XIX. Jahrgang
Marburg, Freitag, 1'2 Dezember 1884.
Nr. «09
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so feine gewöhnliche Art — „ja, ich habe einen Vetter, den ich von Herzen lieb habe und dem ich eine Freude zu machen wünsche. Darum will ich ihm auch etwa» zu Weihnachten schenken 1*
Nun war eS, da- wußten wir, bei Madame Schmidt, unserer Wirtin, so Gebrauch, daß, wer stch zuerst unten einstellte, auch zuerst zu eflen bi kam, und so eilten wir die Treppe hinunter, nachdem wir unS noch einmal genau gemerkt, wo jeder seinen Korb hingestellt hatte, wenigsten« ich that eS, da» weiß ich.
Hastig machten wir un» über da» Mittagsessen her. Meyrr wurde zuerst fertig und verließ das Speisezimmer, während ich noch mit allen Lacken taute. Und al» ich wenige Minuten nach ihm die Treppe hinaufflog, war er schon fort und der Korb mit ihm, mein Korb aber stand vor der offenen Thür mitten im Hausflur. Wer weiß, wer diese Unverschämtheit gehabt hatte, ihn auS der Stube zu holen und dahin zu setzen. Indes, wozu sollte ich mich darüber ärgern? Er war ja ganz unversehrt und daS Papier daran auch. Also kritzelte ich eilig auf ejne meiner Visitenkarten: „ES wünscht vergnügte Feiertage Ihr ergebenster P. W." und steckte ste mit einer Nadel an den Henkel.
Eine halbe Stunde später langte ich vor dem Hause meiner Tante an, händigte den Korb der alten Sophie ein, welche Köchin, Stubenmädchen und HauSmagd in einer P rson war, erlaubte mir noch die Bemerkung, ich hoffe, der Puthahn wird zart sein und sich eflen lassen, und ging mit jenem Wohlgefühl wieder fort, daS wir empfindm, wenn eine schwere Last von unserer Seele gewälzt ist.
(Fortsetzung folgt.)
angenommen. Kap. 27 — GarnisonverwaltungS- und Serviswesen — wurde einstweilen zurückgestellt. Kap. 37: Artillerie- und Waffenwesen 11505100 Mk. wurde bewilligt, doch die nachträgliche Nachweisung der bei den einzelnen Titeln verbliebenen übertragung-fähigen Geldbe- stände verlangt. Kap. 40 WohnungSgeldzuschüffe 6 506 976 Mk. wurde genehmigt; ebenso wurden die entsprechenden Kapitel deS sächsischen und württembergischen MilitäretatS angenommen.
— Heute ist da» zweite Verzeichnis der beim Reichstage eingegangenen Petitionen, deren Zahl diesmal 61 beträgt, ausgegeben worden. Es finden sich darin wieder zahlreiche Petitionen, die sich auf Privatangelegenheiten beziehen, und Gewährung von Unterstützungen, Pensionen und Rechtshilfe verlangen. Die Kategorie der wunderlichen Käuze ist diesmal durch einen Einwohner Dresdens vertreten, der nichts andere» verlangt, al« daß dahin gewirkt werde, „daß Sr. Majestät dem Kaiser thatkräftige Unterstützung bei Erledigung der sorgenvollen RegiernngSgeschäfte zu Teil werde." Auch enthält da» Verzeichnis wiederum einige Petitionen des Impfzwang», in größerer Zahl um Abänderung de» Zolltarifs und um Annahme der Post- dawpfervorlage. Von den auf Abänderung de» Zolltarifs gerichteten Petitionen ist zunächst die der Bauern de» Kreise» Düren (Rheinland) hervorzuheben, weil darin zum ersten Mal eine fünffache Erhöhung der bestehenden Getreidezölle gefordert wird. Eine von 3160 Bauern aus verschiedenen Ortschaften der württembergischen Bezirke Ulm, Geislingen und Heidenheim unterzeichnete Petition richtet sich gleichfallS auf Erhöhung der Getreidezölle, ohne jedoch stch für einen bestimmten Zusatz zu entscheiden. AuS der Marienwerder Niederung stammt eine Eingabe um Abänderung der Tabaksteuer, von anderer Seite wird um Erhöhung deS Eingangszoll» für gereinigte oder sonst irgend zugerichtete Bettfedern petitioniert. Die Palmitin (Margartn-) Fabrikanten zu Mülheim (Ruhr) wünschen bei der Verzollung von Talg zur Blstimmung der drei Qualitäten: Talg, Palmitin und Stearin den Schmelz- resp. Erstarrungspunkt zu Grunde zu legen und von Denaturierung des TalgeS abzusehen. Gegen Zollerhöhung richtet stch die Petition der Berliner Großdesttllateure, welche den EtngangSzvll auf Rum, Arao und Cognac nicht erhöht haben wollen. Von bekannten Petitionen enthält das neueste Verzeichnis die Beschwerde von James Phillip» zu London über das RetchSbank- Direktorium und die Bitte um Entschädigung für ihm angeblich durch die bestehende GeschästSpraxi» der Reichsbank erwachsenen Vermögensnachteil. Gegen die Einführung von Postsparkassen richten sich die Eingaben de» sächsischen SparkaffenverbandeS uno der Sparkasse zu Pretzschendorf. Herr Otto von Bar zu Grafenhorst bittet um Wiedereinführung der Silberwährung, um eine vom Abg. Windhorst überreichte Petition eines pensionierten Briefträgers ist eine Mahnung darin, daß das Beamten-PenstonSgesetz end-
Deutsche» Reich.
