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JHarfiucg, Dienstag, 2. Dezember 1884.

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XIX. Jahrgang

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Der Weg $um Herze».

Novelle von Bernh. Frei.

findet Montag statt. In dieser wird der zweite Punkt des Projekts der Deklaration betreffend freie Schiffahrt auf Kongo und Niger verhandelt werden. Es bestätigt sich, daß die vollständige Neutralisierung des Kongobeckens und der Kongomündung beabsichtigt wird, wenn auch ein Antrag der Konferenz noch nicht vorliegt; jedoch soll die Unabhängigkeit des Kongostaates darunter nicht leiden. Insbesondere wird der «Nat.-Ztg.- zufolge der von Emile de Laveleye in derJndependance Beige- entwickelte Plan für bedenklich erachtet, nach welchem alle europäischen Staaten an dem Unternehmen der Erbauung einer Eisen­bahn von Stanley Pool bis herab nach Iellala sich be­teiligen sollen. Hervorgehoben wird, daß auch in dieser Hinsicht zunächst die Initiative des neuen KongostaateS abgewartet werden muß. Offiziell wird geschrieben: «Unter den bet der Konferenz beteiligten Mächten ist indeffen die Ueberzeugung verbreitet, daß Deutschland auS der durch internationale Uebereinkunft festgestellten Oeffnung Jnner- afrikaS besonderen Nutzen ziehen werde. Andere Nationen z. B. gerade Frankreich sind durch ihren Kolonialbesitz in mehr als ltebsamer Weise beschäftigt; dann aber sagt man sich, daß das deutsche Volk die größte ExpanstonSkrast be­sitzt und dabei eine Rührigkeit, Ausdauer und Geschicklich­keit an den Tag legt, die von keiner Seite übertroffen wird. Man steht daher voraus, daß die wesentlichsten Vor­teile, die aus der Oeffnung Zentral-AfUkaS zu erwarten sind, den Deutschen zufallen werden.-

Berlin, 29. Nov. Der Reichtag setzte gestern dir Etatrberatung fort, d. h. man redete in stundenlanger Rede über alles Mögliche und über noch einiges Unmögliche, so daß e« nur schade ist um die schöne Zett, welche durch solche unnütze zum bundertstenmale gehörten Reden für die wichtigen gesetzgeberischen Arbeiten verloren geht.Gestern betrat zue, st der Abg. Bebel die Tribüne und trug dem Reichstag iVz Stunde die alten fortschrittlichen Geschichten in sozialdemokratischer Verbrämung vor. Die alten ab« gesungenen Lieder von den Milttärlasten, der Verminderung der Dienstzeit, der AnstellungSberechtigung der O stziere und Unteroffiziere im Zivildienfl, dem militärischen Be- fördrrungSwesen und die indirekten Steuern wurden aufS neue vorgetragen, und wir haben die Geduld bewundert, mit welcher der Kriegsminister zum hundertstenmale diese alten demokratischen Ausführungen beantwortete, die thtt- sächltch nicht des Papiers wert sind, auf das sic gedruckt werden; denn wenn wirklich die Armee und daS Finanz­wesen nach diesen demokratischen Theorieen eingerichtet würden, so würde Deutschland bald bet dem Ruin seiner Wehr- fähigkJt und seine» wirtschaftlichen Wohlstände» angelangt sein; denn wa» nicht genügend militärisch geschulte Armeen leisten, daS hat die Welt 1806, 1866 und 1870 ebenso erfahren, als waS tüchtig geschulte Armeen vermögen und alle kleinen Ersparniffe an der FricdenSarmee gehen in einem verlorenen Krieg tausendmal verloren. Nichts ist

ES war etwa vierzehn Tage später, und ein schöner, sonnenheller Winteriag, als Elsa mit ihrem kleinen Stief­sohn vormittag» auSgtng, um in einem der eleganten Por­zellanläden der Leipzigerstraße ein Paar Hohr Vasen zu kaufen, die str auf einen Schrank im Speisezimmer setzen wollte. Unter dem dunkeln, die Slim verschüttenden Hut mit dem Pelzrande sah da» feine Gesichtchen der jungen Frau, von der frischen Luft leise gerötet, lächelnd auf den Knaben an ihrer Hand nieder, der jede Gelegenheit benutzte, um mit seinen blanken Kntestiefelu tapfer in den losen Schnee zu treten, der hier und da an den Rand der Häuser htngeweht lag. Dazu plauderte der kleine Bursch unab- liffig, er hatte hundert Fragen zu thun und die Mama wurde nicht müde, zu antworten und zu erklären.

