Marburg, Mittwoch, 28. Januar 1885.
XX. Jahrgang.
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Der Schluß der Petition bemerkt, daß Vorschläge dem Reiche die gewünschten schaffen würden, ohne die Tabaksbauern daß ste die beim Monopol notwendigen schädigurrgen entbehrlich machen würden.
noch die Produktionskosten decke und die ganze Last der Steuer auf dem Tabakspflanzer ruhe. Die Petenten schlagen nun eine neue Besteuerung vor, deren Hauptzüge folgen. ES soll der Handel mit unfermentierten Rohtabaken im Reichsgebiete verboten werden und da» Reich sämtlichen im Jnlande erzeugten Tabak in dachreifem Zustande käuflich übernehmen und denselben in seinen eigenen Magazinen fermentieren. Da» Reich soll ferner die Menge seine» Bedarf» bestimmen und den Anbau unter die seither schon mit Erfolg Tabak pflanzenden Gegenden unter vor- zugtweiser Berücksichtigung der Kleinbauern vertellen. Der Preis pro Zentner soll zwischen 18 und 42 Mark je nach der Qualität und der Rentabilität de» Baue» schwanken.
Der verwunschene Prinz.
Novelle von Theodor Scheffel.
(Fortsetzung.)
Der Prinz rasite sichtbar seine Kräfte zusammen und richtete mit verhältnismäßiger Leichtigkeit sein Haupt wieder
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Deutscher Reich.
Perlt«, 26. Jan. Der Kaiser hatte eine sehr gute Nachi; er stand um 9 Uhr auf und nahm seine gewohnte Lbitigkeit wieder auf. — Wie wir vernehmen, hat der jkatser den Betrag von 20 000 Fr. für die Opfer der Erdbeben in Spanien zu bestimmen geiuht. — Die Eisenbahn- kommisston des Abgeordnetenhauses beschloß, dem Hause die Gcneymtguuz des Vertrage», beireffend den Bau der Eisenbahnen Braunschweig-HtloeSheim unv Braunschweig-Gifhorn, und des ganzen Gesetze» über den Erwerb rer Privatdahuen für den Staat zu empfehlen. Die Budgetkommission de« Abgeordnetenhauses beschloß, die Genehmigung des Extra- ordinariumS des Etats der Berg- und Hüttenverwaltung, sowie de» Justizetat» zu beantragen. — Die Gesandtschaft Serbiens erklärt in einer Zuschrift an die „Nordd. Allg. Ztg.' die Behauptung deS Abg. Kayser in der Sitzung de» Reichstages am 21. Dezember, die serbische Regierung habe die RetchSkieinodten bei der Wiener Depositenbank versetzt, für völlig unwahr und ersuucen; serbische Reichekleinodien existierten überhaupt nicht. — Zu den Anträgen der Sub- kommtsston tec Dampferkommission stellen einige Mitglieder au» dem Zentrum folgende AbänderungSanträge: die zum Höchstbetrage von 5400000 Mk. jährlich zu bewilligenden Subventionen sind wie folgt zu verteilen: die Hauptliuie von in deutschen Küste über Rotterdam nach Ostasten erhält in maximo 1700 000 Mk.; die von denselben AuS- gangspu-ktc« nach Australien 2300000 Mk.; die Mittel« meerttnie Triest«Brindisi - Asixanorirn 400000 Mk. und die deutsche afrikanische Hauplltnie 1000000 Mk. Da» Gesetz tritt gleichzeitig mit dem Gesetz- in Krast, durch welches die Stempelabgabrn bei Umsatz de» mobilen Kapital» prozentual geregelt werden. Für die Linien werden nur Dampfer und zwar auf deutschen Werften gebaut, über deren Seetüchtigkeit die Martnedehörden entschetcen. Dem Reichskanzler und seinen Organen steht die Einsicht in die Aucher der subventionierten Unternehmungen offen. Der Dampserkommisston de» Reichstag» lagen gestern abend die schon gemeldetrn Anträge der Subkommissiou und die dazu gestellten der Zentrumsmitglieder vor. Der Abg. Richter sprach gegen die Annahme aller dergleichen in» einzelne gehenden Vorschläge und erklärte sich entweder für einen genau begrenzten Kontrakt oder sür eine allgemeine Direktive der Regierung. UebrigenS würde die Annahme der Anträge die Regierung zu höheren Ausgaben al» 5V» Millionen
*gg- Für die Monate Februar und März nehmen
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Soweit der Vorrat noch reicht, wird der Wandkalender für 1885 beigegeben.
