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JHarfiurg, Sonnabend, 6 Dezember 1884.

XIX. Jahrgang

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Der Weg -nm Herze«

Novelle von Bernh. Frei.

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jOgett, man mutz Dich wieder daran gewöhnen, auf« Wort zu gehorchen, wie e« früher war I" wollten ihr nicht au« Dem Sinn. —

Albrecht liebte e«, still in einer Ecke zu sttzm und dem Spiel seiner Frau zuzuhören, — Elsa neckte ihn oft mit seinem .stummen Enthusiasmus*, denn er sprach nie von dem Eindruck, den die« oder jene« auf ihn hervorbrachte. Wenn ihre Hände über die Lasten stürmten und die Tine IN entfesselter Leidenschaft, in triumphierender Wonne, in ver« sLmachlenrer Sehnsucht sangen und klangen, — dann sann er still dem Rätsel dieses Frauenherzen- nach, da« ein tiefe«, reiches Innenleben haben mußte,--ja, mutzte, — und

nur da sich so seltsam wegwandte, wo e« so glühend be­gehrt wurde, wo die Ratur ihm den eigensten, leichtesten Weg vorschrieb.---

Sie sollten am Abend in eine Gesellschaft zu dem Jour­nalisten Branko» gehen, — Elsa war bereit« in Toilette, eine Stunde vor der festgesetzten Zeit und phantaflerte noch ein wenig auf dem Flügel, da ste gerade „In Stimmung* war, wie ste sagte. Paul, der schon seit einigen Tagen etwa« blaß und still war und zuweilen Über Kopfweh klagte, saß auf seine« Vaters Knieen und sah mit seinen großen Kinderaugen nachdenklich in da« Licht der Lampe, die auf einem Seitentischchen brannte, — Elsa spielte au«« wendig i —

Robert Schumann- genialer ,Karneval l* — Ein ganzer Reigen anmutiger Phantastegestalleu schien durch die zurück- geschlagenm Vorhänge de- Halbdunkeln großen Raume» hereinzuflatteiN und sich um die Spielerin zu gruppieren, neckisch, kapriziös, froh ausjauchzend, . . . immer aber

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Deutsche- Reich.

Berlin, 4. Dez. Der Kaiser konferierte heute nach» «istaz längere Zeit mit dem Fürsten Bismarck. — Der Reichs-Anzeiger* * veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß an ben Reichskanzler, wodurch die Unterstaatssekretäre Busch und Herfurth und der Geheime OberregierungSrat Loh- mann von der Vertretung des Kaiser- im Bundesrate entbunden, die Staat-minister v. Puttkamer, Lnciu«, von Soßler und Graf Hatzteld zu Bevollmächtigten, die Unter« staatsfekretäre Busch, Herfurth und Geheimrat Lohmann zu stellvertretenden Bevollmächtigten ernannt werden. — Der Bundesrat genehmigte heute in erster Lesung den Ge­setzentwurf Über die Ausdehnung der Kranken« und Unfall­versicherung und nahm dann den Handel-schiffahrtS-Vertrag mit Griechenland an. — Die Budgetkommtssion hielt heute vormittag vor Beginn der Plenarsttzung wieder eine Sitzung ab und trat in die Spezialberatung de» MilitäreiatS. Die Beratungen begannen bet Kapitel 19 (Höhere Truppenbefehlshaber) und wurden die einzelnen Titel desselben, sowie der Kapitel 20 (Gouverneure, Korn- Mandanten und Platzmajore) und 21 (Adjutantur-Offiztere und Offiziere In besonderen Stellungen) mit unwesentlichen Erörterungen, die von den Kommistaren de- Krieg-Minister» gegeben wurden, genehmigt. Bet Kapitel 22 (Generalstab und Landesvermestung-wesen) wurde u. a. al- Gehalt für zwei Generalstabs«Offiziere (Major-) für die Festungen Königsberg und Thorn die Summe von 11400 Mk. ge­fordert. Seiten- der liberalen Mitglieder der Kommission wurde die Streichung dieser Summe beantragt mit dem Hinweis daraus, daß die beiden Offiziere von den Offizieren de- Großen Generalstabe-, wenn erforderlich, auf diese Posten abkommandiert werden könnten. Seiten- de- Kriegs« Minister- wurde der Antrag bekämpft und darauf hinge« wiesen, daß die Lage und die Bedeutung dieser beiden Festungen die Unterstützung der Kommandanten durch Ute« Offiziere de- Generalstabe- bedinge. Vorläufig seien zwar zwei Generalstabs - Offiziere au» der zur Zeit etatfr mäßigen Zahl der GeneralstabS-Offiziere kommandiert, eine dauernde Entnahme derselben au» dieser Zahl sei jedoch nicht angängig. Die Mehrheit der Kommission entschied sich jedoch für Streichung der Position. Die übrigen Posi­tionen re» Kapitel wurden sodann bewilligt, ebenso die Positionen de» Kapitel 23 (Ingenieur * Korps). Bei

