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Marburg, Mittwoch, 31. Dezember 1884.
XIX. Jahrgang
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Wöchentliche Beilage»: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg >i. Kirchhain. - Illustriertes SonutagSblatt.
Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. ---------- -
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Mit der Nr. 1 des nächsten Jahres wird das
Illustrierte Sormtagsblatt Nr. 1
und
ein Wandkalender für 1885
ausgegeben.
/ Politische JahreSrvndscha«.
(Schluß.)
Die französische Republik hat eine recht unangenehme Erbschaft aus dem alten Jahre mit in das neue Jahr hiriübe zunkhmen, den Tonkinghandel mit China. Trotz des Friedensschlusses von Tientsin ist die Tonking- frage bis jetzt mit keinem Schütte ih-er Lösung näher gerückt; derselbe Hot weitere Kämpfe zwischen den Franzosen und Chinesen in Tonking nicht verhindert und die begonnene Besetzung der Insel Formosa durch die Franzosen vermochte die chinesische Regierung nicht im mindesten zur Nachgiebigkeit zu stimmen. Da» französische Parlament hat indessen dem Ministerium Ferry die Mittel zu einer energischen Fortsetzung der Operationen in Ostasten bewilligt und so wird wohl endlich vaS I chr 1885 die französisch chinesische Affatre so oder so gelöst sehen. Nach innen ist e- dem Ministerium Ferry gelungen, die Senatswahlreform zu einem befriedigenden Abschluss- zu bringen, dagegen ist ihm die B-f-itigu g der Ardetternot, namentlich in Paris und Lyon, noch immer nicht in dem wünschenswerten Maße geglückt. Zahlreiche Opfer fordeüe daS Auftreten der Cholera im Süoen Frankreichs und dann auch in der Hauptstadt selbst und dart es unter den obwaltenden Umständen als eine glückliche Fügung betrachtet werden, daß nicht daS ganze Land von dieser Kalamität heimgesucht wurde.
Auch England hat gleich Frankreich auf dem Gebiete der auswärtigen Politik eine unangenehme Htnterlasienschaft auS dem alten Jahr mit in da« neue hinübergenommen — die egyptische Frage. ES ist England bisher weder gelungen, in den egyptifchen Finanzen und überhaupt in den inneren Angelegenheiten de» PharaonenlandeS Ordnung zu schaffen, noch auch den Aufstand im Sudan niederzuwerfen, ja, t« hat sich sogar genötigt gesehen, eine Expedition zur Rettung de« in Chartum von den Heerhaufen de» Mahdi ein grfchlosienen General Gordon abzusenden, deren Ausgang noch völlig ungewiß erscheint. Eine zweite Expedition machte sich nach Südafrika notwensia, um den Boeren, welche da« von ihnen besetzte Betsäuana Land nicht herausgeben wollen, Respüt vor vem englischen Leoparden beizubringen; doch ist auch hier der Erfolg der Engländer noch keineswegs ein verbürgter. Eine ziemlich klägliche Rolle spielte England in den Verhandlung:a mit Deutschland wegen der deutschen
Die eiserne Aasseite.
Erzählung von Moritz Lilie.
(Schluß)
Der Hofhund schlug an als Ballmann durch« Thor trat, und lenkte die Aufmerksamkeit der Bewohner auf den Ankömmling; eine Minute später lag Frau Katharine, stumm und Fr-^udenthränen vergießend, in den Armen des Befreiten. Trinkler und Fritz, da« ganze Gesinde, eilten ebenfalls zum Willkommen herbei und erdrückten Ballmann fast mit ihren FreudcndczeuZungen und Glückwünschen. Um die EinqangS- thür war rin« Guirlande von Taunenrct« gewunden und auch daS beste Zimmer zum Empfang hrrgerichtet. Die Notabeln des OrteS kamen und begrüßten bm Angekommenen, ihm auf die wohltuendste Weise ihre Teilnahme bezeugend, und selbst der Herr Pfarrer erschien und brachte seine S genSwünsche. Str Alle lud Trinkler zu einem Imbiß ein, den er zu Ehren de« unschuldig Verurteilten auftragen ließ.
Mancher Trinkspruch wurde auf daS Wohl de« Gefeierten auSgebracht, nur der Gutsbesitzer selbst hatte bi« jetzt geschwiegen. Endlich erhob auch er sich und die Unterhaltung verstummte.
