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Marburg, Mittwoch, 11. Februar 1885.
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wsgenommenen Vorschläge dem Reichstage vorgelegten 8e* Mrung entfallen. Die statistischen Nachweisungen hat der krfasi-r deS Artikels allerdings nicht gelesen, sonst würde tt angesichts der u ter Nr. 64 und 65 der Anlage C. der Vorlage gegebenen Zahlen wohl nicht behauptet haben, daß tber die Einfuhr von Schiefer nur das Material bis zum Februar 1882 gegeben sei. Zur Bemängelung des in der ö-grünsung enthaltenen Nachweises, daß die Preise des SilreireS in Deutschland in den neueren Jahren den Pro- duktionttosten nicht entsprochen haben, wird das leichte und wenig loyale Mittel benutzt, einem kleinen Teil dieses Nach- mists, eine Tabelle über die Preise deS Getreides seit 1816, «18 das ganze beigebrachte Material auszugeben. Endlich »ird ein Satz der Begründung, nach welchem die Erhöhung btt Getreidezölle in Deutschland voraussichtlich dir sinkende Tendenz des Weltmarktpreises für Getreide verschärfen und daher Deutschland in die Lage bringen wird, im Auslande, namentlich in denjenigen Gegenden, die nach ihrer Lage oder der Art ihres Produkts auf den deutschen Markt angewiesen ! seien, billiger zu kaufen, als di.S ohne Erhöhung de» Zolles möglich fein würde, in die Behauptung verdreht, daß der Zoll den Preis des Getreides in Deutschland billiger machen werde. Ob eine derartige Behandlung hochwichtiger Fragen bet Gesetzgebung einem Blatte ansteht, welche« auf ernsthafte Würdigung seiner Erörterungen Anspruch erhebt, Snnen wir dem Urteil der öffentlichen Meinung getrost
überlasten. — Zwischen Berlin und Wien schweben gegenwärtig, wie von wohlunterrichteter Seite verlautet, lebhafte Verhandlungen, um auch Oesterreich-Ungarn zum Abschluß eines AuSlieferungSvertrage» bezüglich anarchistischer Verbrechen rc. zu bewegen. Die Minister Kalnoky und Taaffe haben bereit» ihre Zustimmung in Aussicht gestellt und gilt es nur noch den Widerstand deS ungarischen Ministerpräsidenten Tisza zu überwinden. Aber auch hieran ist nicht mehr zu zweifeln, da neuerdings die Wiener Regierung vollgültige Beweise für eine weitverzweigte anarchistische Organisation, welche von Amerika aus geleitet wird, und ihren Sitz namentlich in Böhmen, Mähren, Ober- und Niederösterreich oufgeschlagen hat, erhalten haben soll. Die italienische Regierung soll einen diesbezüglichen Antrag der deutschen Regierung rundweg abgeschlagen haben, waS die ohnehin nicht sonderlich guten Beziehungen zwischen Rom und Berlin noch um einige Nüancen erkältet ha». — Die heutige Versammlung von Vertretern der Seestädte nahm Resolutionen gegen die Erhöhung der Getreidezölle und der Holzzölle an und sprach sich gegen die prozentuale Börsensteuer auS.
