XX. Jahrgang
Marburg, Dienstag, 24. Februar 1885.
Ur. 46
WnMchc jfitimij
Stimme verleitet, Seele!" Mann,
Die Schleifer von «olltng.
Eine Geschichte au« dem Bauernkriege. Srzählt von Ludoviea Heseliel.
(Fortsetzung.)
,Und da« Gericht", fiel Poschacher mit tiefer ein, .und schrecklich wird e« sein für die, die ihr v wieviel Blut und ThrSnen ladet Ihr auf Eure
Zornig blickte Steininger auf den ernsten Poschacher hatte die Hände gefaltet, tiefe« Weh sprach au« seinen Zügen, wa« er so lange gefürchtet hatte,war geschehen, die Bauern hatten einen Anführer und dieser An- sbhrer war sein Meister.
„Bor langen Jahren", begann dieser nach einer Pause, „als ich zum letzten Male hier war, habe ich Dir gesagt, daß der Tag der Rache kommen wird, der nun anbricht, und ich habe Dich gefragt, wo Du stehen wirst, ob bet Deinen unterdrückten Brüdern oder bei den hochmütigen Eammetschuhen. Deine Antwort klang damals nicht gut in wein Ohr, ich frage Dich heut noch einmal: »Stehst Du zu den Bauern oder zu ihren Feinden l
.Ich stehe nicht zu ihren Feinden, denn ich bin ein freier Mann, Niemandem wehrpflichtig und dränge ungerufen Keinem meine Hülfe auf, aber ich stehe auch nicht zu den Bauern 1" . .. . _____
.Und wenn ich Dir erzählen würde", rief Steininger, .toetm ich Dir« beweisen könnte, daß die Bauern in ihrem
«wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sountagsblatt
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. ______
Gegensatz zum Fürsten Bismarck. Der Reichskanzler hat die kaiserliche Botschaft kontrastgniert; aber nach der Fechen- bachschen Broschüre unter dem Zwange deS kaiserlichen Willens; Herr v. Fechenbach denkt sich den Fürsten Bismarck gegenüber seinem kaiserlichen Herrn ungefähr so, wie Galilei vor dem Tribunal. Der Reichskanzler hat kontra- signiert; aber — Herr v. Fechenbach hat da« Eppur si muove deutlich gehört. Es spricht sich in den Phantasteen, welche die Broschüre enthält, eine so enorme Unkenntnis unseres politischen Lebens aus, daß eS geradezu unbegreiflich ist, wie der Herr Verfasser auf den Gedanken hat kommen können, über politische Fragen zu schriftstellern. ES giebt nur ein Urteil für die Broschüre: Si tacuisses 1
— Der Entwurf de» BörfensteuergesetzeS, welchen die Subkommission aufgestellt hat, liegt jetzt vor. Ueber die Verpflichtung zur Ausstellung von Schlußnoten enthält der Entwurf folgende hauptsächlichen Bestimmungen: .Der zur Entrichtung der Abgabe zunächst Verpflichtete hat über da« abgabepflichtige Geschäft eine Schlußnole auszustellen, welche den Namen und den Wohnort der Kontrahenten, die Zeit des Geschäftsabschlusses, den Gegenstand deS Geschäfts und den Preis, sowie die Zeit der Lieferung ergeben muß. Die Unterschrift des Aussteller» ist nicht erforderlich. Die Schlußnote ist doppelt auf einem vorher gestempelte« oder mit den erforderlichen Stcmpelmarken zu versehenden Formulare auszustellen, von dem je eine Hälfie die für jeden der beiden Kontrahenten bestimmte Schlußnote enthält. Spätestens am dritten Tage nach dem Tage des Geschäftsabschlusses hat der Aussteller der Schlußnote die nicht für ihn bestimmte Hälfte der letzteren, wenn derselbe die Schlußnote aber als Vermitller ausgestellt hat (8 8, Ziffer 1), deren beide Hälften abzusenden. Vermittler haben diese Absendung und den verwendeten Stempelbetrag in ihren Geschäftsbüchern zu