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XIX. Jahrgang.

Marburg, Sonntag, 14. Dezember 1884.

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St« Weihnachtsgeschenk.

Weihnacht« - Humoreske von Juliu« Belitz.

Ich gehe ja schon, Hebt Tante/ suchte ich sie zu be­gütigen, .wenn ich auch gestehen muß, daß mir so etwa« in meinem ganzen Leben noch nicht — .*

Ich (am mit dem Satze nicht zu Ende, denn meine Tante stürzte mit der langen Kohlenschaufel, die sie all­dem Kamin genommeu, aus mich lo- und e« blieb mir nicht- weiter übrig, als mich im Orkanschritt au- Seh» und Hör­weite der Gesellschaft zurückzuziehen.

Ich fühlte mich recht unglücklich, denn von einer Respekts­person wie meiner Tante au« dem Hause gejagt worden zu sein und nicht einmal zu wissen, warum, da« war keine Rleinkleit. Ich lenkte daher — zu noch andern Besuchen war ich unter den obwaltenden Umständen nicht Im gering­ste« aufgelegt — meint Schrillt nach Hause.

Kaurn hatte ich mir auf meiner Stube den Schlafrock angezogen uns die lange Pfeife in Brand gesteckt, so kam Meier io vollem Gesellschaft-anzuze herdngestürmt.

Ich muß Dir dwa- erzählen, Winter*, sagte er, „einen Hauptspaß. Du weißt, am Tage vor Weihnacht« brachte ich einen Korb nach Hause. Ich erzählte Dir, ich hätte ein Geschenk für mdnen Vdter darin. Ja, dieser Letter ist Dir dn Subjekt, wie Du Dir kein- erbärmlicher denken kannst. Von jeher ist er mir in die Seele zuwider gewesen. Vor einem Jahre hatte er fich verheiratet, «iso für diesen Vetter hatte ich durch einen Gymnafiasteu eine Katze schlacht« und in jenem Korb sorgsam verpacken last«, und der Kvrd nebst Inhalt waaderte in Begleitung «einer

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Anzeigen nimmt entgegen: hit Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoneen-Bilreaux vonHaasenstein undVogler in Frankfurt a M. Ham­burg, Magdeburg». Wien; Ziuoolf Moffe in Frankfurt , vi-, Berlin, München und Mn; ®. L Daube und |e. in Frankfurt e. HL, Berlin, Hannover u. Pari«.

Deutsche» Reich.

Berlin, 12. Dez. Da« Präsidium de« Reichstag« ist am gestrigen Tage von der Kaiserin empfangen worden. Der Empfang hatte sich verzögert, da die hohe Frau zuvor die nunmehr erfolgte Rückkehr de- ersten Vizepräsidenten Freiherrn v. Fravckenstein erwarten wollte. — Der Redaktion«« auSfchuß der Cvngokommifston war gestern nachmittag ver­sammelt und wollte heute vormittag vor der Kommission«« sthuig nochmals zusammentrtten. E« sollte sich unter anderm darum handeln, ob eine Form oder Fassung zu finden wäre, durch welche der bekannte Antrag Amerika- auf Neu­tralisierung de« Congobecken« mit den in der Kommission erhoben« Einwendungen »»«geglichen werd« könnte. — Ja der gestern stattgehabte« Plenarsitzung de« Bunde«rat« machte der Vorsitzende, Staat«mlnister Staatssekretär de« Innern v. Bötticher, Mitteilung über die durch den Reicht- tag erfolgte Wahl von Mitgliedern zur Reich-schulden- Kommission, sowie die Annahme de« Gesetzentwurf« über die Kontrolle de« Reich-Hau-Halt« und de« LandeShau-haltS von Elfaß-Lothringen für 1884/85 feiten« de« Reichstag- und legte Aktenstücke über die Unterstellung de- Togo- gebiete« und einiger an der Biafra-Bai belegenen Küsten­striche unter den Schutz Sr. Majestät de« Kaiser« vor. Der Entwurf eines Gesetze«, betreffend die Feststellung de- LandeShau-haltr-Etat- von Elsaß Lothringen für 1885/86, wurde den zuständigen Au«schüssen überwiesen. Sodann erfolgte die zweite Beratung de« Gesetzentwurf« über die Ausdehnung der Unfall- und Krankenversicherung. Der Entwurf eines Postsparkassengesetzes wurde in erster Be­ratung genehmigt. Endlich wurde auf mehrere Eingaben, welche sich aus die Zollbehandlung einzelner Gegenstände bezogen, Beschluß gefaßt. — Die erste Fortsetzung der Aktenstücke 6u den westasrikanischen Angelegenheiten ist soeben erschienen. Sie umfaßt 52 Setten und ist „Angra P-quena" betitelt. Das Ganze zerfällt in zwei Telle: A. Korrespon­denz betreffend die Niederlassungen der Rheinischen Mission«- gesellschast Im Hererolande. B. »ngra Pequena. Die erste Abteilung enthält vier Aktenstücke au« den Jahren 1880 und 1881, darunter eine Instruktion der englischen Re­gierung au den Gouverneur der Kapkolonie über Festhal­tung de- Oranje - Flusse« als Gr-nze der letzte«. Die Abteilung Angra Pequena zählt 54 Aktenstücke, vom 16. November 1882 bW 15. Oktober 1884 datiert. Zum groß« Teil sind die letztern Mitteilungen bekannt. Inter­essant sind die Noten über bedingte Anerkennung des deutschen P otektorat« ü er Angra Ptquena seitens England« und die Verhandlungen über streitige Punkte, die Schildern tg de« Hasen« von Angra Pequena unv de« Lande-, sowie Gutachten über da« Lüoerttzsche Unt rnehrnen. — Die Budget- kommiiston de« Reich«tagS setzte heute die Beratung de« Extraorvlnarlum« sort und bewilligte dir l tzte Rate von 355080 Mk. sür den Neubau eine« Tratndepot« sür da« Gardlkorp», den Neubau eine« Kasernement« für eine Eska­dron de« erst« Garoe • Ulanen • Regiment« zu PotSoam, zweite Baurate von (300000 Mk.), sowie den Neubau

