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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedttion d. Blatte», sowie d.Ännoncen-Bureaux vonHaasenstein undBogler in Iranlfurt a M., Hamburg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Mofse in Frankfurt aüH., Berlin, München und Köln; G. L Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Pari».
Marburg, Dienstag, 30 Dezember 1884.
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XIX. JahrgMg.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux Jägersehe Buchhandlung in Frantfurt a. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; ♦ Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle. W. ThieneS in Elberfeld.
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Mit der Nr. 1 des nächsten Jahres wird das
Illustrierte SomttagVdlatt Nr. 1 und
ein Wandkalender für 1885 ausgegeben.
Politische JahreSrnndschan.
Wiederum geht im raschen Flug der Zett ein Jahr zur Neige und cs naht die Morgensonne eine» neuen Jahre«. Wie man nun schon im bürgerlichen Leben an dem Schcive- punkte zweier Jahre nochmals einen Blick auf die Vergangenheit zurückzuwerfen pflegt, so läßt auch der Politiker in diesem wichtigen Momente dir Ereignisse de« alten Jahre» noch einmal Revue passieren und zieht somit gleichsam in politischer Beziehung daS Fazit des vergangenen Jahres. W-nn wir nun zunächst unfern Blick dem deutschen Reiche zuwenden, so treten uns hier vor allem die großen Erfolge der Kaiserlichen Regierung in der auswärtigen Politik zutage. Die Dret-Kaijer-Zusammenkunst von Skter- niewice besiegelte die Wiederannäherung de» Zarenreiche» an daS deutsch-österreichische Bündnis und ist somit.durch die Entrevue, welche man als da» ureigene Werk des Fürsten Bismarck bezeichnen kann, eine neue und mächtige Garantie für ote Aufrechterhaltung des europäischen Frieden» geschaffen worden. Einen wetteren bedeutsamen Erfolg In der auswärtigen Politik Deutschland» bedeutete die noch im letzten Monat des alten Jahr.» in Berlin zusammengetretene asrlkantjche Konferenz; dieselbe hat zwar ihre Aufgabe, alle auf daS Co.igv - Gebiet bezüglichen internationalen Fragen zu lösen uno die dortigen Verhältnisse aus völkerrechtlicher GlUaolage zu regeln, noch nicht ganz erfüllt, aber es steht außer allem Zwäfel, daß die noch übrigen streitigen Punkte ebr,.falls in befriedigender Weise ihre Erledigung finoen werden und ist somit die Congo»Konferenz al« ein ent* jchtedcne» Zeichen für die fortschreitende Harmonie unter den maßgebenden Völkern de» Erdball» zu betrachten. Recht bedeutsam war das verflossene Jahr für Deutschland dadurch, daß in ihm der Grund zur kolonialen Entwickelung de« Dmlschen Reiches gelegt wurde; die deutschen Erwerbungen im Westen uno Südwesten Afrika», sowie in der Düojee haben sich unter jubelnder Zustimmung der Nation vollzogen uns eS ist keine Frag«, daß unser leitender Staats mann auf diesem Wege ouch fernerhin ote große Mehrheit oeS Volkes hinter sich finden wtro. Was ote tuneren Angelegenheiten Deuljchtano» nnbelangt, so treten un« hier als wichttgstes Erergnis eie Neuwahlen zum Reichstage entgegen, deren heworsiechenoster Zug neben dem Anwachsen der D utsch-Konservativen die'Nreoerlage war, weiche die deutsch fretsinnige Partei erlitt, aber auch ote bevenkltche Vermehrung der Svztalürmokratie zeigt. Da« OpposttionSbilo, da» der
Die eiserne Kassette.
Erzählung von Moritz Lilie.
(Fortsetzung.)
Der Wilddieb war von einem heftigen Wundfieber ergriffen wor'kn und phantasierte stark, so daß der Gericht»- dtcner und Hannchen die größte Aufmerksamkeit auf den Kranken verwenden mußten. Schon wiederholt hatte er den Ruf „Feuer!" auSgcstoßen, was die Wärter aber mit dem Kampf im Walde in Verbindung brachten.
