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UTarfitirg, Freitag, 28. November 1884.

XIX. Jahrgang

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Der Weg z»m Herze«.

Novelle von Beruh. Frei.

der Einheit Deutschlands, so ist auch bis in die letzte Zeit das von dem Gefühl einer inneren Notwendigkeit getragene Streben nach einer wahrhaft deutschen, innerlich gesunden Kolonialpolitik auf übermäßige, äußere Hindernisse ge­stoßen. Erst Eurer Durchlaucht hoher Weisheit und Thet» kraft war es möglich, diese Hindernisie aus dem Wege zu räumen und die Bahn zu öffnen, auf welcher der deutsche Handel unter eigener Flagge mittels regelmäßiger Verbin­dungen nach den fernen Küsten des großen Ozeans hinaus­streben, auf welchen der deutsche Unternehmungsgeist von eigenem Lande die Früchte fremder Himmelsstriche ernten kann; eine Bahn, welche die Vertreter des Volke- nur einzuschlagen brauchen, um dem tiefgefühlten Bedürfnisie der ganzen Nation volle Befriedigung zu verschaffen. Mögen sie — da- ist auch der Wunsch der hier im Osten deS Silberstromes der alten Spanier, de- mächtigen La Plata, weilenden und hier für deutsche Interessen wirkenden unter­zeichneten Söhne Deutschlands — die nunmehr freie Bahn vorurteilslos einschlagen, zu Heil und Segen für unser teure- deutsches Vaterland/ — In den KommisstonS- sttzungen der Afrikanischen Konferenz, welche die Bevoll­mächtigten der in erster Linie interessierten Staaten am 20., 21., 22., 24. Nov. und gestern abgehalten haben, ist über die der Konferenz zu unterbreitende Begrenzungslinie de- Kongogebiets verhandelt worden. Das Material für die Beratungen haben besonders geliefert die Delegierten der Vereinigten Staaten Herr Stanley, Englands Herr Andersen, der Niederlande Herr van Bloeme, Deutschland- Herr A. Woermann. Der vom belgischen Bevollmächtigten Herrn Baron Lambermont an die Konferenz erstattete Bericht ist heute zur Verteilung gelangt und die nächste Plenarsitzung auf morgen, Donnerstag, 2 Uhr angesetzt. — AuS dem Inhalt der letzten KommisfionSberatungen weiß u. a. die „Schles. Ztg/ folgendes zu berichten: „Ueber die Auffassung des Begriffs „Congobecken" wurden seitens der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Frankreichs, Eng­lands und Portugals vier ziemlich verschiedene Erllärungen gegeben. Am weitesten unter allen geht die nordamerikanische Union: sie will unter diesem Begriff nicht nur das eigent­liche Stromgebiet de- Cvngo nebst den Gebieten aller seiner Neb-i flüsse verstanden wissen, sondern auch die vom Cougo unabhängigen nördlichen Küsteuflüsse, Ogowe und Kwilu, mit ihren bezüglichen Flußgebieten darunter subsumieren; außerdem aber möchte sie dem zu bildenden unabhängigen Staate von Zentralafrika noch die Länderstrecke zwischen dem Congo und der ostafrikanischen Küste zuwetsen, die ja von Zmztbar aus durch die Asiociation geöffnet ist. Frank­reich möchte von dem Stromgebiete nach der obigen Auf­fassung die Flüsie Ogowe und Kwilu abgetiennt wisicn. Engl n S Absichten sind nach den laut gewordenen Angaben nicht recht klar zu übersehen, scheinen aber nicht allzusehr von denen Frankreichs abzuweichcn. Portugal endlich möchte auf beiden Ufern des Congo nur einen schmalen Streifen