vermerken. § 11. Eine Schlußnote kann mehrere abgabepflichtige Geschäfte um» fassen, insofern dieselben an demselben Tage und unter denselben Kontrahenten, welche in gleicher Eigeuschasi gehandelt haben, abgeschlossen worden sind. Die Abgabe ist in diesem Falle von dem Gesamtwert der Geschäfte zu berechnen. Wird bei Kommissionsgeschäften, welche nicht Platz- geschäfte sind, für den auswärtigen Kommittenten, welcher seinerseits als Kommissionär eines Dritten handelt, die Schlußnote mit dem Zusatze „in Kommission" ausgestellt, so bleibt daS AbwicklungSgeschäst zwischen ihm und seinem Kommittenten von der Abgabe befreit, wenn er die Schlußnote binnen drei Tagen unter Beifügung deS NamenS feine« Kommittenten dem Letzteren au«händigt. § 11a. Die Schlußnoten sind nach der Zettfolge nummeriert fünf Jahre lang aufzubewahren. § Ile. Wer den Vorschriften im 8 9, Absatz 1 und 2, § 10, Absatz 1 und 2, und 8 11b zuwiderhandelt, hat eine Geldstrafe verwirkt, welche dem fünfzigfachen Benage der hinterzogenen Abgabe gleichkommt,
Anzeigen, nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vonHaascnstein undVogler in Frankfurt a. M., Kassel, Magdeburg nnd Wien; Rudolf Moste in Frankfurt ♦ a. M., Berlin,München und
Köln; G. L. Daube und
Co. m Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
Recht find?"
Da« sollte Euch schwer werdm", entgegnete Poschacher gelassen, „Meister, ich hab Euch geliebt und verehrt wie einen Vater, treibt« nicht dahin, daß mir solch Gefühl ab- -«den komme. Kehrt n» von Eurem Wege, der in Blut
^-scheint täglich außer an «lerktaaen nach Sonn- und Trtagen. - Quartal- «bonnements-Preis bei der grvedition 2'A Mk., bei k,»Postämter 2 Mk. 50 £ (!P(. Bestellgeld), qniertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. äkklamen für die Zeile * 25 Pf«.
VIII.
ES war ein wunderlicher Tag, der dieser Nacht folgte; Steininger hatte während derselben die Bauern um stch versammelt; sie hatten durch geheime Sendboten genug von ihm gehört, eivzelne ältere Leute erinnerten sich seiner auch noch; sie hatten es vor langen, langen Jahren von ihm gehört, das er wiederkomwen wolle, um sie zu befreien. Nun war er da und sie fielen ihm zu in Hellen Haufen, absonderlich die Gollinger, die unter der unerträglichen Tyrannei der Frau Maria seufzten. Einstimmig erkoren sie ihn zu ihrem Anführer und wären am liebsten gleich loSgebrvchen, aber es war unterdessen Tag geworden und am Hellen Tage wagte Steininger keinen Angriss. Die Bauern waren noch nicht im Kampfe geübt und die Junker hatten Verteidiger genug, die einen Ueberfall wahrscheinlich sehr rasch zurückgeschlagen hätten. Im Dunkel der Nacht warS etwas ganz anderes, besonders wenn man im Laufe deS TageS einen oder den anderen Diener gewonnen hatte, ein Fenster oder ein Thor zu öffnen für die heimlich An- rückeuden. So mußte denn alle» bi» auf die nächste Nacht verschoben werden, Rupert Poschacher gewann Zett, sein Weib und seine Tochter in die Oefen zu flüchten, so wie dem Reitmoser Nachricht zu geben, er selbst verließ sein HauS nicht und wartete des UnheU», da« da kommen mußte, fei» von Seiten Frau Marias oder Steininger«.
Totenstill warS in dem Hause, im Gärtchen huschten die Schmetterlinge über die Blumm hin, Poschacher saß am Fenster, nicht trotzig und verzagt, sondern ernst und gefaßt, al« der Junker Joseph zu ihm eintrat.
