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Marburg, Freitag, 6. Februar 1885.

XX. Jahrgang

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Wahrnehmung, daß die Impfung zuweilen mit nachteiligen Folgen für die Gesundheit der Impflinge verknüpft ist, hat hercitS vor mehreren Jahren Anlaß gegeben^ Ermittelungen darüber anzuordnen, auf welche Umstände diese GcsundheitS- schädigungtn zurückzuführen sind, sowie in welcher Weise ediut. Abhilfe zu schaffen sein würde. Die im Kaiserlichen Gesundheitsamt auSgefüh ten Untersuchungen lasten in ersterer Hinsicht erkennen, daß die Schuld zum Teil der Auswahl der Lymphe, insbesondere der bisher meist im Gebrauch be» ftndlicheu humanisierten Lymphe, sodann aber auch der Außer­achtlassung der erforderlichen Kautelen von selten der beim Zinpfgrschäste beteiligten Personen betzumesten ist. DaS Laiserl. Gesundheitsamt trat daher in eine nähere Erörte­rung der Frage ein, ob nicht die Impfung mit animaler Lymphe allgemein durchgeführt und eine einheitliche, geordnete Ueberwachung der Thättgkeit der Jmpfärzte ins Leben ge-

Ein heftiges Gewitter war über Markt Golltng nirdrr- gegangen und zog nun langsam, nachdem eS sich auSgetobt, in der Richtung nach Kuchl davon. Dir HauSthüren wurden geöffnet, ein Nachbar ri-f dem andern über die Straße zu, ob ihn das Unwetter verschont habe, da jagte vom Schloß herunter ein brauner, mäßig großer Hund dem Flecken zu; ein Körbchen hing ihm am Halse und in lustigen Sprüngen kam er vorwärts, unbekümmert um die Wasserlachen, dir ihm im Wege lagen. In einzelnen derselben badeten fröh­liche Kinder ihre nackten Beine und riefrn ihm ein lustige»: .Tiger, Tigers* zu. Aber Tiger ließ sich nicht von ihnen

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rufen werden könnte. Buch die Petitionskommission de« Reichstages hatte sich bet Beratung der ihr vorliegenden Petitionen wegen Aufhebung des Impfzwanges dahin aus­gesprochen, es wurde aber entgegengehalten, daß die geringe Haltbarkeit und unsichere Wirkung der animalen Lymphe ihre Verwendung zu Mastenimpfungen nicht zulteße. Später »hielt jedoch da» Kaiserl. Gesundheitsamt Kenntnis davon,

Höfe das, Meister," fragte Rupert.

.Mußte ich droben auf dem Schloß, als ich dem gnädi«

Herrn einen geschliffenen Stein zu einem Petschaft pachte, erzählen von meinem Meister, dem weisen Friedrich JMreb. Da ist sie denn in dunkler Abendstunde, Du Mist droben auf dem Schloß mit des Pförtner» Töchter» zu mir gekommen und hat mir erzählt wie Dankred

Die Schleifer von Volling.

Eine Geschichte au» tem Bauernkriege. Erzählt von Ludovica Hesekiel.

(Fortsetzung.)

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daß Verfahren gefunden seien, welche diese Bedenken zu be- seifigen geeignet schienen. Die Verfahren wurden geprüft Md cuf Grund der erhaltenen günstigen Ergebntste konnte Mnmehr die Impfung mit animaler Lymphe zur allgemeinen Anwendung in Aussicht genommen werden. Bei der großen Tragweite der Sache schien eS inde» zweckmäßig, diese Frage Wächst in Verbindung mit den im Kaiserl. Gesundheit»- amt ausgearbeiteten Vorschlägen! wegen Einrichtung einer »solgreichen Beaufsichtigung de» gesamten Jmpfgeschäft.» einer Sachverständigen-Kommission zur Begutachtung vor­zulegen. Inzwischen hatte der Reichstag bei der am 6. Juni 1883 erfolgten Beratung der Petitionen gegen den Impf« Mng den Wunsch ausgesprochen, daß der gegenwärtig physiologische und pathologische Stand der Jmpffrage, ins defondere in bezug auf die Kautelen, welche geeignet sind, die Impfung mit der größtmöglichen Sicherheit zu umgeben, rwiell Wn ttner Sachverständigenkommission geprüft und daß von

dieser Kommission Maßregeln zum Zwecke einer solchen Eicherung event. unter allgemeiner Einführung der Impfung mit animaler Lymphe Vorschlägen werden möchten, sodann fei auch auf Herbeiführung einer brauchbaren Jmpfstattstik auf Grund obligatorischer Anzeigepflicht der vorkommenden Pockcnerkrankunzen und de» Verlauf» derselben an die zu­ständige Reichsbehörde hinzuwirkrn. Die Aufgaben der Kom- Mission wurden mit Rücksicht hierauf erweitert." Die

