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Marburg, Sonntag, 7. Dezember 1884.

XIX. Jahrgang.

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schtisten geboten ist!

(Fortsetzung folgt.)

Der «eg z»m Herze». Novelle von Beruh. Frei.

Deutsche- Reich.

Berlin, 5. Dez. In der gestern stattgehabten Plenar­sitzung erledigte der Bunde-rat Anträge der zuständigen Ausschüsse, betreffend den zollfreien Einlaß von Koko«gam und die Vergütung der Kosten der Erhebung und Ver­waltung der Tabaksteuer, genehmigt den Entwurf eines revidierten statistischen Warenverzeichnisse« und eines Ver­zeichnisses der Massengüter, sowie in erster Linie den Gesetz­entwurf über die Ausdehnung der Kranken- und Unfall­versicherung auf Tranöportg-werbe und andere Betriebs­zweige. Die Versammlung erteilte ferner dem zu Athen am 9. Juli er. unterzeichneten Handels- und Schiffahrts­vertrag mit Griechenland und den AuSführungSbestimmungen zu dem Uebereinkommen mit Belgien und mit Italien wegen gegenseitigen Schutzes der Rechte an Werken der Litteratur und Kunst ihre Zustimmung. Endlich wurde über die ge­schäftliche Behandlung von Eingaben Beschluß gefaßt. — Die Budgetkommisston setzte heute vormittag vor Beginn der Plenarsitzungen ihre Arbeiten fort und trat in die Be­ratung des Kap. 24 (Geldverpflegung der Truppen) des preußischen Militär-EiatS. Bet Titel 1 (Besoldungen der OWere) wurden die Positionen für den Ehrs des Militär- ReinnstitutS, für 241 Regimentskommandeure ic., für 750 Bataillons-Abteilung- rc. Kommandeure, für 1292 Haupt­leute und Rittmeister 1. Klaffe und für 1253 Hauptleute und Rittmeister 2. Kl., für 2306 Premier« und 5906 Eekonde - Leutnant» bewilligt. Hierbei wurden auch die Emolumente für die beiden Landwehr-Bezirks-Kommandeure, des Landwehr-BeztrkS-Kommando Berlin Nr. 35, von denen die eine Stelle in dem vorliegenden Entwurf neu kreiert worden, als in der Stellung von aktiven Regiments-Kom­mandeuren bewilligt; dagegen wurde die gleichfalls im Etat neu eingefügte Stelle eines Brigade-Kommandeurs für daS Landwehr-Bezirks Kommando Berlin al» etatSmäßige Stelle eine» aktiven Generals gestrichen und es der Militär­verwaltung überlasten, diese Stelle durch einen inaktiven Offizier zu besetzen. — Der Titel 2 bezieht sich aus die Militärärzte. Die Gehälter rc. für 15 Generalärzte wurden bewilligt, ebenso auch die in Ansatz gebrachten Summen für 255 Oberstabsärzte. In dieser Position befand sich auch eine Mehrforderung, die dadurch herbetgeführt worden, daß für 32 Oberstabsärzte 1. Klasse da» Gehalt von 4800 aus 5400 Mark erhöht erhöht worden, da eS dienstliche I - tenffen und BtlligkeitSrückstchten erforderlich machen, die im übrigen bereit« bestehende finanzielle Gleickstellung der Oberfiabeätzte 1. «laste mit den BataillonS-Kowmanoeuren auch hinsichtlich deS Gehalt« eintreten zu lasten. Die Kommission bewilligte mit Rücksicht auf diese Motivierung die Geha-tSerhöhung, sah sich jedoch veranlaßt, zur AuS- gleichung diese« finanziellen Mehrbedarfs bei den Afsistenz- ärzten 20 Stellen zu streichen. Im übrigen wurden Die weiteren Positionen de« Kapitel 24 dann ohne weitere Aenderungen bewilligt. Hierauf trat die Kommisfion in die

Mitten in all dem lachenden FaschingStreiben, zuweilen eine bange Frage, ein Aufseufzen, tief au« beklommener Menschenbrust, eine langsam ntednrollende Thräne, — und für Albrecht all daS verkörpert in der einzigen Gestalt, die er liebte, mit ganzer Kraft leidenschaftlicher Empfindung, — fein Atem ging schwer, und er drückte sein Kind fester an fein unruhig klopfende« Herz. —

