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Jllarfiurg, Mittwoch, 21 Januar 1885.
XX. Jahrzaug.
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Deutscher Reich.
Berlin, 19. Jan. Da» heute erschienene Weißbuch trägt den Titel: „Deutsche Reklamationen auf Fidschi" und umfaßt 33 Aktenstücke, vorn 31. Oktober 1874 bis 16. September 1884 reichend. Da» Weißbuch stellt die zehnjährige, äußerst mühevolle Aktion der deutschen Diplomatie dar. Die Publikation ist um so bemerkenswerter, als die von englischer Seite angefochtenen Besitzansprüche deutscher Staatsangehöriger auf den Fidschitnseln mit in erster Linie der RetchSregterung zu der gesamten gegenwärtigen aktiven Kolonialpolitik Veranlassung gegeben haben. Der Ausgangspunkt ist die Besitzergreifung der Fidschiinseln durch England im Oktober 1864, wodurch die Schulv- forderungen, die vor 1871 kontrahiert worden waren, für nicht einklagbar erklärt wurden. Dieser Termin wurde später auf den 10. Oktober 1874 vorgerückt. Außerdem wurden die Eigentumstiteln der erworbenen Ländereien einer besonderen Kommission überwiesen, deren Prüfung sehr langsam vorschritt. Mehrere Eigentumstitel wurden gänzlich bestritten. Die hierauf bezüglichen, im Weißbuch abgebtutftat Landreklamationeu und Petitionen geschädigter deutscher Eigentümer bet der ReichSregierung bilden den Gegenstand fortgesetzter Beschwerden der deutschen Regierung in London. Am 16. April 1883 schlägt die deutsche Regierung die Einsetzung einer gemischten Kommission zur Prüfung der Ansprüche vor. Lord Granville teilt am 23. Juli 1883 daS Gutachten des Kolonialamt» mit, wonach dies unmöglich fei. Die Reichsregierung ersucht am 18. Oktober 1883 um direkte Mitteilung der Ansichten der englischen Regierung, nicht derjenigen des Kolonialamtes. In einer Note vom 31. Dezember 1883 wird wiederholt die kommissarische Erledigung der schwebenden Frage» angeregt. Lord Granville erklärt am 11. Januar 1884 auf Grund dcS Gutachten» d.S Kolonialamte» sich nicht geneigt, auf den Vorschlag der deutschen Regtciung einzugehen. Nach wetteren Mitteilungen Granville» ist da» Kolonialamt fortgesetzt gegen den Vorschlag der deutschen Regierung. Am 19. Juni 1884 teilt Graf Münster mit, daß Granville mit der Einsetzung von gemischten Kommissionen au» englischen und deutschen Beamten einverstanden sei. Die ReichSregierung teilt am 4. August 1884 mit, daß Generalkonsul Krauel deutscherseits hierfür designiert sei, und äußert die Anschauungen Deutschland» Über die Ber-iniguagspu-kle und die Thätigkeit der Kommission. Granville erklärt am 16. September im allgemeinen sich damit einverstanden. — Die Kommission für die Voibrratung der Anträge Munckel und Reichensperger wegen Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen nahm eine von den Konservativen uno Nationalliberalen beantragte Resolution an, die es für inopportun erklärte, wenn sich da» Haus mit dem Anträge noch beschäftige, nach-em die ReichSregierung einen diesbezüglichen EntwUif ausarbeiten laffe und daS Haus ferner den Wunsch nach baldiger Vorlegung diese» Entwurf« an
Der verwunschene Prinz.
Novelle von Theodor Scheffel.
(Fortsetzung.)