»Ihr wißt, meine Freunde/ sagte er, „daß mir in den jungen Fritz Ballmann eine Stütze erwachsen ist, deren Ehrenhaftigkeit, Fleiß und Treue ich mit jedem Tage mehr schätzen lernte. Ich selbst habe keine Nachkommen und bin deshalb dem Entschluss- gelangt, ihm mein Gut, wie e« steht und liegt, zu üb-rg-b-n, mir nur auf Lebenszeit freie Wohnung und Unterhalt vorbehaltend. Ich kann mein Gut in teilte besseren Hände geben, sein braver Vater aber möge in meinem Entsch'uffe eine kleine Entschädigung und Genugtuung für die ausgrstandetten Leiden erblicken. Ich
Kolonialerwerbuugrn in W.stafrika, welche Verhandlungen gerade nicht dazu beigetragen haben, das Ansehen de« Äabi nettS Gladstone bei besten eigenen Landsleuten zu stärken Einen wesentlichen Erfolg trug dagegen das englische Kabinett in seiner inneren Politik durch die Durchführung der Reform des Oberhauses davon, worin da« Ministerium di- große M-Hr'beit des englischen Volkes auf seiner Seite bat. In Irland harrt die Agrarfrage noch immer ihrer Lösung und sind daselbst auch im scheidenden Jahre eine Reihe von A irarverbrechen vorg« kommen.
Da« Königreich Italien wurde auch im ablaufendeu Jahre von einer schweren Landeskalamität in Gestalt der Cholera heimgesucht, welche, von Frankreich in Piemont ein- brechend, bald die ganze Halbinsel durchwg und besonder« da« schöne Neapel schwer heimsuchte. Gerade diese Tage und Wochen des Unglücke« haben aber g-z-igt, wie treu die italienisch- Nation zu ihrem Fürstenhaus- steht und da« mutvolle Austretftl deS Königs Humbert in dieser schweren Z it der Prü'ung hat ihm auch außerhalb Italiens allgemeine Sy npathje erworben. Im übriaen sind aus Italien keine bemerkensweite politische Ereigniste zu berichten und dasselbe gilt auch bezüglich Rußlands. Dasselbe verhält sich in der auswärtige» Politik ziemlich reserviert, in Asten dagegen schreitet eS langsam, aber sicher nach Südosten vor, wie die Annexion d-S Gebiete« von Merw beweist. Die Nihilisten haben im vergangenen Jahre wenig von sich hören lasten und auch bei dem Besuche de« Zarenpaares in Polen, sowie den hierauf folgenden Katsertagrn von Skierniewicr verhielten sie sich ruhig, wa« freilich keineswegs beweist, daß sie ihre dunkele Pläne aufgegeben haben.
Was nun die europäischen Staaten zweiten und dritten Range« anbelangt, so ist zunächst bei Belgien der Sturz des liberalen Kabinett« F.sre Orban zu verzeichnen, welcher infolge der Neuwahlen zur Deputiertenkammer erfolgte. Doch konnte sich auch das entschieden klerikale Ministerium Malou nicht lange behaupten und mußte dasselbe wegen de« ihm ungünstigen Ausfalles der Gemeindewahlen dem gemäßigt - klerikalen Kabinett Baerneert weichen. Auch in Spanien fand Anfang de» Jahres ein Ministerwrchsel state, indem das liberale Ministerium Posada be H-rrera dem klerikal angehauchten Kabinett CanovaS bei Castillo Platz machte, doch sch int auch letzterem keine allzugroße Lebensfähigkeit innezuwohnen. Au« bett drei nordischen Königreichen ist lediglich der noch fortdauernde Kampf in Dänemark zwischen dem Ministerium Estrup und der radikalen Mehrheit der Volksvertretung zu erwähnen, besten Ausgang sich noch nicht absehen läßt. Auch von der Balkanhalbinsel,dem poetischen W-tterwink-l Europa«, ist nichts Sonderliches zu berichten und scheint e« in der That, als ob in den Balkanstaaten stabilere Berhältniste
bin kein Redner, müne Freunde, darum lasten Sie mich zum Schluß kommen: Hoch lebe der neue Gutsbesitzer Fritz Ballmann I'
Lauter Jubel folgte diesen Worten und glückwüusch-nd um längten die Anwesenden den jungen Mann. In der Thüre aber stand, mit Thränen in den Augen, ein junge« Märchen und schaute auf die Szene.
Plötzlich gewahrte Fritz die Angekommene und stürzte auf st- zu.
„Hannchm!' rief er, „Du kommst wie gerufen 1*
Und fast mit Gewalt führte er die Widerstrebende zu seinen Eitern.
„Bist Du mit dem heutigen Tage noch nicht zufrieden?* fragte lächelnd der Vater, und zu dem Mädchen gewendet, fügte er hinzu: „Dir haben wir e« hauptsächlich zu danken, daß wir jetzt hier sitzen, feto glücklich I *
Und wieder tönten die Gläser an einander, diesmal auf das Wohl be« jungen Paares.
„Wie steht es mit Andreas?* fragte Trinkler.
„Ich tarn, um Euch zu sagen, daß er von seinem Leiden erlöst ist/ erwiderte Hanuchen.
„Möge ihm der ewige Richter gnädig sein!' sprach der Pfarrer.
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Helmert wurde trotz feine« Leugnen« der Verleitung zum Meineid für überführt erachtet und erhielt mehrjährige Zuchthausstrafe. Bom bli-b verschwunden, nur seine Tochter kannte da« Geheimnis seine» Aufenthalte«, bewahrte aber darüber da« unverbrüchlichste Schweigen. .Selbst ihr Gatte Fr tz Ballmann hat niemals danach geforscht.