Mit einem feurigen allegro brach die junge Frau b und stand auf. .Ist e» nicht schön?' fragte sie, nach ihm hinüberfehend. ...... , ,,

.Du spielst, wie Du nicht bist, Elsa', sagte er halb- laut, mehr zu sich selbst, «l» zu ihr, indem er den Knaben sanft von feinen K'ieen herab.leiten ließ, .e« ist ein Wider­spruch zwischen Deinem gleichmäßig temperierten Wesen und diesem fortreißenden Spiel l"

Ihre klaren Augen tauchten tief in die feinen, und sie fügte einfach: L n t ,

Ich wollte, Du lerntest mich ganz und gar verstehen 1 Ich kann und will nid.1» dazu thun, — Du mußt e« allein versuchen!'--— — „ . ...

In der Gesellschaft, die sich zumeist au« liierarischen Elementen zusammens tzie, war Elsa sehr beliebt. Jhre frische Art, sich zu geben, verbunden mit Intelligenz und gutem Humor, dazu ihre hübsche Erscheinung und ihre ge­wandten M -nieren sprachen allgemein an, Meinhardt machte die Erfahrung, daß man ihn auch um seine a®e«e Ö«““ Nicht wenig beneidete. Auch er gab sich heiter and lebhaft, — schon die Gewißhest, utrgeud» »ehr dem Grafen Herr-

verordneten in der gestrigen Sitzung mitgeteilt, daß die Stadt den Prozeß wegen der Rückgabe der in dem letzten Kriege zuviel erhaltenen Servisgelder bei dem Reichsgerichte verloren habe. Die Stadt Köln muß alfo ungefähr eine Viertelmillion Mark an den Staat zurückzahlen.

Aachen,.5. Dez. Siebzehn bei Rochefort gescheiterte deutsche Seeleute sind heute von Paris hier eingetroffen und werden nach ihrem Stationsorte Danzig weiterbefördert.

Hamburg. 5. Dez. Ein schwimmende« Dock der Firma Blohm-Voß ist mit dem englischen Dampfer .Athen«' in­folge de« starken Sturme« und de« Eirgaug« losgeriffen und sitzt in gefährlicher Weife oberhalb de« Echanzengraben« fest. Stuelüe« Dock ist ebenfalls mit dem Segelschiffe .Hammonia" losgeriffen und liegt vor Stelnwärder« Lan­dungsbrücke gegenüber von Sankt-Pauly. .

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Hnllnnb.

Pest, 5. Dez. DaS Abgeordnetenhaus hat da« Staats­budget für 1885 mit überwiegender Mehrheit auf der Bast« der Spezialdebatte angenommen. Die gemäßigte Opposition stimmte mit der Regierungspartei.

Rom, 5. Dez. Ja der betreffenden Kommission der Deputiertenkammer wurde bei der Beratung über die Ber- befferung des Hafens von Affah die Kolonialpolitik be­sprochen; hierbei wurde der Vorsitzende der Kommffston be­auftragt, die Regierung wegen ihres Programm« in bezug auf das Rote Meer zu interpellieren.

Preis, 4. Dez. Eingehmd auf die letzten Lustsprünge der Deputierten zurückzukommm, ist nicht nötig, weil heute alle« wieder geregelt ist und von allem Lärm nicht« Übrig bleibt, als ein nicht wieder einzubringender Zeitverlust, der um so empfindlicher ist, als die Kammer noch kaum äuge- fangen hat, sich mit dem Budget zu befchäftigeu. Die Götter mögen wissen, wie diese« unglückliche Budget bi» zum 1. Januar fertig gebracht werden soll, zumal mau mit Sicherheit annehmen kann, daß müßige KÄpse e« sich nicht entgehen laffen werden, auch in den nächsten Wochen einen guten Teil der Zeit mit unnützen Kindereien zu ver­trödeln, wäre e« auch nur, um behaupten zu können, daß wir beinahe eine Ministerkrisis gehabt hätten. Die Re­gierung überläßt lem Senate die Aufgabe, da« in an- fcheinender Geistesabwesenheit von der Kammer angenommene G setz zu vernichten. Dann wird die Kammer wohl mit sich reden lass n und daS Gesetz wird in der neuen Fassung angenommen werden; oder ober die Kammer verhindert wieder daS Zustandekommen, und dann hat e« bei dem alten Gesetze sein Bewenden. Die eine Lösung ist so gleichgültig wie die andere, und der ganze Streit hat nicht mehr Be­deutung, al« ob man sich über die Frage, ob man schwarz- weiß oder weiß-schwarz sagen soll, in die Haare geraten wollte.

