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Marburg, Sonntag, 1. Februar 1885.

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lobungSfest und Herr von Ravenstein besprach mit dem Doktor Berno verschiedenes über die Bestattung des Prtn« zen und die Verfügung über dessen hinterlassenes Vermögen, wovon der Prinz während seines fast zweijährigen Aufent­haltes auf dem Schlosse Ehrenstein kaum die Zinsen ver­ausgabt hatte. Die Vermögensfrage schien den Herrn von Ravenstein besonders peinlich zu berühren, zumal well darüber keine testamentarische Bestimmung von dem Prinzen getroffen sei.

Der Doktor zuckte zu dieser Frage auch die Achseln, aber beide Männer wurden bald von ihren diesbezüglichen Zweifeln befreit. Gertrud trat schüchtern heran und über­gab ihrem Vater da- geöffnete Kästchen, welche- ihr vor wenigen Stunden der Prinz geschenkt hatte.

Herr von Ravenstein warf einen Blick in da- Käst­chen, e» enthielt «in sorgfältig zusammengef ltete- Atenstück. Der Gutsherr nahm dasselbe heran», faltete e- auseinander und la». Die Urkunde des Prinzen war notariell beglau­bigte-Testament, welche- er wahrscheinlich erst vor wenigen Tagen in der Stadt hatte anfertigen laffen. Da» Testa­ment setzte Fräulein Gertrud von Ravenstein al« die Uni­versalerbin de» Prinzen von Girgenti ein, dreißigtausend Lire waren dem Herrn von Ravenstein als Entschädigung für die Pflege und Aufnahme de- Prinzen von Girgenti au-gesetzt und zehntausend Lire dem Doktor Berno al- be­sondere Gratifikation für die öftere ärztliche Behandlung de« verstorbenen Prinzen. Auch hatte der Prinz bestimmt, daß Gertrud nach dem Gutdünken ihres edelen Herzen» eine Summe an die Armen der Umgegend verteile, was auch geschah:

Mit dankbarem Erstaunen nahmen die Beschenkten die Gaben hin, die ihnen ein edeldenkmder Unglücklicher ver­liehen und verwandten sie würdig.

Der Prinz Amadeo von Girgenti hatte aber seinem Wunsche gemäß die Ruhe auf dem Stammschloß seiner Ahnen gefunden.

Tag (Bergwerken rc.) soll die Arbeitszeit 8 Stunden nicht überschreiten. Nachtarbeit und Arbeit an Sonn« und Fest­tagen ist verboten mit gewissen Au-nahmen. Art. 4 bc« Entwurfs enthält die Organisation der Behörden de» Rrich«- arbeitSamt», der Arbeitsämter, der Arbeitskammern und der Schiedsgerichte. Artikel 5 enthält die Strafbestimmungen. Da» Gesetz soll am 1. Juli 1886 in Kraft treten. Für die auf heute in der Kommission des Reichstag» angesetzte zweite Lesung de» Postdampfer«Gesetzes hat da- Zentrum seine in der ersten Beratung gestellten Anträge auf Speziali­sierung der Linien eingebracht; die Linie nach Afrika soll ganz gestrichen, Rotterdam, Antwerpen und Triest sollen al« Anlaufhäfen, bezw. Kopfstationen in dem Gesetze aus­drücklich bezeichnet werden. Das Zentrum beantragt ferner die Aufnahme einer Bestimmung, durch welche die Einsicht in die kaufmännischen und nautischen Bücher der subventio­nierten Unternehmungen dem Kanzler oder dessen Organe zustehen soll.Frhr. v. Gise (Zentr.) beantragt abermals bei dem Neubaue der in Fahrt einzustellenden Dampfer die Bevorzugung nautischer Werften bei deren Bau. Bebel und Dietz (Sozialdemokraten) beantragen, die Subventionö- summe von 4000000 Mk. auf 3750000 Mk. zu redu­zieren und sind für den Fall der Ablehnung ihre» Vorschlages für die Bewilligung von nur 3150000 Mk. Die Budget­kommission beendigte veu Postetat und setzte zur Erwerbung eines Bauplatzes in Stralsund die geforderten 175 000 Mk. ab; die übrigen Posten wurden bewilligt. Im Extra- ordinarium de- Auswärtigen Amte» werden die Forderungen für Reparatur de« Botschaftshotel- in Paris, für die Er­richtung einer Sommerrestdenz de« deutschen Botschafter» in Therapia, für den kaiserlichen Palast in Straßburg und die dritte Rate der Retchöbeiträge für den Zollanschluß Ham­burg- bewilligt. Schließlich wurde da» Etatgesetz genehmigt. Die Resolutionen der Abgg. Graf v. Hacke und Uhden, betreffend die Verlängerung der Steuerkredite von 6 aus 9 Monate für Zucker und Branntwein, werden abgelehnt. Die gestern von der Congo-Konferenz-Kommisston erledigte Deklaration, betreffend die Bedingungen bei Neuerwer­bungen in Afrika besagt, daß jede der Mächte, welche fortan an den Küsten des afrikanischen Kontinent« neue« Gebiet besetzt oder erwirbt, oder Protektorate daselbst übernimmt, den anderen Mächten eine hierauf bezügliche Notifikation zuzehen läßt behufs etwaiger Reklamationen. Ferner kennen die Siznaturmächle dir Verpflichtung an, in den olkupierten Gebieten eine hinreichende Autorität einzusetzen, um die erworbenen Rechte, sowie die Handel»- und Transit» freiheit zu schützen. Dem Vernehmen der ,B. P. N.' nach dürfte dem preußischen Abgeordnetenhauje ein Nach- tragöetat zugehen, dessen Forderungen in ursächlichem Zu­sammenhänge jnit der Ermordung dc» Polizeirats Rumpff