«Hier herein, Pauli- sagte sie jetzt und trat mit ihm In da» ausgedehnte GeschäftSlokal, wo tausend schöne Dinge sofort seine Aufmerksamkeit feffelten.

Elsa ging prüfend und wählend umher, die Hand deS Kinde» fest in der ihren. Sie bemerkte e» nicht, daß auf der anderen Seite de- großen Raumes ein Herr in Unter- hanrlung mit einer der Damen vom Geschäft begriffen «ar uns jetzt, beim Klang ihrer Stimme, sich rasch nach ihr umwandte.

«Meine gnädige Fraul" sagte er jetzt, dicht an sie herantretens.

Sie fuhr zusammen und heftete einen kalten, erstaunten Bück auf ihn, wie Damal» auf dem Fest de« Baron Zernter.

«Ich möchte mit Ihnen sprechen, ich muß-, fügte er dringend hinzu, al« sie sich unwillig abwandte, «und wenn es fünf Minuten find, ich will mit Ihnen reden l'

ie Toätl in Kn°s m sitzt

«DaS kannst Du mich fragen?- sagte Elsa tonlo». »Und Du glaubst, ich hätte die Sünde begangen, Dein zu »erden, Dein redliche» treue« Herz an daS meine zu neh >»rn, wenn auch nur rin Schatten von Liebe zu einem ändern in meine Seele wohnte? Du mußt aufgeregt Mn, aufgeregt wie ich Dich noch nicht kenne, well Du mich Io fragen konntest, darum will ich e» Dir verzeihen! Meine leidenschaftliche Liebe starb in dem Augenblick, al» K in meinen Augen verächllich handelte! Ich weiß nicht, °b e« Frauen gtebt, die danach noch weiter zu lieben ver­mögen, ich habe r» nicht gekonnt! Wenn ich krank öUb «lend wurde damals, so war e» nicht au» unauslösch­licher Liebe, .... geschämt habe ich mich vor mir und deinem eigenen Herzen, da» mich so trostlos in die Irre geführt hatte, Du weißt e» ja! Eine Liebe ohne Achtung existiert nicht für eine Natur, wie die meine l*

Mit gesenktem Blick hatte er ihr zugehört, t schämte sich, sie gefragt zu haben, und doch hatte eS ihn °iu gezwungen.

Totenstill war e« ring» um die beiden, die Zimmer °lle so dunkel, in diesem einen nur die vereinzelte Lampe, kein Laut von außen her--

Wieder trat Elsa einen Schritt näher zu ihrem Mann.

«Steh' mir in die Augen, Al 'recht 1* sagte sie mit ihrer Zeichen, warmen Stimme. «Und ach, Albrecht, ich bitte Dich, laß nicht» Fremde» zwischen un« treten l*

Jetzt blickte er auf, um seinen Mun zuckte e», bann zog sie an sich; und zum ersten Mal, seit ste sein war, küßte er ste, wie er Paula geküßt hatte, heiß und leidenschaftlich!

Deutsche- Reich.

