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Marburg, Diensmg, 6 Januar i8>5.

XX. Jahrgmg.

g,scheint täglich außer an Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Quartal Abonnements-Prels bei bei «Spedition LV. Mk, be den Postämter Ä Mk. 5( «fV (erd- Bestellgeld) Wrtisnsgebühr für bi Zpaltene Zeile 10 Pfg. Warnen für die Zeile

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Burcaux von Haasenstein »ndBogler in Frankfurt a. MKassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosse in Frankfurt a M., Berlin,München und Köln: G. L. Daube und Go. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

Michciitliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. Kreise Marburg u. Kirchhain. - ZllustricrtcS Loi,ntagSblatt.

Expedition! Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

gffigr» Den noch erfolgenden Neubestellungen auf unser Blatt wird, soweit der Vorrat reicht die

Nr. 1 des Illustrierte« SonutagSblatteS

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achgeliefert.

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Deutfchl««--Expasstaa «ach autzea".

DieMünchener AUg. Zig." bringt hierüber einen sehr irteressanten Artikel, dem wir folgendes entnehmen:

»Der eurrpäische Kontinent steht offenbar industriell unter dem Banne England», welche» bisher auf demselben Kontinent s ine bezahlten und unbezahlten Agenten hat. Um riese industrielle Supertorität ausrecht zu halten, hat England seine eigenen agrikolea Interessen geopfert. Der Pächterstand in England befindet sich in chronischem Banke­rott der Landarbeiter kommt bekaunllich gar nicht zu sich selbst.

Weil die amerikanische und russische Brotfrucht noch zu tcuir war, wurde an Ostindien und Australien appelliert, deren Wechsel durch vermehrten englischen Industrie-Import dngdöit werden. Die Ausfuhr, die Ausfuhr l BeschLstigung aller Kapitalien und »Hände* in der Industrie; Kamps aus Too und Leben mit jeder fremden Konkurrenz: das ist die wahre Frethandel-theocte England», und ihr Prophet heißt Gladstone, der von diesem Punkt au» zu beurteilen ist. Eine AuSnahmSposttion, ein mörderische» Monopol, das weitdl ckcndeu Staatsmännern auf der Seele lasten muß!

Als eie dünkelhafte Präponoeranz Frankreichs gebrochen war, als ein einsichtiger Patriotismus jenseits der Vogesen sich wieoer tu Europa anstatt über Europa fühlen konnte, war die Zett gekommen, gegen England» Monopol und Alleinherrschaft zur See Front zu machen. Auch diese zweite Niesen - Ausgabe nahm der deutsche Reichskanzler in feine Hand, wenngleich dieser Kampf länger dauern und .st Bismarck den Sieg nicht erleben wird.

Die unerläßliche Vorbedingung zu dieser Handelspolitik Im eminenten Sinne war, den Frteoen auf dem Festrande von Europa zu sichern; denn Eu opa sollte ja geeinigt wereen. Da» BundeSverhältni« zu Oesterreich stand seit dem Zähre 1879 fest und ist im vorigen Jahre, man sagt »auf unbestimmte Zett*, also provisorisch in infinitum, vetiangerl und gezeitigt worden. Italien und Sparten wurden herangezvgeu; die Balkan - Fürsten traten in eine Art von fretwiutger Vasallenschaft zu den beiden Kaiser­reichen. Rußland allein, zwischen friedlichen Neigungen und Unverwüstlicher EroverungSlUfl hin und her gezerrt, war ein ruvivser Faktor im Kont-nentalsystem. Als sich jedoch die europäische Friedensliga |0 pyramidal austürmte, wurde Rußland um seine Isolierung vange. 6» fehlte ihm der loyale Vorhang, hinter dem rS weitere Pläne in aller Stille vvroereiten konnte. Die Idee eine- franco russischen Bünd-

