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JUaröurg, Sonnabend, 7. Februar 1885.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blatter, sowie d.Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undVogler in Franksurt a. M-, Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M., Berlin,München und Köln: G. L. Daube und So. m Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u- Paris.
Köchcntlilhe Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition? Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Deutsche- Reich.
Berlin, 5. gebt. Die „Nordd. Allg. Ztg." wendet sich gegen die englischen Blätter, welche die Hauptursache für da- Verhalten de- deutschen Reichskanzler- gegenüber England darin finden, daß derselbe .England nicht leiden könne", irritiert sei", .seiner üblen Laune freies Spiel lasse" rc. und sagt: .E- liegt auf der Hand, daß die deutsche Politik den Grundsatz „facta loquunturx zur Richtschnur nehmen und demgemäß ihr Verhalten gegenüber England einrichten muß. Wenn unsere englischen Kollegen kein Verständnis dafür haben, können wir darin nur ein Zeichen jener bedauerlichen Beschränktheit sehen, infolge deren die Mehrzahl der englischen Publizisten andere Land-Sinteressen, al- die englische« überhaupt nicht kennt. Wir verzichten darauf sic aufzuklären, möchten aber an ihr AnstandSgcfühl appellieren, daß sie die abgeschmackte Fabel von der Bosheit oeS Reichskanzlers aufgeben. ES heißt dem Fürsten Bismarck ein starkes Quantum Pflichtvergessenheit und Würdelosigkeit verwerfen, wenn man bei ihm als Motiv seines Verhaltens gegenüber England eine .persönliche" Gereiztheit gegen Gladstone oder eine persönliche Abneigung gegen England unterstellt. Die Unterstellung wird um so beleidigender, als die wirkliche» Triebfedern unserer Politik klar vor aller Augen liegen." — Die Budgetkommifsion dcS Reichstags genehmigte die zur Bearbeitung des Projektes für den Neubau eines KadettenhaufeS in Stolp geforderten 10000 Mk. und bewilligte statt 295750 Mk. zur Erwerbung eines Grundstückes für die Erweiterung des DienstgcbäudeS dcS statistischen Amts zunächst nur 150000 Mk, wovon 145 750 Mk. zum Ankäufe des Grundstückes, der Rest zur Bearbeitung des P ojekts zu verwenden ist. Bei der Beratung der Ausgaben für den Gouverneur und den Generalkonsul in Kamerun, Togo und Avgra« Pequena, sowie die Dienstgebäude daselbst entwickelte sich eine längere Generaldebatte über die Frage, welche Rechtszustäube durch das Protektorat geschossen würden uns wie weit bas Recht der Gesetzgebung und Geldbewilligung deS Reichstages dadurch beeinflußt werde. Die Gehstmräte Hellwig und v. Knsserow betonten, das dem Reichstage und Bundesrate zustehende GchtzgebuigSrecht solle hurch die verlangten Bewilligungen in keiner Weise beschränkt werden. Die Erklärungen der BunseScatS-Kom- miffaüen sollen metallographiert und den Mitgliedern der Kommission zugestellt werden. Die Debatte wurde dann auf morgen vertagt. — Die Budgetkommission deS Abgeordnetenhauses beschloß, die Einnahme au» der Lotterie um 2 Millionen zu erhöhen und die Regierung aufzufordens eine der Nachfrage entsprechende Vermehrung der Lotterielose vorzunehmen und kleinere Tetlstücke von ganzen Losen als bisher üblich abzugeben. — Ja der heutigen Plenarsitzung de» Bundesrates wurden die Gesetzentwürfe wegen Ergänzung des Reichsbeamtengesetze- und Abänderung der Bestimmungen des Gerichtsverfassungsgesetze» und der Straf- Prozeßordnung dem Ausschuß überwiesen. Von der Eingabe
Die Schleifer von Volling.
Eine Geschichte au» dem Bauernkriege.
Erzählt von Ludovica Hefekiel (Fortsetzung.)
.Ein Fluch?" rief verwundert der Meister.
.Nennt Ihr die Armut keinen Fluch?" fuhr das leidenschaftliche Weib auf, .zumal wenn man einen alten, vornehmen Namen trägt. Arm und vornehm!"