Lander als das Congobecken bezeichnen. Offenbar hat eS dabei feine alte Rechnung im Auge, fein westafrikanisches Gebiet, die Provinz Angola, die nur 3 Grad südlich von der Congomündung beginnt, noch weiter nach Nordosten auszudehnen, so daß man von derselben aus bald den mittleren Congo erreichen würde. Nach allen vorliegenden Anzeichen hat der portugiesische Vorschlag gar keine Aus­sicht auch nur auf irgend welche Unterstützung/ In der­selben KommtsstonSsttzung verlas, den „Hambr. Nachr/ zufolge, der holländische Delegierte Bloeme einen langen Bericht über die Ausdehnung des holländischen Handels au der afrikanischen Küste. Ad. Woermann erklärte e« für nützlich, das Kongogebiet möglichst auSzudehnen. ES wäre im Interesse der Küstenkolvnieen, sich am Freihandel zu beteiligen, da fich sonst der Handel an die zollfreien Küsten hinztehen und die Koloniem dadurch den Transit verlieren würden. DaS Handelsgebiet des Congo müsse südlich von Kamerun beginnen; dort sei die Handel-scheide; nördlich von dieser Linie werde nach einer bestimmten Tauscheinheit gerechnet, südlich nach einer anderen. Auch nach Osten müßten die Grenzen deS CongogebietS möglichst weit hinan«- geschoben werden. — Die konservative Fraktion hat ein­stimmig beschlossen, den Antrag des Herrn v. Wedell- Malchow auf Börsenbesteuerung zu unterstützen. Herr v. Wedell - Malchow nimmt den in der letzten ReichStagL- sesston von dem Bundesrat eingebrachten Gesetzentwurf unverändert wieder auf, ohne sich indessen über die Mängel desselben im unklaren zu sein, die in der Kommission zur Sprache gebracht und alsdann mit Unterstützung der Kon­servativen beseitigt werden können. Diese Abänderungen schon jetzt vorzunehmen, erschien nicht zweckmäßig, da dies eine erhebliche Verzögerung herbeigeführt haben würde, was um so mehr vermieden werden mußte, als von anderen Parteim bereits eine ganze Reihe von sozialpolitischen An­trägen eingebracht worden sind, andere aber noch in Aus­sicht stehen, so namenllich von sozialdemokratischer Seite, wo man angeblich mit einem ganzen System von Arbeits­schutzgesetzen vorzugehen gedenkt.

— An der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin sollen im Laufe des jetzigen Wintersemesters Unterrichts­kurse für praktische Landwirte statifinden. Der Veranstal­tung liegt die Ueberzeugung zu Grunde, daß kaum ein gewerblicher Beruf zu finden sein dürfte, der es in gleichem Maße wie der landwirtschaflliche erschwert, sich bezüglich des praktischen Wirkens in einer umfassenden Unternehmung auf der Höhe der Zeit zu halten und zu diesem Zweck mit Den einschlägigen theoretischen Erkenntnissen fortdauernd vertraut zu bleiben. Und doch liegt in der Schwierigkeit und Kompliziertheit des Betriebes tet Wirtschaft des Land­wirts die dringendste Aufforderung, durch gediegenes Wissen und Können sich der Rentabilität des LandbaueS heute mehr denn je entgegensteüenden Hemmnissen zu überwinden. Die Jforliertheit, in welcher der Landwirt gemeinhin zu

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und Elsa ihre anmutige Reverenz. Der höfliche Wirt ließ immer noch nicht noch, — eben jetzt winkte er wieder einem großen schlanken Herrn, der abseits mit einigen Damm plauderte.

«Cher ami, ich bitte, auf ein Wort! Sie gestatten, meine Herrschasten, daß ich Sie mit dem Grafen Herrlingen bekannt mache, — Herr und Frau Doktor Meinhardti Sie verzeihen!*

Er mußte sich neu angekommenen Gästen zuwenden. -----Kein Zittern von Elsa'S Hand, keine Bewegung machte Albrecht aufmerksam, wen er hier vor sich habe, — und doch wußte er es auf den ersten Blick! Mit jener Gabe unmittelbaren Sehens und Verstehens, wie sie oft ganz ruhigen, in sich gefesteten Naturen eigen ist, hatte er, trotz de« ihm ganz fremd klingenden Namens, trotz der flüchtigen Personalbeschreibung in jenem ersten und einzigen Gespräch, da- des Manne» Erwähnung gethan, sofort den Sachverhalt durchschaut.--DaS wunder­

schöne, aristokratische Gesicht deS Grafen war viel zu brünett, um sichtlich zu erblassen, — vielleicht war er garnicht fassungslos. Er verbeugte sich tief und fragte dann, da die beiden ihm allein gegenüber standen und er notgedrun­gen ein Gespräch mit ihnen beginnen mußte:

„Die gnädigste Frau ist fremd in Berlin?"

