XX. Jahrgang
Marburg, Freitag, 20. Februar 1885.
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imndsatz der Gleichstellung zur Geltung zu bringen; auch 2™, bet eine gemeinsame oder gleichmäßige Kontrollterung des
Freude, willigte Kuchl ein.
Der geängstigte Vater hatte den unklaren Gedanken, Margarethe so schnell wie möglich mit dem Reitmoser ehelich verbinden zu lasten, dann konnte der Junker sie nicht mehr erreichen, aber eS war sehr die Frage, ob der alte Ortspfarrer so ohne Weiteres zu einer so schnellen Trauung zu bewegen sein würde. Er war ein umständlicher Herr, und that nicht gern etwa», da- nicht ganz genau in der Ordnung war.
In tiefe Gedanken versunken saß Rupert in seinem Zimmer, nachdem der Junker ihn verlasten hatte, noch hatte er Margarethe nichts von Josephs Werbung gesagt, nur mit seiner t tuen Lebensgefährtin hatte er davon gesprochen und diese hatte ihn eben mit ihrem gewöhnlichen Urteil: „Da maßt Du denn nun am besten wisten, waS zu thun ist, Vater I" verlasten, um sich in ihre Küche zu begeben. Margarethe war zur Kirche gegangen, um den sorgenden Mann her war» ganz still, selbst der braune Hund zu feinen Füßen, ein Nachkomme TigerS, rührte sich nicht.
Draußen war« Helle, kühle Maiennacht, der Mond warf schimmernde Lichter auf den ganzen Ort; Rupert trat in« Fenster, er sah einzelne Gestalten durch dir vaste
der Abgeordnete Kalle der einzige, der im Plenum warm für die Vorlage — vorbehaltlich einiger Aenderungen des Detail« — eintrat. Man sieht hier wieder den Gegensatz zwischen sachlichen Erörterungen und sogenannten politischen Erwägungen, d. h. mit anderen Worten Fraktionspolitik. Das berufene Organ der von der Vorlage zunächst berührten Jnterestenten bejürwortet die Annahme des Entwurf«, aber der Fraktionspolitik paßt die« nicht, und die letztere dringt durch.
— Im Sitzungssaal des „Klub der Landwirte' fand am 15. d. M. der erste ordentliche Vereinstag der Bereinigung deutscher landwirtschaftlicher Genostenschaften statt. ES waren Vertreter von landwirtschaftlichen GenostenschaftS- vrrbänden aus allen Teilen des Deutschen Reiches anwesend. Der ständige Vorsitzende der Bereinigung, Polizeirat HaaS (Darmstadt) leitete die Versammlung mit der Erstattung des Jahresberichts ein und bemerkte, daß gegenwärtig der Vereinigung 315 landwirtschaftliche Konsumvereine und 25 Molkereigenostenschaften, daS sind zusammen 340 Ge- nostenschasten mit insgesamt 15 772 Mitglieder» angehören. Bereits beginne nun auch in den breitesten Schichten der landwirtschaftlichen Bevölkerung die Neberzeugung von der Notwendigkeit der genoffenschaftltchen Organisation zum Zwecke des RohstofsbezugeS, des Verkaufs und der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte sich Bahn zu brechen. Anläßlich der tut Jahre 1883 auözefüh ten badischen Enquete habe sich rie Erhebungtkommission nahezu einstimmig dahin ausgesprochen,' daß alS eine der Hauptursachen der geringen Rentabilität deS landwirtschaftlichen Betriebes der unvorteilhafte Einkauf der Betriebsstoffe, die unvorteilhafte Gestaltung des Handels mit landwirtschaftlichen Produkten anzusehen sein, ein Zustand, dem durch Errichtung landwirtschaftlicher Genossenschaften abgeholfen werden könne. ES wurde hierauf zur Statutenberatung bezw. Revision derselben übergegangen. Darauf wurden nach längerer Debatte folgende Anträge angenommen: 1. Die Vereinigung der deutschen landwirtschaftlichen Genostenschaften beschließt: an den Reichskanzler, bezw. an die Zentral Moorkommission die Bitte zu richten, dahin zu wirken, daß für Rohstoffdünger, welche in die Kategorie Kalk, Kali und Rohphosphate g hören, im Jntereste der Kultur, besonders einigen Böden (Sand und Moor) ein möglichst niedrig gestellter Ausnahmetarif von den deutschen Eisenbahnen bewilligt werde. 2. Die Bereinigung der deutschen landwirtschaftlichen Genostenschaften erklärt die Gründung einer deutschen Exportgesellschait für landwirtschaftliche Produkte unter ausschließlicher Beteiligung der landwirtschaftlichen Genostenschaften für eine dringende Forderung der Zeit und beauftragt den Ausschuß, die einleitenden Schritte zur Verwirklichung deS Zieles sofort einzuleiten. — ES wurde hierauf zur Wahl des VcrwaltungSauSschusteS geschritten: laut Statut bilden den Ausschuß die Vertreter der Koa-
Die Schleifer von Volling.
