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XX. Jahrgang

Marburg, Sonntag, 22. Februar 1885.

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|th< «röchcntliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Soimtagsblatt. 8* Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Deutscher Reich

yttliö, 20. Febr. Das Sperrgesetz wird in dem heute

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B Aerin, eine schöne Tigerin, die unbarmherzig zerreißt, was sMiq^ihr in den Weg stellt I' entgegnete der alte Steininger, [oi seine Augen sprühten B'itze. ,WaS bewog Dich, meinen 62* Unn aufzuhalten, der fie unschSdltch gemacht hätte in dem

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Anblicke, da sie Dir drohte?'

»Ihr solltet kein Mörder werden, und mein Geschick mht Lottes Hand; zudem habe ich geschworen ste zu schützen!' Während dieser Worte waren beide Männer ins HauS iangen, wo Frau Cyrills ihnen jetzt mit einem lauten ^ldenruf entgegen kam. «6er nur flüchtig berührte <5teb 8tr ihre Hand und stagte seinen ehemaligen Gesellen:

Frau im Leben der Studenten eine gar gewichtige Rolle spiele. In autmiertester Stimmung blieben die Kommer- sterenden noch lange Zeit beisammen.

Am Donnerstag nachmittag 3*/* Uhr starb der Minister des Königlichen Hauses Alexander Gustav Adolf Gcaf v. Schleinitz nach langjährigem schweren Leiden. Am 29. Dezember 1807 zu Blankenburg am Harz, als Sohn des am 12. Februar 1837 verstorbenen herzoglich-braun­schweigischen StaatsmintsterS Frhrn. Ferdinand v. Schleinitz, geboren, studierte er zu Göttingen, trat 1828 in den preußischen Staatsdienst, wurde 1835 Gesandtschaflsattachs, 1841 Vortragender Rat im Ministerium de« Auswärtigen, trat 1848 an Stelle Heinrich v. Arnim« als Minister de« Auswärtigen in daS Ministerium Camphausen, gab aber diese Stellung schon nach einigen Tagen wieder auf und vertrat hierauf Preußen am Hofe zu Hannover. Im Mai 1849 verhandelte er den Frieden mit Dänemark, übernahm im Juli im Ministerium Brandenburg wieder das Portefeuille des Auswärtigen, zog sich aber, da seine deutsch-patriotische Gesinnung mit dem Gange der preu­ßischen Politik nicht übereinstimmte, am 26. Sept. 1870 als Wirkt. Geh. Rat aus dem Staatsdienst zurück und lebte darauf in Koblenz in nahem Verkehr mit dem Hofe des damaligen Prinzen von Preußen, des jetzigen Kaisers. Nach dem Regierungs-Antritt des Prinz Regenten über­nahm Schleinitz in dem im November 1858 berufenen Ministerium wieder das Departement des Auswärtigen, schied aber im Oktober 1861 aus demselben aus, um das Ministerium des Königlichen Hauses zu übernehmen. Der Verstorbene war seit dem 1. Januar 1865 mit Maria v. Buch verheiratet, der Tochter oeS preußischen Kammer- Herrn und Ministerrestdenten Aug. Leopold v. Buch, nach deflen Tode ihre Mutter den Fürsten Hatzfeldt-Trachenberg heiratete. Im Namen des Kaiserpaares erschien gestern nachmittag der Kronprinz in dem HauSministerium, um der Witwe daS Beileid der gesamten Kaiserlichen Familie auSzufprcchen. An Stelle des verstorbenen Grafen Schleinitz ist der Graf Stolberg-Wernigerode, der ehemalige Vizekanzler, interimistisch mit den Geschäften des Haus- Ministers betraut woroen.