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blatte«, sowie d-Nnnoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i- Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barcl u. Co. in Halle. W. Thiene- in Elberfeld.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertag«. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Illustrirte» Sonntagsblatt durch die Expedition (R o ch'fche Buchdruckerei) bezogen »*/♦ Mark, durch die Postämter de- Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf« (erd. Bestellgebühr.) - JnfertlonSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Reklamen die Zelle 25 Pf«. Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.

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einer evangelischen Garnisonkirche zu Neisse (erste Baurate von 60000 Mk.). Abgelehnt wurde die erste Rate von 30000 Mk. für den Neubau eine« Kasernement- für die 2. Abteilung de- zweiten Garde»Feldartillerie«Regiment« zu Berlin, der Neubau und die Ausstattung einer evan­gelisch« Garnisonktrche zu Spandau (erste Rate von 10000 Mk.), ferner die gefordert« 300 000 Mk. für den Neubau eine« Dienstgebäudes für da« Generalkommando zu Posen, der Neubau einer Kaserne für eine Eskadron zu Düsseldorf (erste Rate von 87 000 Mk), sowie der Bau einer Garnisonwaschanstalt zu Münster (erste Baurate von 30000 Mk.). — Die „Kreuz;.* schreibt: Durch da- Hin- scheiden weiland de- Herzog« Wilhelm von Braunschweig ist bekanntlich da- preußische Thronlehen Herzogtum Oel- in Schlesien zum Hetmfall gelangt und auf dm Kronprinzen übergegangen, während der schlesische Allodialbesttz von dem Erblasser durch Testament dem Könige von Sachsen vermacht worden Ist. Schon wiederholt ist auch darauf hingrwiesen Word«, daß die Klarlegung der Verhältnisse de- Lehen-, de« Fideikommisse- und de-Allodial« besonderen Schwierig­keiten unterliege und e« In manchen Fällen sehr schwer sein werde, die bestimmt« Grenzen der bisher gemeinschaftlich bewirtschafteten Güter sestzustcllen. Wie verlautet, dürste die schwierige Auseinandersetzung demnächst durch eine Ver­einbarung einen allerseits befriedigenden Abschluß finden. — Wir Privat-Telegramme au« Brüssel melden, sei Graf Herbert Bi-marck vom Haag dorthin gekommen, um mit dem König der Belgier über die Kongofrage zu konferieren. Die „Nat-Ztg.' berichtet: Graf Herbert Bismarck wird nach seiner Rückkehr vom Haag auf seinen Gesandtschafts­posten daselbst nicht wieder zurückkehren, sondern zur Wahr­nehmung der Geschäfte de« Unterstaatssekretärs in da« AuSwärtige Amt eintreten, einstweilen wohl noch unter Erhaltung seines jetzigen Gesandtenpostens. Der bisherige UnterstaatSsekretär, Dr. Busch, geht als kaiserlicher Ge­sandter nach Bukarest. Der jetzige dortige Gesandte, Graf WeSdehlen, erhält eine anderweitige Bestimmung, möglicher Weise al« Direktor im Auswärtigen Amt.

