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JHarßurg, Donnerstag, 25 Dezember 1884.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vontzaasenstein undVogler in Frankfurt a UL. Ham­burg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt aM., Berlin, München und Köln: 0. L Daube »ab Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

bestätigten, Bollmann habe selbst noch vor wenigen Wochen die Richtigkeit der Forderung anerkannt, da brach er unter der furchtbaren Anklage zusammen; er schlag beide Hände vor daS Gesicht uns schwere, heiß: Thrinen entströmten den Augen des geprüften Mannes. Die von Helmert benannten Zeugm waren Born und Andreas.

In feiner dunk.'en, einfamen Gefängniszelle ward dem Verhafteten erst fein Unglück in der ganzen, vollen Größe klar. Sein armes Weib mußte der Last der einstürmenden SchicksalSschläge erliegen, seine alte und kranke Mutter auch den Schmerz erleben, ihren Sohn al» Verbrecher gcbrand- markt zu sehen, und die eigenen Kinder, konnten sie noch Achtung vor ihrem Vater haben, der als Meineidiger vor ihnen stand? Der Gefangene litt wahre Folterqualen, der Schlaf floh seine Augen und schwere Schweißtropfen stan­den auf seiner Stirne. Andreas, ein Verwandter, den er mit väterlicher Güte behandelt, mit vielen Wohlthaten über- häuft hatte, war einer der gegen ihn auftretruden Zeugen! Ballmann verlor den Glauben au die Menschheit, an Recht und Gerechtigkeit, und nur zuweilen durchzuckte ihu der Gedanke, daß seine Unschuld doch einmal endlich aut en Tag kommm müsse, wenn es noch einen Gott im Himmel gäbe.

Aw dritten Tage erhielt der Gefangene die Nachricht, daß seine Mutter sanft verschieden sei; fie hatte bis zum letzten Atemzuge den Sohn für unschuldig gehalten, und dies tröstete ihn etwas in seinem Schmerze.

Dir Untersuchung ging ihren Gang und als sie beendet war, kam der Prozeß zur öffentlichen Verhandlung vor die Geschworenen.

Ihr W 'hrspruch konnte nicht zweifelhaft sein; die Aus­sagen der Belastungszeugen waren nicht avzufechtev, und

Natur wird ihre Gebrechen, die dem Frieden hinderlich sind, nicht vollständig ablegen, aber daS Christentum und mit ihm das Weihnachtsfest mahnt un», diese Gebrechen mög­lichst zu bekämpfen, damit der Frieden auf Erden mehr und mehr zur Wahrheit werde. Sehen wir tu unseren Tagen mit Schrecken und Bangen auf den Hader, welcher die Ge­nossen eine» und derselben Volke» entzweit, auf die treiben­den Beweggründe, welche zu Zwietracht führen, auf die Gefahren, welche Staat und Gesellschaft bedrohen, so dürfen wir nicht verzagen, sondern müssen darin um so mehr einen Ansporn erblicken, dem Frieden auf Erden immer mehr nachzujagen.

WaS wir auf politischem und sozialem Gebiete erstreben, daS ist die Herstellung eines friedlichen Zustandes, die Ausgleichung aller G geusätze. So alt das Menschengeschlecht geworden, so sind wir davon doch noch sehr weit entfernt. Der Grund dieser Erscheinung liegt darin, daß da« Christen­tum noch nicht voll in unser aller Bewußtsein übrrgeqangen ist und unS in unseren Handlungen nicht ganz durchdringt. Um zu diesem Ziele zu gelangen, ist freilich nicht Friede, sondern fortdauernder Kampf nötig, aber Kampf gegen sich selbst, Kampf gegen die schlechten Triebfedern der Menschen, Kampf gegen die Elemente, welche von ihnen geleitet und beherrscht werden. Die Friedensbotschaft de» Weihnacht«- feste» fordert un» keineswegs auf, in diesem Kampfe nach- zulaflen: sie mahnt uns nur, den Frieden auf Erden be­gründen und immer mehr befestigen zu helfen. DaS kann aber nur in ernstem heiligem Kampfe geschehen gegen alle Hindernisse, die sich diesem Frieden entgegenstellen.

