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3Ror6urg, Donnerstag, 15 Januar 1885.
XX. Jahrgang.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- «bonnements-Preisbei der Expedition 2*/t Ml, bei den Postämter 2 Mk. 50 «M. (erd. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Reklamen für die Zeile 25 Pf«.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undBogler in Frankfurt a. M , Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt a M , Berlin,München und Köln: G. L. Daube und Co. m Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u- Paris.
Wöchentliche Beilagen: Auitlicher Anzeiger f. 6. Kreise Marburg n. Kirchhain.
Expedition: Stärkt 21. — Redaktion, Druck und Verlag voir Joh. Aug. Koch.
—Illustriertes Sonntagsblatt.
Getretdezölle.
Nachdem sich der Reichskanzler für Erhöhung der Ge- tretdezölle ausgesprochen hatte, konnte eine Wiederaufnahme der neufortschrittltchen Agitation gegen dieselben mit unfehlbarer Sicherheit erwartet werden, und in der Thal ist sie nicht auSgeblieben. Der „Deutsche Oekonomist', eine man- chesterliche Wochenschrift, beschäftigt sich an leitender Stelle mit dem Gegenstände und stellt auf Grund statistischer Zahlen die unendlich ost gehörte Behauptung auf, daß die beabsichtigte Zollerhöhung ausschließlich einer vergleichsweise sehr geringen Minderheit von Grundbesitzern zu gute kommen werde, deren Zahl im ganzen Reiche auf 28000 beziffert wird. Träfe das zu, hätten wirklich nur jene 28000 Vorteil, alle anderen aber Schaden von den Zöllen, so würde tf natürlich weder der ReichSregierung noch irgend einer Partei, die sich nicht selbst ihr Todesurteil sprechen will, in den Sinn kommen können, die Getreideeinfuhr zu einer Steuerquelle zu machen. E» liegt aber auf der Hand, daß e» sich hier um eine jener Verdrehungen handelt, von denen das Manchestertum heutzutage vorzugsweise lebt. Es mag ja sein, daß die ganz kleinen Besitzer, d. h. diejenigen, welche nicht mehr bauen, als sie selbst verzehren, keinen unmittelbaren Vorteil von der Zollerhöhung haben. Diese stellen jedoch eine Minderheit dar, zu der andererseits auch derjenige Teil der Bevölkerung gehört, der sich mit Landwirtschaft überhaupt nicht beschäftigt. Um so gewiffer ist aber, daß die Mehrheit, d. h. die größeren Landwirte — keineswegs bloß die genannten 28000 Großgrundbesitzer — und die nach Millionen zählende ländliche Arbeiterbevölkerung, — die ihren Lohn teils in natura bezieht, teils in ihrem ganzen Dasein davon abhängt, daß das landwirtschaftliche Gewerbe blüht, an hohen Getreidepreisen auf das lebhafteste direkt interessiert sind, während die industriellen Arbeiter indirekt dasselbe Jatereffe haben, weil ohne eine blühende Landwirtschaft kein blühende- Gewerbe möglich ist. Unbedenlltch darf man deshalb mit dem Abgeordneten Dr. Frege behaupten, daß die beabsichtigte Erhöhung der Getreidezölle — die sich übrigen« nur auf Roggen und Weizen erstrecken soll — mindesten- drei Vierteln deS Volkes zu gute kommt, dem Rest aber wenigstens keinen Schaden bringen kann, da die Brotpreise mit den Getreidepreisen keineswegs in dem Zusammenhang stehen, mit welchem die Freihändler so viel Unfug treiben.
Wie dem aber auch sein möge, Hllfe muß kommen und zwar bald, wenn die Notlage der Landwirtschaft nicht zu einer KrisiS treiben soll, deren Rückschlag auch die Industrie und der Handel schwer empfinden würde. Im vorigen Jahre ist durchweg mit Verlusten gewirtschaitet worden, eie selbst an sich wohlhabende Leute nicht lange auShaiten können. Wenn unS Fälle bekannt sind, wo die angeblich so außerordentlich gut gestellten Großgrundbesitzer 50000 Mark und darüber zugesetzt haben, so möchten wir wohl wiffen, ob ein solcher Stand der Dinge noch benei-
Der verwunschene Prinz.