— Uebct die gestern abend stattgehabte zweite Sitzung der Kommission de« Reichstag- für die Dampfersubven- tlonSvorlage entnehmen wir dem Beilchte der „National- Zeitung* nachstehende«: Die Vertreter de« Zentrum« brachten folgende schriftlich formulierte Anfragen an den Bundesrat ein und bitten um deren möglichst schriftliche Beantwortung: 1. Aus Grund welcher Berechnung ist der BundeSrat zur Einstellung der Summe von 5 400 000 Mk. gelangt und wie verteilt sich diese Summe auf die einzelnen Linien? 2. Was d-zahlt die deutsche Postverwaltung Im Verkehr mit Asten, Australien und Afrika für die bisher in Anspruch genommene Vermittelung fremdländischer Dampferlinien und welcher Betrag würde hiervon in Zu­kunft bei Einrichtung und Benutzung der projektierten Linien in Abzug kommen? 3. Welche Minimalgeschwindigkeit der Schiffe ist sür die einzelnen Linien in Aussicht genommen? 4. Wie würden, in VerhältniSzahl« ausgedrückt, sich die

Karte in sein Haus. JL erwartete nun nichts anders, al« daß er mich mindesten- fordern würde oder dergleichen. Und wa- geschieht? Da — vor einer Stunde erhalte ich diese- Billet hier, eine Einladung zum Diner — heute abend 6 Uhr. Ich vermute freilich, daß er vor hat, mir einen Streich zu spielen. Vielleicht hat er die Katze ge­braten und ich soll sie essen. Wer weiß! — Hier unten schreibt er noch: .Best« Dank für Dein hübsche« Geschenk l Wahrhaftig ei» famose« Tier! Hätte nicht geglaubt, daß ein Spaßvogel, wie Du, so praktisch sein kann!'

.Nein, lieber M-yerl' rief ich, eine Katze wäre, nicht, wa« Du ihm geschickt hast, e« war ein Puthahn!'

„Hahaha! Ein schöner Putbahnl Ich sage Dir, r-war ein richtiger, struppiger Dachhase mit vier langen Beinen l

„Da- denkst Du, Meyer', fuhr ich betrübt fort, „aber wir haben unsere Körbe vertauscht. Ich habe Deine Katze meiner Tante geschenkt und dafür hat sie mich heute au- ihrem Hause hinauSgeworfen. Und Du hast mein« Put­hahn Deinem Vetter geschickt und dafür hat er Dich heute zum Diner eingeladen!'

„Himmelelement!' rief Meyer und fuhr mit beiden Händen durch die Haare.

Aber wa« einmal gescheh« war, konnte nicht mehr un» geschehen gemacht werd«, und so beruhigte er fich bald und ging zu seinem Vetter zum Diner. Und al« er spät am Abend nach Hause tarn, erzählte er, der Vetter, der einen hedeutenden Einfluß In den kaufmännischen Kreisen der ;JT "»dl b.saß, hab- ihm au« frei« Stück« versprochen,