(Fortsetzuu« folgte
rische Staats - Ministerium hat laut Bekanntmachung im „Reichsanzeiger" in Gemäßheit des bekannten BundeSrats- beschlusseS vom 29. Januar d. I. die Ein- und Durchfuhr lebender Schafe au« Oesterreich - Ungarn nach und durch Bayern verboten. — In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der zu gunsten der internationalen Doppelwährung von der schuhzöllnerischen Bereinigung im Reichstage gestellte Antrag Aussicht auf Annahme hat, da die Regierung sich diesmal nicht ganz ablehnend verhalten dürfte. — Zur Börsensteuer wollen die Sozialdemokraten einen Antrag ein- bringen, wonach die Erträge der Börsenstcuer zur Aufhebung der Salzsteuer, und falls dies abgelehnt werden sollte, zu einem Arbetter-Jnvalidenfonds verwandt werden sollen. — Die Kommission der Konferenz beendete heute ihre Beratung und genehmigte den von Lambermont über alle von der Konferenz erledigte Arbeiten verfaßten Bericht, der bereits morgen zur Verteilung gelangt. Am Montag oder Dienstag findet wiederum eine Sitzung statt.
Berlin, 22. Febr. In der heute hier stattgehabteu Generalversammlung des Kolonialvereins wurde die Tagesordnung in kurzer Zeit erledigt. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes und Genehmigung des Voranschlages wurden die Statutenänderungen, welche der Vorstand beantragte, namentlich die Verlegung des Sitzes nach Berlin, einstimmig angenommen. Als Ort der nächsten Generalversammlung wurde Karlsruhe bestimmt. Der Antrag des Professor Fis cher (Marburg) wegen Einrichtung einer AuskunftSkanzlet über koloniale Verhältnisse wurde nach kurzer Debatte einstimmig angenommen; ebenso ein Antrag, der Vorstand möge erwägen, ob nicht die Aufhebung de» Verbots der Auswanderungsagenturen für Südamerika zu beantragen sei. Schließlich beauftragte die Versammlung den Vorstand, den Reichskanzler zu seinem 70. Geburtstage zu beglückwünschen. Um 2 Uhr wurde die Sitzung geschlossen. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die „Post" hat neulich eine Besprechung der Broschüre „Gou- vernemental und Konservativ oder die Partei „Biömarck sans pdrase" g> bracht. Wenngleich der Verfasser derselben, der Freiherr v. Fechenbach-Laudenbach, im Laufe der letzten Jahre sich zum Vertreter jenes revolutionären Junkertums entwickelt hat, welches unseres Erachtens der wohrhast konservativen Richtung ebenso fernsteht, wie irgend eine der anarchistischen Parteien und gleich letzteren eine Gefährdung unserer monarchischen Institutionen involviert, so haben wir das genannte Buch doch zur Hand genommen in der Hoffnung, wenigstens einigen originellen Ideen zu begegnen. Diese Hoffnung hat sich bestätigt. Originell ist die Broschüre; aber das Neue ist in ihr so — naiv, daß wir nach der ersten Probe sofort auf jeden weiteren Genuß verzichteten. Herr v. Fechenbach bezeichnet alS Ret- tungSweg die Sozialreform unter dem Paladium der kaiserlichen Botschaft. Letztere bringt er aber in einen direkten
und Grauen enden muß, und gebt Euch keine Mühe, mich auf dens Iben zu locken. Ich bin ein Mann deS Friedens und hebe meinen Arm nicht eher auf, als wenn mein Kaiser mich ruft gegen de« Reiche« Feinde I"
„Dn bist und bleibst ein Narr", fuhr Steininger auf, „weißt Du, daß ich dann auch gegen Dich kämpfen muß, daß Du, der mir lieb war wie ein Sohn, zu meinen Feinden gehörst!"
„Ich weiß er", mtgegnete Rupert tonlos, „aber ich kann es nicht ändern, was stärker im Menschen ist, das siegt, und stärker als der Wunsch nach Freiheit für Andere und mich ist in mir der Haß gegen Unrecht und Gewalt l"
„So müssen wir heut als Feinde scheiden," sagte Steininger schwer athmend, „aber eins sollst Du mir doch verdanken, jenes Weib soll Dein Heimwesen nicht länger bedrohen, ihr soll der rote Hahn aufs Dach fliegen!"
„Dann werde ich löschen I" entgegnete Rupert kaltblütig, „sucht nicht mich zu hindern, Ihr wißt, ich bin stärker als Ihr!"