Novelle von Theodor Scheffel.
(Fortsetzung.)
Hierbei legte der Gärtner in erster Linie Hand en. Er zog au« seiner Tasche ein Gartenmeffer, wie er eS gewöhnlich bet sich trug, lief mit dem Diener Joseph eiligst «ach einem nahen Busche und schnitt dort einige junge Baumstämmcheu und mehrere starke Reiser ab, welche beide in wenigen Minuten nach der Stelle brachten, wo der Edelmann und der Doktor, neben dem regung-lo« am Boden liegenden Manne stehend, warteten.
Au« drei bi« vier Baumstämmchm und mehreren starken Reisern wurde nun bald eine Tragbahre zusammengefügt und der aufgefundene Mann auf dieselbe gelegt, doch geschah die« erst, nachdem der Doktor den Notverband, den er bereit- an ter verwundeten Brust de« Mannes angelegt, aufs Neue befestigt hatte.
Der Gärtner und der Diener Joseph hoben nunmehr die Bahre auf und tragen den Mann, der sich noch immer nicht rührte, vorsichtig den Bergabhang auf dem die Ruine lag, hinab, während der Edelmann und der Arzt den Körper des Verwundeten hielten, damst derselbe nicht etwa von der Bahre fallen konnte.
Um den Verwundeten so rasch al- möglich nach dem Schlöffe Ehrenstein zu bringen, machte man unterweg- keine Rast, sondern der Edelmann und der Doktor lösten am Fuße de- Berge« die beiden erschöpften Träger der Bahre ad und tragen dieselbe selbst eine gute Strecke. Darauf ergriffen wieder der Gärtner und der Diener die Bahre und trugen den verwundetm Manu nunmehr bi« auf da« Schloß Ehrmsteiu.
den-wert gefunden werden kann. Und die-, wir wiederholen da«, steht nicht vereinzelt da, es ist die Regel, wenn nämlich auch die Summen, um die es sich handelt, je nach Maßgabe der Berhältnifle verschieden sind. Den Keinen Besitzer aber schmerzt eS ebenso, wenn er 500 Mark zu- schießen muß, als den großen, wenn er um 50000 Mark zu kurz kommt. Entscheidend ist, daß die Landwirtschaft nicht mehr nährt, sondern zehrt. DaS aber kann kein Gemeinwesen der Welt auf die Dauer aushalten, da muß geholfen werden, und so weit menschliches Vermögen reicht, wird eS auch geschehen.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Jan. Der Kronprinz wohnte der heutig-n Sitzung der StaatsratSabteilung für innere Angelegenheiten bis zum Schluffe bei. — Für den Prinzen August von Württemberg ist eine achttägige Hoftrauer angeordnet. — Die Budgetkommisston beendete die Beratung de» Marine-Etat- und genehmigte alle Positionen desselben unverändert. Sie votierte ferner die an die Budgetkommission zurückgewtesene Position von 150000 Mark zur Erforschung Inner-Afrika- gegen die Stimme de- Abg. v. Huene. — Die ReichstagSkommisston für die Dampfer- SubventionSvorlage setzte gestern abend ihre Beratungen fort und ging zur Diskussion der Zweiglinie Hongkong- Shanghai-Japan-Korea über. Abg. Woermann wünschte, daß darüber, ob dies eine Fortsetzung der Hauptlinie oder eine Zweiglinie sein solle, nichts bestimmt werde. Staatssekretär v. Bötticher schloß sich dieser Ansicht an, Keine Schiffe besäßen nur den Vorzug, daß sie geringere Hafengelder zu zahlen hätten. Abg. Meyer wünscht, daß die Hauptlinie jedenfalls bis Shanghai durchgeführt werde. Die Diskussion geht alödann zur Linie nach Australien über. Abg. Meier regt an, ob die australische Linie nicht nach Brisbane fortgeführt werdm solle. Abg. Gras Adelmann fragt an, ob die Linie in Verbindung mit der neuen deutschen Erwerbung auf Neu-Gninea stehe, was Staatssekretär v. Bötticher verneint. Generalkonsul Krauel