Transportspesen für Frachtgüter von den deutschen Häfen au- bei Benutzung der neuen Linien im Vergleich zu den gegenwärtigen durch Inanspruchnahme auswärtiger Schiffe bedingten Unkosten stellen? 5. Sind dem Bunde-rate ge­nügend substantiierte nachweisbare Fälle grundsätzlich un­gleicher Behandlung der deutschen Exporteure durch fremde Dampfergesellschaften und eine dadurch bedingte Bevor­zugung der ausländischen Konkurrenz bekannt, event. find Versuche gemacht worden, derartige Mißstände zu beseitig«? 6. Welche Aeußrruagen de« deutschen Handel-standeS liegen vor, auf Grund deren der Bundetrat fich veranlaßt ge­sehen hat, der Frage der Kreierung subventionierter deut­scher Dampferlinien nahe zu treten? — Staatssekretär v. Bötticher mahnt, nicht zu sehr in die Detail- einzu­gehen, nicht zu viel auf Ziffern zu geben, die Vorlage mehr von höheren Gesichtspunkten au- zu behandeln. Nach einigen Bemerkungen de» Abg. Stiller erwiderte der Kom- missarlu- Dr. Krauel: Er sei 5 Jahre Konsul in China gewesen. Herrn Stiller- ehrenhaften Charakter habe er persönlich kennen gelernt. Aber er glaube nicht, daß Herr Stiller durch sein« Aufenthalt in Amoy genügende Er­fahrungen gewonnen habe, wie sie zur Beurteilung der ganzen Vorlage erforderlich seien. Nur in Shanghai habe er (Redner) diese Erfahrungen machen könn«. Er be­schwert sich, daß Abg. Dr. Bamberger die Klagen der Konsuln über mangelnde deutsche Schiffe al« flüchtige Be­merkungen charakterisiert habe^ In diesen Berichten sei vielmehr eine Rdhe treffender Bemerkungen zu finden. Abg. Richter meint, daß die Frachtbeförderung durch dir deutsche Hamburger Rhederei nach ihrem jetzig« Bedürf­nis befriedigt werde. Er legt die verschiedenen Berichte dieser Gesellschast vor und zitiert eine Reihe von Stellen au- diesen Berichten, di« für seine Behauptung sprechen. Staatssekretär Dr. Stephan giebt Daten über die Her­stellungskosten der geplanten Linien. Die Durchschnitts- geschwindigkeit soll sein ll’/r für Asien, 10 für Afrika. Dr. Stephan verliest verschiedene Handelsberichte. Er hegt die Hoffnung, daß sich auch Abg. Bebel sür die Vorlage bekehren werde, welcher sich da- vorige Mal noch nicht definitiv dagegen ausgesprochen habe. Dr. Stephan be­zieht sich auf das Votum des Staatsrats und auf fran­zösische Stimmen. Abg. Dr. Gerlich meint, daß unsere Ueberproduktion nur durch dm Export Erleichterung finden könne. Abg. Bebel findet den Beweis, daß die geplanten Linien ein Bedürfni« für die Industrie seien, nicht ge­führt. Die älteren Berichte der Konsuln wüßten nicht« von subventionierten Linien. Jetzt seien natürlich die Han­delskammern einverstanden mit den Vorteilen, welche man ihnen zuw nden wolle. Er bemerkte allerdings, die Mehr­heit feiner Fraktion fei für die Vorlage, er mit der Minder­heit dagegen. Staatssekretär v. Bötticher wendet sich in längerer Ausführung gegen den Abg. Bebel und versichert, daß r« den verbündeten Regierungen besonder- am Herz«, liege, Beschäftigung für die Arbeiter zu finden. Um 11% Uhr wurde die Sitzung auf heute abend vertagt.

ihm binn« wenigen Tagen ein« sehr angenehme Stellung tn einem größeren Handel-Hause zu verschaffen.

Am folgend« Tage ging er nun zu meiner Tante und klärte sie über den vorgefallenen Irrtum auf. Sie war sehr huldreich gegen ihn und schickte mir tn aller Form ihre Verzeihung, doch schien e«, al- wenn die Abneigung, die sie einmal gegen mich gefaßt, gar zu tief in ihr wur­zelte, und ich sah mich bald genötigt, die Hoffnung aufzu­geben, e« könne da- alte gute Verhältnis zwischen ihr und mir jemals wieder hergestellt werden. Einmal gab sie mir sogar ziemlich deutlich zu versteh«, daß ich mich ferner nicht mehr zu ihr zu bemüh« brauchte.

Dafür bat sie aber desto häufiger meinen Freund Meyer, ste zu besuchen, und dieser folgte gehorsam jeder ihrer Einladungen. Und es dauerte nicht lange, da erklärt« sie allen, die e- hören und so oft sie eS hören wollten, daß Mayer der angenehmste junge Mann in der ganzen Welt sei, und eine- schönen Tage« heiratete ste ihn, obgleich ste gewiß alt genug war, um seine Großmutter sein zu können.

Jetzt ist sie längst tot, sie war kaum ein Jahr Frau Meyer, und Eduard Meyer, al« ihr einziger Erbe, ist Herr dnet halben Million. Ich speise zuweilen bei ihm zu Mittag und dann macht er sich in der Regel den Scherz, mich zu fragen, ob ich Puten- oder Katzmbraten vorziehe, aber dieser Scherz erregt mir noch immer ein gewisse- Un­behagen, denn efl war seine Katze, die mir mein Miß­geschick , und mein Puthahn, der ihm sein Glück ge­bracht hatte.

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