öerlitt, 29. Nov. Der Kaiser ist mit dem König 6011 Sachsen, dem Kronprinzen und den übrigen Jagd­gästen heute abend von seinem gestrigen Jagdausfluge nach HubeituSstock hierher zurückgekehrt. Die Kaiserin wird am Montag hier von Coblenz zurückerwartet. Am Montag findet bei dem Klonprinzen eine größere Soirse zu Ehren der Bevollmächtigten zur Kongokonferenz statt. Der ,Nordd. Allgem. Ztg.- zufolge ist der Arbeitsminister Maybach infolge Unwohlsein» genötigt, einige Zeit da» Zimmer zu hüten. Dir Nachwahlen im 5. uns 6. Ber­liner Wahlkreise finden am 12. Dezember statt. Während e» zurrst hieß, die in Berlin zusammentretende internationale Konferer z zur Regelung der Rheinlachsfrage werde nach der Kongokonserenz zusammentreten, verlautet fitzt, daß dieselbe schon am nächsten Mittwoch ihre Sitzu- gen beginnen wird. Die Bevollmächtigten Deutschland», Hol­lands und der Schweiz werden von technischen Bei­räten bei diesen Beratungen unterstützt, welche die Grund­lage« zu einer rationellen Schonung de» Rheinlachses liefern sollen. Die von der afrikanischen Konferenz niedergesetzte Kommission zur Bearbeitung und redaktio­nellen Feststellung der in der letzten Sitzung gefaßten Be- schlüffe hat heute in einer fünfstündigen Sitzung ihre Auf­gabe vollendet. Da» bekannte von Deutschland unterbreitete Projekt der Deklaration ist entspechend den in der letzten Plenarsitzung von verschiedenen Seiten geäußerten Wün­schen abgeändert und redaktionell festgesetzt worden. Be- sonoerS hervorzuheben ist die Definition, die dem Begriffe »Handelsfreiheit- gegeben worden ist. E» wurde nämlich sestgestellt, daß keine eigentlichen Eingangszölle, sondern nut solche Taxen von den Importartikeln erhoben werden dürfen, welche zur Deckung der Verwaltungskosten erfor­derlich sind, und diese Taxen dürfen keinenfall» diejenigen überschreiten, die für dieselben Proonkte de» JnlanveS er­hoben werden. In der Kommiision hat Stanley auch ein­gehende Mitteilungen über die Kulturfortschritte der letzten Jahre im Kongogebiet gemacht. Die nächste Konferenzsttzung

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Uhr- le.

-Zeigen nimmt entgegen: Wrp-d'ti°n b. Blattes, löwied.Annomen-Bureaur .an Saasenstein undVogler , Frankfurt a M. Ham- iura Magdeburg u. Wien; »Idols Mosse in Frankfurt jH, Berlin, München und «m«; G- L Daube und L tn Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Pari».

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d-Armoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt o. M-; Hermann» scheBuchhandluna daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendan! in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle. W. Thiene» in Elberfeld.

KLU- Auch für den Monat Dezember nehmen auf die

Oberhessische Zeitung

nebst "ren Beiblätter

Amtlicher Aiyeigrr

für die Kreise Marburg und Kirchhain

und

Illustrierter Louutag-blatt

afle Postanstalten Bestellungen entgegen, auf dem Lande auch die Postboten.

In Marburg sind Bestellungen bei der Expedition ju machen.