Die Sxp. I. vberh. Zeitung.
empor. .
»Sie dürfen mich fragen, meine geehrten Herren, sagte alsdann der Prinz mit halbmatter Stimme, „ich werde antworten, so gut ich kanu. Besonder» schwach fühle ich wich nicht/
„Durchlaucht sind also nicht in Deutschland geboren, u'cht in Deutschland heimatsberechtigt, waren auch in Ihrer Jugend vielleicht al» Kind nicht in Deutschland?' fragte der Doktor.
„Nein,' erwiderte der Prinz, „leider nein! Ich bin in Italien auf der Inseln Sizilien geboren, wo mein Vater eine herrliche Besitzung hatte und bin niemal» in Deutsch- hnb gewesen, al« jetzt, seit einigen Wochen.'
„War auch Ihr erlauchter Vater nicht in Deutschland geboren, nicht in Deutschland ansässig?' fragte der Doktor weiter, um durch wiederholte Antworten de» Prinzen die Sicherheit der Angaben desselben zu prüfen.
„ „Mein Vater ist in Deutschland geboren, hat auch seine fügend, überhaupt die erste Hälfte seines Leben» in Deutsch- «urd verbracht und ging später in» Ausland' erwiderte d« Prinz.
„Wie hieß Ihr Herr Vater in Deutschland?' forschte ber Arzt »eitet.
,, »Nicht Prinz von Girgentt,' antwortete der Fremd- Nf »sondern er führte da «och den alten, ehrenvoll«,
zjZöchcntiichc Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. — Illustriertes Sountagsblatt
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Sug. Koch. _______________________
Verdorbener Tabak soll zum halben Prei» angenommen werden können, übrigens soll die Entscheidung über die Waren-Annahme einen au» Beamten und Landwirten bestehenden SchiedSamte zustehen. In dem auf da» Erntejahr folgenden Monat Juli soll der fermentierte Tabak (im Wege der Versteigerung) dem Handel und der Fabrikation käuflich abgegeben werden. Für auSgeführten Tabak will man eine Rückvergütung de» Zolle» von 45 Mk. für den Doppel-Zentner einführen. Der Eingangszoll foll für unbearbeitete Tabaksblätter auf 125 Mark, für Zigarren und Zigaretten auf 340 Mark und für anderen Tabak auf 225 Ma'k pro Doppel-Zentner erhöht werden. Endlich soll von den zur Zeit auf Lager bifindlichen ausländischen Tabaken eine entsprechende Nachsteuer erhoben werden, bie vorstehenden
«rs-beint täglich außer an Wt-gennach Sonn-und s.®” JXn — Quartal- M^naements-PreiSdei bei fcrnebition «*/♦.
Postämter 1 Mk. 50 «f» -rcl. Bestellgeld).
