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orourg, Freitag, 9 Januar 1885.

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zu Ca ir 1885. s. ist.

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Politik handelt, die der englischen mehr oder weniger gleicht.

Die englischen Stimmen, die sich über daS Eingreifen DeutichlandS in die überseeische Politik vernehmen lasten, entwickel« meist recht skeptische Ansichten, und eS würde sehr verkehrt sein, di«-- lediglech dem Uebelwollen oder Neid von Konkurrenten zuzuschretben. DerStandard- steht, ohne sich aus die Frage de- Nutzen- dec Kolonteen für da» Mutterland einzulaflen, in dem wachsenden Verlangen der Fefllandstaaten und namentlich Deutschland« nach Kolonial­erwerb lediglich einen Anlaß zur Vermehrung der Streit» kräste zu Master und zu Lande. Die insularische Lage Englane», die demselben bisher gestattet habe, mit einer regulären Armee von sehr geringen Dtmenfionen au-zu» kommcn und stch auf die Ueberlegenheit seiner Marine zu verlaflen, sei so gut wir verschwunden. Molle England seine Herrschaft in Indien, Australien und anderwärts be­haupten, so werde e- gerüstet sein müsten, die Verwicke­lungen, die überall au- dem Vordringen oer Festlandstaaten sür England hervorgehen können, mit dem Schwerte zu rntjcheieen.

Dies wäre gewiß eine unbehagliche Perspektive, wenn die Beteiligung Deutschland- au der Enttvtck.luug oer zurück» gevueveuen Lauoer oer Mett nur die FelNbseitg eit der Mlt- vewerdrr hcrau-svroern und allerorten nur einen neuen Vorwand zur Vermehrung der Verteidigungskräfte bieten wurde. Du Art, wie der deutsche Reichekanzier ote deutsche Kolonialpolttik eingeleitet hat, ote Veranstaltung der Congo- Konserenz, welche den ausgesprochenen Zweck hat, Macht-

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seltsamen GasteS^zinßder alten Ruine kundgegeben hatte; denn daß der verwunschene Prinz, den Gertrud drüben in dem verfallenen Schlosse gesehen haben wollte, und die rätselhafte Männergestalt, die der Herr von Ravenstein, sein Diener und sein Gärtner drüben in der Kapelle der Burgruine entdeckt hatten, ein und dieselbe Person sei, er­schien dem ersteren ohne besondere Beweise als selbstver­ständlich und jedenfalls ließ stch die Wahnvorstellung de- Friulein Gertrud von Ravenstein nach der Meinung ihre» VatrrS ohne Schwierigkeit bald beseitigen, die ja die Person, die den Irrtum erweckt hatte, ergretfbar war und wenn man dann einmal wußte, wer den verwunschenen Prinzen vorgestellt hatte, dann war auch jeder Wahn über denselben leicht zu heilen.

Ungefähr nach einer Stunde ließ stch der herbeigerufene Arzt im Schlöffe anmelven. Der H rr von Ravenstein hatte mit dem Doktor erst eine besondere Unterredung über den Vorfall, ehe er den heilkundigen Mann in da« Zimmer seiner Tochter führte. Der Arzt hatte für das seltsame Ereignis natürlich nur Kopfschütteln und Achselzucken, hielt r- aber, um den Gemüts- und Geisteszustand des jungen Mädchen- genau zu erforschen, doch für unbedingt not­wendig, stch von dem Fräulein alle Einzelheiten deS Erleb- visie« erzählen zu lasten, wenn nickt irgend ein Moment bei der für krank gehaltenen juogm Dame gegm diese Prü- fuugSart spreche.

Der Herr von Ravenstein glaubte die letzter« Brfürch« taug entschieden zurückweisen zu müssen, da bei Gertrud irgend rin deutliches Krankheitssymptom nicht hervorgetreten sei, nur scheine ste stch infolge de« Ereigniste» tat Beginn einer tiefen Schwermut za befinden, die indeflen nach zur

Krankheit werden könne und de-halb rechtzettig beseitigt werden müste.