Der Meister wandte sich um und nahm einen schön geschliffenen Smaragd von der Schleifbank.
.Er hat noch keine goldene Fassung," sagte er, „und doch weiß Jedermann, daß er ein Edelstein ist."
„Ich brauche Eure Philosophie nicht," erwiderte sie schneidend, .ich will Gold!"
„Ich kann e» Euch nicht schaffen I"
„Nun wohl," erwiderte sie, und ihr schöner Leib schien zu wachsen, .so werer ich mich rächen; mit kindischem Geschwätz hat meine Mutter einst Euern Meister auf den Holzstoß gebracht; ich klage Euch der Zauberei an und auf der Folter wird man Euch Euer Geheimnis abpressen, e» dürsten noch mehr Menschen nach Gold wie ich!"
Aber jetzt schien auch de» Steinschleifer» Gestalt zu wachsen. „Hinaus", rief er mit hallender Stimme, .drohst Du mir mit der Folter? Hüte Dich, Deine Goldgier, Dein Hochmut schreit zum Himmel! Da» eine sage ich Dir, Du wirst r» erleben, daß ich recht habe, Gott steht jede» Unrecht und straft r»! Darum sage ich Dir: Thue wa» Du nicht lassen kannst, aber so stolz und vornehm Du auch blickst, und wenn Du glaubst, mich zertreten zu können, e» wird der Tag kommen, da Du vor einem «rinrr-lrtchm knieen wirst und bitten um Dein Lehm,
wegen Gestattung der zollfreien Einfuhr von Baumwollen- Garnen wurde Kenntnis genommen. — Die .Nordd. Allg. Ztg." sagt: Die Ablehnung der Dampfervorlage wird von den verbündeten Regierungen nicht ander» verstanden werden können, denn al» ein Protest gegen die Kolonialpolitik. Wie aber auch die Entscheidung de» Reichstags au-fallen mag, vor allem kommt e» darauf an, daß eine solche gefüllt wird. Die Taktik, Fragen, wozu man weder Nein, noch Ja sagen will, in den Kommissionen zu begraben, ist neuerdings wiederholt mit Erfolg versucht worden und sicherlich sind die Fortschrittspartei und das Zentrum geneigt, auch die Dampfervorlage auf diese Weise aus der Welt zu schaffen. Indes dicseSmal dürfte doch einem solchen Versuche die öffentliche Meinung sich mit aller Energie entgegenstellen: wenn der Reichstag diese Angelegenheit, welcher eine entscheidende Bedeutung für die Entwickelung unserer gesamten industriellen und kommerziellen Verhältnisse beigelegt wird, einfach in den Sumpf würfe, würde die öffentliche Meinung die» einstimmig für eine frivole und gewissenlose Behandlung der Interessen unseres Volke» erklären. Wir sind überzeugt, daß von kompetenter Seite der Notwendigkeit einer bestimmten Entscheidung Ausdruck gegeben wird. Die .Nordd. Allg. Ztg." schließt ihren Artikel folgendermaßen: D.m Reichstag liegt ein so bedeutendes Arbeitspensum vor, daß der Gedanke an eine Vertagung für eine gewissenhafte Volksvertretung ausgeschlossen sein sollte. — Der Kreuzer- Glattdeckskorvette .Marie" ist bei Neuirland (zu Australien gehörende Inselgruppe in der Südsee) an einem Korallenfelsen da« Ruser beschädigt worden; die Kovette wird deshalb nach Sidney gehen, um dort gedockt zu werden.
