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Marburg, Sonntag, 23. November 1884.
XIX. Jahrgang.
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Deutsches Reich.
Berlin, 21. Nov. Der Kaiser empfing nachmittags im Beisein des Grafen Hatzfeldt den braunschweigischen Ministerresidenten Dr. v. Liebe zur Ueberreichung des neuen Beglaubigungsschreibens. Der Kronprinz und die Kronprinzessin empfingen gestern abend den Afrikareisenden Stanley in längerer Audienz. — Ein Galadiner zu Ehren der Konferenz beim Kaiser findet morgen statt. — In der gestrigen Sitzung der Kommission der Afrikanischen Konferenz waren als Bevollmächtigte anwesend für Deutschland: Herr v. Kuflerow, für Belgien: Graf van der Giraten Ponlhoz und Baron Lambermont, für Spanien: Graf von Benomar, für die Vereinigten Staaten von Amerika: Herr John A. Kasion und Herr Henry S. Sanford, für Frankreich: Se. Exzellenz Baron v. Courcel, für England: Str Edward B. Malet, für die Niederlande: Jonkheer van der Hoeven, für Portugal: der Marquis von Penafiel und Herr v. Serpa Ptmentel. Den Vorsitz führte der französische Botschafter Baron v. Courcel. Als Delegierte wurden vorgestellt für Belgien: Herr Banning, für Spanten: Herr Francisco Evello, für die Vereinigten Staaten: Herr Henry M. Stanley, für Frankreich: die Herren DesbuiffonS und vr. Ballay, für England: die Herren Meade, Anderson, Crowe und Hemming, für Italien: die Herren Baron Negri und Mantegazza, für die Niederlande: Herr v. Bloeme, für Portugal: Herr Corduro, für die Türket: Chan Bag- dadlian Effrndt. Nach Feststellung deS innezuhaltenden Geschäftsganges und einer Besprechung über die Behandlung des gesamten vorliegenden Materials wurde die Sitzung um 3V2 Uhr geschlossen, die nächste Sitzung ist zu heute mittag 1 Uhr anberaumt. — Die Sitzung der Kommission der Congo-Konserenz war der Anhörung mehrerer Experten, darunter Stanleys, gewidmet. Dir Diskussion des ersten KonferenzpunkteS hat noch nicht begonnen. Die „Krenz- zeitung" schreibt: Neben den zur afrikanischen Konsereoz gehörigen amtlichen Persönlichkeiten haben sich noch zahlreiche andere Interessenten hier eingefunden, die ebenso wie beim Kongreß 1878 ihre eigenen Angelegenheiten zu vertreten suchen. Eine Anzahl von Kaufleuten z. B. ist hier angekommen, welche alle schon in Westafrika gelebt und zum großen Dell eine bedeutende Reihe von Jahren dort zugebracht haben. (Beiläufig befindet sich auch Herr Wörmann auS Hamburg hier.) Diese erfahrenen Leute sind sämtlich für die Lösung, welche man zumeist von der Konferenz erwartet, nämlich, daß der Congo der afrikanischen Asiociation ganz übergeben wird. In zweiter Linie gehen diese praktischen Afrikakenner daraus aus, der Ansicht ent- gegenzuardeilen, als ob daS weftasrikanische Klima, namentlich am unteren Congo, für Europäer gefährlicher wäre, al« andere bekanntere Gebiete. Sie zeigen auf ihre eigenen gesunden und kräftigen Personen alS Beweis, daß man dort leben und arbeiten könne. Die Europäer dürften sich nur
3i Der Weg zum Herze«.
Novelle von Beruh. Frei.
.Nein, nein," erwiderte sie leise, „es hat mir doch wohl- gethan, daß ich Ihnen alles gesagt habe, das Sie mich nun ganz kennen, ich wünschte eS mir schon seit lange. Eie find so gut und liebevoll zu mir, — daS Leben hat mich doch nicht ganz arm gemacht, — ich habe ja Sie, — meinen besten Freund!"
