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Rothwestttt, 27. Jan. Da« von Herm Baron Wattz von Eschen veranstaltete Treibjazen, an welchem etwa 20 Schützen teilnahmen, hatte einen so überau« günstigen Verlaus, daß 95 Hasen zur Strecke gebracht, werden konnten. Unter den Jägern waren einige, welche bi« zum Dutzend glückliche Treffer aufzuweiseu hatten. Da« herrliche Frostweller begünstigte die Zagdsreude ungemein. Nun können die Flinten ruhen bi« Ocult. (Ä. A. Z.)
Her-fel-, 26. Jan. Ein seltene« Jagdglück hatte am vergangenen Freitag Herr Forst-Reserendar (sie« dahier. Derselbe erlegte in der Obrriörstrret Hrr-seld, Schutzbeztrk Silter«dorf, von einem Stand innerhalb 5 Minuten zwei parke Sauen und einen Fuch«. Dieselben lagen sofort Im Feuer und etwa 3 Meter von einander.
Biedenkopf, 27. Jan. Bei einer gestern im Distritt Hirschberg, Gemarkung Combach, stattgehabten Treibjagd halte Herr Regierungsbaumelster Unger, zur Zeit zur KarlShütte, da» in hiesiger Gegend gewiß seltene Glück, einen Kapitalhirsch (ungraden Zwölfender) durch zwei wohl- gezielte Schüffe zu erlegen.
Frankfurt, 27. Jan. Da« hiesige Polizei-Präsidium hat dre hiesigen und au«wärtigen Zeitungen ersucht, über dm Gang der Untersuchung keine Mittellungen zu machen, da dieselben störend auf den ersteren wirken und Verdächtige warnen können. Diese« Ersuchen hat seine unzwetselhasteste Berechtigung; da aber da« erregte Publikum andererseit« mit Spannung Nachrichten erwartet, ob der Verbrecher oder ob Mitschuldige in die Hände der Justiz gefallen sind, so wäre zu wünschen, daß da« Königl. Poltzeiprästotum in Frankfurt selbst da«jenige, wa« c« ohne Gefahr für die Fortführung der Untersuchung bekannt machen kann, veröffentlichte. Dir« ist heute bereit« insofern geschehen, al« da« Polizeipräsidium den hiesigen Blättern mitgetrtlt hat, «daß der in Hockenheim bei Mannheim verhaftete Schuhmacher Juliu« Lte«ke au« Zossen (Prov. Brandenburg) schwer belastet ist." — Da« ,Berl. Tagebl." brachte von hier folgende auffällige Depesche, welche wir mit allem Vorbehalt wtedergeben: »Der Bruder de« in Hockenheim Verhafteten hat bekannt, daß dieser der Mörder de« Polizeirats Rumps sei. Der Verhaftete heißt Juliu« Lte«ke und stammt au« Zoffeu in der Mark Brandenburg. Er ist seine« Zeichen« Schuhmacher und war schon seit 3 Jahren von der Hetmat fern. Er kam von der Schweiz, wohin er auch jetzt zu Fuß wieder zurück wollte. Die That geschah im anarchtplschen Auftrag. Der Mörder ist ein mittelgroßer, bartloser Mann von 27 Jahren. Die Polizei wird in den nächsten Tagen da« ganze Belastungsmaterial veröffentlichen."
Homburg v. H., 26. Jan. Der Kaiser hat für die Renovterungsarbeitin an der Saalburg einen Betrag bi« zu 17 400 Mart bewilligt.
WilVuuzett, 26. Jan. E« geht hier da« Gerücht, schreibt mau ver,H. Morgenztg.", daß man höheren Ort« augenblicklich der Frage eine« Wetterbaue» der erst kürzlich vollendeten Bahnstrecke Wabem-Wtidungen durch da« ganze Eodrrthal bi« nach Berleburg bezw. bi» Stegen näher trete. Man halte diese Strecke für sehr wichtig, nicht nur hinsichtlich de« Verkehr« or» fast gänzlich avgefchloffenen Sauerlandes mit der Provinz Hessen-Naffau, al« auch namentlich in mllttärischer Beziehung, insofern eine dirette Verbindung (ourch den Anschluß an die rhetnifchen Bahnen) mit der Westgrenze Deutschland« hervetgesührt werbe. Bet der näheren Erörterung stoße man nur auf manche Trrrain- schwlerigkeiten.