hält alsdann einen längeren Vortrag über die Entwickelung des australischen Handels. Dann geht er zu den bestehenden Dampferverbindungen mit Australien über. Die Sloman- Linie habe im letzten Jabre folgende Zeit in Anspruch genommen : nach Marsala 77, Eton 78, Catania 88 Tage, Sorento 72, Amalfi 85, Taormlne 77, Procida 76, Afrika 79 Tage. DurchschnftiSdauer 76 Tage. Englische Frachtdampfer 55—60, Postdampfer 40—45 Tage.Messa- gerte Marseille-Sidney 42 Tage. Die längere Dauer der deutschen Dampfer erkläre fich daher, daß fie über London gingen und dort Aufenthalt machten, die größere Schnelligkeit der englischen Schiffe habe zur Folge, daß die deutschen Waren noch vielfach mit englischen Schiffen verfrachtet werden, d. h. ihren Weg über England nehmen. Abg. Brömel bemerkte, die Slomansche Linie lege jetzt auch
Dort wurde die offenbar schwer verletzte Person, bei welcher sich inzwischen kein Fünkchen Leben gez igt, in ein zweckdienliches Zimmer gebracht, und der Arzt versuchte, von den angstvollen Blicken des Edelmanne» verfolgt, seine Kunst. Die Person mußte zu diesem Zwecke ihrer Ober- kletder entledigt werden und da machten die beiden Herren wiederholt an der Art der Kleider und Wäscke de« unbekannten Manne« die Entdeckung, daß derselbe nicht von gewöhnlichem Herkommen sein könne, ober bei dem ihren Geist erfüllenden Bestreben, den Unbekannten wieder in« Leben zurückzurufen, dachten sie über diese Sache zunächst nicht »eiter nach.
Der Doktor mußte zu manchem Mittel, welche« die ärztliche Kunst kennt, um Ohnmächttgen zu helfen, greifen und fast alle schienen wirkungslos zu bleiben. Nur wenn der Arzt auf der Brust de« Verwundeten horchte, glaubte er zuwellen leise Lebenszeichen zu spüren und er fuhr deshalb in seinen Bemühungen, die Lebensgeister des Unbekannten zu wecken, eifrig fort.
Endlich wurde die Geschicklichkeit des Arztes durch einen wenn in seiner Eigenschaft auch noch zweifelhaften Erfolg belohnt. Ein tiefer Seufzer rang sich au« der Brust de« unbekannten Manne-, derselbe öffnete auf einige Sekunden die Augen und versuchte den Oberkörper zu erheben. Die« gelang aber nur dadurch, daß ihn der Arzt unterstützte. Trotzdem war die Anst engung für die noch ga'.z schwachen Kräfte deS Schwcrversitzlen doch zu groß gew'fen, denn er schloß wieder die Augen und blieb regung-los.
Der Doktor wandte auf« Neue seine letzten Mittel an und der verwundete Mann öffnete nach drei Minuten wieder feine matten Augen, bewegte dieselben ein wenig in
in Amsterdam an und ein Teil der deutschen Exporteure werde diese belgischen und holländischen Häfen auch später benutzen müffen, daher spiele der Eisenbahntransport eine sehr wesentliche Rolle bei der ganzen Sache. Auch bei den subventionierten Linien werdm die fremden Häfen noch einen großen Teil der Waren verladen, wenn nicht die deutschen Tarife nach den deutschen Häfen modifiziert werden. Die Gefahr, daß die deutsche Subvention somit mehr fremden Ländern dienen könne, trete damit immer deutlicher hervor. Umgekehrt vollziehe sich die Umladung für den deutschen Verlader in London ohne besondere Unkosten. Er sähe demnach von einer solchen Subvention weniger Vortell al- von einer Erleichterung der Eisenbahnfracht nach Hamburg und Bremen. Geheimrat Kraetke bespricht die einzelnen der nach Australien gehenden Linien. Die fron« zöstschen Linien seien für unsere Zwecke nicht brauchbar, fie gehen einen Tag früher als die englischen ab und gehen über Mauritius. Die anderen Schiffe, die über Brisbane gingen, wie die der Penin. Mail kämen für den direkten Verkehr nicht in betracht. E» blieben also eigentlich nur die P. u. O. Co.