Kapitel 24 (Gclvverpflegung der Truppen) mußte wegen Beginn- der Plenarfitzung die Beratung ausgesetzt werden. — Die iplomatische Korrespondenz betreff« Westalrika« (Togo- Gebiet und Biafra«Bai), 14 Aktenstücke enthaltend, ist beute auS^egeden worden. Die Publikation umfatzt die &it vom 14. April 1883 bl« 13. Oktober 1884. — Wie der „Börsen Courier" berichtet, werden die verdün- deten Regierungen dem freisinnigen Anträge auf Gewährung ton Diäten an die Mitglieder re« Reichstages nicht nut nicht zustimmen, sondern e« soll zugleich in oer Absicht

Wagccuuiyu.

Ds M-ffc m Frankfurt iiL Berlin, München und 157. L Daube und Stn Frankfurt a. M., Ain, Hannover u. Pan«.

nm Arme um ihren H >lS legte nin stürmisch bat, bei idm zu bleiben, er habe ste ja so „ichreck ich lieb*, wenu er f in warme« Gestvtchen an ihre Wan« »ruckte und sie u ge- stüm küßie, — dann wallte e« dankbar in Ih'em Heizen auf, und ste war froh, daß diese Ktnderseele Ihr gehörte in Liebe uns Zärtlichkeit! —

__— — Wenn da« Ebepaar jemals allein war, dann wurde P-nl, wie auf stillichweigenbe Verabredung beider, herbeigeholt und war der Müteipu ckt ihrer Unterhaltung, — er Durfte jetzt de« Abenv« eine Weile ausbleibm unv war sehr stolz Darauf. War seine Schlafenszeit dann gekommen und kein Besuch zugegen, so l->« Albrecht seiner Frau vor, und da er ein vorzüglicher Vo-leset war und nur gute, gedienerte Lektüre brachte, so hätte da« ein großer Genuß jein können, wenn der Gedankenaustausch der bäten später etwa» ungezwungener und freier gewesen wäre.---

So war der März herangekommen, und er brachte welche, linde VorfrühlMgStage mit. — Elsa» reizende« Boudoir war durchcuftet von Veilchen, die Albrecht ihr faft täglich von einem Gärtner mitbrachte und auf den Schreibtisch stellte, — hochstielige, schaukelnde Schneeglöck­chen nickten darüber. — Im Salon saß die junge Frau jetzt oft vor dem geliebten Sieinwayschev Flügel, den ste aus Bremen mitgebracht, und spielte. Der kleine Paul, der kein sonderliches Jnteresie für Mustk verriet, konnte nicht begreifen, wie Mama so lange Zeit stillsttzen mochte, — er Durfte aber nicht« fragen, ste nicht stören, und, wollte er im Zimmer bleiben, nicht da» kleinste Geräusch machen, Elsa hielt streng daraus Bei aller Liebe ließ ste dem Knaben keine Unart durchgehen und forderte konsequent Gehorsam, denn die Worte ihre» Manne»: „Du hist ver-

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liegen, eine Deklaration deö Artikel 31 der ReichSversafsung dahin zu beantragen, daß eS den Mitgliedern des Reichs­tages auch nicht gestattet ist, Irgeno welche Entschädigung für die Uebernahme de« Mandat«, von welcher Seite sie auch kommen möge, bei Verlust der Mitgliedschaft anzu­nehmen. — Neben der afrikanischen Konferenz finden in aller Stille seit Anfang der Woche im hiesigen landwirt­schaftlichen Ministerium die Verhandlungen der internationalen Lachs-Konferenz zwischen Deutschland, Holland und der Schweiz statt. Neben den Vertretern Preußen», dem Unter- staatssekreiär und Ministrialrat Marcard und dem wirklichen Geheimen LegalionSrat Göring find anwesend die Gesandten Bavens, Bayerns, HesienS, Hollands und der Schweiz.