„Der Graf lebte mit seiner Familie sehr zurückgezogen," erzählte der Arzt weiter, „ja so einsam, wie e» sich eigentlich gar nicht mit seinem Stande vereinbaren ließ. Aber der Graf von der Eichen hatte dazu seine Gründe, die er mir bei einer späteren Gelegenheit anvertrauie, al» er mir da« Honorar für meine Bemühungen gab und dabei unter anderem auch da» Geständnis machte, daß e» ihm leider seine Mittel nicht erlaubten, neben den Diensten de» alten Hausarztes auch noch die meinigen dauernd in Anspruch nehmen zu können, obwohl er von meiner Tüchtigkeit über- zeugt sei. Der Graf von der Eichen war, wie er selbst betonte, in seinen Vermögen-Verhältnissen zerrüttet, ja in Hinblick auf seinen früheren Reichtum so gut wie verarmt. Es war die» hauptsächlich durch die Verschwendungen und den unsinnigen Lebenswandel seines Sohnes geschehen, welcher al» Offizier bei einem österreichischen Husaren-Regi- wente Unsummen vergeudet hatte, die der Vater bezahlen und immer wieder bezahlen mußte. Der leichtsinnige Lebenswandel de» Sohnes brachte den Vater aber nicht nur um da« Vermögen, sondern auch um die Stellung, denn als der Sohn österreichischer Leutnant war, befand sich cer Pater in der Stellung eines Obersten ebenfalls in einem österreichischen Ramente und erwartete seine demnächstige Beförderung zum General, da kam da« doppelte Unalück auf einmal. Der Soha httte trotz wiederholter Versprechungen wiederum eine kolossale Schuldenlast kontrahiert,
den Reichstag auffprlcht. — Hebet die am 5. und 6. Januar in Frankfurt abgehaltene Tarifkonferenz zwischen den deutschen und österreichischen Bahnen erfährt die„Nordd. Allg. Ztg.", daß die letzteren sich zur ferneren Anerkennung der Publizität aller Tarife und Tarifnachläffe im Wechselverkehre, sowie in den denselben beeinflusieuden internen österreichisch- ungarischen Verkehren und zur paritätischen Behandlung be» konkurrierenden Wasser- und Eisenbahnverkehr« bereit erklärten. Nachdem durch die von den preußischen Staatsbahnen verlangte Anerkennung jener Grundsätze für die weiteren Verhandlungen die Grundlage gewonnen ist, konnte man sich über die Einzelheiten der JnstradiernngSfragen ohne erhebliche Schwierigkeiten so weit verständigen, daß der endgültigen Einigung die Wege geebnet wurden. Daß bet derartigen Verhandlungen nach der erzielten Einigung über die Hauptfrage ein beiderseitige« Entgegenkommen tn untergeordneten Punkten geboten war, bedürfe keiner Erwähnung. Die Behauptung österr. Blätter aber, daß die preuß. Bahnen ihre Foreerungen zurück irzogen hätten, sei hiernach unzutreffend. — Bezüglich der Petition, betreffend die Entsendung eine» Reichskommiffar« zur Antwerpener Ausstellung, beschloß die Petitionskommission des Reichstage», dem Wunsche der RegierungSkommiffäre, die Petitionen nicht zur Beratung im Plenum zu bringen, nicht stattzugeben, vielmehr schriftlich dem Reichstage Bericht zu erstatten unter Antrag auf Hebergang zur Tagesordnung. Die RrgierungSkommiflärr hatten erklärt, die Regierung könne nur solchen Ausstellungen ihre Förderung angeveihen taffen, die auf internationalem Wege vereinbart seien; überdies würde die Absendung eine« Reichskommiffar» jetzt auch verspätet sein. — Morgen nachmittag findet eine Sitzung der Kommission der afrikanischen Konferenz statt. — Zu den bisher bestehenden neun Königlichen Eisenbahn-Direktionen (Berlin, Bromberg, Hannover, Frankfurt a. M., Magdeburg, Köln (linksrheinisch), Köln (rechtsrheinisch), Elberfeld und Erfurt) werden vom 1. April zwei neue treten: die Direktion BreSlau, welche im wesentlichen die Linien