-Linie für uns wichtig. Geh. Rat Rösing widerspricht der Behauptung Brömel«, daß die Verschiffung über London keine besonderen Kosten verursache. Er habe bereits da« Gegenteil dieser Behauptung konstatiert. Abg. Stiller sucht nachzuweisen, daß der Unterschied nicht in der Fracht über Lonvon, sondern in der größeren Geschwindigkeit der P. u. £). Co. gelegen habe. Der direkten Route von Hamburg nach Australien stehe aber der Mangel an Gütern entgegen. UebrigenS seien mehrere Sloman-Dampfer in 48 bi« 51 Tagen von London nach Adelaide gefahren, nur 3 bi« 4 Tage mehr al» dm englischen vorgeschrieben sei. Die Hauptgüter seien schwere Güter, die sich für Schnelldampfer nicht eigneten. ES fehle für Australien nicht an Schnellgelegenhetten, sondern an billigen Frachten. Kapitän zur See Köster: Da« Marlne- intertffe fei für diese Linie ganz besonder« wichtig. Es bestehe ein Kontrakt mit Sloman wegen monatlicher Beförderung der Ablösung für die Schiffe in der Südfee, und e« mußten oft die Schiffsräume für die Mannschaft gebraucht werden. Auch hätten die Schiffe ost 68 bi« 70 Tage hin und über 100 Tage rückwärts gebraucht. Abg. Wörmann: Die Mitteilungen der Herren RegierungSvertreter hätten heute die Verdienste der Slomanschen Linie anerkannt, und das sei sehr dankenswert, aber andererseits beweise die Mannigfaltigkeit der Leistungen einer solchen, sonst tüchtig verwalteten Linie, tote nötig gerade die Subvention sei. DaS Umladen sei allerdings schädlich, wie au« einer von Oesterreich nach Kalkutta verschifften Ladung Zucker erwiesen worden sei. Man habe gesagt, Zement gehe nicht per Schnelldampfer, da« sei aber unrichtig, Zement sei ein sehr willkommener Ballast. Redner giebt Zahlen an über den nicht unwesentlichen Paffagierverkehr nach Australien, «bg. Robbe schließt fich dem Abg. Brömel an, daß e« nicht ihren Höhlen und sagte dann mit ganz matter, tonloser Stimme, der man indeffen trotzdem einen fremdländischen Aecmt anhöre« konnte:
„Wo . . . bin ich? — Wer . . . bracht? — Ist . . . Theresia hier?«
hat mich hierher ge«
„Sie sind bei Freunden,' antwortete mit sanften Worten Herr von Ravenstein, „und Sie werden al« Freund behandelt und gepflegt werden, denn Sie sind krank, sehr tränt!'
-Ja, front, tränt I* preßte der unbetannte Mann mit einer tranthasten Anstrengung hervor, und machte eine Bewegung mit den Händen, als wenn er sich vor die Stirn schlagen wollte.
Der Doktor hielt ihm die Hände zurück und gab durch ein Zeichen dem Herrn von Ravenstein zu verstehen, nicht mehr zu dem verwundeten Manne zu reden. Dessen Kräfte schienen auch bereit« wieder zu schwinden, denn er schloß die Augen und sein Haupt sank etwa« herab auf die Brust.
Blitzschnell faßte der Arzt nach dem Arm de« Verwundeten, um dessen PnlSschlag zu fühlen.
„Gott sei Dank!' rief der Arzt, „der Puls schlägt noch, der Krai te Ist nur vor Schwäche eingeschlafen. Wäre jetzt der Pul« wieder entflohen, so wäre der Mann nicht zu retten gewesen. Er wird nicht nur erschöpft von der Wunde und dem Sturze von der Mauer sein, sondern auch infolge von Entbehrungen, die er wahrscheinlich gelitten hat. Wir müssen versuchen, ihm einige Löffel triftigen Rotweins in den Mund zu bringen, dies nimmt er auch im Schlafe an. (Fortsetzung folgt.)