An einer schweigend daliegenden Mühle vorbei begannen sie langsam den bewaldeten Abhang de« hohen Göll hinauf zu klimmen, während Steininger sprach: »Wenn der Rupert zurückkehrt, dann soll er den Tiger nehmen und mit ihm nach Maria Brunneck gehen, da wo der große Llndenbaum steht, in den vor fünf Jahren der Blitz schlug, soll er ihm sagen: such, such l und ihm die« Stücklein Leder Vorhalten, da« ich Dir gab, dann aber dem Tiere folgen, bi« r« nicht mehr weiter will, dann wird er finden, was er finden soll l"
„ES dauert aber fast noch ein Jahr, bi« Rupert heim kommt," meinte daS Mädchen, „wird Tiger bi- dahin den Weg nicht vergessen?"
„Geh Du zuweilen mit ihm nach Maria Brunneck und halt ihm den Lappen vor; folge ihm aber nicht, sondern bete Deinen Rosenkranz, bis er wieder kommt und sage dem Rupert, nur geliehen hätt' ich Euch mein treue» Tier und ich holte mir» wieder!"
Die Stimme des Steinschleifers bebte, als fürchte er sich schon jetzt vor dem Abschiede von dem Tiere mit den treuen braunen Augen.
Viel mehr sprachen sie nicht, denn der Weg war beschwerlich, dicht vor ihnen stürzte au» einer Höhle eine ge« wa'tige Wasierwasie, von der eine eisige Kälte auSströmte, so daß die Zähne der Beiden klapperten und Tiger zitterte. Sie stiegen höher und die Kälte ließ etwa- nach, vorspringende Blöcke ragten über einen schauerlichen Abgrund und bildeten eine natürliche Brücke, über der rin zweiter Fall in die Tiefe stürzte.
Der Mond war aufgegangen, nicht- al» schneebedeck e Bergrtesen waren zu sehen und die gewaltige Wasiermasie des Schwarzbachfall-. „Wir sind zur Stelle," sagte Stet- utugrr und reichte dem Mädchen die Hand, „von hier steige
ich über die Dürrfeichten-Alp zum Eckersattel, dann von da hinab nach Berchtesgaden, dort bin ich in Sicherheit, denn die geistlichen Herren von Berchtesgaden sind denen von Salzburg spinnefeind. Von da au« aber wandere ich weiter, wer weiß wohin?"
Ein tiefer Seufzer begleitete die letzten Worte, dann beugte er sich nieder zu dem Hunde: „Leb wohl, mein Tiger, ich komme wieder!"
Das Tier zitterte am ganzen Leibe; e» .hatte einen heißen Tropfen auf seinem Kopfe gefühlt und e» schien jede« Wort seine» Herrn zu verstehen; ein dumpfe« Geheul sagte e« diesem. Aber der drückte nur noch einmal die Hand de» Mädchen» und sprach dann halblaut auf da» heulende Tier ein. Diese« wedelte mit dem Schwänze, sprang an ihm empor und heulte weiter, al« aber Steinio- ger wirklich sich los riß, machte e» keine Miene, ihm zu folgen, es hatte Gehorsam gelernt. Leise knurrend, so daß eS fast klagend klang, ging e« vor dem Mädchen her, da« gerade, al- e» unten an der Mühle ankam, einen Schrei auSstieß und in rasender Elle, fast um die Wette mit dem jetzt laut bellenden Hunde auf Golling zujagte.
Wa» hatte Cyrilla gesehen?
Nicht» anderes, als was der Mann hoch über den tosenden Schwarzbachfällen jetzt auch sah, nämlich eine zu« Himmel lodernde Flamme, die bald am ganzen Horizont einen weiten Feuerschein verbreitete.
„Auch dafür nehme ich noch Rache," sprach der Einsame zu sich selbst und erhob die Hand wie zum Schwur, „wie Du mich vertrieben von Hau« und Hof, stolze« Weib, so sollst Du auch vertrieben werden, Du und Deinesgleichen!"
Dann stieg er höher und war bald jenseits der Felsen verschwunden. lSortsetzuug folgt.)