niffe- war zur Dichtigkeit von Sommersäden herabgekommen; England aber stand den astatischen Absichten der Mo-kowiter doch zuletzt im Wege. Also war eine abermalige Annähe­rung an Deutschland, al» da» Haupt der Friedensliga, unumgänglich geworden. Schon früb in diesem Jahre zeigten sich Spuren diese» Verlangen». Im Fbruar wurde die Abberu ung de» allzu ästhetischen Saburow in Berlin und die Ernennung des Fürsten Orlow zum Botschafter beim deutschen Kaiserhofe bekannt, wenn sich die letztere auch erst im März verwirklichte. Orlow war die vom Reichrkanzler gewünschte Persönlichkeit. Da er bi» dahin Botschafter bet der französischen Republik gewesen, so trösteten sich die Chau­vin« in Paris damit, er werde auch in Berlin seine Sym- pathteen für Frankreich geltend machen, bekanntlich ein sehr übeiflüsstger Trost l Al« Kaiser Wilhelm sein 70jährige» Jubiläum al« russischer St. Georgsritter feierte, überbot sich der russische Hof in Freundlichkeiten. Ungefähr zur selben Zeit trat die Idee der abgegrenztenAktionSsphäre* Rußland» und Oesterreichs auf der Balkanhalbinsel hervor. Im Sommer verbreitete sich allgemein da» Gerücht von einer neuenDrei-Kaiser - Zusammenkunft*. Gegen Ende August wurde die Reise de» Zaren nach Warschau offiziell angekündigt; nur der Ort der Zusammenkunft bliebun­bekannt wo*. Endlich, am 15. September, wurde der Vor­hang vor dem ziemlich unbekannten Schlöffe Skierniewice aufgezogen. Dort begrüßten sich die drei Kaiser. Da» Resultat teilte un» die Thronrede vom 20. November in knappen Worten mit:Ich freue mich . . . daß die Freundschaft mit den Monarchen von Oesterreich und Ruß­land (auf da» letztere kommt e» einzig an) durch unsere Begegnung in Skierniewice derart hat besiegelt werden können, daß ich ihre ungestörte Dauer für lange Zeit ge­sichert halten darf.*

Uebrrflüsstger Trost,* sagten wir oben in Bezug auf Orlows Sympathien für Frankreich. Di< selbe Thronrede vom 20. November enthält einen noch viel wichtigeren P-ffu» al« den angeführten. E« heißt:Im Einver­ständnis mit der französischen Regierung habe ich Vertreter der meisten seefahrenden Nationen hierher eingeladen, um über die Mittel zu beraten, durch welche der Handel mit Airika gefördert und vor Störungen durch internationale Reibungen gcst eert werden kann.*

Im Einveistänvnis mit der französischen Regierung!* Da» ist in der Tyat noch unendlich merkwürdiger, als da» Bün nie mit Oesterreich und die intermittierende Freund­schaft mit Rußland. Den scharf gewitzigeu Feind in einen Freund zu verwandeln und zwar so, daß itt ehemalige Feind seine Jntereffen dabei vollauf gewahrt findet: da« ist die höchste Leistung staatsmännischer Kunst.

Wa» war aber alle» vorhergegangen und wa« sollte noch Nachfolgen! Im Anfang Mai wurde bekannt, daß Deutschland in lange, achtmonatliche Witterung mit Eng­land über Angra - Pequena an der südlichen Westküste

Afrikas geraten sei. Gegen Ende de» Monat» hieß e»: Die deutsche Fahne weht über Angra-P quena 1* Defini­tiv handelt es fich um die ganze Küste vom Cap Fr io bis zum Oranjefluß, mit Ausnahme der englischen Walfischbai und der dazu gehörigen kleinen Inseln. Sofort regle sich die deutsche Kaufmann»« und Jndustriewelt: e» entstand einDeutscher Kolonial-Verein*, der jetzt seinen Sitz von Frankfurt a. M. nach Berlin verlegt; in Düffelvorf einWestdeutscher Verein für Kolonisation und Export*. Auch zahlreiche Erkrankungen amKolonialfieber* wurden gemeldet. DerKolonialvrretn* nahm schon Bezug auf den Congo, der al» Vermächtnis de» Vorjahre» die Aufmerk« samkeit fesselte. Au die Namen Stanley und de Brazza knüpfte sich der Widerstreit zwischen derInternationalen Affociation* unter dem Patronat des König« der Belgier und französtschen OccupationSbestrebungen. Angra Pequena aber erhielt erhöhte Bedeutung durch die Ankunst der Boeren-Deputation in Berlin, wo ste die freundlichste Auf­merksamkeit erfuhr. Den Boeren mußte natürlich ein südafrikanischer Konkurrent England» höchst willkommen sein, da der englischen Handelspolitik jede Unabhängigkeit und Straßenversperrung in jenem Gebiete gründlich ver­haßt ist.