Aber wir dürfen heute auch daS WeihnachtSfricdentfest al» ein Fest zur Feier der Frieden» begehen. Hat doch der FriedcnSgedanke, besten Verwirklichung wir in dem inneren politischen Leben noch vermisten, gerade jetzt erfreu­licher Weise unter den Völkern Anerkennung gefunden, festen Fuß gefaßt und schöne Früchte getragen. Der Friede unter den Völkern der zivilisierten Well darf wenigsten» nach menschlicher Berechnung für längere Zett gesichert gelten, und zugleich hat sich die Mehrzahl derselben jetzt vereinigt, um da» FricdenSwerk der christlichen Kultur in barbarische Länder zu tragen und dieselben der Segnungen christlicher Sitte t ilhaftig werden zu lasten. In dieser gemeinsamen Aufgabe liegt eine gewisse Bürgschaft für die Dauer deS FrtedenSbunde», welche» sie umschlingt.

Der »Friede auf Erden* darf in diesem Sinne zur Z:tt wenigsten» al» erreicht gelten. Daß er auch für da» deutsche Volk in seinem inneren politischen nnd sozialen Lebrn zur Wahrheit werde und daß die Elemente über­wunden werden, welche sich dieser friedlichen Entwicklung und Gesundung de» deutschen Volksleben« hindernd in den Weg stellen, daS ist die Mahnung, welche da» WeihnachtS- fest un» Heuer im Hinblick auf all die trüben Erfahrungen der letzten Vergangenheit mit verstärkter Kraft zuiuft.

Die eiserne Kassette.

Erzählung von Moritz Lilie.

(Fortsetzung.)

Ballmaon war sprachlo» vor Schreck er eia Mein­eidiger! Noch immer hielt er die ganze Angelegenheit nur für einen schweren Jntmn; al« ihm aber der Staatsanwalt mttteiU, daß Helmert zwei Zeugen gebracht habe, die Mich

«»zeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux läget che Buchhandlung in p.'antfurt o M.; Hermann- AeBuchhandluna daselbst; ibolf Steiner i. Hamburg; Invalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig;

Barck u. Co. in Haue. I. Thienes in Elberfeld.

60 771 81 192 96 1171 20 es;

Weihnachten!

Das W-ihuachtSfest ist ein Fest de» Frieden», sowohl ein Fest zur Feier de» Friedens, wie ein Fest, da» un« zum Frieden mahnt. Za diesem letzteren Sinne haben wir gerade diesmal alle Veranlassung, Weihnachten zu feiern. Wir kommen soeben von dem Schauplatz politischer Kämpfe, welche ihren Ursprung in Haß, Neid, Mißgunst und Selbst­sucht haben. Unser öffentliches Leben ist von Hader und Zwietracht erfüllt, gerade jetzt, wo wir alle Veranlassung zur Einigkeit und zum Frieden hätten, für gewisse Par­teien scheint der Kampf Selbstzweck geworden zu sein, nnd diese Kämpfe vergiften mehr und mehr da» öffentliche L.ben. Dies ist um so schlimmer, al» wir erst in diesen Tagen wieder den Beweis erhalten haben, daß finstere Gewalten auch in unserem Volke thätig find und selbst nicht vor schändlichen Verbrechen zurückscheuen. Man könnte an dem deutschen Volke, au der Menschheit irre werden, wenn man über alle diese Erscheinungen nachdenkt, welche eher dem Kriege aller gegen alle al» dem verheißenen Frieden ähn­lich find.

Un doch ist der »Friede auf Erden*, welcher bei der Geburt de» Heilande» der Welt verkündet wurde, eine wahre und echte frohe Botschaft! Freilich die menschliche

Weihnachten.

