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HX. Jahrgang.

ZNarKurg, Freitag, 19. Dezember 1884.

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Weihnachtsabend war gekommen, aber d°S richtige Weth- nachtSwetter hatte sich nicht eingestellt. Statt weißen fest-

rechtzeitig Vorkehrungen dagegen getroffen würden. England habe zwar kein Interesse, in diesen Gebieten neue Besitzungen zu erwerben, wohl aber habe es ein Interesse, sich neue Absatzgebiete zu schaff n. ES könne daher die Erschließung Afrikas durch andere Nationen willkommen heißen, aber nur unter dem doppelten Vorbehalte, daß den Eingeborenen Frieden und Recht, und daß dem Handel aller Nationen Freiheit gewährleistet werde. Der Verfasser hält es daher für die Aufgabe Englands, auf den Abschluß eines inter­nationalen UebereinkommenS hinzuwtrkcn, durch welches sich alle Nationen verpflichteten, bei Besitzergreifung bisher unab­hängiger Territorien folgende Prinzipien zur Geltung zu bringen: 1. Verhinderung des Sklavenhandels. 2. Zu­lassung der Missionare aller Nationen und Konfessionen.

3. Unzulässigkeit aller Monopole. 4. Gleiche Behandlung de? Handels aller Nationen. 5. Beschränkung der Zoll­abgaben auf daS fiskalische Bedürfnis. 6. Strenge Rück­sichtnahme au: die Rechte der Eingeborenen. 7. Einführung von internationalen Schiedsgerichten zur Entscheidung aller Streitigkeiten. Der Verfasser glaubt, daß England für solche Bestrebungen bei Deutschland und bei allen am Handel beteiligten Nationen Unterstützung finden werde.

Hamburg, 16. Dez. Von der gestern hier ver­sammelten Konferenz der Vertreter deutscher SchiffSbau- anstalten ist ein Begrüßungstelegramm an den Reichskvnzler abgesendet, dessen Wortlaut denBerl. Pol. Nachr." wir folgt mitgeteilt wird: »Die heute in Hamburg anwesmden Vertreter deutscher SchiffSbauanstalten senden Ew. Durch­laucht mit ehrfurchtvollster Begrüßung für die dem Reichs­tage unterbreitete DampfersubventionSvorlage ihren Dank. Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß diese Maßregel zur Förderung der Wirtschaftslage des Landes und zur Hebung deS deutschen Schiffsbaue« dienen wird, wünschen wir dringend die Annahme der Vorlage seitens des Reichs­tags."

vrauuschweig, 17. Dez. Der außerordentliche Land­tag wurde heute namens des Regentschaftsrates von dem Staat-Minister von WrtSberg unter Hinweis auf die bevor­stehende Eröffnung deS ordentlichen Landtages geschlossen. Seit der am 27. Oktober erfolgten Vertagung seien Er­eignisse, welche die Einberufung deS außerordentlichen Land­tages veranlaßt hätten, nicht eingetreten.

Leipzig, 17. Dez. (Prozeß wider Reinsdorf und Genossen.) Der heute nochmals vernommeneAn- geklazzte Küchler versicherte, RetnSdorf habe ihm gesagt, in RüoeSheim kämen der Kaiser und vi-.le Fürstlichkeiten zu­sammen, daS sei der geeignete Zeitpunkt, um etwas ins Werk zu setzen. Reinkdorf habe aber auch gesagt, man solle den ersten Wagen mit dem Kaiser schonen, wenn dem Kronprinzen geschadet würde, werde da« den Kaiser auch treffen. Der Angeklagte Rupsch erklärte dem gegenüber, in seiner Anwesenheit habe RetnSdorf so etwas nicht gesagt, 1 im Gegenteil, er wisse nicht anders, als daß daS Attentai