Platz- ureau

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Smintagsblatt

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

Anzeigen, nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d-Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undVogler in Frankfurt a. M-, Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin,München und Köln: G. L- Daube und $o. tn Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

»Rordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Bauerngenvffenschaft Lauter­hagen hat sich an den Herrn Reichskanzler mit der Bitte gewendet, darauf hinzuwirken, daß der Zoll für Weizen auf 5 Mk., derjenige für Roggen auf 3 Mk. per Doppelzentner erhöht werde. Nachdem in der Petition auf den durch die enorme Zufuhr fremden Getreides hervorgerufenen Prri»- druck hingcwiesen ist, heißt e» weiter: »E« ist allseitig be­kannt, daß die erste Grundlage der Wohlfahrt de» Gesamt­vaterlandes der Ackerbau ist; daher denn auch die große Fürsorge, welche demselben zugewandt wird. Bei dieser wahrhaft väterlichen Fürsorge ist aber doch das Lo« der Staatsbürger, welche Ackerbau treiben, ein beklagenswerte», weil die Preise der Erzeugniffe derselben mit den Anforde­rungen an die Steucrkraft in keinem günstigen Verhältnifle stehen. Was hilft die gehobene ProduktionLfähigkeit de» Bodens, was nützen die leichtesten und schnellsten Verkehr»- mittel, wenn den ländlichen Produkten der Preis fehlt, und der Erlös für dieselben Betriebskosten und Abgaben nicht zu ermöglichen im stände ist." Wir empfehlen diese Ein­gabe der Beachtung der Herren Barth und Genoffen, welche neulich in einem Aufrufzur Bekämpfung der Getreidezölle" die dreiste Behauptung aufgestellt haben, die in Aussicht genommene Tariferhöhung sei lediglich zum Vorteil einer Minderzahl von Getreideproduzenten geplant, die mehr Ge­treide ernten, al» sie für sich und ihre Familien verbrauchen. Mögen die Herren au» dieser Eingabe ersehen, wa» der Bauer, deffen Partei sie angeblich nehmen, über ihre agitatorischen Phrasen denkt. Gerade der Bauer wünscht einen erhöhten Getreidezoll, weil eine Besserung der Ge- treidepreise für ihn eine Lebensfrage ist. Selbst derjenige, der nur das für ihn selbst und seine Familie notwendige Getreide baut, verkauft dasselbe und kauft sich für den Er­lös Brot, wie Herr Barth da» au» den Eingaben an den Bundesrat ersehen kann. Da» Ideal der Herren, welche den erwähnten Aufruf unterzeichnet haben, ist ein Sinken de» Getreide» auf Null, wenigsten» de» Preise», den der Produzent erhält. Sobald da» Getreide in die Hand de» Spekulanten gekommen ist, darf es allerdings der Fürsorge der Herren Barth und Genoffen sicher sein. Der Staats­sekretär des Reichspostamts hat durch Verfügung vom 28. v. Mts. die Stempelung der Postsendungen sorgfäl­tigster und genauester Beachtung empfohlen. Namentlich bemerkt er, wird e» trotz der häufig ergangenen Auffor­derungen immer wieder Unterlasten, »die frankierten Briefe noch mit einem zweiten Abdruck des Aufgabestempel- zu versehen, wenn aus dem ersten, zur Entwertung der Frei­marken dienenden Stempelabdruck der Aufgabeort, sowie der Tag und die Stunde der Einlieferung nicht mit völ­liger Deutlichkeit erkannt werden können." Telegramme nach den Vereinigten Staaten von Kolumbien erleiden in­folge der dortigen Revolution Verzögerung und find nur auf Gefahr der Absender anzunehmm. In geheimer Sprache abgefaßte, sowie Telegramme politischen Inhalts nach Panama

auch seinem Schüler mitgeteilt und will mirS nun mit Ge­walt abpressen oder mit List durch Dich und den Junker von Kuchl, dem sie sich selber als Preis versprochen hat, wenn er mich bewegen kann, nur einmal eine Probe vor ihr zu machen! Als ob sie sich daran würde genügen lasten! Als ob ich nicht in ihren Augen der Dämon der Goldgier hätte flammen sehen!"