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M, Kastel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt ♦ a M., Berlin,München und Köln: G. L. Daube und 6o. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
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zwingen. Der Abg. Wörmann bezeichnete die von der Sub- kommisston festgestrllten Bedingungen als solche, welche alle Streitigkeiten in Jnterrflenkreisen zu beseitigen geeignet wären, während der Abg. Meier r» für bester erklärte, die Regierung nicht zu binden. Staatssekretär Stephan gab nun die wichtige Erklärung ab, die Regierung erkenne dir Vorschläge der Subkommissiou al» zulässig an. E« wurde darauf Nr. 1 der Bedingungen der Subkommisston in folgender Fassung mit 13 Stimmen angenommen: „Die Fahrten sollen auf der ostastatischen und australischen Linie in Zeitabschnitten von mindesten» je 4 Wochen stattfinden, auf der afrikanischen Linie jeden Monat wenigsten» einmal.' Bei der Debatte über Nr. 2 und 1 de« Subkommisston«antrage« und de« Zentrumsantrages (von der Konstruktion und Einrichtung der Dampfer und der Erbauung derselben auf deutschen Werften) erklärt unter anderem Wörmann, er werde sich hierbei der Abstimmung enthalten, da man schon Im Plenum ou? seine persönlichen Jnteresten angespielt habe. Der Kommtstar, Geh. Rat Röstng, wünscht die beschränkende Bestimmung, daß die Schiffe nur aus deutschen Wersten gebaut werden sollen, schon um eine Verzögerung de« Baue» zu vermeiden, zu streichen, da e» sich um den Bau von 15 bi» 18 Schiffen handle. Hierüber entspann sich eine längere Diskusston. Abg. Meier erklärte, daß mau mit neuen Dampfern schon oft recht böse Erfahrungen gemacht habe. Werde die Bedingung de« Zentrum-antrage«, daß nur neue Dampfer benutzt werden sollten, angenommen, so scheide damit der norddeutsche Lloyd aus der Konkurrenz au». Er selbst (Meier-Bremen) werde stch in diesem Punkt der Abstimmung enthalten. Nach Ausschließung de« Lloyi werde er um so freier in allem übrigen sprechen und stimmen können.
Hamburg, 26. Jan. Infolge einer der Polizeibehörde zugegangenen anonymen Anzeige, daß rin Tynamltattentat an ter Börse beabsichtigt sei, sand eine amtliche Untersuchung an Ort und Stelle statt, welche jedoch keinerlei verdächtige Momente ergeben hat.
Heidelberg, 23. Jani Die konservative Partei läßt auf Wunsch vieler Tabak pflanzenden Landwirte bei den Wählern des 12. badischen Reichstag« - Wahlkreise« eine Petition zirkulieren, welche eine Änderung der Tabak- besteuernng bezw.ckt. Nach der Petition legt die seitherige Besteuerung, welche den Verbrauch treffen sollte, e« ganz in die Hand dc« Käufer«, den Preis de« Tabak« zu be- stimmen, so daß die Tabak-Händler zum Schaden der TadakSbauern gute Geschälte gemacht hätten. Weiter wird au-grsührt, daß die meisten Tabaksbauern Kleinpflanzer sind und sich nicht in der Lage befinden, die Fermentation des Tabak», die ein Mlnlmalquantum von 50—60 Ztr. und die Vorauszahlung der Steuer erfordert, durchzusühren und stch dadurch vor der Notwendigkeit, um jeden Preis lo«zuschlagen, zu schützen. Infolge dieser Verhältniffe sei der Preis des Rohtabaks derart gesunken, daß er kaum
Namen unserer Vorfahren, er hieß: Gras Botho von der Elchen.'
„Wo lebte Ihr erlauchter Vater gewöhnlich? In welcher Lebensstellung befand er stch damals in Deutschland examinierte der Doktor den Fremdling.
„Er war Offizier bei einem Husarenregiment In Wien und mußte wegen ungeheuerer, leichistnnlg kontrahierter Schulden seinen Dienst verlaffen. Der Unglückselige zog damal« auch seinen alten, ehrwürdigen Vater, der einen hohen Rang in der österreichischen Armee elnnahm, mit in» Verderben.'
.Also Ihr Großvater war auch Offizier In vsterrelchi- scheu Diensten?' frug wieder der Doktor.