So schön wie sein Aeußere« war auch seine Stimme, — tief und verschleiert, — die Aussprache fremdartig, man merkte es ihm an, daß er mit dem Deutschen Mühe hatte.

„Zch bin seit acht Wochen verheiratet und kenne Berlin seit ebensolavger Zeit/ erwiderte Elsa ruhig, „ich hoffe, daß der Ort mir nicht fremd bleiben wird, der meine Heimat »erben soll/ (Fortsetzung folgt.)

willkommen!" Die Baronin Zernler, eine behäbige, wohl­wollend aussehende Frau zu Anfang der vierziger Zahle, sagte eS zärtlich, — sie freute sich, oaß ihr Fest ein neues Schmuckstück vekam. „Bester Doktor, ich kann Ihnen nicht Helsen, Sie müssen schon ein wenig Spießruten laufen und eine Menge Vorstellungen hinnehmen, um dieser lieben kleinen Frau willen, — sie ist ja ganz fremd im unfttm Kreise l Und nicht wahr, Sie thun mir dann später die Liebe und machen etwas Musik? Meine Koustne Thekla wird singen und der junge Stetten von den Garde-lllanen — ein sehr begabter Mensch, ein hervorragende- Talent! — wird die Geige spielen. Wir haben einen herrlichen Blüchner'schen Flügel, den Han- von Bülow mit seinem Spiel geweiht hat, — nicht wahr, Sie werden so gütig sein? Man hat mir soviel von Ihrer eminenten Kunst gesagt!"

„Ich fürchte, „man" ist ein wenig vorschnell gewesen, Fran Baronin," entgegnete Elsa lächelnd, „ich will Ihnen aber mein Können gern zur Verfügung stellen l"

„Wie lieb von Zhnen, — tausend Dank im Voraus! Hier komm! mein Mann, — ich darf Dich wohl bitten, lieber Freund, Herr uno Frau Doklor Meinhardt mit eini­gen unserer Gäste bekannt zu machen!"

Sie nickte sreundlich unv ging ihren schweren Pflichten al- Gastgeberin nach.

Baron Zernter entsprach dem Wunsch feiner Gemahlin ausgiebig, — er ließ sich wahrlich keine Mühe verdrießen. Eine wahre Hochflut adliger Namen und Titel strömte über ote bcioen hin, — immer wieder machte Albrecht Mein­hardt seine stattliche Verbeugung, — (Tanzstunde — dritte Position — seligen AugedeukenS, »teer sich innerlich sagte!)

„ES dauert doch immer bedenklich lange mit Damen," sagte eine Stimme neben Albrecht, — ein hochgewachsener Dsfizter mit vielen Oroen der zu einem kleinen korpulenten Herrn sprach, „da envitch öffnet sich die Thür, — wird es Meine Frau feto ? Nein--sapristi, Freundchen, das

ist eine reizende Erscheinung! Wissen Sie nicht, wer eS ist?"

Der Kleine klemmte em GlaS in- Auge und blinzelte nach Albrecht Meinhardt hinüber, der jener Dame eben den Arm geboten hatte.

„äfne ist der Mann dazu!" erwiderte er kurz. „Mir ganz unbekannt, — nicht au- der Gesellschaft — aber gut ausschenoe Leute, alle beide!"

„Elsa!" sagte Albrecht und blickte feine Fran lächelnd in- Gesicht „soeben hat eine besternte Exzellenz Dich für eine reizeride Erscheinung erklärt."

„Hai sie? Nun, der Abeno sängt gut an, ich werde über jeotfl Kompliment Buch führen für Gerson, denn ich fürchte, jein Meisterstück von Toilette thut ote Hauptsache dazu!"