— Der Reichstag beschäftigte sich gestern mit dem An­trag Wintborst und nahm denselben schließlich mit 217 gegen 93 Stimmen an. Wenn der Abg. Windthorst sagte, er habe den Antrag deshalb sofort bei Beginn der Reichs­tag-Verhandlungen gestellt, weil die Ablehnung des Antrages durch den Bundesrat große Aufregung In allen katholischen Kreisen verursacht habe, und ste wollten durch die Erneue­rung des Antrages die Gemüter beruhigen — so dürfte Herr Windthorst schwerlich viel Gläubige gefunden haben; denn die demonstrative Tendenz gegen Bunde-rat und preu­ßische Regierung steht dem Antrag zu dick auf der Stirn geschrieben. Daß die Ablehnung deS Antrag» durch den Bundesrat in den Kreisen der katholischen Geistlichen un­angenehm berührt hat, glauben wir schon, und auch wir hätten au« sachlichen und taktischen Gründen gewünscht, daß der Bundesrat dem Antrag zugestimmt hätte; aber daß ste eine so große Beunruhigung hervorgerufen habe, wie Herr Windthorst behauptete, da- können wir d-Shalb nicht recht glauben, weil das Gesetz ja feit Zähren beiseite ge­legt ist, keine Anwendung mehr gefunden hat und weil die Geistlichen, welche eS früher betroffen hatte, bi» auf 27, die sich zur Rückkehr nicht gemeldet haben, In die Heimat zurückgekehrt sind mit Erlaubnis der Regierung. Ein solches Gesetz kann man wohl mißbilligen, aber matt kann sich nicht mehr über e» beunruhigen, al« über eine augen­blicklich drohende Gefahr. Zu einer so eiligen Wiederholung de« Antrags lag also durchaus kein Grund vor; eben diese Eile aber, mit welcher Herr Windthorst seinen Antrag der erst vor 3 Wochen erfolgten Ablehnung desselben seilen­de» Bunde-rat- entgegenstillte, gleit dem Antrag jetzt den Charakter einer Demonstration. Herr Windthorst will dem Beschluß de» BundeSrat» einen neuen Beschluß de« Reichs- t ge« gegenüber pellen unb den BundeSrat nötigen, fofort wieoer über diesen A trag sich ichlüssig zu machen. Herr Winrlhorst sagt sich gewiß stlbst, oaß ver vunoeerat jetzt nicht anoet« wteilen wird, al» vor drei Wochen. Und wa« will denn Herr Windthorst machen, wenn der Bundes­rat j.tzt wieder Nein sagt, will er dann seinen Antrag in acht Tagen wiederum vor den Reichst g bringen? Wenn e« Herrn Windthorst wirklich ernstlich um die Sache zu

Srfcheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „ jOuftrtrte» SonutagSblatt" durch Die Expedition (Koch sche Buchdrucker ei) bezogen 2'/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf, (epi. Bestellgebühr.) JnfertionSgebühr für die gespaltene Zette 10 Pf,.

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Sie litt unter seinem veränderten Wesen mehr, al» et dachte, un0 riet mehr al« einmal im Innern auf Eifersucht ai« ote Triebfeder feiner Handlungsweise, denn er wußte genau, daß er seit dem Fest bei Baron Zernter veränoert gegen ste war. Aber eben weil Albrecht diese Gedanken auf threr Stirn zu lesen meinte, bot er seine gesamte Selbst- dehertschuug auf, diesen ihren Glauben zu entkräften; sein ^tolz empörte sich empfindlich gegen die Joee, daß sie ihn durchschauen könnte, uno so hatte er die ruhige, etwas ito- uifche Freundschaft-ma»ke mit solchem Geschick angewendet, daß Elsa wieder irre an ihrer ursprünglichen Annahme wurde und jene Szenen für launenhafte, nervöse Stimmun- ÜNt zu betrachten anfing, denen ihr Mann infolge seiner angestrengten geistigen Thättgkeit leicht unterworien sein konnte, — in Schwarzburg hatte sie freilich nie etwas davon gemerkt, aber dort war er auch aus Sommerfrische gewesen, i —