Plötzlich richtete sich Andrea» halb auf; sein Gesicht war verzerrt und stöhnende Laute entquollen seiner Brust.
„Feuer! Feuer! er brennt 1* ächzte er. „O diese Kassette, wie sie heiß ist, nehmt sie mit ab!" Er machte eine Bewegung mit dem Atm, al» wollte er einen glühendheißen Gegenstand abschütteln, während Hannchen ausmerksam den Worten de» Fledernden lauschte.
„Ballmann, wollt Ihr Euren Kasten wieder haben, nehmt ihn, er brennt 1 Es ist ja Nicht» drin, Nicht» , kein Geld, nur Papier — wertloses Papier---da kommt
Helmert.'
Hannchen wich entsetzt zurück, so entstellt erschienen die Züge deS Verwundeten.
„Helmert hinaus, — Ballmann hat bezahlt, hier ist die Quittung, in ber Raffelte. Willst mich wohl auch auf« Zuchthaus bringen, wegen meiner Aussage---jagt
Helmert hinaus---"
Cr schwieg eine Weile erschöpft; auch der Gerichtsdiener war aufmerksam geworden.
„ES brennt bet mir, mein Gut brennt!" schrie Andrea« wieder. „Die verfluchte glühmoe Raffelte hat da» Feuer
ReichSlag in seiner ersten vierwöchentllchrn Thätigkeit entwickelte, wird wohl bald einer b fferen Einsicht weichen. Einen erfreulichen Fortschritt hat daS vergangene Jahr auf dem Gebiete der sozialpolitischen Gesetzgebung durch die Annahme de» ArbeiterunfallverstcheruugS - Gesetzes feiten« des Reichstage« gebracht und die dem neuen Reichstage gemachte Vorlage über die Ausdehnung de» Gesetzes auf weitere Arbeiterkategorieen bew ist, welche Fürsorge die Regierung unseres greisen Kaisers fortgesetzt dem Wohlergehen der unteren Klaffen widmet. Leider sind dunkle Mächte fortwährend bemüht, an den Grundpfeilern de« Reiche» und der gesamten gesellschaftlichen Ordnung zu rütteln, und der Leipziger Anarchistenprozeß hat erst jüngst wieder gezeigt, mit welchen verbrecherischen Mitteln die Anarchisten ihre Ziele zu erreichen suchen. In bezug auf die kirchenpolitischen Angelegenheiten ist eine gewiffe Stagnation zu verzeichnen und scheint e» auch nicht, al« ob in der nächsten Zeit in der kirchenpolitischen Frage eine entscheidende Wendung eintreten wird. Durch da» Ableben de» greifen Herzogs Wilhelm von Braunschweig ist die braunschweigische Erbfolgefrage aufgerollt worden, die aber aller Voraussicht nach eine den Jntereffen de» Reiche» entsprechende Lösung finden wird.
Oesterreich-Ungarn, der treue Allierte Deutschlands, hat keine außerordentlichen Ereigniffe zu verzeichnen, wenn man nicht al» solches die Teilnahme Kaiser Franz Joses» an der Monarchenzusammenkunft von Skierniewice al» ein solches bezeichnen will. Die traditionelle alljährliche Begegnung zwischen Kaiser Wilh-lm und Kaiser Franz Josef, welche zu Ischl stattfand, hat wiederum die Herzlichkeit der Beziehungen zwischen Deutschland und dem österreichischen Kaiserstaate auf baS Entschiedenste dokumentiert. Da» Hauptereignis in der inneren Politik bildete sür Ci»- leithanien die Neuwahlen zur Mehrzahl der Landtage, die indessen nur für den mährischen Landtag eine bemerkenswerte Veränderung brachten, indem die czechische Minderheit desselben eine erhebliche Verstärkung erhielt. In Ungarn sanden Neuwahlen zum Reichstage statt, welche dir Position de» Ministeriums TiSza entschieden befestigten. Der alte Nationalitätenhader ist in O sterreich während deS vergangenen Jahre» nur in sehr beschränktem Maße her- vorgetreten, dagegen bereitet da» Anwachsen der anarchistischen Strömung, welche» ans dem Prozeffe gegen Stellmacher und Genossin erhellte, der ö terreichischen Regierung ernste Besorgniffe und hat dieselbe deshalb auch die Weiterdauer der über W.en und Umgegend verhängten AuS- nahmemaßreg In angeordnet. In kommerzieller Beziehung war für den Donaukaiserstaat die Eröffnung der Arlberg- bahn ein wichtiges Ereignis und wird durch den n.uen Schienenweg der Handel und Verkehr Oesterreichs besondee» nach der Schweiz und Frankreich hin eine bedeutende Steigerung erfahren. (Schluß folgt.)