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gefallen wäre, leicht gefügt. Am Vormittag blätterte fie ein bischen in einer neuen Rolle, spielte ein wenig Klavier, neckte ihren Papagei und tollte mit ihrem Hündchen. DaS Mtttagbrod nahm sie ganz lustig mit ihrer alten Christine rin; dann war auch diese gegangen, um der Bescheerung im Hause einer verheirateten Schwester beizuwohnen. Nun war Hedwig ganz allein in ihrer Wohnung. Allmältg be­gann eS zu dunkeln, aber sie zündete kein Licht an, sondern trat ans Fenster und sah schweigend herab auf daS Gewirr der durcheinander eilenden Menschen auf der Straße. Als nach und nach der Menschen da drunten immer weniger wurden, als eS still zu werden begann auf Plätzen und Gassen und jener heilige WeihnachtSfriede sich Hemieder« senkte auf diese Welt, die noch eben so laut gelärmt in der Arbeit deS Tages, da fühlte auch Hedwig, wie sich ihr Herz plötzlich so schmerzlich sehnsuchtsvoll zusammenzog, wie sie e« zuvor noch nie gekannt hatte. Und dieses tolle, lebens­lustige Mädchen, das sonst jedwede sentimentale Regung weil von sich gelacht hätte, durchschauerte cs in der tiefen Einsamkeit, die sie umgab, und sie fühlte, daß ste allein war, ganz allein. Sie trat vom Fenster zurück. In der Stube war eS dunkel geworren und nur das Feuer im Kamin, daS Christine vor dem Fortgehen noch frisch ge­schürt hatte, verbreitete flackernd einen rötlichen Schein. Hedwig zog einen Sessel ans Feuer unb blickte in die zuckenden und prasselnden Flammen, die auch nicht mehr hell aufloderten, sondern allmältg in sich zusammensanken und kleiner unb kleiner wurden. Unb daö einsame Mas­chen, bas j tzt ängstlich zusammcngekauert wie ein Kind in den großen Sessel sich,schmiegte, dachte der Zeiten, die ste noch Im Hanse de« Vaters verlebt hatte. (Schluß folgt.)

Ei« Herz.

Eine Weihnachtsgeschichte von Max Schoenau.

-Fräulein Hedwig," fuhr der Doktor fort,Sie haben ein großes Talent für naive Particen, aber eine Frau und nun gar eine liebende und entsagende Frau können Sie noch nicht spielen."

Warum denn nicht?"

.Weil Sie Ihr Herz noch nicht entdeckt habm.

-DaS wird ja immer hübscher. »Sie hat ihr Herz entdeckt", ist ja gerade meine beste Rolle." Sie war auf» gesprungen und sah ihn zornig an. Auch er erhob sich und sagte mit ruhiger Stimme:Glauben Sie nur, Fräu­lein Hedwig, Sie haben eS noch nicht entdeckt und werden eS vielleicht auch nie entdecken, denn zuweilen düutt eS mich, als kennen Sie überhaupt nicht dieses seltsame, rätselhafte Ding, da« man ein Menschenherz nennt."

.Sie meinen, ich hätte überhaupt kein Herz, Herr Doktor? Da haben Sie Recht, für solche Pedanten, wie Sie einer sind, habe ich ganz gewiß keins." Sie wendet sich ab unb griff nach ihrem Mantel.

Sie sind schlechter Laune, mein Fräulein," sagte Werner und'eS klang wie Trauer in seiner Stimme,ich will mich empfehlen, um Ihnen die Laune für heute abend nicht ganz zu verderben. Leben Sie wohl!" Er verneigte stch und ging.Adieu", rief ihm Hedwig kühl nach.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d-Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Franffurt oM-; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle. W. Thienes in Elberfeld.

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ltl,"3efrorenen Schnees deckte schlüpfrige Feuchtigkeit den Boden WteLnv entlockte dcm Munde der eilig Dahinschreitenden manch lonfn