Eine Geschichte aus dem Bauernkriege.
Erzählt von Lu do vica H esekie l.
(Fortsetzung.)
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Priester verlobt worden, ein solche- Wort war so gut ein Eid, und ihn zu brechen eine schwere Sünde. Aber wllden Junker ins Angesicht zu widersprechen, wagte er doch nicht, er bat sich deshalb eine Bedenkzeit von drei Tagen au«, und wider sein Erwarten, aber zu seiner großen
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eines Junkers paßte es doch nicht, das sahen seine Eltern wohl ein. Zudem, würde Frau Maria je diese Schwiegertochter anerkennen l Vor allen Dingen aber, und das war braven Rupert die Hauptsache, der Reitmoser hatte
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Bie Sparkasse", daS Organ des Verbände- der vorhan- mit deutschen Sparkasten, über die Beratung des Post- . haikaffen- Gesetzes im ReichStagS-Plenum, welche sich in 4b'-1 in Kommission wiederspiegelten, jetzt fällt. Wir lesen in
•fip sjh mit England über die geographische Abgrenzung der Mtt-.seitigcn Jnterestensphären zu verständigen, den beider- u, feigen Staatsangehörigen den Genuß der wohlerworbenen s Gg.jRttye zu gewährleisten, sowie in allen Beziehungen deS mo-ls, der Schiffahrt und der Niederlastungsfreiheit den
‘ N «erlitt, 18. Febr. Der Kaiser konferierte nachmittags 7 Lt etm Fürsten Bismarck. — Eine kaiserliche Ordre vom Februar ordnet an, daß daS 14. Armeekorps große .Mübungen mit Parade und Korpsmanöver gegen einen hielten Feind und dreitägige Feldmanöver vor dem Kaiser bhA Beim 3. und 10. Armeekorps werden neuntägige Mllerieübuugen im Brigade- und DivistonSverbande statt- n6en.—Der deutsche Kommissar, General Konsul Kranel, bie deutsch - englischen kommistarischen Verhandlungen B London wegen deS Ausgleiches der Differenzen in dem 7. Mee-Archipel, auf Neu-Guinea und den Fidschi Inseln, WW jjt »ach London abgercist. Die Verhandlungen werden in —— nci Kommissionen geführt, eine für die Südsee und Neuem h jsjuht-a, die andere für die Fidschi-Inseln. Kranel fungiert [6 g Heiden Kommissionen; seitens Englands fungiert in der V- 19, asten Kommission ein früherer englischer Beamter auf den Mi-Inseln, In der zweiten ein Barrister. Die Grund» ige der Verhandlungen dürfte ein allgemeines, der deutschen tote au Lord Granville vom 2. August 1884 beigelegtes
urg Rt. 71 dieser Zeitschrift: „Die erste Beratung des Ent- Dörr, miss eines Postspartastengesktz-s bot verschiedenen Frakllons- ihof, ntlktern Gelegenheit, In zentrifugalem Zirkel ihr Rößlein ittwi Hummeln, und wenn die politischen Erörterungen, welche terei, ki der ersten Beratung deS Gesetze- den Vorrang errungen urat ibm, jüt die sachliche Behandlung der Frage in der Kom- berg, lisston und später im Reichstage präjudizierend fein könnten, )ond. ! dürste nach ver Anzahl der Redner gegen die Vorlage °-t. tot Verwerfung wohl als unzweifelhaft gelte». Neben den Darlegungen deS Generalpostmeisters verdient be- — —*f«aberü auf die Rede des Abg. Kalle-Biebrich hingewiesen D werden, welche den Anschauungen des Deutschen Spar« ' "feuverbandeS wohl am nächsten steht." Wie bekannt, war
ochcntliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Anzeigen, nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; RudolfMosse in Frankfurt ♦ a. M., Berlin,München und
Köln: G. L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
____ iillngrn wesentlich von der Rücksicht auf die bestehenden (235 D»rkastcn haben leiten lasten, so ist es nicht ohne Jntereste,
sumvereinsverbände und drei Vertreter der Genossenschaft«« Molkereien. Von letzteren wurden gewählt: die Genosten- schaftSdirektoren Bülle (Lübeck), Priester (Rostock) und Nießmann (Soldin).