-Lottert! 1)0 Mi, art (Lis n [441 Wetzl», vermieths Bl. [454

widerwärtiger al» diese ewigen Nörgeleien an unseren vor aller Welt al» vorzüglich bewährten Militäreinrichtungen zumal wenn diese Nörgeleien au» dem Munde von Herren kommen, die nie einen Waffenrock angehabt haben. Auf keinem Gebiet rächt sich rin dilettantenhafte« Experimentieren mehr, als bet dem komplizierten militärischen Organismus, wo die stetige, kontinuierliche, feste Entwickelung nach völlig sachverständigen Gesichtspunkten alle« ist, und wo jede Stö­rung de» organischen Jneinandergreifen» sofort den ganzen Apparat in Verwirrung bringt und die Leistungsfähigkeit hemmt. Die Herren Drech«lermrister Bebel, Assessor a. D. Richter könnten un» deshalb wirklich in Zukunft diese Ex­kurse in- Blaue der Armee hinein schenken. Gewonnen wird dadurch gar nichts, geschadet gotllvb deshalb nicht viel, weil die Regierung sich an das Geschwätz nicht kehrt, aber die kostbare Zeit wird vertrödelt, und wenn schließlich die wichtigen Gesetzesvorlagen kommen, dann kommt kaum noch ein beschlußfähiges Hau» zu stände und die Vorlagen werden überS Knie gebrochen oder bleiben ganz unerledigt. ES wäre deshalb bester, wenn diese langen Reden Über so ganz allgemeine Dinge ganz ohne Echo im Reichstage blieben. Sowohl der Abgeordnete Leuschner als auch Herr v. Köller wiesen die Angriffe Bebels auf die Armee und die Steuer­reform zurück. Der Abgeordnete Rickert faßte den national­liberalen Abgeordneten v. Benda, der sich am Tage vorher nach bekannter nationalliberaler Manier auf der bekannten Linie zwischen I > und Nein bewegt hatte, am Kragen und schüttelte ihn rabei, um ihn an frühere Aeußerungen zu erinnern und wieder zum Anschluß an die Freisinnigen zu bewegen. Nachdem noch der freisinnige Abgeordnete Witte und der Staatssekretär von Burchard gesprochen, wurde das um 11 Uhr begonnene Redeturnier nm 5 '/«Uhr nachmittags geschloffen. Hoffentlich tritt bald im Reichstage eine energische Reaktion gegen diese Zei Verschwendung ein. Die Budgetkommtssion des Reichstags hat heute bereit- ihre erste Satzung ab;.ehalten und in etwa östündtger Ver­handlung unter dem Vorsitz des Abg. v. Maltzahn-Gültz und in Anwesenheit de« StaatS'ekretär« v. Bötticher einige kleine Etats erledigt. Zunächst gelangte der Etat des Reichstags zur Beratung und die einzige der darin ent­halten, n Positionen, bei welcher man eine längere Debatte voraussetzte, die Entschä igung der Privateisenbahnen für die Freiiahrt der Abg, ordneten in Höhe von 48000 Mk. wurde aus den Antrag des Abg. v. Franckenstein ohne Debatte acceptiert. Eine vorgeschlagene Gehaltserhöhung für den Bureaudirektor de» BundeSratS In Höhe von 900 M. wurde stark bestritten, schließlich aber wurde ste als persönliche Zulage bewilligt. Für daS Statistische Amt werden pro 1885/86 80000 Mk. mehr gefordert und zwar zur Besoldung von 50 weiteren Hilfsarbeitern für die vierteljährige Bearbeitung deS VereoelungSverkehrS und für die Einführung eines erweiterten statistischen Warenver­zeichnisse-, welches im folgenden Jahre zu erwarten ist,

Er hatte jetzt französisch gesprochen, fein schöne», ! unkleS Gesicht trug den Stempel unbeugsamen Willen-.

Elsa sah um sich. Da« Ladenpersonal hatte sich bei der Entdeckung, daß der Herr mit der Dame eine Unter­haltung anknüpste, diskret zurückgezogen, die großen Kinderaugen de- kleinen Paul sahen in angemesteuem Er­staunen zu der Mama empor, zu der etne ganz andere Sprache geredet wurde.

«Wa» wünschen Sie von mir?- fragte sie ungeduldig.

»Ich wünsche zu wiflen, wie e« Ihnen geht, wie Sie leben, glauben Sie, mein Interesse für Sie sei mit einem Schlage erstorben? Wenn die Macht der Verhält« niste mich damals zwang, Sie wissen wahrlich nicht, was es mich kostete' ....

Mit einer wegwerfenden Handbewegung unterbrach sie ihn. «Wie Sie die Takllostgkelt begehen können, an Dinge ju erinnern, die Jeder von un» vergessen muß, -- da« faste ich nicht 1-

«SBenn Sie so rasch vergessen konnten, Elsa- »Ich habe mich nicht dazu zwingen dürfen, Herr Graf, Ihr Verhalten hat mir die Sache unendlich erleichtert l-

Sle sah, wie er zornig die Lippen aufeinanderpreßte. «Ich hörte, Sie wären krank---

«Ja, ich war körperlich krank, aber, Gottlob, ich bin e« nicht mehr!* Ihre elastische, schlanke Gestalt richtete sich hoch auf, und ihre schönen Augen leuchteten wie Sterne in dem jugendlichen, zarten Gesicht. «Ich habe da« unver­diente Glück gehabt, einen edlen, vortrefflichen Mann zu finden, er ist ein Ehrenmann durch und durch-,

«Und Sie lieben ihn?- unterbrach er ste wieder.

(Fortsetzung folgt.)

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageAlluftrtrte« SountagSblatt" durch die Expedition (R o ch'fche Buchdruclerei) bezogen 2/t Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (erd. Bestellgebühr.) JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

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