Der Arzt nickte zustimmend und folgte dem Edelmanne in da- Zimmer der Patientin.

Nach dem Eintritt in da- Zimmer machte der Doktor eine tiefe Verbeugung vor den Damen und näherte stch mit großer Freundlichkeit dem Fräulein Gertrud, dir beim Au- blicke drö Arzte-, den man ihretwegen herbeigerufm hatte, leicht errötete.

Der Doktor beruhigte in der freundlichsten Weise von der Welt die junge Edeldame über sein Kommm, entschul­digte stch, daß er ste einige Minuten auf den Wunsch ihre» Herrn Vater- belästigen müsse und begann dann zunächst mit seinen allgemeinen Beobachtungen, welche die Aerzte bet Personen, die mau für krank hält, zu machen pflegen.

Alle- in OrdnungI Alle- ganz normal l" sagte der Arzt beruhigend zu den Eltern de-EvrlfräuleinS.Wenn Sie sonst nicht etwa- AuvereS von mir gethan zu haben wünschen, Herr von Ravenstein, so möchte ich um Ihre gütige Erlaubnis bitten, daß das gnädige Fräulein uns jetzt den ganzm Vorganz der Affaire, die ihr heute Nach­mittag passierte, so gut als möglich erzählt.-

Gertrud sträubte stch innerlich vor diesem Wunsche de« ArzteS, ste schämte stch jetzt wahrscheinlich selbst de« seltsame« Erlebnisse-, welche« so märchenhaft «ar, daß Niemand Lust hatte, daran zu glauben, al« wahrscheinlich nur Gertrud selbst. Aber der ernste Wille de« Vater« und die be­ruhigenden und ermunternden Zureden der Mutter bewirk­ten doch bald, daß Gertrud die Affaire erzählte, wir sie selbige erlebt hatte. «ortsetznng folgt.;

hsthum fallen i R. 1.20.

M. 1. en Flab [3! bürg.

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Der verwunschene Prinz.

Novelle von Theodor Scheffel.

(Fortsetzung.)

ES mochte abend« gegen neun Uhr sein, al- der Edel­mann, ver Diener und der Gärtner wieder auf dem Schlosse Ehrensteia ankamrn. Der Herr von Ravenstein begab sich sofort nach seiner «nkuufl nach dem Zimmer, wo er seine Gemahlin UNS Tochter verlassen hatte und erkundigte stch besorgt nach Gertrud- Btstaven.

Der Arzt war noch nicht dagewesea, rr hatte aber sein Erscheinen für diese Nacht noch zugesagt. Glücklicher­weise schien derselbe, wie der Herr von Ravenstein zu seiner Freute bald bemerkte, auch gar nicht dringend notwendig ja sein.

Gertrud «ar ganz mhig und schien vollständig gesund. Sie sprach auch und plauverte wie gewöhnlich, nur ver­mißte mm die ihr eigentümliche Fröhlichkeit de« Gemüt» uno veobach.ete zuweüea rin stauende- und träumende« Wesen an ihr, wa« man früher niemals an dem jungen Mädchen bemerkt hatte.

Sie sah zuwrllen auch den Vater fragend au, al« ob sie stch nach dem verwunschenen Prinz-« erkundigen wollte, da doch der Herr von Ravenstein am Nachmittage von einer Durchsuchung der Burgruine und einer Gcfangennrhmung d«« angrvltchen Zauberprtnzen gesprochen hatte.

Gertrud- Vater erriet wohl die Ursache der fragenden Blickc suu.r Tochur, aber er wünschte vor der Ankunft drs Arzlr» utchl mit ihr über diesen G-genstand zu sprechen, zumal Gertrud eine große Teilnahme für da« Schicksal M

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg «. Kirchhain. - Illustriertes Souutagsblatt.

