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Marburg, Freitag, 13. Februar 1885.

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Negerstärnmen, von welchen sie vermeintlich übervorteilt sein sollten, daS unrechtmäßige Gut adzujagen. Morgen

heutigen Sitzung Protektorats - Beträge mit afrikanischen Häuptlingen mitgeteilt. Die Arbeite-schutz - Kommission des Reichstage« lohnte gestern den Antrag der Sozlaldtmo- kraten ab, die Verhandlungen der Kommission bis zur Er- ledtgung des sozialdemokratischen ArbeiterschutzentwursS im Plenum auSzus tzen. Die Verhandlungen werden sich nun­mehr zunächst mit der Spezialberatung der auf die SonntagS- arbcit bezüglichen Anträge erstrecken.

Dem Bundesräte ist der Entwurf eines Gesetzes, betreffend eine Aenderung des ReichSmilitärgesctzeS, zu gegangen. Die Aenderung betrifft den § 30, welcher unter Nr. 3a und b folgende Faffung erhalten soll:a) für den Aushebungsbezirk die Ecsotzkommisston, bestehens in der Regel aus dem Landwehr-Bezlrkskornrnan eur und aus einem B-rwaltungSbeamten d«S Bezirks oder, wo ein solcher Be­amter fehlt, einem besonder« zu diesem Zwecke bestellten bürgerlichen Mitgltede, b) für den Infanterie - Brigade- L-zirk die Oberersatzkommisston, bestehend in der Regel au« dem Infanterie-Brigade-Kommandeur und au« einem höheren Verwaltungsbeamten." Es soll durch diese Aende- rung der bisherige Zwang einer solchen Zusammensetzung der gedachten Behörden, welche nicht immer ausführbar ist, be­seitigt werden. Ferner ist dem BundeSrate ein Antrag Preußens, betreffend die Ergänzung und Abänderung einiger Bestimmungen des Gesetzes über die Abwehr und Unter­drückung von Viehseuchen, vorgelegt worden. Die statistischen

welche zu größerer Ehre des demokratisch - mauchesterltchen ParteikaukuS von Tivoli aus unter die Masten zu tragen versucht wird, berufen sich auf Petitionen süddeutscher, speziell baierischer Städte, welche ebenfalls sich gegen die vorgeschlagene Kornzollerhöhung verwenden. Die That- sache, daß derartige Petitionen städtischer Vertretungen u. a. auch au« Nürnberg vorliegen, ist richtig; dieselbe beweist aber nicht da« Mindeste zu gunsten der erst erwähnten Kornzollgegner, da diese Petenten von ganz anderen Ge­sichtspunkten ausgehen al« jene. Unsere Anti - Kornzoll­männer verwerfen derartige Maßregeln grundsätzlich al« solche, welche ihrer Ansicht nach eine Verteuerung der not­wendigen Lebensmittel de« armen Mannes zur Folge haben müßten. Jene bairischen Gemeindekollegien aber haben bei ihren Petitionen ganz andere Gesichtspunkte im Auge. Dort erheben nämlich die meisten Städte und speziell sämtliche uns al« jetzt gegen Kornzollerhöhungen petitionierend be­kannte, sogenannte kommunale Ausschläge auch Getreide, Mehl, Brot, Fleisch und viele andere Dinge, so daß man sagen kann, die Finanzgebarung dieser Gemeinden sei wesent­lich auf indirekte Abgaben basiert. Der später zum Reichs- Gesetz gewordene Zollvereinigungsvertrag vom 8. Juli 1867 abgeschlossen in einer absolut sreihändlerisch gestimmten Periode hatte nun, wahrlich nicht au« Neigung für indirekte Abgaben, bestimmt, daß Erzeugniste, die <6« aus­ländisches Gut zollamtlicher Behandlung unterliegen und mit mehr als 15 Groschen vom Zentner (3 Mark vom Doppelzentner) EingangSzoll belegt sind, nicht mit weiteren Abgaben von Seiten des Staates, der Kommunen oder Korporationen belegt werden dürfen. Falls nun die jetzt vom BundcSrate vorgeschlagenen Zollsätze für Getreide in Geltung treten würden, so sähen sich jene bairischen Städte in ihren Finanzquellen bedroht, da die Zollsätze für Weizen und Mühlenfavrikate allerdings über jene noch gültige Grenze von 1867 hinau-gehen würden. Jene Kommunal­vertretungen, welche aus diesem Grunde bitten, ihrer Finanz- verhältniste willen und namentlich auch, weil sie direkte Kommunalsteuern überhaupt, oder doch wenigstens deren Erhöhu- g für unthunlich halten, von der Zollerhöhung aus @-trdbe absehen zu wollen, können unmöglich al« Zeugen gegen diese Maßnahme geltend gemacht werden im Sinne derjenigen, welcheVerteuerung des Brote«" al« Hauptmotiv gegen Getrridezölle geltend machen. Wer selbst wie jene Städte e« thun den Verbrauch derartiger LebenSbedürfniste zur Besteuerung heranzieht, und zwar in sehr vielen Fällen zu weit höheren Sätzen heranzieht al« die vorgeschlagenen Zollsätze, wird nicht sagen können, daß eine derartige Besteuerung prinzipiell verwerflich oder schäd­lich sei, wie unsere, eigentlich nur in Norddeutschland domi­zilierten Kornzollgegner e« thun. Diese« alles wissen natür­lich die Faiseurs der mit so viel Mühe, Bercdtsamkeit, Druck und Druckerschwärze künstlich angefachte« Agitation für die Ueberflutung Deutschlands mit ausländischem Getreide