der Lraut ein kleine«, kunstvoll geschnittene» Kästchen als Angebinde.

Gertrud nahm das Geschenk de« Prinzen dankend an und man vermutete allgemein in demselben einen kostbaren Schmuck; daß vaS Kästchen etwa» Anderes enthielt, sollte man bald unter traurigen Umständen erfahren.

Während der Tafel, die zum Verlobung-feste stattfand, zeigte der Prinz von Girgemt sich auch noch ganz heiter und gesund, er trank auch einige Gläser Wein auf da» Wohl des verlobten Paares und war sogar gleich den ande­ren Festgenossen zu launigen Scherzen aufgelegt.

Aver gegen da« Ende der Tafel ergriff den unglück­lichen Prinzen der Dämon des Wahnsinn-, dem fein Leben verfallen war, und zwar geschah die- auf eine solche schau­derhafte Weise, wir man bisher noch nicht an dem Uu- glückichen beobachtet, hatte. Die Raserei schleuderte ihn fSrmitch zu Boden und die anwesenden Herren, sowie die herbeiellende Dienerschaft hatten große Mühe, den rasenden Menschen zu halten und au« dem Saale zu bringen. Und al- dann der Zustand der Erschöpfung bei dem Prinzen, den man auf ein Bett in seinem Zimmer gelegt hatte, ein- trat, konstatierte der Doktor zum Schrecken der Herren und Damen, daß der Herzschlag des Prinzen schwächer und schwächer werde und dessen Tod in kurzer Zeit eintteten müsse. Noch einmal versuchte der Arzt seine Kunst, aber eS war alle« vergeblich, noch keine Stunde war verflossen und der Prinz von Girgenti war tot. Fast alle An­wesenden weinten dem unglücklichen Fremdling eine Thräne nach und der Herr von Ravenstein sprach: ,WaS alleS auf dem Gewissen dieses Toten gelastet hat, wissen wir nicht, wir find alle Sünder, darum wollen wir beten, daß der gerechte Richter auch diesem Unglücklichen den ewigen Frieden verleihen möge!'

