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Juarfiurg, Sonnabend, 31. Januar 1885.
XX. Jahrgang.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach vonn- und «eierlagen. — Quartal- «bonnementS-Preis bei der Expedition 8V* Mk, bei U Postämter 2 Mk. 50 -7g (excl. Bestellgeld), qnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. »eklamen für die Zeile 25 Pf».
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Oberhessische Zeitung
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Soweit der Vorrat noch reicht, wird der Wandkalender für 1885 beigegeben.
Die Sxp. d. Oberh. Zeitung.
Deutsche- Reich.
Berlin, 29. Jan. Der polnische Sprachantrag nebst sämtlichen UnteranhSgcn im Reichstag wurde von der be- trcffenden Kommission in erster Lesung abgelehnt. — In der Budgetkommisston des Reichstags wurde heute die Beratung des Posietats fortgesetzt. Zum Neubau de- Post- gebäudeS in Elbing wurden als erste Rate statt der ge» forderten 93 900 nur 80000 Mk. bewilligt. Zur Herstellung eines neuen DienstgebäuveS auf dem Postzrundstück Dränten« bnrgerstraße 70 in Berlin werden als erste Rate 150000 Mk. gefordert, hier wurden nur 130000 Mk. bewilligt. Die für Stettin zum Neubau eines PostgebäudeS geforderte erste Rate von 100000 Mk. wurde abgelehnt, ebenso die für Lingen geforderten 70000 Mk. und die für Weißenfels gefeierten 80000 Mk. Abgelehnt wurden ferner die zum Ankauf des Grundstück« Leipzigerstraße 17 in Berlin geforderten 281500 Mk. — Die Psstsparkaflenkommtsston des Reichstags, die am Dienstag Abend ihre erste Sitzung abhielt, beschloß die Vorlage einer zweimaligen Lesung zu unterziehen. Äußer den Anträgen der Ab^g. v. Manteuffel uns v. Schalscha lag ein Antrag des Abg. Schenck vor, wonach die Reichsregierung cufgefordert werden soll, an Stelle des jetzigen Entwurf« ein Gesetz cu-zuarbritrn, durch welches die Post Verwaltung ermächtigt wird, ihre Organe den bestehenden kommunalen und Privatkassen al« Annahme-, AnszahlungS- und Uebettragungsstellen auf Wunsch dienstbar zu machen. Nach beinahe dreistündiger Generaldebatte wurde die weitere Verhandlung vertagt. — Die Stellung der Lohuschreiber bei den Gerichten, welche seit der Justizorganisation von 1879 infolge der Aushebung der fixierten Remunerationen eine sehr ungünstige war, soll nach dem neuen Justtzetat wieder wesentlich amgebeflert werden. Zur Zeit erhalten die Schreiber die geringe Remuneration von 5, 6 und 7 Pf. für jede Seite Schreibarbeit. Nachdem von feiten der Interessenten seit langer Zeit lebhafte Klagen über die Unzulänglichkeit dieser Sätze laut geworden und sogar Petitionen an da« Hau« der Abgeordneten gerichtet waren, haben sich neucrding» auch sämtliche Oberlandesgerichte übereinstimmend dahin ausgesprochen, daß dir jetzigen Verhältnisse in der That nicht länger haltbar sind, und unter diesen Umständen kann, wie der Etat sagt, die Verbesserung der Lage der Lohnschreiber nicht länger ausgesetzt bleiben. ES wirv daher beabsichtigt, den Maximalbetrag — 11 ui ir■ - ——-.....—■ —i -~mrnrranrnranTi
Der verwnaschene Prinz.
Novelle vonTheodorSchefsel.
(Fortsetzung.)
Da« ebenso schöne als liebenswürdige Edelfräulein hatte da« Herz eines ihr vollkommen ebenbürtigen Manne« erobert, den sie während eine» längeren Aufenthaltes in der Residenz kennen gelernt hatte, und nun handelte es sich um nicht« mehr und nichts weniger al« um eine offizielle Verlobung.