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fragen durch internationale Verständigung, anstatt durch die Waffen, zu entscheiden, läßt hoffen, daß auch in Zukunft der Geist des Frieden- über die Anrufungen der Gewalt die Oberhand behaupten werde. Andere englische Blätter haben stch in dieser Hinflcht hoffnungsvoller geäußert und zugestanden, daß die deutschen Bestrebungen für England nichts Beunruhigendes haben, da das britische Kolonialreich groß genug sei, um für fruchtbare kolonisatorische Thätig- keit hinreichenden Raum zu bieten.

Da» bekannte Londoner FinanzblattEconomist" schil- dert eigentlich jede Kolonialpolttik al» zweckwidrig, um dann zuletzt doch bei dem Schluffe anzulangen, daß der Erwerb von Kolonteen für ein große» Land unerläßlich sei. Da» Blatt warnt Deutschland davor, zu glauben, e» werde durch den Besitz von Kolonieen stärker werden. Deutschland- jetzige Stärke beruhe hauptsächlich in der Konzentration, während e» im Besitze von Kolonieen an zwölf Punkten zugleich angegriffen werden könne. E» sei möglich, fährt derEconomtst* fort, ein neue» Deutschland jenseit de« Meere» zu gründen, aber auch dadurch werde da» Mutter­land nicht stärker werden, da Kolonien stch zuletzt immer frei machten. Ebenso vergeblich sei die Hoffnung, durch die Besetzung ausgedehnter Länder Deutschland reicher werden zu sehen. Die bloß- Aufhiflung der Flagge thue e» nicht. Die wilden Völker würden dadurch nicht kaufkräftiger. Bloße Handel»stationen brächten ohne Zweifel gewiffen Firmen Geld, entwickelten aber nicht diejenige Art de» Handel», welcher eine Nation bereichert oder Märkte erschließt, die der deutschen Industrie einen wirksamen Sporn erteilen könnten.

Die« alles ist nicht ohne relative Wahrheit, kann jedoch keineswegs als erschöpfend und ausschlaggebend betrachtet werden. Was zuvörderst den Punkt betrifft, daß der Besitz von Kolonieen die Konzentrierung der Verteidigungskraft verhindert, so steht dieser Quelle unvermeidlicher Schwäche doch auch die Möglichkeit einer Entfaltung von Kräften gegenüber, die ohne Kolonialbesitz unentwickelt bleiben würden. Eine große Kriegsflotte, wie wir ste in Zeiten des Kampfes zur Verteidigung unserer Küsten gebrauchen, würde ohne Kolorteen ober Handelsstationen im Frieden keine hinreichende Beschäftigung finden und vielleicht erlahmen, bevor ste Proben ihrer Leistungsfähigkeit ablegen konnte. Zur Entwickelung einer achtunggebietenden Kriegsflotte erscheint ein Kolonial­besitz unerläßlich, und der Verzicht auf eine solche Flotte würve die freiwillige Unterwerfung unter die traditionelle Seeherrschaft England» bevmten, eine Unterwerfung, die keiner großen Nation würdig ist und euch durchaus nicht im Jntereffe der Welt liegt.

Die Gründung eine» neuen Deutschlands jenseit» dc» Meere» siebt, soweit sich bisher übersehen läßt, vorläufig nicht in Frage. ES handelt sich zunächst mehr um Aus­dehnung der Handelsverbindungen und daS Hineintragen von Kulturelementen In barbarische Völker, als um An­