— Bisher war e» möglich, jedem Regierungöaffcsior in Preußen von seiner Ernennung ab eine diätarische Remuneration von 1500 Mk. jährlich zu gewähren. Mit Rücksicht auf die große Zahl der noch vorhandenen Re« gicrungs-Rcferendare und die noch andauernde starke Zunahme demselben ist aber mit Sicherheit vorauszusehen, daß bald die allgemeine Verwaltung und die Verwaltung des Innern nicht mehr ausreichende Gelegenheit darbieten werden, um allen neu zu ernennenden Regierungs-Assessoren ausreichende Beschäftigung und aus etatsmäßigen Fond» Dienstbezüge zu gewähren. Der Minister deS Innern und der Finanzmintster haben deshalb Veranlassung genommen, an den Minister der öffentlichen Arbeiten das Ersuchen zu richten, bei der Auswahl von Assessoren für den höheren StaatSeisenbahndienst nicht allein, wie seit 1879 fast ausschließlich geschehen, Gerichts-Assessoren, sondern auch Regierungs-Assessoren zur Verwendung in Aussicht zu nehmen. Herr Maybach hat darauf erwidert, daß bezügliche Anträge von Regierung« - Assessoren bisher nicht gestellt seien, daß er aber bereit sei, dieselben zu verwenden. Den Regierungspräsidenten uns Lanbdrosten ist von dieser Antwort zur weiteren Mitteilung Kenntnis gegeben. Aspiranten für den höheren Eisenbahndienst sind in demselben zunächst auf ein
nicht um Gold, sondern vor Rettung um Schlimmerem als dem Tode!"
Ein leise» Grauen kam über da« stolze Weib, sie tastete nach der Thürlinke, doch noch einmal wandte sie sich um und mit den Zähnen knirschend sagte sie: „Fürchte meine Rachels
.Ich stehe in Gotte« Hand," entgegnete Steintnger ruhig.
Noch lange bellte Tiger hinter dem schönen Weibe her, während der Meister in Gedanken verloren schien. Plötzlich winkte er dem Tiere und diese» folgte ihm gehorsam hinaus in die heitere Mondnacht.
Fräulein Maria hatte sich unterdessen wieder auf da« Schloß begeben, wo sie den Herrn desselben mit seiner Gemahlin und Tochter in Gesellschaft des Junker» von Kuchl und eine» jungen Fräulein« sah, da» den Gollingern verwandt war. Fräulein Dorothea von Golling und Fräulein Brigitta von Werffen spannen eifrig, der Junker hatte sie nicht eben lebhaft unterhalten, eine dunkle Röte flog über sein hübsche» Gesicht bei Marias Eintritt und seine Rede wurde von Stunde an lebendiger. Da erbleichte Fräulein von Weissen und die sanften Augen des Mädchen», da» sich an Schönheit allerdings nicht mit Maria messen konnte, füllten sich mit Thränen. Maria aber zeigte sich dem Junker so gnävig wie selten, so daß sein Herz in hoher Freude wallte. Die Gollinger sahen e» nicht ungern, auch sie waren verblendet von Maria» Schönheit und hätten der Freundin ihrer Tochter gern den Junker zum Gemahle gegönnt.
Seit der Unterredung, die da» Fräulein mit dem Steinschleifer gehabt, schien e» seinen Durst nach Gold aufge- getzen zu habens Junker Sittich sah immer deutlicher, »ernt
Jahrlprobeweise zu beschäftigen. — Die Stadt Stargard hat dem Generalfeldmarschall v. Moltke, welcher bekanntlich Chef de» dort garnisonierenden 2. Pommerschen Grenadier-Regiment« Nr. 9 ist, da» Ehrenbürgerrecht an- getrazen. Graf Moltke hat dasselbe in einem überaus verbindlichen Schreiben angenommen. — Der „Reichsb." schreibt: Unsere Mitteilung vom 15. Januar d. I»., welche sich auf die Braunschweigische Erbfolgefrage bezog und der Ansicht Ausdruck verliehen hatte, daß man in den hiesigen Hvfsphären eine gütliche Lösung derselben, bez. eine Auseinandersetzung mit dem Herzog von Cumberland durchaus nicht unwahrscheinlich halte, hat in der Presse eine ziemlich lebhafte Diskussion dieser Frage angeregt, welche durch den Umstand, daß der preußische Gesandte, Herr v. Normann, welcher seither in Oldenburg residierte, jüngst eine Familienwohnung in Braunschweig gemietet hat, neue Nahrung zu finden scheint. Indem wir unsere frühere Meldung aufrecht erhalten, dürfen wir heute hinzufügen, daß dieselbe durch den vorerwähnten Umstand insofern eine Bestätigung findet, al« man an maßgebender Stelle zu der Ueberzeugung gelangt sein soll, daß die endgültige Lösung dieser Frage, aller Wahrscheinlichkeit nach, sich mit dem Ablauf de« Regentschaftsjahres noch nicht wird herbeiführen lassen, vielmehr eine Verlängerung de« Interimistikum» schon jetzt in» Auge gefaßt werden muß. Die Ausgabe des Herrn v. Normarm dürfte e« nunmehr sein, am Sitze de» Regentschaftsrats die Verhandlungen über Form und Zeit de» etwa zu verlängernden Interimistikums zu leiten. Wa« die Stimmung der Braunschweigischen Bevölkerung anlangt, so bedarf et für unsere leitenden Kreise keiner weiteren Beweise dafür, daß erstere zwar durch und durch deutsch-national gesinnt ist, einer etwaigen preußischen Kandidatur aber sich wenig geneigt zeigt, womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß die Aufstellung einer solchen überhaupt jemals ernstlich in der Absicht unserer maßgebenden Persönlichkeiten gelegen habe.