Berit«, 10. Dez. Der BunveSrat wird morgen in die zweite Beratung deS Gesetzentwurfes über die Ausdehnung der Unfall- und Krankenversicherung eintreten, sowie Den Bericht deS Ausschusses über den Entwurf de» Postsparkaflengesetze» entgegeuneymen. — Die Kommission der Kongokonserenz beriet gestern die Schtffahrtsakte für den Niger. Den Beratungen liegt die für den Kongo sestgestellte SchiffahrtSatte zu Grunde, mit denjenigen Abänderungen, welche fetten« einiger Mächte für notwendig erachtet worden. Heute hält die Kommission wieder eine Sitzung. — Die Reichsregierung hat bekanntlich bei jeder Gelegenheit ihre Geneigtheit ausgesprochen, die über Kranken- uno Unfallversicherung zu Stande gebrachte Gesetzgebung auf weitere Kategorieen auszudehnen. Gerade die von links auf diese Gesetzgebung zu erfolgenden Angriffe pflegen zu betonen, vaß dieselbe nicht weit genug, nicht auf „alle Arbeiter" ausgedehnt sei. Bezüglich ver Krankenversicherung hat nun daS Gesetz eine Bestimmung getroffen, wonach den Gemeindebehörden die Fakultät beigelegt ist, dieselbe auf weitere al» die im Gesetz obligatorisch gemachten Kate- gorteen zu erstrecken. Die Berliner Stadtverordneten-Ver« sammlung hatte stch in ihrer vorletzten Sitzung mit vom Magistrate behnf» Ausführung de» Krankenverstcherung»- gesetze« vorgcschlagenen Reglement» zu beschäftigen, die einem AuSschuff- zur Vorberatung Überwiesen waren. Dieser Ausschuß empfahl zugleich die Annahme einer von dem Stadtverordneten Dr. Inner vorgeschlagenen Resolution, weiche den Magistrat aufforderte, von der erwähnten Fakultät ausgiebigen Gebrauch zu machen. Obwohl nun im AuSschuff- ver Magiftratskommissar Stadtrat Dr. Eberly gegen diese Resolution nicht« einzuwenden gehabt, trat derselbe dem die Resolution zur Annahme empfehlenden Referenten im Plenum entgegen, wobei er vom Stadtver- ordneten Dr. Virchow ausgiebigst unterstützt wurde, während sogar Herr Büchlemann al» Befürworter de» Jrmerschen Vorschlag» auftrai. Da» Resultat war die Ablehnung der Resolution. Dieser Beschluß der Kommnnalvertretung der Hauptstadt Berlin steht In einem bemeikenSwerten Kontrast Wwvhl zu den offen dargelegten Bestrebungen der Reich»- regternng, al» zu der von derjenigen Partei sonst beliebten Stellungnahme, welche die MajorttätM Stavtverorvneten- Bersammlung btlvet. — In den hiesigen hohen Gesell- schastSk. eisen will man, wie ver „Köln. Ztg. auS Berlin telegraphtert wild, wissen, daß im eyeuchen Leben de» Groysürsteu Sergiu» so ernste Zerwürsntffe einge- ttdm seien, baß die Großfürstin Elisabeth (Tochter ve» Großherzog» von Hessen) auf Scheidung bestehe uno, um diese zu erwirken, nach Gatjchtna zum Kaiser Alex -noer III. gereist sei. Sie soll sich weigern, zu ihrem Gemahl zu rückzukeyren, uno e« soll fraglich sein, ob e» dem Ein- greyen de» Kaiser» gelingen «eroe, die Aussöhnung der
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition b. Blatte«, fowie d.Annoncen-Bureaux »onHaasenstein undVogler in Frankfurt a M. Ham- butg, Magdeburgu. Wien; jtusolf Moss« in Frankfurt 4.W., Berlin, München und Mn; ®. L Daube und gj. tn Frankfurt a. Dl., Berlin, Hannover u. Pari».
