XIX. Jahrgang
Jliatöurg, Mittwoch, 19. November 1884.
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Der Wegzum Herze«.
Novelle von Bernh. Frei.
Anzeigen nimmt entgegen: Die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undVogler in Frankfurt a M.. Hamburg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a.M., Berlin, München und Mn; G. L Daube und Eo- rn Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Pari-.
„Man fand es lächerlich," fuhr Elsa in ihrer Erzählung fort, „wenn ich dem Spiel berühmter Künstler, unter denen Anton Rubinstein mir weitaus den ersten Platz einnahm, stumm und ergriffen zuhirte und meine begeisterten Thränen mühsam bekämpfte, — sie Menschen sahen sich um, waS ich wohl für ein Gesicht machte, wenn dies oder jenes Stück eines meiner LieblingSkomponisten gespielt wurde. Ich habe dann in meinem Herzen oft und inbrünstig den König von Bayern beneidet, daß er souverän genug ist, alles schönste und herrlichste allein genießen zu können, unbegafft und unbeobachtet von verständnislosen Menschen. — Mein Eintritt in die Welt begann mit einem Kampf: ich machte meinem Eltern klar, daß ich nur in beschränktester Auswahl Feste besuchen und nach wie vor meine meiste Zeit der Musik widmen wolle, da ich die Absicht hatte, Konzertspielcrin zu werden. Ich hatte einen förmlichen Sturm deö Unwillens zu besiegen; zwar die Mutter hatte ich bald auf meiner Seite, aber mit dem Vater hatte ich es viel schwerer. Ihm schien ein derartiger Entschluß, wenn man daS schönste, bequemste Leben vor sich hatte., geradezu unfaßbar, er dielt eS für eine Art Herabwürdigung, daß seine einzige Tochter mit Jmpreffarien verhandeln und für Geld spielen sollte, — er hielt die Kunst für einen zwar anständigen, aber ziemlich phantasttsch-n Broderwerb, — nichts weiter. —
Nun gut, er gab sich endlich drein. Ich kam nach Wien, dann nach Paris ans Konservatorium, schöne Studienjahre, durch die unvergeßlichsten Genüffr unterbrochen, — ich habe Ihnen ja oft erzählt, wieviel herrliches sich Nir geboten hat. Dann kehrte ich heim nach Bremen, He
ist somit, da auch Landshut - Jauer aus nationalliberalen Händen in freisinnige übergegangen ist, jetzt mit seinen sämtlichen 10 Mandaten — ein Unikum im Reiche — in fortschrittlichen Besitz übergegangen.
Die Deutsche Reichspartei hat vom Fortschritt 6 Mandate gewonnen (Ostpriegnitz, Rügen, Erfurt, Lauenburg, Dillenburg und Eschwege), von den Polen 1 (Fraustadt), ebenso von den Nationalliberalen (Marienwerder) und den Sozialdemokraten (Freiberg) je 1. Verloren hat die Partei 2 Sitze an den Fortschritt (Waldenburg und Altenburg), an die Welfen Goslar, an die Sozialdemokraten Leipzig- Land, an das Zentmm Forchheim, endlich 1 oder 2 Sitze (Kreuznach und Eßlingen) an die Nationalliberalen.
Die Sozialdemokraten haben von ihren alten Sitzen 10 gehalten (Breslau I. u. II-, Solingen, Nürnberg, Chemnitz, Zwickau, Offenbach, Reuß ä. L., Hamburg I. u. II.). Neugewonnen haben dieselben vom Fortschritt: Berlin IV. u. VI., Magdeburg, Altona, Frankfurt, Elberfeld, Braunschweig und Gotha, von den National- liberalen Glauchau und Kirchberg, von der Reichspartei Leipzig-Land, von den Welfen Hannover und vom Zentrum München II. Zu den von der Fortschrittspartei eroberten Mandaten wird außerdem, wie gesagt, wahrscheinlich noch Reuß J; L. zu schreiben sein. Verloren haben die Sozialdemokraten Hanau an die Konservativen, Freiburg an die Reichspartei, Mittweida an die Nationalliberalen. Daß die Sozialdemokraten wieder in ganz besonderem Umfange die Erbschaft deö „freisinnigen" Fortschritts angetreten haben, wird ebenso bemerkt werden müssen, wie ihr Einmarsch (in München II.) in Zentcumsgebiet und wie die Thatsache, daß der klare Konservatismus sich auch diesmal wieder als der sprödeste Boden für daS Umsichgreifen der Sozialdemokratie bewährt hat.