Die Auswanderung hat in 1884 um einige Tausend gegen das Vorjahr abgenommen. ES wurden aus Ham­burg, Bremen und Stettin 1884 nach überseeischen Plätzen befördert 195497 Personen, davon 126511 Deutsche, in 1883 201308, darunter 143947 Deutsche, 1882 231557 darunter 169034 Deutsche und 1881 247846, darunter 184369 Deutsche. Von den 1884 insgesamt beförderten 195497 Personen gingen 96603 über Hamburg, 103121 über Bremen, 773 über Stettin. Es wurden direkt be­fördert 177910, indirekt über England 16 426, in Schiffen, die nicht als AuSwandrrungSschiffe zu betrachten sind, 1161 Personen. Am stärksten ist die Auswanderung in den

Ruperts Lippen zuckte es wie verhaltenes Lächeln. Da stieß SteiniugerS Fuß an etwas Weiches, Braunes; der Hund, der bei feinem Eintritt gebellt hatte, aber von Rupert beschwichtigt worden war, so daß Jener ihn nicht weiter beachtet hatte, erhob sich, dehnte seinen schlanken Körper und sah reu Fremden mit seinen klugen Augen neugierig an. Steininger fuhr zusammen, er bückte sich nach dem Tiere und streichelte ihm den Kops, während dieser ihm die Hand leckie.

.Tiger!' rief der alte Steinschleifer, der Hund blickte auf, a!S sei er gerufen worden und rieb den Kopf am Knie des Fremden. Da rollte langsam eine Thräne tu den weißen Bart uno leise fragte der trotzige Aufrührer: .Heißt er auch Tiger?'

Rupert nickte.

.Mein Tiger liegt weit von hier verscharrt', murmelte der Steinschleifer, .ich selbst mußte seinem Leben ein Ende machen, denn lahm und blind war es ein Jammer, ihn an­zusehen, eS hat mir weh, sehr weh gethan.'

Er legte die Hand über die Augen, Poschacher aber ihm die nervige Rechte aus die Schulter. .Meister', sagte er ernst, .könnt Ihr einem Tiere Treue halten über Tod mid Grab hinaus, und ich soll« nicht für meinen Junker ?'

Zornig schüttelte Steininger die Hand ab.

.Weißt Du, warum ich nach fo langen Jahren wieder hierher gekommen bin in unsere Berge!'

.Ich kann mir« denken', seufzte Rupert, .nicht um den Frieden zu bringen!'

.Nein, und tausendmal nein', rief der Andere rasch aufspringend, und seine Augen loderten in jugendlichem Feuer, .den Krieg bringe ich, danach aber kommt der Frieden l*

Monaten März, April, Mai, am schwächsten im^Dezember und Januar, während im Mai z. B. 14835 Personen über Hamburg auswanderten, betrug die Zahl im Dezember nur 1784. Interessant ist die Verteilung der Auswanderer auf die verschiedenen deutschen Staaten und Provinzen. E« zeigt sich wiederum, daß aus ackerbautreibenden Gegenden, in denen der Großgrundbesitz vorherrscht, die Auswanderung am stärksten, aus Jndustriegegenden am schwächsten ist. So wanderten z. B. 1884 aus: Aus Pommern 14796, aus Westpreußen 13538, aus Posen 12 920, au« Hannover 11045, aus Schleswig - Holstein 8101, au« Rheinland dagegen nur 1592, aus Hessen-Nassau 4605, aus der Provinz Sachsen 2850, aus Schlesien 4259, aus Ostpreußen 1661. Ostpreußen macht also eine Ausnahme von den übrigen wesentlich Ackerbau treibenden Provinzen. Die Auswanderung aus Bayern rechts deS RheincS betrug 10354 Personen, aus der Pfalz nur 835, aus Württem­berg 6617, aus Sachsen 4378, aus Hessen 2611, auS Baden 2410. Auffallend stark ist die Auswanderung auS Mecklenburg - Schwerin; ste betrug 3942 Personen, auS Mecklenburg - Strelitz 628, auö Oldenburg 1894. Die kleinen mitteldeutschen Staaten weisen verhältnismäßig wenig Auswanderer auf; Coburg-Gotha 512, Meiningen 501, Braunschweig 421. Auch im Jahre 1884 ist der Strom der deutschen Auswanderung wieder nach den Ver­einigten Staaten von Nordamerika gegangen. Unsere Kolonialpolitik hat daran noch nichts geändert. Es gingen von den insgesamt 126511 Auswanderern 122798 nach Nordamerika, 728 nach Britisch-Nordamerika, 731 nach Brasilien, 680 nach den Argentinischen Staaten, 306 nach Chili, 219 nach anderen südamerikanischen Staaten, 230 nach Afrika, 666 nach Australien, 39 nach Mexico und Zentralamerika, 20 nach Westindien, 59 nach Peru, 35 nach Asten. Ganz ebenso stellt sich das Verhältnis der nichtdeutfchen Auswanderer, die über die drei deutschen Häfen befördert worden stnd. ES wanderten über diese drei Häfen auS: aus Oesterreich-Ungarn 33767, aus dem europäischen Rußland 17 423, aus Schweden und Nor­wegen 2343, au« Dänemark 2602, auS der Schweiz 213, aus Rumänien 1071, aus den anderen europäischen Staaten nur bedeutend weniger, well deren Auswanderung sich über außerdeutsche Häfen vollzieht.