— Die Generalversammlung de« Kongresse« deutscher Landwirte nahm folgende Resolution an: Der Kongreß begrüßt die Initiative der verbündeten Regierungen in der Kolonialpolitik im Hinblicke aus die zu erhoffende Erweiterung deS Absatzgebietes für die nationale Arbeit ausfreudigste. Ferner wurde eine Resolution an den Reichskanzler angenommen, derselbe wolle in anbetracht der schweren Schädigung, welche die Goldwährung durch die Erhöhung des Goldwertes und die zunehmende Silberentwertung der gesamten wirtschaftlichen Entwickelung Deutschland- und insbesondere der Landwirtschaft und Industrie durch dafortgesetzte Sinken deS Preises zufügt, die Initiative zur schleunigen Herstellung einer vertragsmäßigen Doppelwährung ergreifen. Endlich gelangte eine Resolution zur Annahme, daß nach Lage der Verhältniste auf die totalen; spezialen und landwirtschaftlichen Ausstellungen kein Schwerpunkt zu legen sei.
Httttuover, 9. Febr. Ungefähr 150 Vertreter der Eisenindustrie aus der Provinz Hannover, dem Herzogtume Braunschweig, Oldenburg, den Fürstentümern Pyrmont, Lippe, Schaumburg-Lippe, der Grafschaft Schaumburg, den freien Städten Hamburg und Bremen und den Regierungsbezirken Magdeburg und Minden hielten heute in gleicher Weise wie am Donnerstage die Vertreter der Baugewerke eine Versammlung behufs Bildung einer Unfall-Berufs- genosteuschaft ab. Die Verhandlungen wurden vom Präsidenten des RcichSverstcherungSamteS, Geh. Rat Bödiker, mit einer Erläuterung der gestellten Ausgaben und mit einer Darlegung der von ihm in anderen derartigen Versammlungen gemachten Wahrnehmungen eröffnet. Stockhausen-Hannover stellte den Antrag, die Versammlung wolle die Bildung einer Genostenschaft mit der angerenteten räumlichen Abgrenzung beschließen. Hiergegen stellte Tenge- Rietberg den Antrag, keine BezirkSgenossenschasten, sondern drei über ganz Deutschland sich erstreckende BerufSgenosten- schaften der Eisenindustrie im engeren Sinne zu bilden, nämlich so, daß die Vertreter der Hochöfen- und Walzwerke, bann diejenigen der Groß-Eisen- und Stahlindustrie, dritten- der Klein-Eisenindustrie zu je einer Genostenschaft vereinigt würden. WestelS - Bremen wandte sich mit Entschiedenheit gegen diesen Antrag und führte auS, daß die Verwaltung einer räumlich zu weit ausgedehnten Genossen- schäft zu zeitraubend und schwerfällig sei, zweitens die Teilnahme der Mitglieder an den Generalversammlungen, überhaupt an den Arbeiten des Vorstandes wegen zu großer Entfernung im Laufe der Zett eine Abschwächung erfahren werde, während in einem engeren Bezirke die Teilnahme gesteigert werden könne, und dieses sei vor allem mit zu huschen, leise, vorsichtig und seine Brust hob sich schwer. Er wußte, was dort geschah, und er konnte eS nicht ändern, wenn erS auch an Warnungen hüben und drüben nicht hatte fehlen lasten. Der Bundschuh ging im Lande um, der Bundschuh, das Zeichen, das sich die aufrührerischen Bauern erkoren zum Gegensatz gegen die Eammetschuhe der Junker und Priester. Gerade zu Golling sammelten sie sich massenweise, vergebens warnte sie