»Wie sich doch alle- in der Welt wieder aneinander knüpft," sagte nachdenklich Rupert, »als ob lauter Ringe sich um unser Leben legten!"

Betroffen sah Steininger auf. »Fängst Du an zu denken, mein Sohn," sagte er dann mlld, ,o, dann kehre wieder zurück zu mit, wenn Deine Wanderschaft um ist, und ich will Dir Beffre» geben al» Gold, und einen Born, der nicht so leicht verstegt."

»Ihr meint die altm Bücher," erwiderte Rupert und deutete auf den Folianten.

Steininger nickte.

sind au« demselben Grunde ebenfalls nur auf Gefahr der Absender anzunrhmen. Von einzelnen Behörden ist dir Bezeichnung »BetricbSbeamte" im § 1 des Unfallver- flcherungSgesetzeS dahin aufgefaßt worden, daß unter die­selbe auch die im Büreau (Komptoir) eine« Fabriketablisse- ment« beschäftigten Kaufleute (Buchhalter, Korrespondenten, Kassierer) fallen. Sogar Reisende eines Geschäfte», welches seine Erzeugniffe selbst verkitt, sind hier und da von OrtS- behörden al» Betriebsbeamte betrachtet worden. Wie man hört, hat daS ReichSverstcherungSamt tn Beantwortung einer Anfrage au» den Kreisen der Interessenten entschieden, daß auf kaufmännische Beamte eine» FabriketabliffementS, wenn sie lediglich mit der Buchhaltung, Korrespondenz und der­gleichen betraut sind und Verrichtungen im Betriebe nicht auszuüben haben) da» UnfallverstcherungSgesetz keine An­wendung finden kann. Dieselben Zweifel find wegen der Auslegung der gleichen Bezeichnung im Krankenversicherungs- Gesetze entstanden. Wenn auch für diese- die Entscheidung de- ReichSverstcherungSamteS nicht maßgebend ist, so kann man doch aus derselben schließen, daß auch dort Buch­halter rc. nicht als Betriebsbeamte zu betrachten find, son­dern auch dann als HandlungSgehülfen zu gelten haben, wenn sie in dem kaufmännischen Büreau eine« Fabrik- EtabliffementS beschäftigt sind.

Die Zolltarifvorlage ist gestern an den Reichs­tag gelangt, jedoch einstweilen nur der Text de- Entwurfes. Die ungemein umfangreichen Motive e» dürften mit Tabellen 10 Druckbogen fein werden, frühestens am Donnerstag erscheinen; die erste Lesung ist also kaum vor Anfang der nächsten Woche zu erwarten. Der Entwurf unterscheidet sich von der dem Bundesrat gemachten Vor­lage nur in folgenden Positionen: In Nr. 5 de» Zolltarifs wird der Zoll von Oelfirni- von 4 auf 6 Mark erhöht. Garne, Schnüre, Stränge, Stricke und Seile au» Asbest, auch in Verbindung mit anderen Spinnmaterialien 24 Mk. (anstatt 40). Nr. 9 Getreide: Weizen 3 Mk., Roggen, Hafer, Buchweizen und Hülsenfrüchte, sowie nicht besoncerS genannte Getreicearten 2 Mk., Gerste 1,50 (2), Raps und Rübsen 1, Mai« 0,50, Malz 3 (2), Anis, Koriander, Fenchel, Kümmel 4, Weinbeeren, frische 15; andere Er­zeugnisse de- Landbaue» frei. Holzzölle nach der Bundes­ratsvorlage. Für Kraftmehl, Puder, Stärke, Stäikegummi, Arrowroot, Nudeln, Sago und Sagosurrogate, Tapioka 8 (6). Mühlenfabrikate erhöht von 3 auf 6 (5). Reis zur Stärkefabrikation erhöht von 1,20 auf 2. Olivenöl in Fässern, amtlich denaturiert,tei; ebenso Rückstände, feste, von der Fabrikation fetter Oele, auch gemahlen. Zu Nr. 29: Petroleum tritt folgende Anmerkung: Der Sun» de-rat ist befugt, Mineralöl, welche- für die Reinigung, Raffinierung oder Destillierung in inländischen Betrieb-- anstalten bestimmt ist, unter Kontrolle mit der Maßgabe vom Eingangszoll frei zu laffen, daß die darau» gewon­nenen Produkte beim Uebergang in den freien Verkehr des aushalten, unaufhaltsam jagte er dem Hause Steininger- zu und kratzte an der verschlossenen Pforte.