Erhebungen über die Verbreitung der Lungenseuche de« Rindviehs haben nämlich ergeben, daß im allgemeinen eine erhebliche Verminderung dieser Seuche in den verseuchten Gebietsteilen seit dem Inkrafttreten des Viehseuchengesetzes nicht bemerkbar geworden ist, vielmehr hat sich zum Teil eine Zunahme der Seuchenverbreitung herau«gestellt. Aber auch in den bisher von der Seuche gänzlich frei gebliebenen oder nur vereinzelt heimgesuchten Gebietsteilen treten in neuerer Zeit häufiger Smchenfälle auf, welche nachweisbar stet« durch den Bezug von Rindvieh au« notorisch seit langer Zeit verseuchten deutschen und ausländischen Distrikten ver­anlaßt werden. E« erscheint daher notwendig, die Mittel der bisherigen Gesetzgebung zur Verhütung der Seuchen- vrrschleppung und zur Tilgung der Seuche zu verschärfen. Diese Absicht verfolgen die vorgeschlagenen Abänderungen und Ergänzungen, denen entsprechende Aenderungen der AuSführungSinstruktion des Bundesrat« zu folgen haben werden. In den meisten Fällen erfolgt die Verschleppung der Lungenseuche durch Rindvieh, welches in verseuchten Gehöften scheinbar gesund zurückgeblieben ist und «ach Auf­hebung der verhängten Sperre verkauft wird, obwohl diese Aufhebung erst sechs Monate nach dem letzten Erkrankungs­fülle erfolgt. Eine Verlängerung der Gehöftssperre würde von unerträglichen wirtschaftlichen Nachteilen für die Betroffenen begleitet sein. Dagegen sollen alle nach Aufhebung der Sperre noch übrig gebliebenen Tiere mit einem dauernd haftenden Kennzeichen versehen werden, infolge testen das betreffende Vieh ferner nicht durch den Handel als äußerlich gänzlich unverdächtige Ware in fernere Gegenden vertrieben, sondern vom Besitzer zum Schlachten verkauft werden wird. Al« Schutzmittel gegen die Lungenseuche wird häufig die Impfung angewendet. Ueber d?n Wert derselben gehen die Mei­nungen nicht nur der Landwirte, sondern auch der Veterinäre weit auseinander. Wissenschaftliche Versuche welche mit der Lungenseuche - Impfung an der Tierarzneischule In Berlin angestellt sind, haben die Frage nach der praktischen Nütz­lichkeit nicht positiv erledigt und auch nicht erledigen können, weil dieselbe nur lösbar ist, wenn die Impfung längere Zeit hindurch in einer großen Anzahl von Viehbeständen von Sachverständigen sorgfältig ausgeführt wird. Da dies wegen der erforderlichen Menge der zu impfenden Tiere in den Tierarzneischulen nicht geschehen kann, die endliche Lösung der wichtigen Frage aber dringend wünschenswert ist, so schlägt der Entwurf vor, den Einzelstaaten die Be­fugnis ctnzuräumen, die Impfung anzuordnen. Zwei wettere Ergänzungen des Gesetzes ordnen die Entschädigung für aus Anlaß der Impfung gefallene« Vieh, und zwar in gleicher Weise wie für die Verluste infolge der Lungen- seuchc. Für diejenigen Tiere, welche ohne polizeiliche Nöti­gung, also freiwillig, von den Besitzern der Impfung unter­worfen werden und an der Jrnpfkra. kheit eingehen, soll keine Entschädigung gezahlt werden.