Sie lächelte dankbar zu ihm empor, ohne ihre Stellung zu verändern, und er zog ste näher an sich und küßte sie leicht auf da« weiche Haar. —
Wieder eine Pause,.....und dann kam ein wun
derliches Gefühl des Unbehagens über Albrecht, er hatte die Empfindung, als sei er nicht mehr allein mit Elsa, al« beobachte ste Jemand. Er blickte sich nach links um, — da waren immer noch die Rehe, friedlich äsend, nur der Senior der Familie stand mit hochgehobcnem Haupt da, wie ein Wachtposten. Albrecht blickte nach der rechten Sette, — und dort — etwa zwanzig Schritte von chm entfernt, stand Herr Albert Säusel, den goldenen Zwicker über den Augen, die Sanitätsrätin König am Arm, eie beiden jungen Damen dicht hinter sich,--in jedem Zug seines Ge
sichts spöttisches Staunen, unliebsame Ueberraschung.
Unwillkürlich hatte Meinharot eine rasche Bewegung gemacht, und Elsa war emporgeschreckt und halte gesehen, gleich ihm .... . , ,
Er bemerkte, wie ein glühende- Rot In ihr edle- noch so blasie« Gesicht schoß, — er wußte, welche Auslegung die Situation, in der er sich befand, bei den neugierigen, hämischen Spähern dort drüb«« notwendig finden muhte,
nicht eher am unteren Congo niederlasien, als bis hinreichende Kulturen zu ihrer Ernährung angelegt wären; bisher wären die meisten an Nahrungsmangel zu Grunde gegangen. — Am Dienstag findet seitens der geographischen und der anthropologischen Gesellschaft ein Diner zu Ehren Stanleys und der wissenschaftlichen Mitglieder der afrikanischen Konferenz statt. — Seitens des Zentrums wird im Reichstage eine Reihe von sozialpolitischen Anträgen eingebracht werden, darunter die Einführung deS Normalarbeitstages, Beschränkung der SonntagSarbeit, Beschränkung der Kinderarbeit in den Fabriken; ferner ein Antrag auf Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen und ein Antrag betreffs Aushebung deS ExpatriierungS-Gesetzes. — Die Vermutung, daß in dem die Umgestaltung deS preußischen Medizinalwesens betreffenden Gesetzentwürfe auch für eine Vertretung der Apotbeker bei den Staatsbehörden Sorge getragen wird, hat sich nicht bestätigt, obwohl, wie die „Pharmaceutische Zeitung" sagt, dem Minister der Medi- zinal-Angelegenheiten während der Ausstellung deS Entwurfs fast aus allen preußischen Bezirken Eingaben auS Apothekerkreisen zugegangen sind, in welchen die Notwendigkeit und Dringlichkeit dieser Forderung nachgewiesen wird. Der Entwurf handelt lediglich von den Aerzten und beantragt unter anderem eine ziemlich bedeutende Verbesserung der Stellung der KreiSphystker und daS gänzliche Eingehen der KreiSwundärzte. — Die nationalliberale Fraktion beschloß, bei der Präsidentenwahl für den von den Konservativen, dem Zentrum und den Deutsch-Freisinnigen aufgestellten Kandidaten für den resp. ersten, zweiten und dritten Präst- dentenposten zu stimmen.
Anrlaud.
Pest, 21. Nov. Dem „Pester Lloyd" zufolge erklärte Ministerprästoent TiSza in der gestrigen Sitzung deS FinanzauSschusieS, daß unter den gegenwärtigen Verhält- niffen an eine Regelung der Valuta nicht könne gedacht werden und daß bie Erwähnung dieser Frage in dem Ausschußberichte nur zu Privatzwecken würde ausgebeutet werden und die Produzenten alarmieren müßte, weil dieselben annehmen würden, daß man ihnen die Schwierigkeiten, die sich beim Uebergange zu einer anderen Valuta ergeben, aufbürden möchte. Die Berührung dieser Frage sei daher ganz inopportun. Betreffs des Ausgleiches erklärte TiSza: Es sei wohl möglich, daß derselbe die Erhöhung der einen oder der ankeren Einnahme für Ungarn zur Folge habe, allein diese Erhöhung der Einnahme dürfe nicht von vornherein alS der Zweck hingestellt werden, weil sonst der Reichst at der österreichischen Regierung dieselbe Direktive erteilen roüroe, wodurch eine Verständigung zwischen den beiden Staaten schwerlich zu erzielen wäre.