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— Wie e« in Ungarn zugeht, da« charakterisiert sich wieder einmal recht scharf durch ein Begebnw, da« wir nur in seinen Hauptzagen kurz and-uteu wollen. Bet der Gattin d.« Gertchtsprästoenten Peter Papphazt in BeregSzasz erschien dieser Tage, während ihr Mann abwesend war, eine Botin, welche der Dame einen Bries überbrachte. Während Frau Papphazt den Brief M, zog die Botin, dir in Wahrheit nicht« Andere« war al« ein gedungener weiblicher Meuchelmörder, eine Pistole hervor ■no schoß die Prästventeugattin nieder. E» ist gelungen, die Mörderin zu verhaften. Angestiftet ist dir Mordthai augenscheinlich durch die Infolge ihrer Ausschreitungen geschteoeue Frau von Papphazt» AmtSvorgSnger, welche eine Zett lang tn empörender Weffe die Stelle der nunmehr Ermordeten eingenommen hatte, bi» e« dieser gelungen war, ihre mit Füßen getretenen Rechte wieder zur Geltung zu bringen. Bon der Hand jener schändlichen Nebenbuhlerin stammte der Brief, den oie Mörderin ihrem unglücklichen Opfer überbrachte.
Reichstag.
Berlin, den 27. Januar.
(35. Pleuar > Sitzung.) Die Etatsberatung wurde im Etat oer Zölle uno Verbrauchssteuern bei der Branntweinsteuer und Ueberganglabgobc von Branntwein fortgesetzt. Der Etat pro 1885/86 weift au» 36 527 000 Mk. (gegen den lausenden Etat mehr 601100 Mk.).
Zu dieser EtaUpostitoa liegen vor 1. ein Antrag de« «ibg. Dr. Buhl (nai.dib.), wonach die verbündeten Regierungen ersucht werden sollen, dem Reich<tage mit möglichster Beschleunigung einen Gesetzentwurf Über Erhöhung der Branntweinsteuer vorzulegeu, in welchem die Jntereffeu besonder« der kleinen landwirtschaftlichen Brennereien eine Entsprechende Berücksichtigung finden. Ferner 2. vom Abg. Ahden (oemschkoas.) rin Antrag, den Herrn Reichskanzler
zu ersuchen, dahin wirken zu wollen, daß für da« vom 1. September 1884 begonnene BetriebSjahr bi« dahin 1885 die Frist für die Entrichtung der Branntweinsteuer von sech« auf neun Monate verlängert werde.
Der Referent der Budgeikommisston, Abg. v. Wedel!- Malchow, beantragte die unveränderte Bewilligung de« Voranschläge«. Nach einer auf Anfrage In der Kommission feiten« der Regierung«vertreter abgegebenen Erklärung sei die Regierung mit einer Reform der Branntweinsteuer zur Zeit nicht beschäftigt.
Abg. Dr. Buhl (nai.-lib.) betonte bei Begründung seine« Anträge«, daß bei der finanziellen Lage deS Reich« unbedingt höhere Erträge au« dieser Steuer, nach dem Vorgänge anderer Staaten, gezogen werden müßten; dabei ver- kenne er keineswegs die Bedeutung der SpirituSiudustrie für die nordöstlichen Provinzen de« Reich«. Er wolle darum auch nicht die Einführung der Fabrikatsteuer befürworten, sondern e« bei dem bestehenden System (Maischraumsteuer) belaffen. Er glaubt die Abhülfe in einer Zusatzsteuer zu einem bestehenden System erkennen zu können. Wenn der Konsum im Jnlande auch durch die erhöhte Steuer etwa« verringert werden sollte, so »erde da« nur ein moralischer Gewinn sein.
Abg. Uhden (denlschkons.) bittet, seinen Antrag der Buvgetkommisston zu überweisen. Wa« der Abg. Dr. Buhl unter .kleinen landwirtschaftlichen Brennereien" verstehe, sei nicht recht ttar, jedenfalls habe derselbe nicht angegeben, wie denselben geholfen werden solle. Er bekämpft überhaupt den Antrag und die Ausführungen de« Vorredner« in eingehender Weise. Die Spiritn«tndustrie befinde sich zur Zeit In einer Notlage, so daß eine Erhöhung der Steuer nicht gerechtfertigt wäre.
Staat«sikretär de« Reichsschatzamt« von Burchard erklärte, daß die Reichsregierung sich allerding« mit der Reform der Branntweinsteuer bisher mehrfach beschäftigt habe doch sei da« zur Zeit nicht der Fall. Wenn der Antrag Buhl angenommen werden sollte, würden die verbündeten Regierungen denselben in reifliche Erwägung ziehen; der Antrag de« Abg. Uhden werde ja wie der gestrige analoge de« Abg. Gras v. Hacke in der Budgetkommission zu eingehender Erörterung führen. Im Uebrigen bestreitet er, daß da« Reich Exportprämien für Spiritu« zahle.