siedelungen Deutscher im großen Stlle. Man hofft in Deutschland allerdings, daß auch die« allmälig wird In« Auge gefaßt werden können, und versteht stch davon größerer Wohlthaten, al« die englische Preffe Wort haben will. Man» darf die Frage der Kolonisierung fremder Länder nicht aus dem bloßen Gesichtspunkte des Geldmachen« zu gunsten ganzer Völker oder Einzelner ansehen. DaS war in der That der Gesichtspunkt, aus welchem nicht blo» der englische Kaufmann, sondern auch die englische Politik die Kolonieen bis auf den heutigen Tag zu betrachten pflegte. Adam Smith nannte diese Politik eine Krämerpolttik und verurteilte dieselbe in den schärfsten Ausdrücken. Dieser große Mann hielt nichts von den engherzigen Bestrebungen, fremde Länder und Völker nur al« Objekte der Ausbeu­tung und eigenen Bereicherung zu behandeln, sondern ver­teidigte den hohen Gedanken, daß die Interessen der Länder und Völker solidarisch seien, daß, was dem Einen zum Vorteil gereiche, auch für den Anderen auf die Dauer vvrtellhaft werden müffe, und daß umgekehrt die Ver­armung und Entwürdigung de» Einen auch den Anderen zum Nachteil gereiche. Von England» Kolonialpolttik hat weder da» Mutterland noch der abhängige Tell die Vortelle gezogen, die daraus hätten entstehen können, wenn England weniger eigennützig und selbstsüchtig aufgetreten wäre. Seine Tyrannei, die Nordamerika die Entwickelung einer eigenen Industrie mißgönnte, hat den verfrühten Abfall derselben vom Mutterland herbeigcführt. Und welchen Segen hat seitdem der rapide Aufschwung der Vereinigten Staate« über die alten Länder Europas gebracht! Die Befreiung Europas vom Joche de« Lehn-Wesen- ist nicht zum gering­sten Teile der Anziehung zu verdanken, welche die neue Welt mit ihren ungemessenen Strecken jungfräulichen Bodens auf die alten Länder ausübte, und die Antriebe, welche die Industrie Europa« durch die geschwinde Ver­mehrung und die Zunahme des Wohlstandes der ameri­kanischen Bevölkerung empfing, wirken noch heutigen Tage« als ein mächtiger Sporn, unvergleichbar mächtiger, att Jener, der aus der angeblichen Erschließung Ostafien«, die in Wahrheit einer Unterdrückung ähnlicher steht al« einer Entwickelung, bisher hervorgegangen ist.

Wenn irgend etwa» das Eingreifen Deutschland« in die europäische Kolonialpolitik rechtfertigt, so ist e« das Wider- streben gegen die einseitige Politik Englands, das bei allen seinen Kolonisationen nicht viel mehr im Auge hatte, al« die Erweiterung seiner Märtte für Baumwollwaren und Eisen o-er die Ausbeutung der unterworfenen Länder durch habgierige Prokonsuln u.nd Geschäftsleute. Deutschland- Bestreben muß e« sein, seine Kolonialpolitik von anderen Rücksichten geleitet zu sehen. Der Wohlstand de« eigenen Lande« kann durch Kolonieen nur in der Art aus die Dauer gewinnen, daß der Wohlstand der Kolonieen ent­wickelt, die Kolonieen der Segnungen der modernen Tech- nik und Zivilisation im vollsten Maße teilhaftig gemacht,

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war- Den noch erfolgenden Neubestellungen auf unser Blatt wird, soweit der Vorrat reicht die

Rr. 1 des Illustrierten SonutagSblatteS und der Wandkalender für 1885 nachgeliefert.

Alle Postämter nehmen noch Bestellungen entgegen.

Der Rntzen van Kolonieen.

Die großen Fragen oer Kolontalpolttck beherrschen fort­während die öffentliche Diskussion. DaS Auftreten Deutsch- lano« in der Reihe der Völker, welche auf den Erwerb von Kolonieen ausgehen, veranlaßt überall Erwägnngm, welchen Einfluß dieses Ereignis, da» ebensowohl welthistorische Pro­portionen annehmen, al» kläglich im Lande verlaufe« oder uns schwere Verlegenheiten und wenig Ruhm bringen kann, aus Deutschland selbst und auf die Übrige Welt haben wcroe. E» sind namentlich die englischen Blätter, welche diefen Fragen die gebührende Aufmerksamkeit widmen und sie in einem Geiste behandeln, der, obwohl zum Teil vor­eingenommen, doch auch vielfach durch die Thatsachen der Erfahrung befruchtet ist und daher unsere Beachtung in vollem Maße verdient. Die englische Preffe ist in An­gelegenheiten dieser Art unzweifelhaft die sachverständigste in der Weit, mindestens soweit es sich um eine Kolontal-

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