be» BreSlau- Stweidnitz Freiburger Unternehmen«, und die Direktion Altona, welcher die zu dem Berlin-Hamburger Hnternehmen gehören Linien nebst Altona-Kiel unterstellt werden soll. Wie der Etat der Eisenbahnverwaltung für 1885/86 erweist, sind größere Kenbeiungen in der Abgrenzung der Bezirke der Eisenbahndirektion (rechtsrheinisch) in Köln, von denen früher verlautet hatte, nicht beabsichtigt. E« hat sich nun al« zweckmäßig ergeben, nach der inzwischen erfolgten Eröffnung der der rechtsrheinischen Direktion unterstellten Unter - Westerwaldbahn auch die gegenwärtig zum Eisei. bahn-Direklion-bezirk Frankfurt a. M. gehörende kurze Linie Limburg-Hadamar mit dem rechtsrheinischen Direktions- Bezirk zu vereinigen. Außerdem soll infolge de« Hinzu- tritt« umfangreicher Neubaustrecken zu dem le^tgrnannten Bezirk in Neuwied ein neue« BetriebSamt eingerichtet wersen. — Unter den für die Universität Berlin im neuen
die so groß war, daß sie der Vater gar nicht decken konnte und da« traurige Eure dieser bösen Affaire war, daß Vater und Sohn ihren Abschied anS dem Ofstzierdlenste nehmen mußten. Der Vater zog sich mit einer schmalen Pension auf seine vernachlässigten thüringischen Güter zurück und der Sohn ging in de weite Welt, Der alte Graf schäumte vor Wut, als er mir fein Herz ausschüttete. „Ich könnte meinen Sohn erschießen, wenn ich an diesen verbrecherischen Leichlsinn denke, durch den der Junge mich und sich um glänzende Edrenstellen und unser Vermögen gebracht hat," rief er im höchsten Zorne, „doch," setzte er im mild m Tone hinzu, „mein Sohn besitzt trotz dieses schäudichen Leichtsinne« auch seine Tugenden, er ist liebenswürdig, ritterlich und heldenmütig, wie e» nur ein Edelmann fein kann, aber der grenzenlose Hang an seinen nebeln Passionen hat ihn zu Grunde gerichtet."
„Wohin hat sich denn der junge Graf begeben, al« er die österreichischen Dienste verließ?" fragte Gertrud, während der Doktor eine Pause beim Erzählen machte.
„Darüber er uhr ich noch etwa«," erwiderte der Doktor „als ich versuchte, den unglücklichen Grafen Trost und Hoffnung zuzusprechen. „Mein Sohn kämpft in Spanien in den Reihen der Carlisten," sagte mir der Graf. „Er ist tapfer wie ein Löwe und verdient ein rasche» Avancement, aber leider haben die Carlisten wenig Aussicht auf dm Sieg, wenn sie auch mehr Recht auf die Regierung de» Landes haben al« die Christino», jene Anhänger der schändlichen und heuchlerischen Königin Christina, die ohne jede« Recht ihren sterbenven Gemahl beredet hat, in Spanien da« salische Erbfolgerecht wieder aufzuhcbm und der Königin
preußischen Etat mehrgeforderten 115240 Mk. befindet sich auch da« Gehalt für Herrn Schweninger, der die neuerrichtete außerordentliche Professur für Dermatologie übernommen bat, in Höhe von 3900 Mk. Auch die Forderung von 23 350 Mk. für Begründung einer ordentlichen Professur für Hygieine und eine« hygieinifchen Laboratoriums befindet sich in der obigen Summe. E« sind außerdem neu eingestellt in den Etat 9300 Mk. zur Begründung einer ordentlichen Ersatzprofessur für alte Geschichte, 6900 Mark für einen ordentlichen Professor der Meteorologie, 3900 Mark für einen außerordentlichen Professor der physikalischen Physiologie, 12 300 W. zur Errichtung von drei außerordentlichen Professuren, eine für Paläontologie und Geognosie und zwei für Philosophie. Für daS neu- begründete zahnärztliche Institut sind 11780 Mk. auSge- worfen, darunter 4000 Mk. zur Besoldung zweier Lehrer und 2700 Mk. für zwei Assistenten. Für daS Kunstge- werbe-Museum, da« mit dem 1. April 1885 in den Staatsbesitz und in die Staatsverwaltung