Da» lebhaste gesellige Treiben In ihren Bekanntenkreisen

*a® jetzt allen beiden sehr erwünscht. Sie waren kaum "whr einen Abend allein zu Hause, sahen auch bei sich viel- sach Besuch und gaben ein Paar größere Gefellschaften, * großen Anklang fanden, — man war «^gemein mit MeinharviS zweiter Wahl sehr zufrieden Elsa hatte sich . safch-r in die Journalistenkreise Hineingewöhnt, al» P« f» 'tüher geglaubt hatte, — zuweilen überkam eS sie freilich ®le Sehnsucht nach einem warmen, innigen Wort, — bann A Ke sie hinüber tu da« «tuderzimmer zu ihrem Paul und Mite unb lachte mit ihm, uno warnet entzückt feiste w

thun wäre, bann hätte er sich sagen muffen: jetzt ist an eine Genehmigung meine« Anträge- fetten« oe» Bundesrats nicht zu denken, vielleicht gestaltet sich die Situation aber nach einiger Zeit, möglicherweise im Frühjahr oder im nächsten Jahre bester, dann will ich den Antrag wieder­holen, und dann ist der Bu-'de-rat durch fern eben erst abgegeoeneS Urteil nicht mehr beschränkt, aber jetzt würde derselbe stch ja vor aller Welt kompromittieren, wenn er heute genehmigt, waS er vor drei Wochen abgelehnt hat. So hätte Windthorst denken muffen, wenn e- ihm ernst­haft um die Sache zu thnn wäre unb er mußte stch doch auch sagen, daß er dieselbe nicht schwerer schädigen könne, als wenn er ste zu einer Demonstration erniedrigt. Denn dazu wird stch doch der Reichstag auf die Dauer nicht her« geben. Diesmal fand er auf konservativer Sette noch eine Schar von Männern, welche für den tlnttag stimmten, well ste da- ExpatriiernngSgesetz verwerfen und ihr Ge« wisten ihnen verbietet, für etwas einzutreten, wa» ste für falsch halten. Aber wenn Herr Windthorst fortfährt, mit seinen Anträgen Demonstration zu machen, so werden ihm in Zukunft auch diese gewiffenhasten Männer sagen: Wenn wir auch sachlich da« ExpatriterungSgesetz mißbilligen unb seine Beseitigung je eher, je lieber wünschen, und also, wo diese Beseitigung ernsthaft in Betracht kommt, für dieselbe eintreten werden, so sind wir doch weit entfernt, jeder Demonstration mit diesem Anträge zuzustimmen. Ein großer Teil der deutschkonservativen Fraktion hat jetzt schon diesen Standpunkt eingenommen und die „Germania* sicht wohl jetzt ein, daß die Warnungen vor Isolierung de» Zentrum» nicht unbegründet waren; denn die Freisinnigen, Sozial­demokraten und Volksparteller, welche jetzt die große Majori­tät für den Antrag bllden helfen, haben e» dem Zentrum ja deutlich genug gesagt, daß ste lediglich au» taktischen Gründen dafür stimmen und daß ste sonst nicht daran denken, der katholischen Kirche einen Dienst erweisen zu wollen. Da» Zentrum kann für seine Sache nicht» Schlim­meres thun, fall» es ihm, wie wir immerhin noch an­nehmen, mit der Beendigung de» Kulturkämpfe» ernst ist, als durch solche Anträge und solche Reden, wie ste Herr Windthorst gestern hielt, diese Sache zu Demonstrationen zu benutzen.

Braunschweig, 4. Dez. Die Landersynode ist heute im Auftrage des Regentschast-rate« von dem Minister Wirk eröffnet worden.

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Wien, 4. Dez. (Abgeordnetenhaus.) Der Finanz- Minister legte dm Voranschlag für 1885 vor. Da» Ge« famtttforberniS beträgt 519 893166 st. und ist gegen da» Jahr 1884 um 4973 793 fl. höher veranschlagt. Von dem Ges imterforderni« entfallen auf das Extraordinarium 48430453 fl. Die Bedeckung ist mit 504816961 fl. nachg. wiesen, wonach ein Abgang von 15076905 st. vor«