Rom, 20. Nov. Der Senat ist zum 27. November einberufen. — Nach einer „Stefani"-Meldung auS Aden soll der Alrikaforjcher Bianchi verunglückt sein. Der italie-
und was jetzt seine einzige Pflicht war. Sein Entschluß war im Augenblick gefaßt.
.Mut, amica!" flüsterte er hastig und küßte ihre Hand. .Nicht wahr, Sie haben mich lieb und vertrauen mir?"
Sie nickte halb betäubt, und mittlerweile war Herr Albert Säusel ein paar Schritte näher getreten.
.Man darf wohl gratulieren?" fragte er mit mallttöser Bedeutung.
„Gewiß!" erwiderte Albrecht ruhig, indem er aufstand und Elsa in seinen Armen emporrichtete „Fräulein Dornbach ist meine Braut!"
Ein wahrer Schwall von beglückwünschenden Redensarten folgte diesen Worten, — wie unendlich man sich freue, — wie man eS schon lange vorher habe kommen sehen, — wie herrlich, daß man es noch hier in Schwarzburg erlebt, — wie man cs bedauere, gerade jetzt als unbe- rusene Zeugen eines so wichtigen EreigniffeS dazugekommen zu fein, — und so ging eS in endloser Beredsamkeit weiter.
Doktor Albrecht Meinhardt hatte Elsa'S Arm durch den seinen gezogen und ihre Hand in die seine genommen. So stand er in stolzer Haltung da, ein feine« Lächeln um bie Lippen, einen eigentümlichen Glanz in den klugen Augen, der Fabrikherr mußte sich innerlich gestehen, daß sich „bet Mensch" wirklich ganz gut mache.
„Ihre gütige Anteilnahme ist unS außerordentlich erfreulich", sagte Albrecht jetzt in verbindlichem Ton „wir durften unS derselben ja stets versichert halten und bedauern nur, diese angenehme Unterredung jetzt abbrechen zu müffen, da wir noch manches mit einander zu besprechen haben. Meine Damen — Herr Säusel — ich habe die Ehre!"
Er lüstete den Hut, während Elsa sich stumm verneigte.
nische Kommiffär in Afsal veranlaßte infolgedessen Einziehung von Erkundigungen in Auffa.
Paris, 20. Nov. Der Kongreß der landwirtschastlichen Vereine sprach sich einstimmig für Erhöhung der Zölle auf ausländisches Getreide aus.
Paris, 21. Nov. Von Mitternacht des 19. Novbr. bis zum 21. Novbr. um Mitternacht sind 31 Cholera- TodeSfälle vorgekommen, davon 11 in der Stadt, 20 in den Hospitälern. Heute zählte man bis mitagS zehn Choleratote. — Da der Verband der Maurer in Lyon, welcher bie Abtragung eines Teils der Festungswerke von Lyon übernommen hat, zuerst nur ungefähr hundert Arbeiter einstellen konnte, so fanden sich gestern morgen um 8 Uhr eine große Masie unbeschäftigter Arbeiter auf dem Bauhof ein und suchten die Aufnahme der Arbeit zu verhindern. Die Polizei trat ein und trieb die Leute zurück. Dieselben zerstreuten sich aber nicht und beschimpften Kürasstre, die zufällig vorbeikamen, weil ste glaubten, daß dieselben gegen sie abgesandt worden sei. Die Menge mehrte sich nach und nach. Gegen 12'/r Uhr wurde nochmals versucht, die Wiederaufnahme der Arbeit zu verhindern. Die Polizisten zu Pferde und zu Fuß schritten nun wieder ein. Die Menge warf mit Steinen und schrie: „Nieder mit dem Bürgermeister! Nieder mit dem Gemeinderat!" Verhaftungen wurden vorgenommen, aber ungeachtet deS strengen Auftretens der Polizei war die Menge vor dem Bauhof den ganzen Tag über sehr beträchtlich. Der heutige Morgen verlies ziemlich ruhig. ES waren hundert Arbeiter mehr eingestellt worden. Um den Bauhof scharte sich noch eine dichte Menge, welche von der Polizei überwacht wurde. — Leon Renault wurde gestern zum Berichterstatter deS Wahlgesetzes für den Senat ernannt und wird am nächsten Montag seiner Aufgabe nachkommen. Wenn die Sache ihren gewöhnlichen Verlauf nimmt, fo werden die Senatorwahlen am 18. ober 25. Januar stattfinden.