Was die Nationalliberalen betrifft, so begnügen wir uns zu konstatieren, daß dieselben in den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Brandenburg, Pommern und Schlesien vollständig von der Bildfläche verschwunden sind, ebenso im Regierungs-Bezirk Kassel bis auf einen. Entschieden glücklich sind dieselben in der Provinz Hannover gewesen, wo sie den Fortschritt wieder vollständig verdrängt und auch von den Welfen Terrain erobert zu haben scheinen, desgleichen in Schleswig, wo sie Flensburg den Dänen und Tondern den Freisinnigen abgenommen haben, und im Großherzogtum Hoffen, wo sie nicht weniger als 4 Mandate, die bisher in fortschrittlichen Händen waren, neu erobert und das von Heppenheim- WormS behauptet haben. Im übrigen liegen die Wurzeln der Kraft dieser Partei nach wie vor in der Pfalz (5 Mandate), ;n Baden (5 Mandate), und auch in Württemberg (4 Mandate) un' im Königreich Sachsen (5 Mandate). AuS den kleineren Staaten können wir ferner 8, aus der Provinz Sachsen 3 (Wanzleben, Aschersleben und Sanger
suchte für eine kurze Zeit mit meiner Mutter meinen Bruder in Frankfurt und fing dann an, in Unterhandlungen wegen meines öffentlichen Hervortretens einzugehen. —
Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß ich wäh- rend dieser ganzen Zeit ziemlich viele HeiraiSanträge hatte; denn ich war ein ganz gut aussehendes Mädchen, kam sehr viel unter Menschen, war freundlich und umgänglich in meinem Wesen, — viel liebenswürdiger, als jetzt! — und meines VaterS Millionen bildeten einen angenehmen goldenen Hintergrund zu meiner PersSnlichk.it. Ich hatte auch gar keinen Widerwillm gegen da« Heiraten, und fand eS albern, wenn meine KonservatoriumSgefShrtinnen mit Aplomb erklärten, sie würden nur ihrer Kunst leben und sich nie unter aS Joch der Ehe beugen. Aber wenn ich meine Freiheit und meinen selbstgcwähltm, so sehr geliebten Beruf ausqab, so sollte eS um eines Menschen willen geschehen, den ich mehr liebte, als alles auf der Welt. Der Eine wollte aber nicht kommen, und so war ich es auch zufrieden und lebte meiner Kunst und machte Pläne, wie ich die Welt in Erstaunen setzen wollte mit meinem Talent. ES fiel viel kindische-, unreifes in jene Zett, aber glücklich war sie für mich doch, — sehr glück ich 1* —
Eisa nickte vor sich hin, als wolle sie jenen Abschnitt ihres Lebens damit für abgefchloffen erklären und faltete dann die Hände auf ihren Knieen, wie um sich zu sammeln.
„Sie haben wir erzählt", fuhr sie fort, daß Sie Ihre Frau zum erstenmal auf einem Ball gesehen hätten, unv daß Sie den großen Eindruck, den sie damals auf Sie gemacht hat, nie vergeffen würden. Bei mir war es auch ein Ball, der entscheidend wirkte, und ich werde das Andenken daran schwerlich je ganz verwinden l Ich hatte keine Lust zu diesen sogenannten Vergnügen, da- in de« Hause
DaS Fazit aus de« Wahle«.
Wenn auch über das Ergebnis einiger weniger Stichwahlen bis zur Stunde Zuverlässiges noch nicht vorltegt, so ist doch immerhin eine allgemeine Schätzung des Resultates und damit der Bedeutung der letzten Wahlen schon heute möglich.