verursacht. Warum versteckte ich sie auch auf d.n Heu- boeen. — W-stsit — W sser — ich brenne!"
Ohnmächtig sank der Kranke zurück, die Aufregung hatte ihn überwältigt. Aber Hannchen wußte genug; da» konnte nicht die Ausgeburt von Fleberphantasten sein, ein Körnchen Wahrheit mußte darin stecken. Ihr Entschluß war gefaßt und die Möglichkeit, Licht In das geheimnisvolle Dunkel zu bringen, da» den Ballmannschen Melneldsprozeß umgab, verlieh ihr, dem schwachen Mädchen, Kraft und Energie, um selbst die für Frauen gewöhnlich so unarge- nehmen Wege zur Gerichtsbehörde zu unternehmen. Der Gedanke an Fritz beflügelte ihren Schritt, uns bald gab sie an Amtsstelle ihre Vermutungen und Wahrnehmungen zu Protokoll. Sofort wurde Haussuchung in dem Besitztum de» Verwunderen verfügt und zu diesem Zweck einige Beamte angeordnet.
Auf dem Boden einer Scheune, der zur Aufbewahrung de» Heue» diente, fand man eine alte, mit Lumpen angefüllte Kiste, auf deren Grund daS kleine eiserne Kästchen stand, da» Ballmann seit dem Brande vermißte und für durch das Feuer vernichtet hielt. Einige Familienpapiere, der Kaufkonlrakt über da« Ballm »mische Gut und die Quittung über an Helmert bezahlte zweitausend Thaler lag n darin. In höchster Spannung war Hannchen der Gerichtskommission gefolgt, und als sie den glücklichen Fund gewahrte, da jubelte eS in ihr laut auf; so schnell sie ihre F itze tragen konnten, eilte sie in da« Gehöft Trinklers und fiel ihrem Fritz in Gegenwart von besten Mutter unb fern Gutebesitz r stürmisch um den Hal«, nur de» einen Wortes mächtig: „Unschuldig!" Erst nach unb nach vermochte sie unter Freundenth äuen den Zusammenhang zu
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Dez. Die „Norod. Allg. Ztg." schreibt: Die irrtümliche Nachricht, daß ein Besuch deS Herrn Reichskanzlers in Paris zu erwarten fei, ist ohne Zweifel an» der Thatfache entstanden, daß ärztlicher Rat der Fürstin Bismarck einen Winteraufenthalt im Süden und dem Fürsten ein längeres Verweilen außerhalb deS Bereiche» der Geschäfte, der laufenden Telegraphie und der Geselligkeit empfohlen hat. Jedoch war für tie Fürstin nicht Nizza, sondern Süd-Italien in Aussicht genommen, für den Reichskanzler ohne Rücksicht auf klimatische Sage irgend ein etite tegetter ui-b geschäftliche Beziehungen ausschließender Ort, sei es Madeira oder Egypten, sei eS Tifli« oder Dront- helm. Beide ärztliche Vorschläge, wenn sie befolgt würden, implizierten keine Reise nach Frankreich, und ist daher eine solche in den hiesigen Auffastungen niemals besprochen worden. ES ist also auch nicht nötig, Vermutungen darüber aufzustellen, welchen Empfang der Reichskanzler bei einem Besuche in Paris zu erwarten hätte, und zu berechnen, welches Gewicht auf einer Seite die Ritterlichkeit de« französischen Charakters einem ehrlichen Gegner gegenüber und auf der anderen Seite eine künstliche Erregung feindlicher Minoritäten in die Wagschalen legen könnten. Die Beziehungen beider Länder und beider Regierungen zu einander sind derart, daß auffallende und übelwollenden Deutungen ausgesetzte Schritte zu ihrer Erhaltung unb Befestigung nicht erforderlich sind; die beiderseitigen