Köln, 5. Febr. Gestern hat sich hier ein Lokalkomitee für die dem Kanzler anläßlich seines 70. Geburtstages zu überreichende Ehrengabe gebildet, an dessen Spitze Ober« büagermeister Becker, Kommerzienrat Langen, Geheimrat Meviffen und Eduard von Oppenheim stehen.
Darmstadt, 5. Febr. Die „Darmstädter Zeitung" dementiert die Nachricht, daß eine Anfrage feiten» des Groß- Herzog» bei dem Vatikan wegen der Bedingungen für die Wiederherstellung de« religiösen Friedens zwischen der Regierung und dem Vatikan stattgesunden habe.
Stuttgart, 5. Febr. Ein württembergischer Aufruf zur Errichtung einer BtSmarckftiftung ist heute erschienen. Derselbe ist von vielen Notabeln Stuttgarts und des ganzen Landes, darunter zahlreiche Abgeordnete und Staatsbeamte, unterzeichnet. Al» Zweck der Sammlung wird ein nationales Ehrengeschenk bezeichnet. Die Verwendung der gesamten.Beträge bleibt dem Fürsten Bismarck überlasten,
er auch anfänglich in Bescheidenheit nicht daran glauben wollte, daß der spröden Schönen Herz sich ihm zuneige und wenige Monde später war sie seine Braut.
Da sie verwaist und mittellos war, so wurde ihr die Hochzeit im Schlosse Golling au-gerichtet und von da au» folgte sie dem Gemahl von Kuchl, wo bald ein Leben in Herrlichkeit und Freunde begann. Um dieselbe Zeit nahm Fräulein Brigitta von Werffen in Salzburg den Schleier und Junker Sittich fühlte sich doch eigentümlich bewegt, al» ihm diese Nachricht zu Ohren kam, Maria aber lachte nur höhnisch.
Uebrigen» hatte die schöne Frau noch ganz zuletzt einen kleinen Aerger gehabt; sie hatte die Tochter de- Pförtner«, die hübsche Cyrill«, gern in ihre Dienste nehmen wollen, Cyrill« aber sowohl wie ihr Vater weigerten sich standhaft, diesen Wunsch zu erfüllen. Zudem gelang e« ihr nicht, den Schloßherrn von Golling seinen Wünschen gefügig zu machen, denn er dankte seinem alten Pförtner, der ehedem al« Land-knecht manchen Kriegszug mit ihm gethan, mehr al« einmal sein Leben gerettet und hütete sich wohl, ihn wider seinen Willen von seiner Tochter zu trennen. So mußte Maria auch diesem Wunsche entsagen.
Wer aber geglaubt hätte, Fran von Kuchl habe wirklich je freiwillig einem Wunsche entsagt, ohne den Gedanken sich auf andere Weise schadlos zu halten an denen, die ihre Pläne durchkreuzt, bet hätte sich gewaltig geirrt. Bitterer Haß füllte ihre Seele gegen den Steinschleifer und gegen Cyrllla, nur sah sie augenblicklich keinen Weg, sich an denselben zu rächen, denn Beide waren auf ihrer Hut, da Steininger die stolze Frau wohl durchschaut und Cyrill« vor ihr gewarnt hatte. (Fortsetzung folgt.)