Mit den Worten: »Bist du'«, mein treue- Tier!" öffnete der Steinschleifer und sich schüttelnd, daß die Waffer- tropfen umhersprühten, sprang Tiger in den Flur. Steinin­ger nahm ihm das Körbchen ab, in das Cyrilla, die des Meist.rs besonderer Liebling war, allerlei Eßwaren für den einsamen Lehrherrn ihres Geliebten gepackt hatte. Wenn sie zu Ende, so sandte er Tiger mit dem leeren Korb auf da- Schloß, der Hund fand seinen Weg bis zu seines Herrn Pflegerin, kannte ihn doch im Fstcken und auf dem Schloß jeder Mutier Kind. Uebrigen- verlangte Meister Steininger solche Fürsorge nicht umsonst, sondern bezahlte sie ehrlich.

Jetzt packte er den Korb au», wobei ihm Tiger mit großen runden braunen Augen zusah, dann teilte er sein Abendessen mit dem treuen Gefährten, der dem unbeweibten, nach Entfernung seine- Gesellen ganz einsamen Manne Familie und Freundschaft ersetzte, während draußen der Mond aufging.

Plötzlich schlug Tiger an und fuhr bellend gegen die geschloffene Thür, an der sich jetzt ein leises Klopfen ver­nehmen ließ. Der Meister stand kop'schüttelt auf. »Da­ist Keiner, bet» gut mit un« meint," murmelte er, »ich höre e» an Tiger- Gebell, aber wer kann- sein, ich habe doch hier keinen Feind!"

Er öffnete und fuhr beinahe erschrocken zurück; eine hohe Frauengestalt stand auf der Schwelle; tn dem kühlen Mondlicht sahen ihre schönen Züge an», als wären sie au« Marmor gemeißelt, und tn den großen blauen Augen sprühte e» unheimlich und hart klang die Stimme, die in wenigem, befehlenden Tone sagte: »Nehmt Euren Hund fort, et zerreißt mich ja!"

»Hat« ihr ou-reden wollen", fuhr Steininger fort, »ist fern aber nicht gelungen, sie hat wettet davon geplaudert ttttb auf ihre Reden hin haben ihn di- geistlichen Herrn ils Zauberer verklagt, fo baß er im Feuer fein Enbe ge« latfof Wöben hat. So haben sie mir- erzählt, al» ich viele Jahre .. / feilet nach Wien kam."

«Und wa» ist au« dem unseligen Kinde geworden?" -j ferscht- Rupert.

»Ein schöne«, stolze« Weib, da« einen v. Narsa gefreit w,* erwiderte Steininger.

»Narsa," fuhr Rupert ans, »so wäre Fräulein Marie" »$re Tochter," nickte der Steinschleifer, »ja, sie war zu ®*tn mit unserem gnädigsten Herrn v. Golltng und seiner Aemahltn bekannt geworden, die hatten Gefallen an der wnen Waise gefunden, zu Junker Sittich« Unglück und zu vieler Unruhe. Bin freilich selbst daran schuld!" Wofe er in bitterem Tone.

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Berlin, 4. Febr. Eine überau« umfangreiche Vorlage, Me dcm Bunbe-rat zugegangen ist, betrifft die Jmpf- , - kQAe. Die Vorlage ist wie folgt eingeleitet: »Die bei der Ausführung de« Jmpfges-tze« vorn 8. April 1874 gemachte 3üt2u '"''--knutn/i bn6 hl» mit

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