Rupert, daß sie doch den Kürzeren ziehen würden, daß sie ihr Recht nicht mit Gewalt nehmen dürften, sie überschrieen ihn und er wäre in Lebensgefahr geraten, hätte er nicht überall in so hoher Achtung gestanden, daß Niemand eS wagte, Hand an ihn zu legen. Am schmerzlichsten war eS ihm, daß all diese Aufrührer sich auf den Mönch von Wittenberg beriefen, zu besten Lehre sich Rupert im Stillen bekannte, und die er bester verstanden hatte als die geknechteten, hartköpfigen Bauern. Vorläufig hatten eS diese bei gottlofea, aufrüh- reschen Reden bewenden lassen, und zur That zu schreitm fehlte ihnen ein Anführer, und Rupert bat Gott flehentlich, er möge ihnen keinen erwecken. Auf der anderen Seite ließ er sich- angelegen sein, die Bedrohten durch Herrn Firmian warnen zu tasten, ohne je einen der Bauern zu verraten. Aber auch hier waren seine Warnungen vergeblich, Groll uns Bitterkeit stiegen mit jedem Tage auf beiden Selten, und von beiden Seiten wurde bet Steinschleifer bereits al« Feind und Verrätkr angesehen; brach bet Kampf wirklich los, stano eS schlimm um ihn; die Bauern respek- llerten ihn wenigstens noch, bei den Sammetschuhen stand er ohnehin in dem Verdacht der Ketzerei, und vielleicht verdankte er- nur Herrn Firmian, daß man ihn bi- jetzt in Ruhe gelasten hatte. (Fortsetzung folgt.)
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.. scheint täglich außer an «O"» nach Sonn-und ÄrfS
mit Msparkastevkommisston hat in zweiter Lesung mit dem ~ Musse geendet, den vorgelegten Gesetzentwurf abzulehnen.
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o 'N pN fast vor Angst um den Geliebten, der trotzig dem g- j$o Kdker statt ihn zu vermeien, erst recht in den Weg lief. Eh- aber Junker Joseph diesen letzten entsetzlichen Trumpf ^spielte, versuchte er noch ein Mittel, das Mädchen sich bei: ^sichern, besten ihn Niemand für fähig hielt. Er bat ff Allich den Steinschleifer in aller Form um die Hand w Tochter, die er zu seiner ehelichen Gemahlin erheben ^ue. Dieser erschrak, eine solche Ehe abzulehnen war gefährlich al- sie anzunehmen, denn da- Margret- P» {« hübsch mch verständig N immer war, zur Frau
Hegte nun das Margretleln vor H-rrn Firmian, besten Pfühle für sie ihr gänzlich unbekannt waren, eine aufrichtige Hochachtung, da er ihr nie anders als ehrerbietig freundlich begegnete, so konnte sie eine leise Furcht vor Mer Joseph nie überwinden, die sich bis zum Grauen kfjttte, als sie inne wurse, daß er um ihre Liebe werbe.
dem Relimoser war- nicht entgangen, was den Junker seit ”iger Zeit immer wieder in das Haus deS Steinschleifer» 1» ftytte und so sicher er auch seine- Mädchen- war, er brauste auf in wilder Eifersucht.
S^So kam-, daß aus Rupert- Hause mehr und mehr der " >en wich und Herr Firmian eS nur noch selten betrat, *• «Mu et sich seines Binders schämte. Dieser aber hatte ge« ®r3jW»ren, den Reitmoser, wenn er ihm nicht in Güte Platz 1 -«Me neben dem schönen Margretleln, mit Gewalt au» dem Mr zu schaffen. N>an wußte aber ein Jeder, daß Junker ^irphs Kugeln niemals ihr Ziel verfehlten und Margarethe