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen>Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt o. M-; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf vteiner i. Hamburg; Invalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle. W. Thiene» in Elberfeld.
(Nachdruck verboten)
Ei« Weih«achtSgesche«k.
WeihnachtS»Humoreske von Julius Belitz-
.Mein lieber Peter", sagte Ich zu mir, „Weihnachten ist die Zeit der Geschenke, da» kannst Du jetzt von groß und klein hören, uns so wird Dir wohl wieder nicht» weiter übrig bleiben, al« Deiner Tante, die Dich, wenn Du ihr gefällst, einst zu einem reichen Mann machen kann, edcu- fall» etwa» zu schenken." t
Ihr etwa» schenken, ja! Aber wa»? — Tante Krüger war eine alte Dame, die Zeiten, tu denen ste e» lieble, sich mit hübschen Säche.cheu zu schmücken, hatte sie längst hinter stch, und die zahlreichen kleinen Kästchen mit ihren Ringen uno Naoeln uno Armbändern lagen jahrau» jahrein unde- rührt auf derse-ven Stelle in der Kommode. Also mit dergleichen durste ich ihr nicht kommen. Eta hübsche»Buchs Sie l«S nie etwa» andere» al» die Bibel, und alle ihre Verwandten hatten ihr bereit» so viele Bibeln geschenkt, daß sie mit ihnen eine unnbersteigltche Mauer um den kleinen Garten vor ihrem Hause hätte ausjüyren können.
So viel ich mußte, hatte ste nur an einem Ding Freude, und da» war da« Geldsparen. Von all den lausen eilet Sachen, womit man zu Weihnachten Geschenke^ zu machen pflegt, sprach ste so wegwerfend, al» wenn e» Spreu wäre, gut genug, um im Verein mit anderen Substanzen den Acker seit &u machen. — Und doch, wehe demjenigen, der ihr zu Wechnachten nicht» schenkte, er wurde tn die Acht erklärt und für immer von der Teilnahme an oen Thee> gesellschafteu ausgeschlossen, die ste alle halbe Ja^e gab und bei denen stch eie Gäste an einem schwachen Aufguß
Gatten zu Stande zu bringen. (Die Hochzeit hat bekanntlich erst in diesem Sommer stattgefunden.)
— Die Kommission des Reichstags zur Vorberatung der Vorlage über die Subvention von Postdampfern trat gestern abend zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Außer den Mitgliedern der Kommission hatten stch zahlreiche andere Abgeordnete eingefunden, um den Verhandlungen al« Zuhörer beizuwohnen, unter ihnen der Präsident v. Wedell- PieSdorf. Al« Vertreter der verbündeten Regierungen waren die Staatssekretäre v. Bötticher und Dr. Stephan mit zahlreichen Kommissarien erschienen. Der Vorsitzende Graf v. Ballestrem schlug vor, zunächst in eine Generaldebatte einzutreten. Abg. Dr. Bamberger bat jedoch hiervon abzusehen und sofort die Spezialdiskusston zu eröffnen. Staatssekretär v. Bötticher erklärte sich damit eliöcrftanben und die Kommission entschied stch für den Vorschlag de» Abg. Bamberger. Letzterer beantragte sodann, eine gewiss- Reihenfolge tn der Diskussion der in Betracht kommenden Linien einzuhalten. Hauptaufgabe der Kommission dürfte sein, Aufschlüsse über das Bedürfnis der vorgefchlagenen zu subventionierenden Dampferlinten für den Export zu erhalten. Zur Sache selbst behauptete Dr. Bamberger, eS sei kein Beweis dafür geliefert worden, daß die deutschen Waren aus Mangel an Schiffsgelegenheit keinen Absatz in Ostasten gefunden haben. Nachdem RegierungSkommiffar Geh. Rat Röstng statistische Daten zur Orientierung mitgeteilt, bemängelt besonders Abgeordneter Stiller die außerordentliche