Hamburg, 19. Febr. Wie die .Hamburger Börsen­halle' meldet, hat die Finanzdeputation die Begebung von 25 Millionen 3^/rprozentiger Hamburgischer SlaatSrevte beschlosst n; die Offerten sind bi« zum 8, März c. eiuzu- liesern. Der Senat hat der Bürgerschaft einen Bericht der RathauSbaukommisston zugestellt, in welchem beantragt wird, den Rohbau des Rathauses mit einem Kostenaufwande von 4600000 M. auf dem Rathausmarkte in organifcher Verbindung mit der Börse auszuführen.

Braunschweig, 20. Febr. Die .Braunschweigischen

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Die Schleifer bau »olltug.

Eine Geschichte auS dem Bauernkriege.

Erzählt von Lu dov ira H esekie l.

(Fortsetzung.)

Mit eisernen Fäusten hielt draußen Rupert den großen Bttten Mann fest, dessen Kräfte für sein Alter und sein deißes Haar schier erstaunlich waren, dem rüstigen Manne «btt war er doch nicht gewachsen, und stöhnend beugte er ßh bet Uebermacht.

Sobald Poschacher die Frau von Kuchl in Sicherheit Mbte, ließ er den Alten lo« und sagte in miloem Ton: «Kommt herein, Meister, brecht von meinem Brot, trinkt meinem Wein, ruht aus unter meinem Dache und Mkt mirS, daß ich Eure Seele bewahrte vor Mutschuld.'

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.Wem gabst Du so rhörichten Schwur?'

Meinem sterbenden Junker, und ich werde diesen Schwur halten, so wahr mir Gott helfe!'

Steininger lachte höhnisch. .Auch wenn ste dich morden wollte?'

.Was kümmert ste mich?' entgegnete Rupert mit so großartiger Einfachheit, daß der Andere sich fast geneigt fühlte, fein Haupt vor ihm zu beugen, .ich habe meinen Schwur zu halten.'

.Also treu über Tod und Grab hinaus,' murmelte Steininger und strich flch mit der Hand über die Stirn.

.Wäre eine schlechte Streue, die mit dem Tode ihr Ende hätte!' entgegnete Rupert.

.Hast Du daS wieder aus meinem Buch herauSgelesen?' spottete der Alte.

.Ich laS lange nicht mehr darin,' erwiderte Poschacher, .ich lese ganz dasselbe in meiner Bibel l*

.Das ist nicht wahr,' fuhr Steininger auf, .darin steht, was ich gelesen habe, mir giebt fie recht!'

.Wozu soll ich mit Euch streiten?' entgegnete Rupert milo, .mag wohl mit den Büchern überhaupt fo fein und mit Gottes Buch vorab, daß Jeder sich herausliest, waS ihm gefällt, ich danke Euch aber doch für Euer Buch, Meister, denn Mut und Frieden habe ich mir HerauSge­lesen, noch ehe uns Doktor Luther die Bibel gab.'

.Der hat mich auch betrogen', murmelte Steininger, .ich dachte, er müßte der Befreier unseres Volke« werden und ging zu ihm nach Wittenberg, ihn dämm zu befragen; hab eine Antwort bekommen, di- nicht fein war, und mußte froh f-in, daß mir das Tintenfaß nicht en den Kopf flog!'

Zornig ballte er die Fäuste und griff nach dem Kruge

mit Landwein, den Frau Cyrille ihm hingefetzt hatte; um

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ucheint täglich außer M fragen nach Sonn-und Triage"- Quartal- ^nnements-Preisbeider SS. b-, * «Mmter 2 Mk. 50 Ln/ Ll. Bestellgeld). NrtiEgebühr für die Äne Zeile 10 Pfg.