.Der Vater und ich haben nicht« gegen Deine Verbindung mit dem Premier.Leutnant Baron von Funk/ sagte jetzt Fran von Ravenstein mit bemerkbarem Nachdruck zu ihrer verschämt utederblickenden Tochter. .Baron von Funk wird ein Deiner würdiger Gemahl fein, dessen find vir sicher. Er hat einen guten Ruf, ist vortrefflich ange» schrieben bei feinen militärischen Vorgesetzten, wird also eine leidliche Karriere machen und er gilt auch als vermögend. Prüfe aber auch Du Dein Herz, ob Du diesem Mann für« ganze Leben in Liebe und Treue angehören magst.*
Gertrud errötete lief und sagte keine Silbe. Die« war für die Mutter der genügende vewei«, daß ihre sittsame Tochter die Bewerbungen de« Baron« von Funk mit einer wahrhaften Liebe erwiderte.
Nach einer kleinen Pause sprach Frau von Ravenstein, tinen prüfenden Bück auf Gertrud« Antlitz werfend, wieder: »Hast Du aber auch erforscht, liebe« Kind, ob der Baron sich in keiner Beziehung einer Täuschung in bezug auf seine beabsichtigte Verbindung mit Dir hingtebt? Vielleicht denktj er, Du wärest eine reiche Partie. Reich sind wir aber nicht, sonsern nach den Begriffen der heutigen Welt kaum wohlhabend zu nennen. Du hast auch zwei
des KopialiensatzeS auf 8 Pf. zu erhöhen und in Au»« nahmefällen auch ein HinauSgehen über diesen Satz zu gestatten, zugleich aber älteren und verdienten Lohnschreibern ein monatliches Minimaletnkommen von 60 Mk. zu garantieren. Die Mehrausgaben, die hierdurch sowie auch durch das infolge der Einrichtung der Gericht-kosteu vermehrte Schreibwerk erwachsen, sind im ganzen auf 350000 Mk. veranschlagt. — Wie der „Allg. Ztg." vermutungsweise gemeldet wird, hat der Kaiser von feinem Begnadigungsrechte gegenüber den wegen des Dynamit - Attentats auf dem Niederwald zum Tode Verurteilten: Reinsdorf, Rnpfch und Küchler keinen Gebrauch gemacht; die Hinrichtung der Verbrecher würde somit bevorstehen.
— Die „Nsrdd. Allq. Ztg." schreibt: Die Opposition vom 15. Dezember v. I. hat sich neuerdings gewaltig in die Brust geworfen, um der durch ihr Votum erzeugten Volksbewegung gegenüber Haltung zn gewinnen. Die bei dieser Gelegenheit in Szene gesetzte moralische Entrüstung kulminiert in der Aeußerung de« Abg. Wtndthorst, welcher die Protestbewegung al« eine „revolutionäre" gekennzeichnet wissen wollte. Diese Behauptung würde, wenn sie unbestritten bliebe, die Summe der Fiktionen und konventionellen Ansprüche, welche in den Kodex der parlamentarischen Ordnung ausgenommen worden sind, in der allerbedenklichsten Weise erhöhen ; denn sie beansprucht nichts weniger, als daß jeder Beschluß des Parlament« über aller Kritik erhaben bleiben müsse. Es liegt auf der Hand, daß dieser Anspruch in abstracto wie im konkreten Falle vollkommen unberechtigt ist, und mau würde die Erhebung desselben für völlig unbegreiflich halten, neigte man sich parlamentarischerfeit» nicht gar zu leicht zu der Illusion, daß die volle Autorität der gesetzgebenden Gewalt bim Parlamente zufalle, während dasselbe doch nur der eine Faktor dieser Gewalt ist und ein Gesetz erst durch Uebetdnftimmung der beiden Faktoren zu Stande gebracht werden kann. WaS würde man vom BundeSrate sagen, wenn derselbe jede außerparlamentarische Kritik der von ihm beratenen und beschlossenen Gesetzes- Vorlagen von der Hand weisen wollte? Und Herr Windt- horst findet eS revolutionär, wenn sich da» VolkSgewiffen gegen ein Votum de« Reichstags auSspricht, welche» nicht einmal eine abschließende Bedeutung hat, sondern erst daS zweite Stadium der Gesetzesberatung beschritt, also gerade da« Stadium, welche«, weil e» der definitiven Entscheidung vorhergeht, die nochmalige ernsteste und allseitige Erwägung aller in betracht kommenden Momente zur Pflicht macht. Unbequem und darum unangenehm mag dem Herrn Windt- horst, sowie der Majorität vom 15. Dezember e. I«. die durch da« ablehnende Votum hervorgerufene Bewegung allerdings gewesen fein; aber hauptsächlich wohl au« einem Grunde, zu welchem man sich am wenigsten offen bekennen wird. Durch die Protestbewegung ist nämlich dem Fraktionswesen und seinen taküschen Künsten ein empfindlicher Stoß versetzt worden, welcher den Spielraum für die freie Uebung
Brüder, die al» Offiziere im aktiven Dienst am Geldbeutel de« Vater« zehren. Um bei einiger Sparsamkeit standesgemäß leben zu können, so viel erhältst Du allerdings zur Mitgift, aber mehr nicht."
