte, und wüßte ich mehr, würde ich auch nichts sagen, denn Eure Hand würde allzu unsanft auf die Unglücklichen niebctfatten; ich warne Euch nur, vielleicht, wenn Ihr ein andere« Regiment eintreten ließet, Milde übtet am atmen Mann, e« wäre noch Zett!*
Höhnisch lachte der Junker auf, ein furchtbarer Verdacht war in ihm ausgewacht, „seid Ihr vielleicht von den Bauern angestellt, mit mit zu unterhandeln, seid Ihr bet Anführer der Rebellenhorde?*
Entsetzt starrte Poschacher den Junker an; „ging« nach mit,* erwiderte er, „so gäb« im ganzen deutschen Lande keinen Rebellen 1*
„Ich habe einen starken Verdacht auf Euch,* erwiderte ber Junker, „und sicherte mich am liebsten Eurer PersonI*
Rupert trat einen Schritt zurück. „Hütet Euch davor,* sagte er mit fester Stimme, „erstlich bin ich nicht so leicht zu faffen, meine Atme sind stark,* er hob die nervigen Fäuste in die Höhe, bann fuhr er fort, „und ihr beraubt Euch Eures einzigen Freundes i*
Da« ganze Wesen de« Manne« trug so sehr da« Gepräge bet Wahrheit, daß der Junker wieder Irre wurde in feinem Verdacht. «ockfetzun« folgt.)
Büreau-VorsteherS u ad Sekretärs vervollständigt. In der regen Beteiligung an der auf den 21. September v. I. in Eisenach berufenen Generalversammlung trat die durch den Verein bereits errungene B deutung als einer allseitig anerkannten Zentralstelle für die kolonialpolitischen Bestrebungen bi Deutschland besonders augenfällig zutage. Der Kaffenbericht pro 1884 weist an Einnahme 50899,17 Mk., an Ausgaben 40243,85 Mk. aus, so daß mit Ende Dezember 1884 ein Bestand von 10655,32 Mk. verblieb, lieber den zweiten Punkt der Tagesordnung „Abänderungen der Satzungen* referierte Dr. Cohn Frankfurt. Er wies darauf hin, daß durch dir Bildung der Zweigveteine eine Umänderung der Statuten notwendig wurde, um die Zweig- Vereine in den notwendigen Konnex mit dem Kolonialvetein zu bringen. Dies glaubt die behufs der Umarbeitung der Satzungen eingesetzte Kommission durch einen besonderen Paragraphen über die Zweigvereine zu erreichen, deffen wichtigste Bestimmung lautet: „Die Zweigv reine können zur Deckung ihrer besonderen Ausgaben den Minimalbetrag ihrer Mitglieder erhöhen und diesen lokalen Zuschlag zurück- behalten; sie haben indeffen mindest nS 6 Mk. per Mitglied uns Jahr an die Hauptkaffe kostenfrei abzuführen; die über die ZuschlagSbeträge den Zwstgvereinen zufließenden Mehr- beiträge fallen, insofern seitens der Geber keine anderweite Bestimmung getroffen ist, dem Hauptverein zu*, und durch Arndermtg des § 5 Absatz 2, 3 in folgende Bestimmungen: Aenderung von § 5, 2.: „Die Generalversammlung wählt auf je drei Jahre den Präsidenten und 24 weitere Mitglieder des Vorstandes; zu dieser Zahl treten außerdem die zufolge 8 4, 4 dem Vorstanve angehörigen Vertreter der Zweigvereine hinzu. Dec Vorstand wählt aus seiner Mitte auf je 3 Jahre zwei Vizcpräsivertten und hat das Recht, für denselben Zeitraum biS zur nächsten Wahl die in ber Generalversammlung gewählte Zahl feiner Mitglieder durch Kooptation bis zu einer Gesamtheit von 50 zu erhöhen, wobei die vorstehend bezeichneten Verlr ter der Zweigvereine nicht mitzuzählen stao." — Zusatz zu § 5,3. „Zur fortlaufenden Erledigung der Bereinsanzewgenheiten nach Maßgabe ber Beschlüsse des Vorstandes ist ein au« dem Präsidium und mindestens 5 Mitgliedern des Vorstände« bestehender Ausschuß bestimmt, welch r durch da« Präsidium zu regelmäßigen Sitzungen zu berufen ist. Derselbe wird durch den Vorstand aus den demselben angehörigen Mitgliedern auf je brd Jahre gewählt. Die seitens des Vorstandes zu ent- werfense G.schäftsordnung stellt de Befugnisse deö Präsidiums, des Vorstand.- und deS AuSschuffeS näher fest.* 8 1 der neuen Satzungen soll lattcn: Der Sitz des Deutschen KolonialvereikrS ist Berkin. Reichstagsabgeordneter Dr. H-mmacher-Berlin nimmt zu diesem Programmpunkte da« Wort; er erläutert in kurzen Worten Zweck uns Absicht der Aenderungen und die Vorzüge der neuen Satzungen. Betreffs oer Berlegung des VereinssttzeS nach Berlin er*
Zkit für Euch, weder zu freien, noch zu trotzen, ein dunkles G-schick steht über Eurem Hause, sucht eS adzuwcnden, dieweil es noch Zeit ist. Flieht mit Mutier und Bruder nach Salzburg, wohl hab ich geschworen Euch zu schützen, aber wer weiß, ob ich e« kann l*
Wie alle Jäger, »ar auch Junker Joseph abergläubisch, ber feierliche Ton deS Steinschleifers erschütterte ihn; er erinnerte sich de Gerüchte, die über den Platz umgingen, auf dem deffen HauS stans; eS fiel ihm ein, daß der Mann selbst für einen Ketzer galt, vom Ketzer zum Hexenmeister warS nicht weit, wollte er ihm einen bösen Zauber anthun? Zur Abwehr desselben schlug der Junker ein Kreuz, aber plötzlich fielen ihm die Worte wieder ein, die vorhin nur flüchtig sein Ohr berührt hatten: Ich habe zwar geschworen Euch zu schützen, klang das Alles nicht eher wie eine Warnung?
Er kr uzte die Arme über der Brust und in heftiger Aufregung fragte er: „Mann, sage mir die Wahrheit, bist Du mein Feind oder mein Freund?*
„Ihr feto meine« lieben Junkers Sohn, dem bin ich Frcuuo, so lange ich einen Atemzug in der Brust habe*, erwiderte Rupert, „aber ich bin Eurer Thaten Feind und kann Euch mein Kind nicht geben!*
„Seltsam*, murmelte der Junker, „eS ist etwas in Euch, daS mich locke, ich glaube, ich könnte Euch wirklich ein Sohn fein, wäre ich Euer Tochtermann i*
In Rupert« Augen leuchtete e« auf. „Was stärker ist ' siegt*, murmelte er feinen Lieblingfpruch vor stch hin, stegte tn dem Juaker doch die weichere edlere Natur de« Bater«.
„Junker*, entgegnete er mild, „hört auf mich, schlagt Euch da« Mädchen au« dem Stan, denkt an Eure und
«-scheint täglich außer an N-g-n nach Sonn-und vertagen. - Quartal- £ Lonnements-Preis bei der D Spedition SV. Mk, bei «
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