Lo«do», 5. Dez. DaS Unterhaus hat nach sieben- stündiger Debatte in zweiter Lesung die Bill über die Ren­in der Ecke stehen, ober saae Papa, daß er e« thun soll' — ich habe solche Angst! Seh' nicht fort, Mama!' Seine kleinen, kräftigen Hänve verschlangen stch fest im Racken der jungen Frau, die in ihrem eleganten feibenen Kleide vor dem Bettchen kniete.

.Ich bleibe, mein Herzchen, ich bleibe!" faßte sie in sanftem beruhigendem Ton und küßte da» fieberheiße Ge- ficht. .Hätte ich gewußt, daß Du krank wärest, mein Liebling, ich wäre gewiß nicht fortgegangen! Lege Dich wieder hin, und laß' Dich von Mama zudecken, Luise wird Dir Feuchtlimonade geben, die trinkst Du ja so gern!'

Paul legte gehorsam sein Köpfchen auf da« Kiffen, ober gleich darauf fuhr er angstvoll empor mit dem Ruf: .Ich muß ersticken!'

„Laß mich ihn in den Hal« sehen," sagte Albrecht leise und bog stch übet den Knaben. .Mache den Mund weit auf, mein Kind,--steh' her, Eifa, — e« ist, wie ich

fürchtete!"

Draußen wurde energisch die Glocke gezogen, bald dar­auf trat Professor Götz ein. Er bestätigte Meinhardt» Au»- sage, — da« Kind hatte Scharlach uno Diphtheriti».

.Ein schlimmer Fall, lieber Freund, — da btt Kleine bilber nllt über den Hals geklagt hat, stnd Sie nicht darauf gekommen, hineinzus hen, — hätten Sie e« gethan, wäre da« liebel nicht fo tief heruntergegangen. Ihr Fried­rich muß sofort in die Apotheke, da« Kind muß in ein groß-« Zimmer gebracht werden, wo viel Luft hineingr- lassen werden kann, — ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, meine gnädige Frau, —* er wandte stch an Elsa — .daß die unausgesetzt sorgsamste Befolgung meiner Vor-

Beratung des Kap. 25 (Naturalverpflegung), welche« all­gemein diskutiert wurde; von Beschlüssen nahm man noch einstweilen Abstand. — Die .freie volkswirtschaftliche Ver­einigung" des Reichstages hat sich heute vormittag konstituiert. E« stnd derselben bis jetzt etwa 150 Mitglieder aus den Fraktionen der Konservativen, der Reichspartei, de« Zen­trums und der Volkspartei beigetreten. Zum Vorsitzenden wurde der Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst (Zentrum) und zu seinen Stellvertretern die Abg. Dr. Frege-Abtnaundorff (d.-kons.) und v. Kardorff Wabnitz (ReichSp.) gewählt. Die Partei wird schon morgen ihre Beratungen beginnen. — Daß vor dem Zusammentritt de» preußischen Landtage» der Staatsrat noch einmal berufen werden wird, ist, wie berichtet wird, zweifellos. Der Zeitpunkt ist indessen noch nicht festgestellt. Ob eine längere oder kürzere Arbeitszeit de« Staatsrates beliebt wird, hängt, wie die Dinge im Augenblick stehen, wesentlich von der Frage ab, ob der Finanzminister seinen Plan ausführt, dem Landtage neue und belangreiche Steuergesetze vorzulegen. Die Vorarbeiten dazu stnd im Gange, koch würde die Ausführung dieser Absicht nicht mit dem anderweiten Plane in Einklang zu bringen fein, die LandtagSsesston auf eine möglichst kurze Dauer zu bemessen.