Mangelhaftigkeit der Motive. Im Interesse der Hebung deS nationalen Handels befürworten Staatssekretär ».Bötticher sowie die Abgg. Dr. Hammacher und Meier-Bremen die Vorlage. Sehr entschieden trat Abg. Brömel gegen den Entwurf auf, während Abg. Wocrmann die Vorlage warm empfahl. Je mehr Schiffe in Betrieb kämen, um so mehr trete da» Bedürfnis nach Einstellung neuer hervor. Nachdem noch Abg. Graf Adelmann (Zentrum) gegen den Entwurf gesprochen, wurde die Sitzung gegen 11 Uhr vertagt, ohne daß schon irgend ein Beschluß gefaßt worden wäre. — In der Budgetkommisston des Reichstags wurde heute die Beratung de» Militäretats fortgesetzt. Kap. 14 Tit. 4 war vom Plenum nachträglich der Kommiffion überwiesen worden. Hier wird für den Generalstabsarzt der Armee eine Dienstzulage von 900 Mk. und für zwei OberstabS- Lrzie 1. Klasse je 600 Mk. gefordert. Beide Forderungen wurden mit 13 gegen 12 Stimmen ab gelehnt. — Bei Kap. 17 Tsi. 2 katholisch- Feldgeistlichkeit 153350 M. war bekanntlich vom Abg. Letocha ein spezialisierter Antrag auf Erhöhung der Gehälter (bi» auf 161450 Mk.) ein- gearacht worden. Heule zog Abg. v. Huene namens de» Antragstellers diesen Antrag zurück und beantragte dagegen eine Resolution, den Reichskanzler aufmfordern, die Gleich- stellung der Mtlitärgeistlichen beider Konfessionen hinsichtlich der GehaltSverhältniss- sowohl als der sonstigen amttichen Stellung herbeizusüh'.en. Diese Resolution wurde einstimmig
von schwarzem Theestaub, mageren Butterschnitten und einigen gebratenen A-pscln laben durften nnd zur Abwechslung in “er denkbar gröbsten Weise angefahren und gescholten würben.
„Also schenken mutz ich ihr etwa», nur sage mir einer, w^Während ich noch mein Gehirn mit dieser schwer zu beantwortenden Frage zermarterte, sah ich einen Mann mit einem kapitalen Truthahn, vulgo Pute genannt, die Straße daher kommet,.^ kaufe der Tante Krüger eine
Pute, dann hat ste, ohne einen Pfennig auszugeben, da« prächtigste Weihnachtsgeschenk I # Wahrhaftig, ein solches Ge- ^^Jch"^eitte^als?nach^d^Markte zum Federvi-hhändler und lauste eine gewaltige Pute, ein herrliches fette» Tt-r, da» gar nicht so zart sein mußte, wie ein junges Hähnchen; dann machte ich mich durch Aufwendung von zehn gütigen Groschen zum Herrn eine» neuen Korbe«, legte da meinen Bogel hinein und trug ihn nach meiner Woh'-ung; nach dem Mittageffen wollte ich ihn zur Tante bringen.
Im Hause angelangt, setzte ich den Korbaufeinen Stuhl und bedeckte den Inhalt sorgfältig mit weißem Papier. Kaum war ich damit fertig, so ging die Thür auf und Eduard Meyer, mit dem ich zusammen wohnte, trat mit einem Korb am Arm in die Stube. Sein Korb war dem meinigen s.hr ähnlich und ouch er hatte den Inhalt diese» seines Korbe» mit weißem Papier bedeckt.
Ich nickte ihm vergnügt zu.
„Auch WeihnachtSges henke, Eduard, nicht wahr?"
„Ja", entgegn-le er in einer Weise, die e» ungewiß ließ, ob er scherzte ober im Ernst sprach —da« war nämlich
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Eonn- und Feiertagen. (Preis für daS Quartal mit der wSchentlichen Beilage „JllustrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen »«/♦ Mark, durch di« Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 5» Pf», (excl. Bestellgebühr.) - JnsertionSgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
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