Madrid, 21. Nov. Gestern abend fanden antiklerikale Kundgebungen von Studenten statt, wobei die Polizei ein» schritt, mehrere Personen wurden verwundet und verhaftet.
Loudo«, 21. Nov. Die „Times" kommt nochmals auf den Bericht Northbrooks zurück und hält die Richtigkeit ihrer gestern von demselben gegebenen Analyse aufrecht. Notwendig sei eS, den Bericht unverzüglich zu veröffentlichen. Seine Bestimmungen seien für die Regierung nicht bindend.
PeterSb»rg, 21. Nov. Gestern besichtigten die Majestäten das in Schweden erbaute Kriegsschiff „Sivasch." Auf der Neva herrscht starker Eisgang. — Zum Generalkommissar der russischen Abteilung auf der Antwerpener Ausstellung wurde Staatsrat Backmann aus dem Finanzministerium ernannt. An der Ausstellung in Southkenstugton wird sich Rußland ebenfalls beteiligen.
Bukarest, 21. Nov. Die soeben beendeten Kammerwahlen ergaben für die Regierung einen vollkommenen Sieg . Das neue Brautpaar ging rechts weiter, die Andern fchrtt, ten quer über die Wald wiese.
Sie waren schon lange verschwunden, als die beiden immer noch stumm dahingingen. Endlich, als sie den Wald verlaffen hatten und auf freiem Felde waren, wo weit und breit kein menschliches Wesen zu erblicken war, zog da« Mädchen ihren Arm aus dem ihres Begleiters und sagte vorwurfsvoll:
„Amico, — was haben Sie gethau?"
Mit einem heitern Lächeln sah et auf ste nieder.
„Ist es Ihnen so seht unangenehm?"
„O, — ich!! Aber Sie, — Sie sagten selbst, daß eine zweite Ehe"--
„Hören Sie mir nur ein paar Minuten geduldig zu, Else!" unterbrächet ste. .Ich weife, bafe ich Ihnen sagte, meine zweite Frau könnte mir, wie ich jetzt barübet denke, nie so unaussprechlich teuer sein, wie es mir die erste wat, und ich kann dies Wort auch jetzt nicht zurücknehmen. Eine große unbezwingliche Leidenschaft empfinde ich nicht für Sie, Elsa, — aber Sie werden mir glauben, wenn ich Ihnen sage, daß ich außer meinem Knaben keinen Menschen auf der weiten Wett habe, der mir teurer ist, als Sie, dessen Wohlfahrt mit mehr an Herzen liegt, dem ich fester vertraue, dem ich mich mit allem, was ich bin und habe, so vollkommen zuversichtlich hiugebe. — Und nun frage ich Sie, die Sie wahrhaftig sind, wie ich e« bin: wiffen Sie einen andern Mann, den Sie lieber haben als mich, dem Sie für das Leben lieber angehören möchten, als mir?"
„Nein", sagte Sie ruhig, „ich habe Sie lieb und vertraue Ihnen und schätze Sie hoch, — das wissen Siel".
(Fortsetzung folgt.)