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Rom, 7. Febr. Die „Agencia Stefani" meldet: Der Minister de» Aeußern, Mancini, ersuchte den Botschafter Italien» bei der Pforte, Graf Eorti in Konstantinopel, auf den erbetenen Urlaub zu verzichten, um jeden Zweifel über die zwischen Italien und der Pforte bestehenden guten Beziehungen zu heben. — Die Kammer beriet die Eisen- bahnkonventtonen weiter. Da» Amendement Baecarini» und ZanardelltS, welchem die Regierung nicht zustimmte, wurde mit 188 gegen 127 Stimmen verworfen. — Die Interpellation Crispi» über die Absichten der Regierung in Afrika beantwortend, erklärte Mancini, er besitze noch keine offiziellen Nachrichten über die Ereignisse im Sudan. Betreff» de- anglo - italienischen Einvernehmen» habe er den abgegebenen Erklärungen nicht» hinzuzufügen, er könne die»- bezügliche Interpellationen und Anfragen nicht anuehmeu. Crispi zieht seine Anfrage zurück; er müffe der Regierung die Verantwortung überlasten. Mancini versichert, da- Ministerium werde sich immer von den Jnteresten de» Lande« leiten lasten. — Mancini konferierte heute mit Depreti« und empfing sodann den englischen Botschafter. — „Esercito" meldet, da« italienische Expedllion»korp» für den Sudan werde au» ungefähr 15000 Mann bestehen; al« Bast» der Operationen wolle man Mastanah und Suakim nehmen und tu 20 Tagen dorthin abgehen. — Die zweite Expedition, die gegenwärtig in Vorbereitung ist, wird sich in Neapel an Bord de» „Vincenzo Floria" am 9. Februar einschiffen, so daß sie am 11. Februar abgehen kann. Gleichzeitig sollen die für die erste Expedition bestimmten Transporttiere und da» sonstige zur Vervollständigung der Ausrüstung gehörige Material auf dem „Prin- zipc Amadeo" eingeschifft werden. — Der neue belgische Gesandte, Pttteurs, hat gestern dem Papste in feierlicher Audienz sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Rach der offiziellen Zeremonie hatte der Papst eine Unterredung mit dem Gesandten, welcher später Jakobini besuchte. — In der Depntiertenkammer wurden verschiedene Anfragen über die Verpflichtung Italien» gegenüber England, über die Lage Italiens infolge de» Falle» von Khartum und ähnliche» eingebracht. Mancini wird morgen sich äußern, ob und wenn er antwortet.
Part-, 7. Febr. Der Ertrag der indirekten Steuern pro Januar blieb hinter dem Voranschlag um 21/» Mill, zurück. — Eine Depesche de» Admirals Eourvet au«
Marburg, Dienstag, 10. Februar 1885.
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glücklich von statten. Der Feierlichkeit wohnten Prinz Heinrich, die Admiralität und die Spitzen der Behörden bei.
Stratzbarg, 7. Febr. Der Landesausschuß überwle» nach zweitägiger Debatte die Vorlagen über Hypothekenwesen, Erwerb und Belastungvon Grundstücken, sowie über die Einführung eine» Grundbuch- an eine Spezial- kommiiston.