Kiel, 8. Febr. Der Kaiser hatte den Prinzen Wilhelm beauftragt, in seinem Namen bet der sogenannten Schiffstaufe der neuen Krruzerkorvette Alexandrine zu fungieren. Gestern fand die Feier im Kieler Hafen statt. Der Prinz begrüßte das neue Schiff und feine Mannschaft im Namen des Kaisers als da« neueste Glied unserer Marine und fügte hinzu: .Möge es dir vergönnt fein, in fernen Meeren des Reiches Banner mit Ruhm zu tragen, zu Freundes Schutz, zu Feindes Trutz, zu Reiche» Wehr, zu Kaiser« Ehr!" Bei dem Festdiner, welche« am Nachmittag stattfand, hielt Prinz Wilhelm folgende markige Ansprache, welche ein erhebendes Zeugnis ablegt von dem frischen, tapferen echten Hohenzolleingeiste, der den Prinzen beseelt und ihn in so hohem Maße befähigt, im Namen und Geiste seine« erhabenen Großvaters zu handeln. Die Ansprache lautete: „Meine Herren! Er ist mir eine hohe Ehre und zugleich große Freude gewesen, an dem heutigen Tage im Namen des Kaisers und seinem Allerhöchsten Auftrage ein neues Schiff durch dessen Taufe in die Reihe Sr. Majestät kampfbereiter Marine eturethen zu dürfen. Mit Recht können wir den heutigen Tag als Freudentag bezeichnen, und wünsche ich zu demselben der Marine von Herzen Glück. Möge es auch diesem Kreuzer vergönnt sein, in späteren Tagen, von kundiger Hand und sicherem Auge geführt, zur Ehre deS Kaiser« und Reiches, den Feinden Vernichtung, den Angehörigen Schutz zu bringen. Möge eS seiner künsti-en Besatzung gelingen, jenen guten, strammen, preußischen Geist der Disziplin, de« unbedingten Gehorsams und der aufopfernden, hingebenden Tapferkeit zu beweisen, wir derselbe sich schon öftere und noch in jüngster Zeit — durch die Macht der Tradition erhalten — so schön'bewährt hat. Meine Herren! Ich glaube, daß
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niemand unter uns ist, der sich nicht am heutigen Tage dankend an jenen Mann erinnern wird, dem dir Marine ihre Grundlage und vor allem ihren Geist verdankt! Ich meine jenen braven, ritterlichen, allseitig verehrten Hohen» zollern, den Admiral Prinz Adalbert. Wa« dieser hohe Herr damals mit der noch ganz jungen preußischen Marine schon zu leisten vermochte, beweist beredter, als Worte, wie er seine Aufgabe zu lösen verstand. Mit weitem Blick und Hohenzollernmut pflanzte er die Tradition de« großen Kurfürsten und seiner Befehlhaber fort, und hellleuchtend, in Flammenzügen un« anspornend, reden zu uns von ihm die Namen Tre« Forca«, JaSmund, Helgoland. Wohl, fie haben würdige Antwort gefunden, und weithin glänzen die Namen „Meteor* und Havanna, „Undine* und Aggerstrand, „Bismarck*, „Olga* und Kamerun! Sei e« im tosenden Kampf der Elemente, den sicheren Tod vor Augen, sei e« im Kampf mit dem vielfach überlegenen Gegner, haben Sie, meine Herren, gezeigt, daß die Tradition aufrecht erhalten worden und dieser Geist sich kräftig in Ihnen regt. Möge auch ferner stets die Devise „Mit Gott für König und Vaterland* Ihnen leuchtend, begeisternd, an- eisernd vor Augen stehen, möge das Bewußtsein freudigen, dankbaren Stolzes, der unseren geliebten Kaiser bet allem erfüllt, waS ihm von seiner Marine Leistungen berichtet wird, Sie zu stets gesteigertem Wirken hinreißen und Sie veranlaffen, mit mir die Gläser zu erheben und mit mir au« vollstem Herzen zu rufen: Seine Majestät, unser vielgeliebter Kaiser und Kriegsherr, lebe! Hurra!"
Hamburg, 7. Febr. Neun angebliche Anarchisten wurden gestern an Bord eines von Amerika kommenden, bet Glückstadt liegenden Schiffe« verhaftet. Von ihrer bevorstehenden Ankunft war die Polizei vorher unterrichtet worden. Vier der Verhafteten, darunter zwei Frauen, wurden heute morgen wieder entlasten; die anderen dagegen, in deren Besitze sozialistische Schriften gefunden sein sollen, blieben noch in Hast.
ÄltllHMb.
Rom, 9. Febr. Die „Agenzia Stefani* meldet au« Suakin: Der „Gottardo* traf von Mastauah mit der Nachricht ein, daß Admiral Caimi einen Teil seiner Streit» kräfte dort landete, keinerlei Widerstand sand, und von den Eingeborenen freundlich ausgenommen wurde. Eine weitere Meldung besagt: Die Italiener besetzten am 5. Februar Maffauha; die ägyptischen Behörden protestierten. — Gestern abend fand ein Ministerrat statt. Der Mariue- minister hatte nachfolgende Depesche des Admirals Caimi aus Suakin, 8. Februar, erhalten: „Ich habe mit den Dampfern „Amerigo", „Vespucci", „Gottardo* und „Bari- balet" am 5. F bruar vor Mastauah Anker geworfen, die Truppen und Matrosen auSgeschifft und die italienische Flagge auf der ägyptischen Küste aufgepflanzt.