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t * r findet eine Kommisstonssttzung der Kongo-Konferenz statt.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Febr. In der Budgetkommisston de« RrichStagS wurde eine Erklärung des Reichskanzlers ver­lesen , nach welcher die RegierungS - Kommistarien weder berechtigt, noch in der Lage sind, die bezüglich der Verhält- niffe der kolonialen Schutzgebieten gestellten Fragen zu be­antworten, da die« Sache des Bundesrates sei. Die Kom­mission vertagte, nachdem die sofortige Drucklegung dieser Erklärung beschlossen war, ihre Sitzung bi« zum Donners­tag. Die Kommission für die Vorberatung der Vorlage, betreffend den Zollanschluß von Bremen, nahm die Vorlage unverändert an. Die ,Nordd. Allg. Zig." hört, gegen­über der Behauptung RogoztnSkiS in einer polnischen Z-i hmp, daS Eindringen der Dcutfchm in Kamerun habe die Eingeborenen in hohem Grade erregt und letztere feien ge­sonnen, sich auf« äußerste zu wehren, aus unparteiischer Quelle, daß die Behauptung unrichtig ist. Die Erbitterung btt Neger ist nicht gegen die Deutschen gerichtet, vielmehr meinten einige Neger-Stämme, insbesondere die Joß-Neger, daß sie bet der Verteilung des Kaufsschillings für die von dm Deutschen erworbenen Ländereien von ihren schwarzen Brüdern betrogen worden seien; sie ergriffen die Waffen, nicht um die Deutschen zu bekämpfen, sondern um den

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^scheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- «KonnementS-PreiS bei der , Spedition SV. Mt , bei Postämter 2 Mk. 50 y «frt. (excl. Bestellgeld). aniertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 «fg. Reklamen für die Zeile SS Pf«.

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Nöchciitlichc Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. -Illustriertes Sountagsblatt

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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pflegte Gärtchen hatte Jenes nicht auszuweisen, daS hinter dem Hause angelegt ist und sich allmälig an der Bergwand verliert. Einfache Blumen und Kräuter nur sind«, die darin duften und blühen, Lavendel und Thymian haupt­sächlich, aber der ganze Flecken ist stolz darauf, denn die Gärten sind nicht häufig in dieser Gegend und Frau Cyrilla Poschacher muß fleißig Acht geben auf den ihrigen, darf keine Arbeit scheuen, wenn er wirklich eine Rarität bleiben soll. Zu manchem hübschen Gewächs aber erhielt sie den Samen von einer blaffen Norm-, die ein paarmal das Jahr von Salzburg herüber kam und sie dann immer aufsuchte. Alle Armen von Golltng kannten Schwester Katharina, die einst in der Wclt Brigitta von Werffen geheißen hatte, alle spürten ihre offene Hand, den PoschacherS aber war sie wie eine gute Freundin.

Auch heut saß die Nonne im Gärtchen neben der blü­henden, rotwangigen Poschacherin, die ihr kleine« Kindchen In einem Korbe neben sich liegen hatte und fleißig spann; das Nönnlein hatte die Hände über dem Rosenkranz ge­faltet und sah mit den stillen Augen wehmütig freundlich auf die Gruppe, zu der noch ein Hund gehörte, welcher neben dem Korbe lag und mit seinen braunen Augen schlä-frlg nach dem Kinde hin blinzelte. Frau Poschacher war schwarz gekleidet, in einfache Wolle, aber ihr malerisch umgelegter Kopftuch war von Seide, ebenso die blaue Schürz^und um ihren Hal« lag eine dreifache silberne Kette, deren Schloß mit kleinen, farbigen Edelsteinen besetzt war.