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Artikel lautet: An Stelle be« Art. 4 Nr. 1 der Verordnung vom 25. Juni 1867 tritt folgende Bestimmung: Wer in auswärtigen Lotterieen, die nicht mit Unserer Genehmigung in Unseren Staaten besonder- zugelassen werden, spielt, wer sich dem Verkauf der Lose zu dergleichen Lotterten unterzieht oder einen solchen Verkauf als Mittelsperson befördert, wird mit Geldstrafe bi- 1500 Mk. bestraft. — Ferner ist dem Abgeordnetenhause ein Gesetzentwurf zugegangen zur Abänderung des Gesetze-, betreffend die Lande-kreditkasse in Kassel vom 25. Dezember 1869. Der Gesetzentwurf ist bereit- vom Kommunal - Landtag in Kassel seiner Zeit in unveränderter Form angenommen worden. — Der schlesische Oberpräsident v. Seydewitz machte bekannt, daß zufolge Verhandlung vom 22. Januar d. I». der Königl. Regierungsrat Bayer in Oels beauftragt worden sei, die zu dem Nachlaß de» Herzogs von Braunschweig gehörigen, dem Könige von Sachsen hinterlaffenen Fidei- kommiß- und Allodialbesitzungen in Schlesien an den Bevollmächtigten des König» von Sachsen, Grafen Vitzthum von Eckstaedt, herauszugeben, und daß letzterer davon im Namen des König» von Sachsen Besitz ergriffen habe. Die Verwaltung der Fideikommiß- und Allodialbefitzungen wird fortan die Firma: „Sr. Majestät de» König» von Sachsen Güter-Direktion" führen und ihren Sitz in Oel» haben. Die Verwaltung der zum Thronlehen tu Oel« gehörigen Güter und Liegenschaften, bi» auf weitere« mit Einschluß der Güter Rendorf, Nieder-Schmollen, Kalt-Vorwerk und Klein-Vorwerk Oels, mit Ausschluß der zu letzterem gehörigen Forstmeister-Etabliffement» und einer kleinen Ackerfläche, wird ihre bisherige Firma: „Verwaltung des Fürstentum« Oel»" mit dem Sitz in Oel» fortführen. Wie mitgeteilt wird, sind die vorher gedachten, zum Fidet- kommtß und Allod gehörigen Güter mit Lehnsgütern gemeinschaftlich verpachtet, eine Trennung daher zur Zeit nicht angänglich. Ob ein Ankauf dieser Güter durch den Kronprinzen deS Deutschen Reiche» al» gegenwärtigen Lehn- besitzer beabsichtigt wird, ist nicht bekannt geworden. Au« OelS erhält die „BreSl. Ztg." einige Notizen über gewiffe, in der letzten Zeit al» streitig bezeichnete Punkte in der Erbschaftsangelegenheit, lieber Sibyllenort wird geschrieben: Dasselbe ist bekanntlich Fideikommiß, während Oel» Lehen ist. Die LehnSkaffe wird von dem König!: KreiSsteuer- kaffen-Rendanten in Oels verwaltet. Die Allodial- und LehnSgüter sind zwar nicht arrondiert, jedoch durch Grenzen vollständig nach den vorhandenen Karten geschieden. — In iber Beschwerde be» auSgewiesenen Zeitungsbericht« erstatterS Böhme gegen da« Polizeipräsidium hat daS Oberverwaltungsgericht die Entscheidung des Bezlrk«au»schuffe«, welcher sich sür inkompetent erklärt hatte, bestätigt.
Kiel, 7. Febr. Heute mittag ging auf der kaiserlichen Werft der Stapellauf der Kreuzerkorvette „G“, welche Prinz Wilhelm auf den Namen „Alexandrine" taufte,
denken wurden tn Ansehung der Flößerei- und Binneu- jchiffahrt daraus hergeleitct, daß diese Unternehmer teilweise vom Ausland in und durch da» Inland gehen. Die Re- zierungSkommiffarien erklärten, daß das Gesetz anwendbar sein werre auf diese SchiffahrtSunternehmer, wenn der Sitz des Unternehmers im Jnlande; nicht anwendbar, wenn der Sitz im AuSlande sei. Weitere Bedenken wurden gegen die Durchführung der Krankenversicherung auf den Flößeret- betrieb, wegen der Eigenart diese« Betriebes geltend gemacht. Such gegen die Fasiung der Nr. 1 deö § 1, durch welche die MUitär- und Marinewerkstätten in die Unfallversicherung kinbezogen werden, wurden Bedenken erhoben, denen gegenüber von den RegierungSvertretern darauf hingewiesen wurde, daß daS Gesetz sich nur auf die Arbeiten des nicht aktiven Militär- beziehe, während aktive Militär- nicht unter da» Gesetz fallen. Der Gedanke, ob c» nicht rätlich fei, die ganze Seeschiffahrt mit einzubrziehen, wurde gleichfalls angeregt. Die Regierungsvertreter erklärten, daß diese Frage namentlich durch den nautischen Verein erörtert worden und man über den Weg zur Lösung dieser jedenfalls gleichfalls
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Erscheint »glich außer an Nrrktagen nach Sonn- und vertagen. — Quartal- Abonnements-Preis bei der Xebition «V* Mk., bei
Postämter t Mk. 50 ’jnf«. (erd. Bestellgeld). UsertionSgcbühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«, «cllamen für die Zeile * « Pf«.