Du freudenreiches WcihnachtSfrst, o Lenz zur Winterszeit, Du künft'ger Freuden Heroldruf, du Fest der Kindlichkeit Du kehrst seit tausend Jahren schon in lichtem Lauf zurück, Schaffst wie der Lenz, so ost du nahst, un» neue» reim» Glück.

Du tellst auf deinem Strahlenweg al» hochwillkommener Gast

Mit gleicher Liebe Gaben au», in Hütte wie Palast! Drum fei von Herzen un» gegrüßt, du Fest der Kindlichkeit, Rah un» noch oft mit deinem Glanz der Jung und Alt erfreut.

Doch sag, wo kchrst am liebsten du auf dieser Erden ein Wo strahlt im reinsten Himmettlicht dein lieblich mllder Schein?

Wo heiß rin Herz in Lieb erglüht, in Hütte wie Palast, Ein Herz, da» nicht auf Gaben steht, da» meine Deutung faßt,

Eiu Herz, da» in Zufriedenheit de» Himmel- Schickung trägt, Und, unbeirrt von Zweifelsucht, im frommen Glauben schlägt

An solchen Hütten breite gern ich meinen Zauber au» Und beute dort am liebsten dar all meiner Spend« Strauß l

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der Obmann verkündigte daher das »Schuldig*, infolge­dessen die Richter den Angeklagten zu drei Jahren Zucht- hau» verurteilten.

Todtenblisse auf dem eingefallenen Gestcht vernahm Ball­mann da» Erkenntni»; einige Minuten starrte er seine Richter unverwandt an, dann brach er ohnmächtig zusammen. Zwei Gerichtsdiener trugen ihu aus dem Saal, während fich die Zuhörer tief erschüttert entfernten.

IV.

Auf der Stätte, wo einst Ballmann» Gehöft gestanden hatte, erhoben sich bereit» wieder stattliche Gut-gebäude, die mit den dazu gehörigen Ländereien Helmert gehörten. E« «ar genau so gekommen, wie dieser vorauSgesehru hatte. DaS Gut hm, nachdem Ballmann in« Zuchthaus abgrführt worden war, zur Subhastation und wurde dem jetzig« Besitzer für ein Spottgeld zugeschlagen, wobei feine For­derung von zweitausend Thalern angerechnet wurde. Durch den Verkauf seine« früheren Befltztume» an Andrea» und Aufnahme einer Hypothek auf sein jetzige» Gut konnte er seine drängenden Gläubiger befriedigen, so daß er gegen­wärtig mit Recht für einen wohlsituierten Bauern galt. Trotz alledem genoß er sehr wenig Achtung im Dorfe, seine Streitsucht und fein großsprecherische« Wesen hatten ihm viele Feinde zugezogen, und der Umstand, daß er dir Ver­anlassung zu dem Unglück de« sich großer Beliebtheit er­freuenden Ballmann war, trug nicht dazu bei, dir öffent­liche Meinung zu seinen gunsten umzustimmen.

Frau Katharine hatte bet dem menschenfreundlichen Bauer Trinkler, welche sie und ihre Angehörigen nach dem Brande aufnahm, auch nach der Verurtettung ihre» Manne»

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Deutscher Reich.

Berlin, ,23. Dez. Der Kaiser konferierte nach- mittags längere Zeit mit dem Fürsten Bismarck. Br- Erlich der Stiftung eine» Fond- zur Dotierung de« vom Reichskanzler als unentbehrlich bezeichneten Direktorial« beamten sagt die Nordd. Allg. Ztg.*: So anerkennens­wert die Opferwilltgkeit ist, möchten wir doch zur Er­wägung geben, daß e» weder thunlich noch erforderlich ist, bic Wege aufgebrachten Gelder zur Besoldung

von Reich-beamtcn zu verwenden. E» ist nicht wahr­scheinlich, daß die nur durch ihren Haß gegen den Kanzler verbündeten Fraktionen den Mut haben, ihr Votum bei der dritten Lesung zu wiederholen. Wenn die» dennoch geschehe würde die Abwehr der darin liegenden Schädigung des Reich» auf anderem Wege zu suchen fein, al» durch Deckung auf dem Wege der Privatwohlthätigkeit. Die durch den Reich«tagsbeschluß vom 15. Dez. d. I«. hervorgerufene Aufregung dauert ungemindert fort und findtt in zahllosen Kundgebungen aller Art entsprechenden Aus­druck. Die »freisinnige* Presse wird dadurch unzweifel-