Der berühmte Afrikareiseude Dr. Nachtigal wurde von Tunt» abberufen uns al» Generalkonsul nach Westafrika gesandt. Am 4. Juli hißte Nachtigal die deutsche Fahne in Little Popo (Dahomry) auf. Ein berühmter Reisender wurde dem anderen nachgesandt; auf Nachtigal folgte G. Rohlf», der, vermutlich mit einer geheimen Mission, den Cour» auf Südostafrika richtete. Offiziell wurden in Westasrika ferner unter deutschen Schutz gestellt: an der Skiavenküste die Häfen von Tome und Bageida, Porto Seguro zwischen Bagida und Litlle Popo, die Gebiete von Bimbia mit der Insel Nikol, Kamerun, Malimba, mit Ausnahme de« Noroen», Klein«Batanga, Plantation und Crtby. England machte lediglich seine Vorbehalte hinsicht­lich der Grenzen vom Namaqua- und Damaraiand. Die englische Preffe wurde anscheinend gleichgültig: So geht« unfern Ministern, geschieht ihnen ganz recht!

Der Ton dieser Preffe blieb immer anständig gegen Deutschland; aber sie sollte noch ganz anders murren. In der Südsee lagen noch viele unokkuterpte Inseln, die England wohl, trotz der französischen Besitzungen und der Einmischung von Bruder Jonatxan, für avsolut sicher ge­halten haben muß. Die australischen Kolonieen waren offenbar mißtrauischer al« das von Feniern und Egyplern geplagte Mutterland; sie versuchten schon im vorvorigen Jahre eine Föderation unter sich und forderten die Re­gierung in Downing - Street auf, Neu-Gutuea zu besetzen. Die Negierung zauoertr und ließ sich erst ziemlich spät im Jahre 1884 herbei, den Süden von Neu-Gutnea für eng­lischen Besitz zu erklären. Der deutsche Reichskanzler aber, unbekümmert um die Zurückweisung der Samoa-Vorlage,

Der verwünsche«« Prinz-

Novelle von Theodor Scheffel.

(Fortsetzung.)

Wiederum war aber auch der Herr von Ravenstein von btt risherigen vortrefflichen Gesundheit seiner Tochter utio deren in manchen außergewöhnlichen Fällen bewiesenen G.tstesgegeuwart derartig üoerzeugt, daß er sich sagen mußte, daß Gertruo doch drüben tu der alten Burgruine etwa« gesehen haben konnte, wa« ihr in seiner äußeren Erscheinung die Sage vom verwunschenen Pr nzen vor die Augen geführt hatte. Ader wa« oder wer konnte dies sein? Em abenteuerlicher Tourist, eia dreister Spaßvogel? Dies schien kaum möglich, denn in dieser Gegend hatte man noch nie einen Menschen mit ähnlichen wunderlichen Extra­vaganzen gesch.n. Sollte e» etwa gar eine Diebe«-, Raubet« ooer Falschmünzerbande sein, die drüben in der Burgruine ihr Versteck gesucht hatte und den Spuck trieb, um eie Annäherung anderer Menschen von der Ruine fern zu halten?

Dieser letztere Gedankengang schien dem Herrn von Ravenstein oct richtigste von allen zu sein uno da die myjteriöse Ängetegenheu jedenfalls eine baldige uno gründ­liche Au Hürung erheischte, so beschloß er, ohne Vorzug auf "t allen Burgruine eine sorgsättige Durchsuchung vorzu Nehmcn.