.Ja, er stand al» Oberst in Prag?' sagte der Fremdling. Und hieß mit seinen vollständigen Namm?' 'Wolfgang, Rudolf, Graf von der Elchen,' sagte der Prinz, ohne eine Sekunde zu zögern.
Der Doklor warf dem Gutsherrn einen bedeutsamm Blick zu, daß alle« in bezug auf die Angaben de« Fremdling« seine Richtigkeit zu habm scheine. Thatsächlich stimmten diese Aussagen ja auch mit den Nachrichten überein, die der Doktor in der Stadt über die letzten Grafm von der Eichen erfahren hatte.
Diese Umstände veranlaßten den Herrn von Ravenstein nun auch seiners-tt« dm Fremdling zu fragen, um von ihm noch «twa» Nähere« über seine und seiner Vorfahrm Schicksale zn erfahren.'
„Mein Pünz,' sagte Herr von Ravmsteln, „möchten Sie UN» wohl sagen, in welche» Land stch Ihr Herr Vater zunächst wandte, al« er die österreichischen Offizierdimste verließ?'
„Er ging nach Spanien, e* »ar die» in den dreißiger
§ 0 -5 <9
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Rom, 26. Jan. Die Kammer trat in die Beratung der Interpellation betreff« der Kolonialpolitik ein. Derenzi» und Camporeale sprachen gegen die Okkupation der Bai von Affab und anderer Punkte de» Roten Meere», welche Italien nur von dem Mittelmeere ebziehe. Parenzo ist gegen jede Kolonialpolitik. Italien entbehre der dazu erforderlichen finanziellen und militärischen Grundlage. Oliva will Auskunft, wie man die kolonialen Jntereffen Italien«, namenllich in Afrika, zu schützen gedenke. Die Fortsetzung der Debatten findet am Dienstag statt.
Port», 26. Jan. Bei den Senatswahlen wurden nach dem definitiven Wahlergebniffe 67 Republikaner und 20 Konservative gewählt. Die Republikaner gewannen 22 Sitze. Fourtou und Broglie wurden nicht wieder- gewählt. Challemel-Leccur, Wadvington und Saint-Vallier wurden wledergewihlt. Die Resultate ou« den Kolonien fehlen noch. — Die von den Franzosen bei Kelung erlittene Niederlage gelangte schon vor drei Tagen zur Kenntnis der Regierung. In den Kampf waren aber nur zwei Kom.
Jahren und der erste Earlistmkrieg herrschte dort,' antwortete dcr Prinz. „Mein Vatir bewarb stch um eine Offizier stelle im Heere de« Prinzen Carlo», der seine treulose Schwägerin, die Königin Christine, welche mit Hülfe einiger Günstlinge da» bisherige Erbfolgerecht in Spanien umgestoßm hatte, bekämpfte. Mein Vater erhielt eine Stelle in einem Kavallerie-Regimente und zeichnete stch in dem langwierigen Kriege in einer Reihe der glänzendsten Thaten au«. Da« Leben war dem Grafm Botho von der Elchen nicht viel mehr wert, settdem er Rang und Stellung in Deutschland verloren hatte, deshalb unternahm er die unerhörtesten Reiterstückchen und war der gefürchteste Anführer im karlistischen Heere. Er befehligte, in kurzer Zeit zum Kapitän und darauf zum Major ernannt, eine fliegende Kolonne, die der Schrecken der Christino« war, uns daß Don E >rlo» nach mehrjährigem Kampfe unterlag, war nicht die Schuld seiner tapferm Osfiziere, die« lac^ der Uebermacht und den bedeutenden HülsSquel^^^^ Gegner. Nach der letzten Entscheidungsschlacht.^ 7 & mein Vater Wunder der Tapferkeit vollbracht v. mDt<0 ber Prinz Carlo» meinem Vater, von der Eichen, noch den Rang -j»gb r ten
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eine» Regiment» auf Sizilien und vermählte stch dort mit dntr reichen Marchese DiSpani. «ortsetzuu» folgt.)