Platz greifen und ihre buntgemischten Völkerstämme sich allmälig v rtragen lernen sollten.
In Nordamerika war da» bedeutsamste polstische Ereignis des verflostenen Jahres die Präsidentenwahl, bei welcher der Demokrat Cleveland als Sieger hervorging und ist somit in der großen transatlantischen Republik die demokratische Partei zum ersten Male seit 20 Jahren wieder zur Herrschaft gelangt. In Mexiko wurde der Präsident Gonzales durch den General Porfirivdeaz ohne jede Störung der öffentlichen Ordnung ersetzt; in <5üb« Amerika jst der chilenische peruanische Streirhandel anscheinend noch immer nicht vollständig geschlichtet. Unter den Reichen des „schwarzen Kontinent«* zieht Egypten noch immer die meiste Aufmerksamkeit aus sich, zur Zeit läßt sich aber nicht im mindesten beurteilen, welches die nächste Zukunft de» Pharaonentonde« sein wird. In Asten verhält sich daS chinesische Riesenreich gegenüber den Ansprüchen der Franzosen auf Tonking fortgesetzt äußerst feindlich, aber auch hier vermag niem-mb zu sagen, ob schließlich Frankreich oder C Ina in dem seltsamen Handel, bett beide Staaten mit einander haben, Sieger bleiben wird. In Australien endlich macht sich eine Bewegung der einzelnen Kolonialregierungen gegen die deutschen Erwerbungen in der Südsee geltend. ES ist noch nicht bekannt, wie man sich in London zu dieser Bewegung stellt, keinen- fallS wird dieselbe indeffen Deutschland zur Wiederverzichtleistung auf die betreffenden Gebiete bewegen.
Ueber die Ursache der niedrigen Preisverhältvtffe.
Die von uns schon vor einer Reihe von Jahren entwickelten schweren Nachteile, welche die Einführung der Goldwährung und die Entmünzung des Silber» für die wirtschaftlichen Verhältniffe dadurch haben würden, daß dadurch die Preise immer mehr herabgeorückt werden würden, finden immer mehr Beachtung. Wir führten damal« au«, daß durch die Goldwährung daS Gold und damit also auch daS Geld (weil ja nur das Gold noch eigentlichen Geldwert hat) verteuert wird. Die Verteuerung des G-ldeS ist aber immer gleichbedeutend mit einer Entwertung der Ware; DaS Geld ist der Maßstab für den Wert der Waren; wenn aber der Maßstab vergrößert (hier verteuert) wird, so muß ein größeres Stück Ware dafür gegeben werden. Der H m »etter und der Bauer muß mehr Produkte und der Arbeiter mehr Arbeit geben, als wenn da» Geld billiger ist; das heißt der Preis der Produkte und der Lohn der Arbeiter stnkt, je höher das Geld im Werte steigt. Diese sinkende Bewegung der Preise liegt seit Jahren wie ein unheimlicher, schwer drückender Alp auf der Landwirtschaft und der Industrie aller Kulturländer, besonders aber unseres Vaterlandes, und alle Versuche, Industrie und Landwirtschaft zu heben, haben nicht den ge.
Sine Bitte an Alle, welche es ««geht,
Go hört, ihr Leut' und laßt Euch sagen: Den Abschied nimmt daS alte Jahr. Mit Monden, Wochen und mit Tagen, Stellt sich verhüllt das neue dar. •'*
So lasset still daran uns denken,
WaS uns da« alte hat gebracht, Dem Einen kam eS Glück zu schenken, - Und sonnig klar hat's ihm gelacht. 7
Dem Andern Wunden hat's gerissen. Verhängt gar lebenslangen Schmerz. Von Augen hell die Thränen fließen, Und Trost empfängt nur schwer da« Herz.
Gott tröste sie nach seiner Güte,
Die nimmer von den Frommen weicht, Die dem belasteten Gemüte Allmählich macht die Bürde leicht-
Sieh doch! Wie viel ist dir geblieben!
Ist das nicht wärmsten Dankes wert! Erfreust dich noch am Guten, Lieben, An Gütern, die dir Gott beschert.
Wohlauf, den Geist frisch zu erheben, Zum Lob zu öffnen Herz und Mund. * Cs steht ja jede- Menschenleben, In Gottes Hand auf Erdenrund-
Gott gebe Schutz dem Königsthrone,
Gott schirme deutsches Vaterland, Daß in ihm Segen, Friede wohne Und nicht sei böser Krieg entbrannt.
Daß Krankheit nicht da- Land durchschleiche,
Die drohend kam vom Orient,
Zur Erde streckte Leich' an Leiche, Sie sei und jedes Uebel sremd!
Bezwungen seien böse Geister, Gelötet liege Drachensaat!
Heil sei dem neuen Bürgermeister,