Abg. Dirichlet (deutschfr.) bestreitet da« letztere; die Steigerung der Nettoeinnahme beweise durchaus nicht«. Demnächst erklärte er sich gegen beide Resolutionen.
Abg. Fürst v. Hatzfeldt-Trachenberg (Reichspartei) stellte sich dem Anträge de« Abg. Buhl durchaus fympathifch gegenüber. Die ganze Steuerreform müffe gerade mit der Spiritussteuer ihren Anfang nehmen, sowohl aus fiskalischen wie moralischen Gründen. Wie die Reform vorzunehmen sei, darüber wiffe er allerding« nicht« Bestimmte« anzugeben. Deshalb hätten eben seine Freunde einen Enquote-Antrag gestillt (der heute nicht zur Debatte steht.) Die Einführung einer Konsumsteuer möchte aber, wie anderwärts, auch wohl bei uns möglich fein.
Bunde«bevollmächtigter Staat-min ster Dr. Lucius wie« darauf hin, daß die Spiritusindustrie für die ärmeren Gegenden dieselbe Bedeutung habe, w e in den reicheren die Zuckerindustrie. Beide seien durch unser Steuersystem groß geworden. Die Einführung der Fabrikatsteuer würde besonders für dir armen Gegenden verhängnisvoll werden, da sie die Konkurrenz der rübenbauenden Gegenden Hervorrufen werden. Gegenüber den anderwärt» gewährten Expoitprämien fei die heimische Industrie in einer sehr mißlichen Lage.
Abg. Köpfer (Volkspartei) befürwortete eine Petition au« Süddeutschland, betr. die Erhebung der UebergangS« adgabe auf Branntwein. Regierungskommiffar Geh. Rat B o c c i u S stellte die Erwägung derselben selten« de« Bundesrat« in Aussicht.
«bg. v. Schalscha (Zentrum) beleuchtet Vie Frage hauptsächlich vom Gesichtspunkte der dringenden Beschränkung der Trunksucht. Höhere Erträge au« dieser Steuer, wie sie der Antrag Buhl wolle und deffen Tendenz er zustimme, müßten aber zur Kompensierung anderer Steuern verwendet werben.
Abg. Heine (Soz.) hielt dafür, daß alle vorge- schlagrnen Mittel, um den Übermäßigen SchnapSgenuß zu beschränken, fruchtlo« sein würden, so lange man nicht die allgemeine soziale Lage der arbeitenden Klaffen werde vrr- beffert haben.
Abg. v. Kar dorff (Reich-Partei) wie« den Ausführungen des Abg. Dirichlet gegenüber statistisch nach, daß e« sich bei den Jntereffeu der Zucker- und Spiritusindustrie nicht um eine winzige Minorität, sondern um das Wohl weiter Bolk«kreise handle. Die Notlage unserer Spiritu«» Industrie habe ihren Grund darin, daß ihr die Exportprämie fehle und daß sie de«halb von fremden Märtten «»«geschloffen sei.
Abg. Dr. Buhl (naillib.) rechtfertigte gegenüber verschiedenen Angriffen der Vorredner seinen Antrag. Die Kritik, die an demselben geübt worden, hätte die Berechtigung seine« Anträge« sogar anerkannt.
Abg. Uhden (deutschkons.) konstatterte, daß er sich nicht gegen jede Erhöhung der Maischraumsteuer erllärt habe, sondern nur gegen eine Erhöhung unter den bestehenden Exportverhältuiffen.
Der Etat«titel wurde darauf bewilligt, der Antrag de« Abg. Uhden au die BndgeUommisston verwiesen; der Antrag de« Abg. Buhl wird dagegen erst in der dritten Lesung zur Abstimmung gelaugen. Die vrausteuer sowie die Aversen wurden nach den Voranschlägen debattelo« bewilligt.
E« folgten Wahlprüfungen. Dir Wahlen der Abgg. v. Bernuth, v. Saldern - Ahlimb, Lerche, Bock (Minden), Ulrich, Nirbour, Scheffer, Graf Bismarck, Oechelhäuser, Dr. Horwitz, Buderu«, v. Earlowitz und Gottburgfen wurden für gültig erllärt.
Schluß der Sitzung 4'/i Uhr. Nächste Sitzung Mitt- woch 1 Uhr. (Initiativanträge.)
8 « « 51 a g.
Berlin, 27. Januar.