Boa ihrem Platze au«, über dem blühende Bohnen eine Laube bUbeten, konnte Frau Cyrilla In den großen Raum zu ebener Erde hineinsehen, in dem ihr Mann seine Werk­statt aufgeschlagen hatte und in der er eben jetzt bei der

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Die Schleifer von Volling.

Eine Geschichte au« dem Bauernkriege.

Erzählt von Ludovica Hesekiel.

(Fortsetzung.)

Dieser merkte sofort, daß der hölzerne Kasten einen zweiten metallenen umschloß, der stark verrostet war und deffen Deckel sich nur mit Mühe heben ließ.

Ein vergilbter Papterstreifen war das erste, was dem Steinschleifer in die Augen fiel. Ec nahm ihn In die Hand und sah, daß er mit großen deutlichen Buchstaben beschrieben war. Zum Glück hatte Rupert, wie Meister Deininger wohl wußte, in Gemeinschast mit dem Junker von Kuchl von einem gelehrten Mönch Lesen und Schreiben gelernt, so daß ihm die Buchstabm keine unlösbaren Rätsel aufgaben. ES standen aber auf dem Zettel die Worte: »Ich habe Dir bei Deinem Abschied Beffere» versprochen als Gold, Ich wollte Dich trinken laffen au« einem Born, der nicht so bald versiegt; hier drnnten in einsamer Schlucht habe ich meine köstlichsten Kleinodien gebettet I steige oft hinab, schöpfe aus dem Born und wenn auch nicht gleich, so doch in späteren Tagen wirst Du mir danken für da«, V°« ich Dir hinterließ l*

Wie einen Schatz verbarg Rupert den Zettel seines Dreister« auf der Brust und untersuchte nun den Kasten ganz genau er enthielt nichts al« die alten Folianten, ta denen Rupert ihn so oft hatte lesen sehen.

IV.

Da wo einst da« Hau« de« Steinschleifers Steininger gestanden, erhebt sich eia Neubau, dem abgebrannten Ge- Hände ähnlich wie etn Si dem andern; nur bat sauber ge­

Arbeit war. Lustig drehte sich das Schleifrad und Rupert sang leise dabei vor sich hin. Er hatte auf seiner Wander­schaft sich längere Zeit zu Amsterdam in Holland aufge­halten und da vieles Neue gelernt, so daß er edle Steine auf eine ganz neue Art zu schleifen verstand, wie man sie bisher im Solzbnrgischen noch nicht gesehen hatte. Da« brachte ihm von den reichen Stiftsherrn viel lohnende Arbeit ein und wo diese stockte, da holte er sich von drüben au« dem Berchtesgadener Lande Marmor vom UnterSberge, den er zu allerlei zierlichen und nützlichen Dingen zu verarbeiten wußte.

So kam«, daß der Steinschleifer in wenigen Jahren fast wohlhabend geworden war, besonder« da er auch nicht viel Kinder zu ernähren hatte; da« Margretlein war erst nach mehrjähriger Ehe geboren worden, dafür aber auch da« Glück und die Wonne der Eltern.

Poschacher war ein kräftiger, blühender Mann, der in dem Anzuge von grober, aber sauberer selbstgesponnener Leinwand gar stattlich aussah; freundlich schauten die braunen Augen darein, zwischen den Augenbrauen aber zeigte sich eine Falte und einen nachdenklichen Zug hatte da« ganze Gesicht, der nie stärker zutage trat, al« wenn er mit dem braunen Hunde, Tiger geheißen, von einer der einsamen Wanderungen zurückkehrte, die er fast immer erst in der Dämmerung antrat. Frau Cyrilla war nicht ängst­lich darum, sie wußte wohin er ging und was er in ben Oefen trieb, vor denen sie einst so große Furcht gehabt hatte.

UebrigenS hatte Poschacher keinem Anderen den Weg in die Schluchten gezeigt; wozu auch? Um sich an der wilden Schönheit betreiben zu ergötzen, dazu hätte Niemand Lust und Berständni« gehabt, und den Wilderem oder Schwärzrm wollte er keinen Berste« Offnen. (Fortsetzung folgt.)