Traurig und niedergeschlagen beschloß man bat Ver­

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stehen. Abgesehen von einer Verstärkung de« Frankfurter PolizeipersonalS, welche zwar längst al» notwendig erkannt, aber mit Rücksicht auf die durch die Finanzlage bedingte Selbstbeschränkung der Staatsverwaltung zurückgestellt war, ist e« die finanzielle Sicherstellung der Hinterblieben des au« Anlaß seiner dem Vaterlande geleisteten Dienste er­mordeten verdienstlichen Beamten, welche erstrebt wird, und zwar soll dem Vernehmen nach zu diesem Ende den Hinter­bliebenen das volle Gehalt des gedachten Beamten auf Lebenszeit fortgezahlt werden. Ohne Zweifel wird das Be­streben, wenigsten» von den Angehörigen de» frevelhaft Ge­mordeten materiell nachteilige Folgen der Unthat fern zu halten, von allen Seiten al» ein berechtigte», al» eine Ehrenpflicht des Staate- anerkannt werden. Auf Tivoli haben die Berliner Demokraten gestern abend versucht, eine große" Anti-Kornzolldemonstration zu inszenieren. 20 Ab­geordnete und ein früherer, Herr Dr. Barth, waren nach dem Berichte desB. T.' dem schaulustigen Publikum, welche»etwa 1500 Manu stark' den Saal überfüllt haben soll, auf der Tribüne ausgestellt.Kräftig' sprach Herr Hugo Herme- die Versammlung an, um daun dem mit stürmischem Zuruf begrüßten Herrn Rickert al» Refe­renten da- Feld zu überlassen. Dieser schllderte natür­lich nach den Berichten der demokratischen Blätter in großen Zügen denJrrgang der neuen Wirtschaft-Politik'. Abgeordneter Hoffmann forderte zur Unterzeichnung von Anti- Kornzollpetitionen an den Reichstag auf. Herr Ludwig Löwe sprach kurz und bündig gegen die Jntereffenpolitik; sodann brachte ein Schuhmachermeister Weidmann eine Re­solution ein, zu der dann noch die Herren Virchow, der die Bildung einer,dauerhaften Liga zur Verbilligung de- Brote»' empfahl, Oekonomierat Hau-burg, Rechtsanwalt Munckel, Buchbindermeister Krebs und Landrat Baumbach sprachen, und die einstimmig nachdem sie von so sach­verständigen Herren befürwortet war in folgender Fas­sung zur Annahme gelangte:1. Die Versammlung hält die Erhöhung der Kornzölle für eine die breite Masse der Bevölkerung auf da- Schwerste schädigende Maßregel und hofft, daß die ReichötagSabgeordneten der deutsch-freisinnigen Partei alle« aufbieten werden, um die Interessen de» Volke« vor der zu gunsten einer Minderzahl größerer Getreide- Produzenten geplanten, künstlichen Brotverteuerung zu be­wahren. 2. Um der Bewegung gegen die Erhöhung der Kornzölle zu einem möglichst wirksamen Ausdruck zu ver­helfen, beauftragt die Versammlung da» einladende Komits mit der Bildung eine« Agitationskomitör au« allen Schichten der Bevölkerung. 3. Die Versammlung rät im übrigen dringend an, der drohenden Kornzollerhöhung gegenüber im weitesten Umfange vom Petition-recht Gebrauch zu machen.' Abg. Woermann veröffentlicht ein Schreiben

Der verwunschene Prinz.

Novell«- von Theodor Scheffel.

(Schluß.)