„Ich werde thun, was mir beliebt", rief Steininger hochmütig, „Du wirst es bald erfahren und mir dafür danken."
Er schritt in die Nacht hinaus, Rupert hielt ihn nicht auf, gleich darauf trat Margarethe Über die Schwelle.
„Gretlcin, Kind", sagte er hastig, „packe mitsamt der Muller In ein Büudleiu, was Euch einige Tage ernähren kann und dann folgt mir.".
Erstaunt sahen ihn die Frauen an, aber sie waren an Gehorsam gewöhnt und als die Mitternacht stch dunkel und schwer auf Gvlling legte, da war des Steinschleifer» H-us leer wie dazumal de« Steininger«, ehe e« in Flammen aufging. —
gSE“ Für den Monat März nehmen alle Postanstalten Bestellungen auf die
Oberhefftsche Zeitung
uebst ihren wöchentlichen Beilagen entgegen.
Soweit der Vorrat noch reicht, wird der Wandkalender für 1885 brigegrben.
' Die Exp. d. Oberh. Zeitung.
" Deutsche- Reich.
Berlin, 21. Fehr. Auf die Adresse, welche die Studentenschaft bei dem Kaiserkommers an den Kaiser abgesandt hat, ging dem Ausschüsse derselben durch den Chef deS Zivilkabinetts im Auftrage des Kaisers ein Schreiben zu, in dem es heißt: „Die edle Begeisterung, in welcher He Studentenschaft ihre treue Anhänglichkeit an Thron und Vaterland zum Ausdrucke bringt, verbunden mit dem ernsten und festen Willen in der Erfüllung des studentischen Berufs, hat den Kaiser in hohem Grade erfreut. Der Kaiser wünscht daher, daß allen, welche stch an dem patriotischen Zurufe beteiligt haben, der Allerhöchste Dank dafür ausgesprochen werde." Der Ausschuß möge der Berliner Studentenschaft hiervon Mitteilung machen. — Der „Reichsanzeiger publiziert heute das Sperrgesetz, das schon heute ftüh an sämtlichen Zollämtern in Kraft getreten ist; ferner die AurführnngSbestimmungen dazu. Gleichzeitig mit dem Sperrgesetze bringt daS „ReichS^efetzblatt" eine Bekanntmachung deS Reichskanzlers, betreffend die vorläufige Hebung der neuen Eingangszölle für Weizen, Roggen, Buchweizen und Gerste. — Der „Reichöanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Reichskanzlers vom 20. Februar, betr. die zollamtliche Behandlung des in Spanten und in den übrigen meistbegünstigten Ländern produzierten Roggens und betreffend die Führung des Nachweises des Ursprungs des betr. Roggens in diesen Ländern. — Die Holzzoll»Kommission hat die erste Lesung der Holzzölle beendet. Nach ihren Beschlüssen, an denen wohl auch in der zweiten Lesung der Kommission nichts mehr geändert werde« wird, lautet die Position 13c des Zolltarifs jetzt: Bau- und Nutzholz 1. roh ober leiglich in der Querrichiung mit der Axt oder Säge bearbeitet, oder mit der Axt beunldrechtet, mit ober ohne Rinde, eichene Faßbauben 100 kg 030 Mk. ober Ifm 1.80 Mk.; 2. in ber Richtung der Längsachse beschlagen ober auf anberem Wege, al« durch Bewaldrechtung vorgearbeitet oder zerkleinert, Faßdauben, die nicht unter Nr. 1 fallen, Korbweiden und Weidenstibe 100 kg 0.70 Mt. ober 1 fm 4.20 Mk.; Bretter, nicht gehobelt, in der Längsachse gesägte Kanthölzer unb ähnliche Säge- und Schnittwaren 100 kg 1.50 Mk. ober 1 km 9 Mk. Ferner ist in Nr. d der Zoll auf Böttcher-, Drechsler-, Tischler- rc. Waren von 3 auf 5 Mk , in Nr. 8 Holzfourntere auf 9 Mk., in Nr. l hölzerne Möbel rc. auf 14 Mk. erhöht. —DaSveye-