Zattrostg, wie eia Hauch legte sich der schwere Seiden­stoff, mit köstlichen bunkelroien Rojengutrlanden geschmückt, um Elsa's graziösen Wuchs. Echte Perlen um Hals uns Arme — „aus oer Bremer Millionärzett" hatte sie lächelns gesagt l — etu volle« Rosenkränzchen in das braune, gertn gelte Haar georückl, war sie wirklich frappant hübsch, und der unbefangene, kluge Buck ihrer schönen Augen, die nach keinem Beifall umherspäyten, gab ihr einen ganz aparten Reiz.

„Da find Sie ja, meine liebe, junge Frau, — herzlich

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Nov. Die „Nordd. Allgem. Ztg." be­stätigt die von den Blättern gebrachte Nachricht, daß die medizinische Fakultät in einem Schreiben an Dr. Schweninger einhellig erklärt hat, mit ihm nur dienstlich den gesetzlich vorgeschriebenen Verkehr unterhalten zu wollen. Die „Nordd. Allg. Ztg/ fügt hinzu, das Vorgehen der Fakul­tät habe inzwischen die erforderliche Remedur erhalten. — Der Reichskanzler hat dem Bundesrat einen Antrag unter­breitet, wonach die Bestimmungen über die Tara folgende Ergänzungen erhalten sollen: beim Eingang von Mineralöl in Fässern, welche tarifmäßig einem höheren Zollsatz unter­liegen, als die darin enthaltene Flüssigkeit, sind die Fässer nach ihrem Eigengewicht besonders mit einem Zollsatz zu belegen, welcher der Differenz zwischen den Tarifsätzen für das Mineralöl und für die Fässer entspricht. Wenn es von dem Zollpflichtigen nicht vorgezogen wird, das wirk­liche Gewicht oer Fässer durch Verwiegung ermitteln zu lassen, wird das zollpflichtige Gewicht derselben zu 20pCi. des der Verzollung des OelS zu Grunde zu legenden Ge­wichts der Flüssigkeit und der Fässer angenommen. — Bon den angesehensten in Montevideo ansässigen Deutschen ist, wie die „Nordd. Allgem. Ztg." mitteilt, dem Reichs­kanzler nachstehende Adresse zugegangen: „Montevideo, im August 1884. Durchlauchtigster Fürst I Hochverehrter Herr RelchSkanzier l Die Gefühle tiefen Danke«, welche Deutsch­land unserem erhabenen Kaiser schuldet, der Eure Durch­laucht zu der gewaltigen Aufgabe der Leitung der deutschen Politik berufen und so die Einheit, die Größe, die Sicher- heil deS Vaterlands geschaffen hat, sind durch ein neues, hohes Verdienst Eurer Durchlaucht abermals gesteigert worcen. Sen Zah.hunderten lebte Im deutschen Volke der dunkie Drang, seinen strebsamen Kiästen, ote — sich immer vermehrend — in der Heimat kein voll lohnendes Feld für iyre Thätigkeit fanden, im Ausianve einen Bosen für ihr Wirken zu Bereiten, wo die Früchte ihrer Arbeit nicht dem Vaierlande verloren gingen und nur dem AnSlande zum Nutzen gereichten. Aber, wie früher die Erreichung

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WSk- Auch für den Monat Dezember nehmen auf die

Overhesfische Zeitung

nebst deren Beiblätter

Amtlicher Anzeiger

für die Kreise Marburg und Kirchhain und

Illustrierte- Souutagsblatt

alle Postanstalten Bestellungen entgegen, auf dem Lande auch die Postboten.

In fDiarburg sind Bestellungen bei der Expedition zu machen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blattes, sowie dAnnoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt 0. M.; Hermann- scheBuchhairdlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle. W. ThieneS in Elberfeld.

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Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blatter, sowie d.Annoncen-Bureaux oonHaasenstein undVogler w Frankfurt a M. Ham- bürg, Magdeburg u. Wien; Audolf Mofse in Frankfurt a gjt, Berlin, München und Mn: G- L Daube und go- m Frankfurt a- M., Berlin, Hannover u. Paris.

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