Botschafter erfreuen sich des Vertrauens der beiden Regierungen, zwischen denen sie zu vermitteln haben, und wenn dennoch der Fall eintrete, daß die Leiter der beute scheu und ter französischen Politik einer persönlichen Besprechung b< bürsten, so würde sich eine solche erreichen lasten, auch ohne das Aufsehe - und die Pa: telvvrwände herb-izuführen, welche sich an einen Besuch de» Reichskanzlers in Paris knüpfen könnten. — Die von Bremen ausgehende Meldung, daß ter Afrikaretsende Einwald die St. Lucia-Lucht nebst 100000 Acres Land von den ZuluS für die Firma Lüdeiitz erworben habe, und daß weitere Erwerbungen folgen werden, dürfte sich wohl bestätigen. — Der in Kapstadt erscheinende „Cape ArgnS" batte kürzlich durch einen „Die Deutschen unb die Lucia - Bai" überschriebenen Artikel die Nachricht verbreitet, daß nach einander zwei Deutsche, ein Doktor Haevernick und ein Doktor MebuS bet der Regierung der neuen Zulu-Republik wegen Erwerbung der St. Lucia-Bai vergebliche Schritte gethan hätten. Zufolge deS Artikels hätte Dr. MebuS sich bet Zulu-Regierung in aller Form als autorisierter Beamter vorgestellt. E« habe sich jeooch bei näherer Prüfung ber angeblichen Vollmachten ergeben, daß Herr MebuS keinerlei Auftrag seitens der deutschen Regierung mit Bezug auf die St. Lucia-Bai erhalten habe. Die „Post" erfährt, daß vr. MebuS ein Afrikareisender ist, wie viele, ber sich vor einigen Jahren mit seinem gewöhnlichen Reisepaß unb mit
erzählen unb selbst Fran Katharine umarmte unb küßte das Mädchen, welches die freudige Botschaft überbrachte.
Noch denselben Ab nd war von ber Behörde telegraphisch die sofortige Freilastunq Ballmann« verfügt, Helmert ober von derselben GerichtSkommlstlon verhaftet und in« Gefängnis fortgefühlt. Auch Born hatte man verhaften wollen, er war aber nirgends aufzufinden gewesen. —
Es war am zweiten Tag nach der Auffindung der Kasteite, als ein Mann rüstigen Schritte« die Straße entlang wanderte, die zum Dorf führte. Der Schnee knirschte unter seinen Füßen, die Kälte des klaren Wintertages hatte ihm die Wangen gerötet, aber er achtete nicht darauf. Hocherhobenen Haupte« und freien Blicke« schritt et daher.
Al« er dm kleinen Kirchturm des Dorfe« und ein Haus nach dem andern vor sich auftauchen sah, da blieb er bewegt stehen und wischte sich eine Thräne aus dem Auge. E« war Ballmann, der ehemalige Züchtling, der feiner Heimat zupilgerte, nicht mehr gebrandmarkt und mit Schande beloben, sondern als ehrenhafter Mann, dem durch die Macht der Umstände schwere« Unrecht angethan worden war. Jetzt war er gerechtfertigt, seine Unschlud erwiesen, und in diesem stolzen Gefühl vergaß er bett monatelang«! Aufenthalt in bcr Strafanste lt und verzieh Denen, die diese» Unglück über ihn gebracht hatten. — Da schritt er die kleine Anhöhe hinauf, auf der einst sein Gehöft stand. Er erkannte die Glätte kaum wieder, auf welcher sich jetzt die neuen, massiven GutSgebäude erhoben, und ein wehmütige» Gefühl beschlich ihn bei dem Gedanken, daß die« nicht mehr sein Eigentum fei. Drüben im Nachbargut, bei dem alten braven Trinkler, wußte er seine Lieben, dorthin lenkte er auch seine Schrille. iSLluü folgt)