„Bavon von Funk hat mir niemals Ursache gegeben, zu gl üben, daß er auf eine sogenannte „reiche Partie" spekuliere," erwiderte Gertrud sanft, „er wird mit dem zufrieden fein, wa« wir haben, er ist ein Ehrenmann."
„An der letzteren Eigenschaft zweifeln wir bei Ihm gar nicht, aber eine Osstzierehe kostet Geld, viel Geld und wenn e» nicht in genügender Menge vorhanden ist, können die Herren Ehemänner sehr verdrießlicher Laune werden, zumal die Offiziere nicht viel thun können, um ihr Einkommen zu verbkffern. Ich halte e» daher für gut, daß wir in dieser Beziehung ein deutliche» Wort mit Herrn von Funk sprechen. Er hat heute ein Bewerbungsschreiben um Deine Hand unS gesandt, der Vater wird ihm bejahend antworten, aber ihm auch gleichzeitig Klarheit über unsere Ver- mögensverhältniffe gehen. Hältst Du e» für notwendig, so schreibe auch Du an den Baron einige Zellen in dieser Angelegenheit. Ist et mit dem zufrieden, wo» wir Dir jährlich sicher als Rente geben können, so ist ja alles gut und Ihr könnt Verlobung und Hochzett noch in diesem Jahre feiern."
„Meine teuere Mutter," rief Gertrud entzückt und umarmt und küßte die Mutter, „wie ich den Baron kenne wird er zufrieden fein, tausend Dank für Deine und bet Vater« Güte. Ich will indeffen doch einige Zellen an ihn schreiben und diese dem Briefe de« Vater» beilegen."
So geschah e» auch, aber bi» zur Antwort de« Baron» von Funk verflösse« für die Famllie bei Herrn von Raven-
derselben in Zukunft möglicher Weise wesentlich zu beschränken vermögen dürfte. Die Nation hat offenbar kein Herz und kein Verständnis für diese Kunst, welche widerstrebende Elemente zu einem gemeinsamen Akte zusammen- führen, welcher wiederum zu ganz verschiedenen Zwecken auSgenützt werden soll. Die Nation will, daß die an da» Parlament herantretenden Fragen nach den in ihnen selbst liegenden Motiven gewürdigt werden, nicht nach der Parteikonnivenz oder dem Jntereffe der Parteileitung. Wenn aber der Widerspruch deS Volk-gewiffenÜ dem Votum vom 15. Dezember mit ganz besonders scharfer Accentuierung entgegen trat, so konnte dies um so weniger überraschen, als ja nicht verborgen bleiben konnte, daß die ParteidiS- ziplin ihr äußerstes hatte leisten müffen, und die Partei- genoffen an ein Votum zu binden, in welchem die Nation eine Versündigung an der nationalen Politik erkennen zu müffen glaubte, da derselben die Mittel zu ihrer Durchführung versagt werden sollten. Vielleicht war eS schon damals nicht allen, welche zu dem Majoritätsvotum mitwirkten, voller Ernst mit der definitiven Ablehnung; vielleicht »ar nur eine Demonstration beabsichtigt, und die Nation hat den Witz derselben nicht verstanden; oder — nicht so verstanden, wie Herr Wtndthorst. Sie hat sich rund und voll für loyale Förderung der Reich-politik au«- politik ausgesprochen; und darin sollte eine revolutionäre Tendenz zu finden fein?