Anzeigen, nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M-, Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt ♦ a. M., Berlin,München und Köln; G. L. Daube und To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
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zu regelnden Frage noch nicht schlüssig sei. Wegen de» -1 Beginnes der Plenarsitzung wurde die Fortsetzung der De- l batte vertagt. — Dem Abgeordnetenhause ist vom Abg. Bidicker, unterstützt von einer Reihe von Abgeordneten auS allen Parteien, ein Gesetzentwurf zugeganzen, besten einziger
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Berlin, 7. Febr. Die Geschäft-orbnungS-Kommisston be« Reichstag- lehnte den sozialdemokratischen Antrag, bekiffend die Bestrafung der Beamten, welche die Abgeordneten Frohme und v. Vollmar in Kiel verhaftet hatten, ab, erklärte jedoch die Verhaftung al» gegen den Artikel 31 der Verfassung verstoßend. — Die Reich-taglkommisston zur Vorberatung der Gesetzentwürfe über die Ausdehnung deS Unfallversicherungsgesetzes hielt heute ihre erste Sitzung ab. ES wurde zunächst eine GeneralviSkusston beliebt, in welcher vorerst Bedenken erhoben wurden gegen die Au-lastung der Sisenbahnbeamten aus dem Gesetz, welche, so lange nicht gesetzliche Aenderungen eintreten, dem Haftpflichtgesetz unterstehen. Staatssekretär v. Bötticher erklärte, daß für die Beamten, durch Abänderung der PenstonSgesetze, welche für die ReichSbeamten schon in Ausarbeitung begriff n seien, gesorgt werde, und daß zu erwarten sei, daß die Einzel- staalen und Kommunen, wenn sie von der Haftpflicht befreit werden, jedenfalls die Sicherstellung der Beamten durch die PenstonSgesetze vornehmen werden. VerfastungSbedenken haben offenbar von der Regelung dieser Frage im ReichS- gesetze absehen lasten. Ferner wurde die Frage angeregt, ob nicht eine Erhöhung der Quote für die Eisenbahnarbeiter, ,taIogsra| die sttzt durch daS Haftpflichtgesetz besser gestellt seien, als andere Arbeite, kategorieen, angezeigt sei. Die Regierung veihielt sich hterg'gen entschieden abwehrend. Weitere Be-
Bochcntliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Erpedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Ang. Koch.
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Die Schleifer von Gollirrg.
Eine Geschichte aus dem Bauernkriege. Erzählt vonLudovicaHesekiel.
(Fortsetzung.)
L »Dann aber Junker und Pfaffen!" murmelten die Enkeln Gestalten.
Sie drückten sich die Hände und verschwanden »ach Nfiiebenen Setten, Niemand aber hätte sagen können, wo al« Frau verkleidete Steininger mit seinem Hunde ge» Wieben war; wie von der Erde verschwunden, schien der Boden ihn eing, schluckt zu haben. Das Allerseltsamste aber M daß er zwei Stunden später auf einer ganz anderen r'ite, von seinem Hunde begleitet, auftauchte, nämlich jeu« liUS der weißen Nikolaus-Kirche, tn der Rupert und Cyrilla letztenmal zusammen gebetet hatten. Eyrilla war e» tW die jetzt dem einsamen Wanderer entgegen trat, der Zwischen seine Frauevkleider mit einem derben Wollen- „ Leder-Anzug vertauscht hatte und stch auf einen mäch- “8«t Stock stützte.
». »Ein Stücklein geh' ich noch mit Euch, Meister", Musterte sie ihm zu, „sagt mir noch einmal genau alle», r®e ich dem Rupert auSrtchten soll, damit ich nicht» ver« M; kommt, droben am Fall wollen wir Abschied nehmen, ^Vr begleitet mich schon sicher hinunter."
Da» raunte und murmelte in der letzten Nacht be« Jahrhunderts am Paß Lueg, die Salzach tobte so laut, ____ daß fix sich kaum verstehen konnten, unheimlich schauten die ( i Berge nieder, die Natur schien nicht einverstanden mit dem, »a- da geplant wurde, al» wollte er die Felsen sprengen, b schäumte der Fluß dahin, aber die Menschen achteten seine- lauten Proteste« nicht und mit fester Stimme sagte Deininger: „Bis ich wiederkehre l"