Die englische ZeitschriftThe nineteenth Century enthält in ihrem neuesten Hefte unter dem TitelThe expansion of Gennany ans der Feder von George Baden-Pow:ll einen bemerkenswerten Aussatz über die deutschen Kolonialbestrcbungen. DaS Vorgehen Deutschland« auf diesem Gebiete wird von dem Verfasser sympathisch be­urteilt. Seiner Ansicht nach ist dasselbe ebenso wie die ersten Kolonialbestrebunzen Englands aufden Ueberschuß der Bevölkerung, der Kapitalien und des Unternehmungs­geistes" zurückzuführen. Der deutsche Handel hat in allen Teilen der Welt Niederlassungen gegründet unb steht allein dem englischen Handel an Bedeutung nach. Die Auswan­derung Deutscher nach Amerika und anderen Ländern ist eine außerordentlich große. Dies alles hat die Deutschen zu der Auffassung geführt: Warum soll Deutschland nicht ebenso gut wie Englan, Gebiete erwerben, wo seine Untertanen ohne den Verlust der Nationalität ihr Fort­kommen zu finden vermögen? Ohne auf die bezüglichen Ausführungen deS Verfassers im einzelnen und insbesondere auf seine etwaS phantastischen Auslassungen Über die Ge­biete, welche Deutschland für seine Bestrebun. en inS Auge gefaßt haben soll, einzugehen, erscheinen unS seine Ansichten Über die Stellung, welche England dcm deutschen Vorgehen gegenüber einzunehmen habe, von besonderem Interesse. Ausgehend von dem bekannten Satze: Frankreich habe Kolonieen, aber keine Kolonisten, Deutschland dagegen habe Kolonisten und keine Kolonieen, zieht er einen Vergleich zwischen den KolonisaiionSbestrebungen der beiden Nationen, welcher zum Vorteil Deutschlands auSfällt. Die deutschen Beste ebungen auf diesem Gebiete seien, so wird auSgeführt, daS Produkt der naturgemäßen Entwick-lung dieses Volkes. In Ucbereinstimmung mit den englischen seien fie darauf gerichtet, unkultivierte Länder der Zivilisation und dem europäischen Handel zu erschließen. Deutsche Kolonieen in Südamerika, in der Südsee, wo Samoa bereits einen Mittelpunkt deutschen Handel« bilde, in China rc würcen daher von England nur willkommen geheißen werden können. Der Verfasser geht sodann auf die deutschen Unternehmungen in Afrika ein. Unter dem Hinweis darauf, daß bei Ueber- nahme deö Protektorats über dortige Gebiete die Berück stchtigung früher erworbener Rechte anderer Nationen aus­drücklich zugesiche.t worden sei, wendet er stch gegen die vielfach au gestellte Behauptung, in der Besitznahme Angra P.qn na liege eine Gefahr für England. Eine solche sei nicht vorhanden; Deutschland könne stch in jenem Gebiete genügend nach Noroen uns Osten aus Zehnen, ohne mit England in einen Jnteressenkonflckt zu geraten. Um übrigen wirs bezüglich der Wckküste von A-rika darauf hiugewiesen, daß, abgesehen von D utschiand und England, auch Portu­gal, Frankreich, Holland und Spanten daselbst Kolonieen besäßen. Der Verfasser fürchtet, der Wetteifer aller dieser Nationen, Anteil an dem Handel nach dem Inneren Afrika« zu gewinnen, könne Verwicklungen herbeifüh en, wenn nicht

unwilligen Fluch. Dazu hatte stch ein dichter Nebel her- niedcrgesenkt, durch Den das Licht der Gaslaternen nur mit trübem, roten Scheine sich Bahn brach uns der die kleinen Oellämpchm der Verkaufsbuden fast ganz unsichtbar machte. In dem grauen Dunstgewoge sah man dunkle Schalten eilig dahinhuschen, in den Häusern begannen die Fenster Heller uns Heller zu w.rben und hinter den Thüren regte stch ein Geranne uad lustiges Geflüster, als hätte heute in jedem Hause eine ganze Schar fröhlicher Geister ihren Ein­zug gehalten. Und je Heller und lauter eS Himer den Fenstern wurde, um so stiller wurse eS auf den Straßen, denn allmältg sammelte sich alle« zur lustigen Bescheerung um den strahlenden Christbaum. Nur wenige vereinzelte Menschen zeigten stch noch auf der Gasse; teils hatten ste stch verspätet und kauften noch in der letzten Minute hier und da eine kleine Gabe, um ihre Lieben zu erfreuen, teil« gehörten ste zu jenen Einsamen, die selbst an diesem fest­lichen Tage tdne Freundeshand hatten, die sie wärmer drücken Durften, denen kein krauser Kinderkops sich zärllich ans Knie schmiegte, um mit glänzenden Augen zu danken für all daS Schöne und Herrliche, daS Der Weihnachts­mann ihm gebracht.