in große Verlegenheit versetzt, die sie angeblich hinter spöttischen Bemerkungen zu verbergen trachtet. Daß es sich um einen schweren taktischen Fehler handelt, wagt nicht 'inmal da« »Berl. Tagebl.* zu leugnen. Nur die dem Abg. Richter leibeigen angehörrnden Organe suchen ihrem Meister um jeden Preis herauszuhelfen, was sie aber mit den vornehmeren* Blättern in heftigen Zwiespalt bringt und so dir zwischen den fortschrittlichen und sezesfionistischrn Flügel der »Freisinnigen* ohnehin bestehende Kluft nur noch erweitern Hilst. In diesem Sinne ist auch die Wahl dr» Herrn v. Forckenbeck in Sagan-Sprottau kein »Glück* für die Partei. Herr v. Forckenbeck hat seinerzeit bekanntlich für die Verlängerung deS Sozialistengesetze» gestimmt und sich dadurch den bittersten Haß brr »Richtrrschrn* zuge­zogen, die so weit gingen, öffenilich zu erklären, daß der Oberbürgermeister von Berlin nicht in den Reich-tag ge- höre. Wenn er jetzt gleichwohl wieder erscheint, so ist da­rin Beweis für den abnehmenden Einfluß de- Abg. Richter. Forckenbeck wird sich innerhalb der Partei al« ein zer- fetzendes Element erweisen. Vielleicht find er und der Abg. Rickert dazu auSerseheu, eine neue »Sezession*, diesmal aber nach rechts, zu den Nationalliberalen hin, anzubahnen und i urchzuführen. Die »Nat.-Ztg.* ist hierfür sehr ein- genommen und thut, was fie kann, um den Plan zu fvr- rern. Entschließt fich der Abg. Richter mit den Seinigen in den Fragen des auswärtigen Etat« einzulenken, fo wird die Spaltung aller Wahrscheinlichkeit nach gleichwohl ver- mieden «erden; thut er e» nicht, so dürfte sie unvermeid­lich sein. Die Afrikanische Konferenz hat fich bi» zum 5. Januar 1885 vertagt. An ihre Thätigkeit knüpft sich zur Zett noch manche Sorge, da die unfreund­liche Stellung, welche Frankreich zu dem neuen Kongostaat einnimmt, unverändert ist, diese Schwierigkeit aber not»

)nlich.. ltig.

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Äl>lt dem kommenden Jahre beginnt die Oberhesstsche w*rV Zeitung ihren zwanzigsten Jahrgang und ersuchen wir unsere geehrten Abonnenten ihre Bestellungen für da« 1. Quartal 1885 bet der Post recht bald erneuern zu wollen. Die

Oberhesstsche Zeitung erscheint auch im neuen Jahr wie bisher mit ihren wöchent­lichen Gratisbeilagen

Amtlicher Anzeiger

für die Kreise Marburg und Kirchhain

und

Illustrierte» Sormtag»blatt.

Der Nr. 1 des neuen Jahre« wird ein Wandkalender für 1885 mit einem Märktrverzeichni« der nächstgelegenen Orte bcigefügt.

Der vierteljährliche Abonnements - Preis bet der Post bettägt 2 Mk. 50 Pf., w:nn die Zeitung bei den Poststellen abgeholt wird, und 2 Mk. 90 Pf., wenn sie durch die Post­boten überbracht wird.

Anzeigen finden In der Oberhefstschrn Zeitung eine stet» wirksame Verbreitung und werden mit 10 Pfg. per Zelle berechnet.

MF* Auf dem Lande nehm« die Postboten Be­stellungen an.

Marburg, im Dezember 1884.

«xped. der Oberh. Ztg.

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