Die Sorge um die möglicher Weise in eine schwere Er­krankung DniuUeuot Gertrud hi.lt dell Herrn von Raven­stein indessen noch eine Zeit zurück. Et begab sich tu da« Zimmer, wohin seine Gemahlin und Gertrud sich zurück« üczogeu halten und erkundigte sich ängstlich nach dem Zu«

stau e der letzteren. Er erfuhr indessen, daß sich bet Ger­trud durchaus kein bedenkliche» Sympton weiter gezeigt hatte, sondern ste saß nur ruhig und in sich gekehrt da und die Mutter war bemüht, turch freundliches Zureden da« offenbar tief verstimmte Gemüt der Tochter zu er­heitern.

Diese Wahrnehmungen beruhigten den Herm von Ravenstein soweit, daß er zumal im Hinblick auf die baldige Ankunft de» herbeigerufenen Hau-arzteS sich ohne besondere Sorge auf einige Stunden au- seinem Wohnsitze entfernen zu können glaubte.

Der Herr von Ravenstein traf hieraus seine Vorberei­tungen zur Durchsuchung der alten Burgruine. Al» ehe­malige Offizier war der sich noch im rüstigen Manne-aller befindende Edelmann gewohnt, jeder sich darbtetenden Ge­fahr mutig in das Anllitz zu schauen und er empfand daher auch nicht eine Spur von Furcht bei seinem Vor­haben. Sollte sich aber eine Diebe«, oder Fulschmünzer- bande in der Burgruine niedergelassen haben, dann war e« doch ratsam, nicht allein die Durchsuchung veS verfalle- nen Schlosses vorzunehmrn, denn das DtebeSgestndel konnte zahlreich und bewaffnet fein, außerdem hatte der adelige Giundherr auch die Absicht, feine Besitzungen von solchem Auswurfe de» menschlichen Geschlechtes nötigenfalls gründ­lich zu säub rn, und vaS war doch am siche, sten nur dann möglich, wenn der Rest der Schurken vollständig au«ge- hoben wurde.

Der Herr von Ravenstein beschloß daher, in Begleitung einiger mutiger uno handfester Leute eine Durchsuchung der Burgruine vorzunehmen uns befahl zu diesem Zwecke seine« alle« treu« Diener Joseph und seinem Gärtner,

ihm zu folgen. Beide mußten sich mit wuchtigen Stöcken bewaffnen und der Edelmann hing sich sein scharfgeladenes Jagdgewehr um die Schulter. Nach Ergreifung dieser Vorsichtsmaßregeln lenkten die drei Männer ihre Schritte hinüber nach dem verfallenen schlöffe.

Sie hatten trotz der Elle, mit der sie sich vorwärts bewegten, eine halbe Stunde zu gehen, ehe sie ihr Ziel er­reichten, und als sie hinüber an die zerklüfteten Felsen und vergobhänge kamen, wo die Ruine lag, fielen bereit» die goldigen Strahlen der Abendlonne auf die romantische Landschaft, aber immerhin war wohl noch eine volle Stunde Zeit bi« zum Hereinbruch der Nacht.

Der Umstand, daß die Burgruine ziemlich versteckt zwischen Fetsenhängru und bewachsenen Bergwänden lag und deshalb nur ihr runder Turm zu sehen wat, wenn man unten au» dem angtenzenoen Tyale heraufstieg, ließ eS dem Herrn von Ravenstein rällich erscheiuen, vor dem Betreten de« verfallenen Gebäudes doch erst oeffen Umgebung zu durchsuchen, die ihrer ganzen Beschaffenheit nach, mehr Gelegenheit zu bequemen Schlupfwinkel für Räuber oder Falschmünzer darzubielen schien, al» die verfallene Burg selbst. Der Edelmann machte sich also mit seinen Beglei­tern d ran, zunächst die Umgebung der Ruine zu durch« spüren. Langsam gingen die drei Männer im Keeije um die Bocenerhöhungen herum, auf und hinter welchen sich da« verfallene Schloß befand und stiegen dann, immer noch im Kreiie gehend, höher und höher. Nach einem beschwer« ltchen Wege, der eine ganze Viertelstunde in Anspruch ge­nommen hatte, waren sie oben an der Mauer der Burg­ruine angelangt, hatten aber nicht dm geringsten Verdacht mvrckeudm Umstand bemerkt. (Fortsetzung folgt.)