übernommen wird, werden 104400 Mk. mehr verlangt. — Die Budgetkommission des Reichstages hat sich heute mit der Beratung des Postetats beschäftigt. Zu Titel 14, Kap. 3 wird eine Erhöhung de« BetragkS zur Pvstarmen-Hnterstützung von 200000 auf 300000 M. beantragt. Diese Erhöhung wurde zunächst beanstandet, da eine gesetzliche Verpflichtung zur Unterstützung der von Krankheit oder Unfall betroffenen Beamten be« Post effortS durch die Unfall- und Krankenversicherung besteht und e« wünschenswert erscheint, an die Stelle der diskretionären Befugnisse der Postdirektion der gesetzlichen Verpflichtung Geltung zu verschaffen. Mit Rücksicht darauf, daß die Unfallversicherung noch nicht in Kraft getreten ist, wird die Mehrforderung in diesem Jahre nicht weiter beanstandet, die Erhöhung um 100000 M. jedoch im Etat als künftig wegfallend bezeichnet. Auf eine aus dem Schoße der Kommission an den Staatssekretär Stephan gerichtete Anfrage, ob durch die Postsparkassen und die Einführung der Hnfallverstcherung eine erhebliche Steigerung dr» Personals notwendig würde, antwortete dieser dahin, daß die Unfallversicherung eine bedeutende Ar- biitSvermehrung für die Post nicht schaffen würde und daß die Einführung der Postsparkaffen einen Nachtragsetat für die Post erforderlich machen werde.
Durmstuvt, 18. Jan. Die außerordentliche Delegierten« Versammlung deS Rhein-Main-Gastwirte-Verbandes fand am 14. d. M im „Schwanen" dahier statt. Dieselbe war einberufen, um die in der Weinsteuerfrage weiter zu unternehmenden Schritte zu beraten. Die au» allen Städten und Orten Hessens erschienenen Vertreter der Gastwlrt- berdne und Verbandmitglieder sprachen sich einmütig für ein kräftige» Eintreten in dieser Sache aus. Die Weinsteuer habe dazu geführt, daß der W.'inkonsum sich von der Gaststube entfernt habe, wodurch da» Gastwirtsgewerbe enorm geschädigt werde. Es bringe die» ja da» Gesetz mit
di- Erbfolge zu sichern. Mein Sohn kömpft für eine gerechte Sache, die Königin Christina sitzt wider alles göttliche und natürliche Recht auf dem spanischen Throne, der dem Prinzen Carlos rechtmäßig gehört. Mögen die Carlisten siegen und mag mein Sohn dort sich eine neue Stellung erkämpfen, die ihm einigermaßen da« ersetzt, was er in feinem früheren Dienste verlor I" — Ob dieser Wunsch de» Grafen von der Elchen jemals In Erfüllung gegangen ist,* bemerkte der Doktor mit Achselzucken, „weiß ich nicht, ich habe nach einiger Zeit nur erfahren, daß der Graf von der Eichen feine Güter in Thüringen verkauft habe und mit seiner Familie in« Ausland gegangen sei. Wo die gräfliche Familie sich eine neue Heimat gesucht hat, habe ich niental« erfahren können, man nannte Frankreich, Spanien und Italien al« die wahrscheinlichen Zielpunkte ihrer Reise und seit länger al« dreißig Jahren ist der Name der Grafen von der Eichea, der sich bei der früheren Abwesenheit derselben in österreichischen Offizierdiensten auch nicht sehr hier eingebürgert hatte, gänzlich au» hiesiger Gegend verschollen, und ich hätte wohl selbst niemals wieder an die gräfliche Familie gedacht, wenn da« Amulet, welche« der Frern ling aus der Brust trug, mir nicht den Namen de» Grafen in das Gedächtnis zurückgerufen hätte; ich halte e« nun für nicht unwahrscheinlich, daß damals der Graf von der Eichen doch seinen Sohn irgendwo im Auslände aufgesucht und ferner bei ihm gelebt hat und daß möglicher Weise der Fremdling, den wir drüben auf der Burgruine fanden, ein Nachkomme jener Grafen von der Eichen ist, den irgend eine traurige Ursache in die alte Heimat zurück« getrieben hat. (Fortsetzung felgt.)