Auch Hedwig gehörte heute zu diesen Einsamen. DaS Theater war des heiligen Abends wegen natürlich geschlossen; fie halle nichts zu ihun, und seltsamer Weise war ihr dies­mal auch nicht wie sonst eine Einladung von irgend einer befreundeten Familie zuaegangen. In den drei Jahren, seitdem ste das HauS ihres Säte r9 verlassen, um sich ganz der Kunst zu widmen, war eS das erste Mal, daß sie den heiligen Abend allein verbringen sollte. Während des TageS hatte sie sich in dieses Schicksal, da« Anderen schwer genug

Deutsche- Reich.

©erlitt, 17. Dez. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Mt8' Anläßlich der letzten Reichstagsverhandlungen gingen dem Reichskanzler au« den verschiedensten Teilen deS Reiches Ton Telegramme zu, au« denen sich ergiebt, welch peinlichen Eindruck die Stellung der Volksvertreter im Lande her« -77- vorgerufen hat. Daran anschließend publiziert dieNordd. l.eba Alla. Ztg." Telegramme aus Bielefeld, Schorndorf und Mannheim, welche dem Reichskanzler die tiefste Verehrung ,P Unb das vollste Vertrauen auSdrücken. Die Mehrheit ter Budgetkommifsion des Reichstags hat die für GrmidstSckserwerbung und als erste Baurate für den Neubau eines Festungsgefängnisses in Pofen geforderten 250 000 M. uaen^ abgelehnt, indem die DcutfLfreistnnigen unb das Zentrum K dagegen stimmten. Die Position: 76 000 Mk. für den 25 St Neubau zweier Brtttleriewagenhäufer in Beffungen bei Darmstadt als erste Rate wurde bewilligt. Ferner wurden 5279461 Mk. für bauliche Unterhaltung n, Retablisse- Sori ment« und kleine Neubauten, sodann 2762486 Mk. für 50 i Besch ffnng und Unterhaltung von Utensilien, 4192 434 M. 'imaw L für Feuerung, Beleuchtung und Mieten, sowie für Unter« flfe .. Haltung unb Ergänzung der FestungS - ApprovrstonementS .eichen an Feuerungsbeständen, ebenso die entsprechenden Titel des -sächsischen unb württembergischen EtalS unb Berücksichtigung [47 i der durch frühere Abstriche erwachfenden Konsequenzen be- - willigt. Bezüglich der Verhandlungen über daö Post- HI^ l spatkassenges tz im Bundesrate wird noch bekannt, daß Baiern sich auf seine Reservatcechte stützte und beantragt WUUB hcrt: Dieses Gesetz findet auf Baiern keine Anwendung Der Antrag sand die Zustimmung deS Bundesrats. Die Annahme seitens Württembergs erfolgte unter vielfachen Vorbehalten. Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz und Reuß ältere Linie erklärten stch lebhaft dagegen, weil die Sparkassen ihrer Staaten zu sehr dadurch benachteiltgt würden, am meisten eiferte Sachsen gegen da« Gesetz vom wirtschaft ichen und finanziellen Standpunkte ans. Sachsen beantragte einfache Ablehnung und fand dabei keine Unter­stützung. Der höchste Satz der Sparkasseneinlagen wird auf 800 Mk. bestimmt. DaS Gesetz ist bekanntlich in erster Lesung angenommen worden. Dagegen stimmten Sachsen, die beiden Mecklenburg unb Reuß ältere Linie. Baiern enthielt sich der Abstimmung. Hinsichtlich des zollfreien Einlasses von Kokssgarn hat der BundeSrat be­schlossen, daß auf Grüns deS § 115 des VereinSzollge- setzes vom 1. Juli 1869 zu Strängen zufammengesrehte Kokosfasern (KokoSgarn) zur Anfertigung von Tauwerk, Fußoecken mit d:m Beding ter Wiederausfuhr im weiter- verarbeiteten Zustande unter den zur Sicherung deS Zoll- interesseS geeigneten Kontrollen zollfrei eingelassen werden dürfen. Die Wahlprüsungekommifston Hst heute dte Wahl de« Abgeordneten BuseruS-Gießen für gültig erkläit, beantragt aber, daß über verschiedene in den Protesten be­hauptete Unregelmäßigkeiten Beweis erhoben werde.