Ulm, 26. Jan. Durch Vermittelung deS Reichstagsabgeordneten von Fischer ist folgende Eingabe von Geschworenen der SchwurgerichtSsitzungm des 4. Quartal« 1884 in Ulm an den Reichskanzler Fürsten von Bismarck abgegangen : „Die Unterzeichneten bitten ergebens! um eine geneigte Prüfung und Berücksichtigung des nachfolgenden Vorschlag«, betreffend die Feststellung der Geschworenenbank für die einzelnen Verhandlungen vor Beginn der Session und die Einberufung der Geschworenen zu denjenigen Fällen, bei welchen ste Dienst zu leisten haben. Die bisherige Aufstellung der Geschworenbank je vor der einzelnen Verhandlung hat zur Folge, daß die Geschworenen durchschnittlich fünfmal beim Beginn der Sitzungen anwesend sein müssen, um zweimal Dienst zu leisten. Die Folge ist, daß Ge- schworene oft wochenlang von Haus und Geschäft abwesend sein müffen, um nur während eines kleinen Teile» dieser Zeit zur Dienstleistung herangezogen zu werden. Diese, den heutigen Zeitverhältniffen offenbar nicht entsprechende Einrichtung könnte durch den oben erwähnten Vorschlag leicht ersetzt werden, indem da» Ablehnungsrecht der Angeklagten bezw. der Verteidiger und der Vertreter der Staatsanwaltschaft auf schriftlichem Wege und zwar vermittelst der Geschworenenlisten, welche von den Geschworenen bis zu einem gewissen Termine auszugeben und einzuziehen wären, au-geübt würde. Die Zusammensetzung der Ge- schworenenbank und die Einberufung für die einzelnen Fälle der Session, sowie für Nachtragsfälle würde sodann auf
stein doch einige besorgte Tage. Endlich traf aber die Antwort ein, sie lautete bejahend und der Baron sprach zugleich den Wunsch au«, daß am nächsten Sonntag die Verlobung stattfinden sollte.
Eine höhere Freude hielt nun ihren Einzug auf Schloß Ehrenstein, wo e» eine glückliche Braut gab und alle mit Wohlwollen auf Gertrud von Ravenstein« Glück schauten. Die Sonne diese- Glück erheiterte, erwärmte ja auch das öde Herz des einsamen Unglücklichen, des Prlnzm von Gir- genti, der feit nun ziemlich zwei Jahren in stiller Zurück, gezogenheit auf dem Schlöffe Ehrenstein lebte. Der Prinz schleppte fein Dasein mit sichtlicher Mühsal dahin. Fast immer war er schweigsam und traurig im Schlöffe, auf seinen weiten Spaziergängen und selbst auf feinen kleinen Reisen in die Nachbarorte. Nur die halbe oder ganze Stunde, die er täglich in der Familie seine» Gastgeber«, de« Herm von Ravenstein, zubrachte, schien der Prinz zufrieden und fröhlich gestimmt zu sein, wahrscheinlich war bie* aber auch nur die Folge seiner angeborenen oder anejgfo neu vornehmen Lteben-würdigkett, der scharfe bemerkte stet» in dem Antlitze de» Prinzen ' Schwermut, die nie wirklich dem Frohste ™' und blieb ein unglücklicher Mann.
Häufig hatte der Prinz auch >ne ^ffmebr B welche die Kräfte feine» Köp^» elenbm
mehr aufrieben und ihn ^r,8e $a.fle „
Dasein verdammten. .« 8«N bergab mit mir, sagte « bann wenn er wie»-* einigermaßen genesen war, zu dem
.°°d S>- ml» b«t. bin tragen kffeu können, wo meine Ahnen schlafen.
(Schluß feist)