Als der Prinz aber von der bevorstehenden Verlobung Gertruc» erfuhr, schien in seinem Herzen Freude und Frohstem eingekehrt zu sein, denn der unglückliche Mann hing mit schwärmerischer Verehrung an der Feilte de« fyrtn von Ravenstein und zumal an dem schönen und lie- drnSivüroigen Burgfräulein, die in ihrem blühenden Dasein »ie ein Märchen des Glückes dem unglücklichen Prinzen et» Icheinen mochte. Er b gab sich auch noch vor der Ber- lvbung, begleitet von seinem Diener und einem Kranken- psl-ger, die der Herr von Ravenstein für den Prinzen von Girgenti und dessen dauerndem Aufenthalt auf dem Schlosse ^icnjieia engagirt hatte, nach der Stadt, um, wie er Nie, auch seinerseits der glücklichen Braut eine Freude zu bereiten.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Jan. Der Kaiser machte heute mittag tire einstüucige Spazierfahrt, erteilte nachmittag« dem Afrika- reisenden Flegel eine Audienz und konferierte hierauf längere Zeit mit dem Fürsten Bismarck. Der Bundesrat hielt am gestrigen Tage unter dem Vorsitz de« Staat-ministerS, Staatssekretärs des Innern v. Bötticher eine Plenarsitzung. Der Vorsitzende machte Mitteilung von dem Beschluß de» Reichstages zu dem Hansels- uns EchiffahrtSvertrage mit Griechenland vom 9. Jult/27. Juni v. I. Eingaben wegen Erhöhung dr« Zolls für Getreide und andere landwirt­schaftliche Erzeugnisse wurden den Ausschüssen für Zoll- rnib Steuerwesen und für Handel und Verkehr überwiesen. Bon der Vorlage, betreffend die den einzelnen Bundesstaaten bis Ende Dezember 1884 überwiesenen Beträge an Reichs Silber-, Nickel- und Kupfermünzen, nahm die Versammlung Kenntnis. Sodann erteilte dieselbe dem von Preußen vor- gclegten Gesetzentwurf wegen eines Zusatzes zum 8 12 de« Gesetzes Über Vie Erhebung der Tabaksteuer die Zustimmung und beschloß, dem Anträge de« Reichskanzler- entsprechend, die Ein- und Durchfuhr lebender Schafe au- Oesterreich- llngarn uns aus Rußland, sowie die Ein- und Durchfuhr frischen Fleische« von Schafen au« Rußland bi- auf weitere« ju verbieten. Enslich wurde über die geschäftliche Behand­lung mehrerer Eingaben Beschluß gefaßt. Die Reichs- Partei hat beschlossen, den Antrag einzu -ringen, der Reichstag »olle den Reichskanzler um Maßnahmen ersuchen, durch welche die Reuhsbank für die Befriedigung des Kredübedürf- uisses des Han.weekerftandeS und der kleineren Grundbesitzer in erhöhtem Maße nutzbar gemacht werden kann. Die Sozialdemokraten haben heute im Reichstage ihren Entwurf eines Strberterschntzzejctzes eingebcacht. Derselbe untersagt die Herstellung gewerblicher Erzeugnisse in Straf» und Ver- sorgungSanstrlten für Privatunternehmer, regelt das Ver­hältnis der Arbeitnehmer (einschließlich der Lehrlinge) zu den Arbeitgebern, wozu eine obligatorische Arbeitsordnung eingesührt werden soll, welche von Bezirk«arbeitSkammeru f-jigeflellt wird, in denen den Arbeitern Sitz und Stimme justchl. Die Arbeitszeit wird täglich auf höchsten« 10, Sonntags auf 8 Stunden festgesetzt. Bei Arbeiten unter

Mk- Für die Monate Februar und Mürz nehmen a(Ie Postanstalten Bestellungen auf die

Oderhefstsche Zeitung

nebft ihren wöchentlichen Beilagen entgegen.

Soweit der Vorrat noch reicht, wird der Wandkalender U 1885 beigegeben.

Die Gxp. I. Oberh. Zeitung.

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^scheint täglich außer an Aeriiagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- LdonnementS-Preis bei der Spedition 2*A Mk., bei FL Postämter 2 Mk. 50 fau (excl. Bestellgeld), »»sertionsgebühr für die gehaltene Zeile 1» Pfg. »eklamen für die Zeile * »5 Pf«.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVoaler in Frankfurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosse in Frankfurt a. M., Berlin,München und Köln: G. L. Daube und To. in Frankfurt a. Ul., Berlin, Hannover u. Paris.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sountagsblatt

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

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Der Tag de« Verlobung«festt« für Gertrud von Raveu- strin und den Barou von Funk kam inzwischen heran. Die Feier fand im engsten Familien- und Freundeskreise Uatt. Äußer den Eltern und dem Brautpaare waren nur Brüder Gertrud« die Leutnant« Arno und Max von l« Ravenstein, der Doktor Berno uns der Prinz von Gir- 8<ntt bei dem Feste zugegen.

1 Der letztere schien an diesem Tage seine Traurigkeit ab- Megt zu haben, denn er plauderte so heiter und lebhaft wie »ie zuvor feit seiner Anwesenheit im Schlosse. Nächst dem vrampaare widerfuhr dem Prinzen von Girgenti auch die «eiste Ehre während des Feste« und er wurde von allen Auszeichnungen behandelt. Mit Anmut und Würde «verreichie er auch, als Herr von Ravenstein nach alter Sitte dem Kreise der Verwandten und Freunde die Ver- srian Tochter mit dem Baron Funk proklamierte,

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