, »Dankst Du'« dem Jäger, der da« wilde Raubtier flNen ließ, dem er aufgelauert, damit e« nicht fürder Euch ' k>b und Leben schädige?'

je , »Lauert Ihr einem Menschen auf wie einem Raubtier?' 1« Nit Rupert mit leichtem Schauder.

Anzeige« nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a.M., Berlin,München und

Köln; G. L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris-

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»trlt», yeor. »jae «prrrgeiey wir« in oem yeuie Meinenden Reich«: esetzblatte veröffentttcht. Die nächste 10,0(1 Rifcung der Kommission der Congo - Konferenz findet am X IOC T. Fxh-uar um 2 Uhr statt. Der Bundesrat hat die ntt'^6oito9e« betreffend die Zollbehandlung des in Spanien und ur,i ° beIt übrigen meistbegünstigten Ländern produzierten

Lfleti8, mit einigen Aenderungen angenommen. Der kaifeikommerS der hiesigen Studentenschaft, der als Vor- uJ des Geburtstages Sr. Majestät gestern in der Phil- JUll[ Ltnonie stattfand, hatte die weiten Räume des in fest­er Gi Lfcnt Schmuck prangenden Saales mit einer zahlreichen, hieß- M Patriotismus beseelten akademischen Jugend gefüllt, fchli-i Dit CG., DC. und LC , der Verein deutscher Studenten, dn Verband wiffenschaftlicher Vereine, die freie wiffenfchast- M Bereinigung, die akademischen Turn-und Gesangvereine ,rd andere studentische Korporationen hatten es als Pflicht d,trachtet, durch vollzähliges Erscheinen der Liebe zu dem -reisen Heldenkaiser Ausdruck zu geben. Der Kronprinz Lite fein Ausbleiben in einem huldvollen Schreiben uiter M Ausdrucke des Dankes für die Einladung selbst ent« Coch MW. An der Ehrentafel hatte der mit der AmtSkette ansaiWchienene Rektor, Prof. Dernburg, sowie zahlreiche Pro- eveotEflfsoren Platz genommen, unter ihnen Professor Förster, en uMopst v. d. Goltz, die Profefforen Jarke, Strack, Hirsch- Wetg, 8u ch und Christiani. Ein reicher Damenflor zierte [?j Werte und Logen. Der erste Salamander, den der erste Piäfl'ent stud. phil. Schulze mit begeisternden Worten »ent UMe, in althergebrachter Weise dem Kaiser als

tafle Kaiser Wilhelms um die Berliner Universität ge- dchle sodann in glänzender Rede der Rektor Professor D-mburg. Selbst in dem Anfänge der vielbewegten siebziger Hre sei eS Kaiser Wilhelm gewesen, der ausdrücklich ftinm Willen dahin kund gegeben, daß keine Anstrengung Ment werden dürfe, um die Universität Berlin auf der Hitze zu halten, die ihr gebühre. Gern sehe der Kaiser Besitz mf die Scharen der Berliner Studierenden und gern ver- st. A chme er, welch ein tüchtiger, fester und patriotischer Geist pj in ihnen lebe. De» Rektors Worte hatten eine stürmische

Meisterung hervorgerufen, die schließlich in einem feurigen Salamander auf Kaiser Wilhelm al» den Schutzherrn der Ndersttät gipfelte, dem der nochmalige Gesang der National- tztzame folgte. Stud. jur. Frhr. v. Zedlitz feierte alSdann ättifl iie Professoren und die Alma mater, den Hort der Wisfen- mthail iMt, die Pflegstätte wahrer Vaterlandsliebe. Im Namen : gdi't! btt Profefforen antwortete Propst v. d. Goltz mit einem

kalamander auf die akademische Jugend. Deu-fchcu Geist lad deutsche Sitte pries in zündender Rede Lektor Feller mb den Damen endlich gestand stud. jur. v. Winterfeld Ater jubelndem Beifall seiner Kommilitonen, daß daS Ltudentenherz auch ein menschlich Herz sei, und daß die