Da« Abgeordnetenhau« setzte die Etatsberatung bei dem Etat der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung fort. Im allgemeinen gab der Etat zu besonderen Ausstellungen keine Beranlaflung, nur von einem Redner wurde die Befürchtung ausgesprochen, daß die Voranschläge de« Etat« nicht erreicht werden möchten. Jade« wurden an diesen Etat Klagen über den Rückgang der Kohlenindustrie geknüpft und dir Notwendigkeit der Vermehrung unserer Wafferstraßen und der Herabsetzung der Eisenbahntarife im Jaterrffe dieser Industrie darzulegen gesucht. Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten erkannte diese Klagen für gerechtfertigt an, dieselben beschränkten sich inde« keine»- weg« auf Preußen, sondern würden in allen Ländern erhoben. Bezüglich de« Kanalbaue« stehe er noch auf seinem früheren Standpuntte, wonach e« nötig, denselben auf eine weitere Bast« zu stellen. Er wünsche auch eine solche Vorlage möglichst bald dem Landtage unterbreiten zu können, und versichere, daß hierbei nicht lediglich finanzielle Ge« fichtSpunkte, sondern auch die Erwägung leitend sein werde, daß der Wohlstand de« Lande« gefördert werde. Der Etat selbst wurde genehmigt, desgleichen debatteloS der Etat de« Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten. Auch an den Etat des Finanzministeriums knüpfte sich nur eine kurze Debatte, die sich darauf beschränkte, daß der Abg. Dr. Reichensperger (Köln) den Mangel einer Position zur Fortsetzung der Restauration«arbeiten der Marienburg im Etat bellagte. Morgen Initiativanträge.____________________
Telegraphische Depeschen.
Äem, 27. Jan. Die Kammer verhandelte Interpellationen betreff« der Kolonialpolitik. Mancini erklärte, Italien könne im Kampfe der Zivilisation gegen die Barbarei nicht unthätig bleiben. Die Regierung sei entschlossen; innerhalb bescheidener Grenzen koloniale Politik zu betreiben, vorausgesetzt, daß dieselbe für die ökonomische und politische Entwicklung de« Lande« nützlich sei. Die Regierung werde die bestehenden Rechte anderer Nationen respektieren und rechne auf die thättge Mitwirkung de« HandelSstandeS. Die Versuche würden durchau« im Verhältnis zu den Kräften Italiens stehen. Der Minister wies hin auf die hohe Wichtigkeit des roten Meeres für Italien, namenüich mit Rücksicht auf die Behauptung der Stellung Italien« am Mittelmeer und auf die Erhaltung de« Gleichgewicht« daselbst; jede Störung desselben würde Italien entschieden ablehnen. Der Minister widerlegte die Annahme, daß Italien eine gefährliche Eifersucht Englands Hervorrufen könne. Da« Kabinett habe, ohne der Allianz mit den Zentralmächten untreu zu werden, ohne ein große« Risiko zu übernehmen, e« verstanden, eine Freundschaft mit Eng- land herzustellen, die sich aus die Gemeinsamkeit der Anschauungen und eine Aktion im gegenseitigen Jntereffe stütze. Die Eongoexpedition sei nur für einige Wochen aufgeschoben, die Regierung bedürfe der warmen Unterstützung der Kammer, andernfalls würde sie entgegengesetzten Be« schlüffen sich zu fügen wissen. Der Krleg«minister glaubt, die erste Expedition werde genügin; sollte eine Expedition in« Innere notwendig werden, würde noch ein Bataillon nach Affab geschickt werden.
Rom, 27. Jan. Die Kammer genehmigte die Eisenbahnkonventionen bi« Artikel 41 und verwarf mit 165 gegen 92 Stimmen da« von der Regierung abgelehnte Amendement Baccarini« über den Ankauf des Material« der Gesellschaften beim Austausch der Konventionen.
Parts, 27. Jan. ,TempS" konstatiert, daß nach dem Eintreffen der Verstärkungen die gesamten militärischen Streitkräfte, über welche Brlöce uns Eourbet verfügen, einschließlich der annamitischen TirailleurS 40000 Mann betragen.
Kiew, 27. Jan. Die Universität ist gestern wieder eröffnet worden. Der Kurator de« hiesigen Lehrbezirks hielt eine Ansprache, in welcher er die Vorfälle bedauerte, weiche die Schließung der Universität hei vorriefen und die Hoffnung aussprach, die Männer der Wissenschaft würden sich in der Universität künftig ausschließlich den Jntereffen der Wissenschaft hingebeu und diese Jntereffen mit Ordnung und Ruhe in dir Universität elnbürgern.
Port-Saitz, 27. Jan. Da« italienische Schiff ,Be«- pucci Gotthardo" ist heute Morgen nach dem Roten Meer- abgegangen.
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Niederschlag:
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