AuS der Provinz Sachse«, 3. Dez. Die Lehrervereine unserer Provinz bereiten jetzt eine Massenpetition an den Kultusminister vor; worin seitens der Elementarlehrer um Aushebung der Zahlung von 25 Prozent der Verbesserungs­gelder und Alterszulagen zur Elementarlehrer Witwen- und Waisenkasse und um Uebernahme dieser Zahlung auf die Staatskasse gebeten werben soll. .Was aber den Wegfall dieser 25 Prozent GehaltSverbesserungSgelder als besonders wünschenswert erscheinen läßt, — so heißt eS in der Ein­gabe — ist der Umstand, daß infolge der in den meisten Städten bestehenden GehaltSskalen die städtischen Lehrer von dieser Maßregel bedeutend schwerer betroffen werden als die Landlehrer, fo zwar, daß die Lehrer einzelner, besonders größerer Städte durchschnittlich etwa die doppelten Jahres­beiträge zur Witwenkasse zu leisten haben, obwohl diesen größeren Zahlungen eine Erhöhung der Pension ihrer Witwen nicht gegenübersteht.'

Halle, 3. D-z. Die bereite durch die Presse gegangene Mittcllung, daß auf Anregung der Firma Jantzen und Thorwälen in Hamburg eine Benutz Kompagnie gegründet worden fei, hat in der heutigen Sitzung deS hiesigen Kolonial- vereinS durch Professor Kirchhoff eine hochinteressante Er­gänzung erfahren. Zweck der begründeten Kompagnie ist die Ausrüstung ebier Expedition nach Afrika zur Erwrschung des Niger und Benutz. Die Expedition wird unter Führung von Robert Flegel stehen und nächstes Frühjahr abgehen. In der vordersten Reihe der Förderer de« Unternehmens steht Dr. Ricbeck (Halle), welcher 50000 Mark zur Er- bauuna eine« zerlegbaren DampierS bewilligt hat.

«öl«, 5. Dez. Der Oberbürgermeister bat den Stadt-

ltngen begegnen zu können, der in bet That Be-lin ver­lassen hatte, war für ihn eine Erleichtung, zudem hätte ein finstere«, brütendes Wefen Elsa'« Argwohn erregen können, wa« er um jeden Preis vermelden wollte, und so war da« Ehepaar so mitteilsam und liebenswürdig, daß ihnen über­all freundliche Blicke und gute Worte folgten. —

Al« sie gegen zwei Uhr nacht« helmkehrten, kam ihnen Elsa« Mädchen, eine durchaus zuverlässige Person, mit be­denklichem Gesicht entgegen.

.Gottlob, baß die Herrschaften endlich ba stnb!' rief sie. .Ich kann nicht« mit Paulchen anfangen, — er hat einen glühend heißen Kopf, spricht oft ganz wirre« Zeug und ist schrecklich unruhig. Geschlafen hat et keine Minute, ich konnte ihn maichmal kaum im Bett sesthalten. Rach der gnädigen Frau tust er unaufhörlich, — — da, — hören Sie ibn?" *

Sie waten mittlerweile, nachdem sie hastig ihre Sachen abgelegt, durch drei Zimmer geschritten und hörten nun die wohlbekannte Kindetstimme, die unaufbörlich in einem ver­änderten Heisern Ton: .Mama, — Mama!" rief.

.Warum haben Sie nicht zum Arzt geschickt, Luise? fragte Meinhardt erregt.

.Ich habe e« ja geihan, Herr Doktor! Friedrich ging schon vor einet guten Stunde zu Herrn Professor Götz; ich gl >übte, e» verantworten zu können. Der Arzt war nicht zu Hause, wurde aber bald zurückerwartet.'

.ES ist gut, Luise!' Die Gatten traten in ba» kleine Zimmer, wo ein trübe« Lämpchen brannte unb Paul tn seinem Beite kniete und den Eintretenden die Arme ent« gege, streckte.

.Liebe« Mamach n, j>ge doch die Männer fort, die da