Paris, 9. Febr. Eine Depesche Briore« au« Dong-
zMentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhai». - Illustriertes Sountagsblatt.
Erpkbition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin,München und Köln; G. L. Daube und 60. m Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
Mmistare die meisten ihnen gestellten Fragen zu brant- Mtcn gar nicht befugt sind. Zur Beantwortung derselben Mrs e« zunächst der Beschlußfassung b?8 Bundesrats, der feiten« der Kommission nicht präjudiziert werden darf. — Die „NationalZeitung* bespricht in ihrer Morgenausgabe M 7. d. M. die Begründung, welche der dem Reichstage aneaanfteren Zolltarif Vorlage beiliegt, in einem Artikel, der trofc seiner Kürze im Hinblick auf die Art der Polemik M die thatsächlichrn Unrichtigkeiten, die er enthält, nicht chiie Erwiderung bleiben darf. Die „Nordd. Allg. Ztg.* schreibt nun: Unrichtig ist eS, daß die erwähnte Vorlage ttm Reichstage zunächst ohne Begründung zuzegangen fei. Ar Begründung ist vielmehr gleichzeitig mit der Vorlage reis? »n den Reichstag gelangt. Auch umfaßt sie nicht 35, Mittaar onbern mit Einschluß der zugehörigen statistischen Nach- bera. “ Weisungen 68 Foltoseiten, von welchen nur 13 Seiten auf o , LAC«« CmI k AM 1. <4* LmI *k AM
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Febr. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt be- , tiiu®! .Wich der von den Freisinnigen und den ZentrumSmit- -u (bin, Gebern in der Budgetkvmmisston der Regierung vorgelegten dreibii ragebogen, die auf die Anknüpfung überseeischer Verbin« 08 ultgfn sich bezieht, nein sagen. In dem Bewußtsein aber, rarzi. daß die ganze öffentliche Meinung hinter den verbündeten --— iezierungen stehe, wagen sie nicht, eine klare und bestimmte »£ zutwolt zu geben, sondern ergreifen jede« Mittel, die Sache M Dzuziehen. Dieselben müssen wissen, daß die RegierungS-
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Die Schleifer von Solltug.
Eine Geschichte au« dem Bauernkriege.
Erzählt von Lu do vica H eselie l.
(Fortsetzung.)
III.
Ein Jahr späterjund darüber, im ersten Frühling, saßen aus dem Bänklein unter der großen Linde vor der Kapelle Maria Brunneck zwei junge Menschenkinder Hand in Hand beisammen, ein Mann und ein Mädchen; wäre aber schwer itt sagen gewesen, wessen Augen heller leuchteten in stolzem, reinen Glück, seine braunen oder ihre blauen. Ja, der Rupert war heimgekehrt auS der Fremde, treu wie er« geatzt hatte und die Cyrilla hatte unterdeß auch an keinen puderen gedacht, obwohl ste im letzten Jahre sich recht ein» wm gefühlt hatte, seit ihr Vater gestorben war. Ein fremder Ritter hatte heftig an der Pforte geläutet und keinen Einlaß gefunden, drinnen hatten sie sich gewundert, daß der We Pförtner Wilm gar nicht höre, als sie aber herzueilten, da fanden sie ihn tot auf dem großen Etcin sitzend, der M manches Jahr als Ruheplatz gedient hatte.
DaS erzählte Cyrilla dem Geliebten mit leisem Weinen achtete nicht darauf, daß der Hund, der zu ihren Mtzen lag, seinen Kopf an ihrem Grwande rieb, gleichsam al« wollte er stetrösten; ste hatte jetzt einen befferen Tröster.
Sie erzählte ihm auch, wie Steininger Solling bet» lassen und welchen Auftrag er ihr für Rupert gegeben habe. »Tiger soll ihn zu dem Orte führen, wo ich für ihn auf- akwahrt, wa» mein beste« Besitztum war; er soll e« nicht schmähen, sondern sich zu eigen machen, wie ich e« vor Sm ihat.* So hatten de« Scheidendm von Cyrilla nicht W begriffene Worte gelautet, und sie fragte jetzt ben ®e»
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liebten: „Hat et die schönen grünen Edelsteine damit gemeint, die er so herrlich zu schleifen verstand?"
„Genau kann ich Dir« nicht sagen, was er gemeint hat, wenn ich« auch ahne," erwiderte Rupert Poschacher, „Edelsteine aber sind« gewiß nicht. Doch ehe ich meine' Wanderung mit Tiger anttcte, möchte ich von Dir wiffen, wie eS nach de« Meisters Abschied wurde und wie es kam, daß ich den Junker von Kuchl und feinen bösen Geist nicht mehr hier fand."
„Ganz genau weiß ich« selbst nicht; als ich damals hinauf nach Golling eilte, sah ich im Feuerschein, der von Meister SteiningerS Hause auSging, die gnädige Frau an einem Fenster des Schlosses stehen, leichenblaß sah fie auS, ich ließ Tiger laufen, wohin er wollte und stützte nach der Brandstätte, daß ich mich nicht verraten habe, wundert mich noch heute, denn von dem Brande hatte mir der Meister nichts gesagt."
„Hatte er ihn denn wirklich selber angelegt?" fragte Rupert ungläubig.
„Der Wmdelin und der rote Gerber haben darum gewußt," entgegnete daS Mädchen, „ste haben mirS nachher gesagt, denn jede Spur von stch hat der Meister vertllgen wollen. Tiger habe ich nachher oben auf dem Schlöffe gehabt und bei mir behalten."
„Da« war thöricht," unterbrach Poschacher die Sprecherin, „jedermann kannte da- Tier, man wußte, daß Du die Braut von SteiningerS Gesellen warst, wie leicht konnte auch Dich der Zorn der gnädigen Frau treffen."
„Wer hätte ihr da« verraten sollm?" fragte Cyrilla, „Niemand im Orte liebte sie und alle liebten den Meister; der Junker selbst hat geschwiegen wie da« Grab über alle«.
waS mit uns und Steininger zusammenhtng; seine Hand hat mich beschützt, ohne da« er mit« gesagt, aber gefühlt habe ich« immer."
„DaS will ich ihm gedenken, so lange ich lebe," rief Poschacher und es klang wie ein Schwur. Daun fragte er weiter: „Ist denn der Junker mächtiger gewesen al« Frau Maria?"
„Freilich," bestätigte Cyrilla, „seit sie sein Weib geworden, hat er- trefflich verstanden, sie zu beherrschen, nur wenn sie ihm schmeichelte und zärtlich zu ihm war, dann erreichte ste noch zuweilen etwa« bei ihm. So hat fies ihm denn auch abgeschmeichelt!, daß er mit ihr nach Wien an den Hof deS Kaisers gezogen ist, weil« ihr hier zu still und einsam war. Keinen Fuß hat ste wieder hierher gesetzt, nut bet Junker war einmal hier und hat gemeint, die Steuern gingen nicht ordentlich ein und die Frohnen würden nachlässig geleistet. Mit dem Wendelin und dem roten Gerber hat« einen harten Austritt gegeben l *
„DaS sind ein paar wüste Gesellen," meinte Poschacher, „mit denen möchte ich nicht« zu schaffen haben.*.
„Waren aber deS Meister« beste Freunde!*
„Hat mich auch oft gewundert, meine aber, e« sei deS Meister- Bestreben gewesen, sie zu beffern. Ist mir doch ein «ehe« Gefühl, daß ich meinen Junker nicht wieder gesunden, und meinen Meister auch nicht!'
„Aber mich hast Du wieder gefunden, tröstet Dich da« nicht?" flüsterte Cyrilla und hob die blauen Äugen mit zärtlichem Blick zu ihm empor.
„DaS wäre freilich schlimmer al- alle» gewesen, wenn ich Dich nicht mehr gesunden hätte," entgegnete er, fie heftig au sich reißend. (Fortsetzung folgt.)