Soweit bis jetzt bekannt, verfügen die Deutschkonservativen im neuen Reichstage über 76, die Deutsche Reichs- Partei über 27, die Nationalliberalen über 51, die Sozialdemokraten über 24, dir Fortschrittspartei über 63 Stimmen. Bei den Konservativen steht das Resultat zweier Stichwahlen (Danzig-Land und Dinkelsbühl in Mittelfranken) noch aus, zu der Deutschen ReichSpartet haben wir bei obiger Ziffer sowohl Klemm (Dresden-Neustadt) wie Mer- bach (Freiberg) gerechnet, bei den Sozialdemokraten haben wir das Resultat der Stichwahl in Reuß j. L. zu gunsten dieser Partei vorweggenommen. Wie schon aus diesen Zahlen ersichtlich wird, trägt die Fortschrittspartei, obwohl ihr die Hilfe des Zentrums und der Sozialdemokraten, die je nach Sachlage mit derjenigen der Nationalliberalen wechselte, einen unverhältnismäßig großen Bruchteil der Stichwahl - Mandate zuwandte, die Verlustkosten bei diesen Wahlen, zu denen im übrigen noch die Polen mit 2 (Schwetz und Fraustadl) und, wie eö scheint, auch die Welfen mit einigen Mandaten beitragen. Von dem Gewinn fällt bei weitem der Hauptteil den Deutschkonservativen zu, nächstdem ein weiterer Teil den Sozialdemokraten, in geringerem Maße auch den Nationalliberalen und — kaum nennenswert — der Deutschen Reichspartei.
Wenn wir Gewinn- und Verlustkonto wenigstens bei den uns hauptsächlich interessierenden Parteien noch im einzelnen ftststellen, so ergiebt sich bei den Deutschkonservativen, daß sie von den 26 gewonnenen Mandaten 20 dem Fortschritt abgenommen haben, 1 den Polen (Schwetz), 1 den Sozialdemokraten (Hanau) und 4 den Nationalliberalen (Dresden - Altstadt, Heidelberg, Güstrow und Strelitz). Von den von dem Fortschritt eroberten Mandaten entfallen nicht weniger als 17 auf die alten preußischen Ostprovinzen, und zwar 5 auf Ostpreußen (Labiau, Heiligenbeil, Rastenburg; Tilsit und SenSburg), 4 auf Brandenburg (Westpriegnitz, Zauch-Belzig; Landsberg und KeltbuS), 1 auf Pommern (Ueckermünde), 1 auf Posen (Bromberg), 2 auf Schlesien, Reg.-Bez. BreSlau ('Stieg und Ohlau) und 4 auf Sachsen (Wolmirstedt; Wittenberg und Bitterfeld; Mülhausen). Außerdem ist in West'alen Hamm-Soest, in Hessen-Nassau Kassel und im Königreich Sachsen Meißen vom Fortschritt gewonnen. Verloren dagegen haben die Konservativen nur 4 Mandate, sämtlich an die „Freisinnigen", und zwar in Brandenburg Königs berg i. N. und im Reg. Bez. Liegnitz Grünberg, Löwenverg und Rothenburg. Letzterer Regierungsbezirk, der als mittel parteiliche« Versuchsfeld ja ein gewisse« Renommee genießt,
Deutsches Reich.
Berlin, 17. Nov. Die Eröffnung deSReichs- tageS erfolgt am Donnerstag um l1/» Uhr durch den Kaiser in Person. Derselben gehen wie gewöhnlich Gottesdienste im Dome und in der HevwigSklrche voraus. — Die Kronprinzessin mit ihren Töchtern verließ heute morgens Bozen. Die Töchter reifen ohne Aufenthalt nach Berlin, sie Kronprinzessin verweilt einen Tag in München und trifft am Mittwoch nachts in ö-rlin ein. — Dem Bundesrate ist der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des ReichS- heereS, der Marine und der Reichseisenbahnen zugegangen. Der Gesetzentwurf hat 3 Paragraphen, welche louteu: „8 1. Die Aufwendung eines Betrages bis zur Höhe von 10055134 M. für die in der Anlage aufgeführten Zwecke wird genehmigt; so weit dieser Betrag nicht bereit« verausgabt ist, kann er nachträglich verwendet werden. § 2. Der Reichskanzler wird ermächtigt: 1. Die nach § 1 er«
Erscheint täglich außer an I
Buchdrucker«) bezogen 2'/» Mark, durch die Postämter
Bei dem Fortschritt fällt, abgesehen vo.. metzel, welches die Deutschkonservativen da, wo u. nicht mittelparteilich ankränkeln konnte und wo sie sich u. ihre eigene Kraft verlaffen mußten, in seinen Reihen angerichtet haben, einmal die starke Einbuße, welche er auch nach der sozialdemokratischen Seite hin erlitten hat, und sodann die Thatsache in die Augen, daß der „Freisinn" neben dem mittelparteilich kultivirten Boden — speziell also im Regierungsbezirk Liegnitz — am besten auf klein- staatlichem Boden und aus kleinstaatlichen Verhältnissen heraus gedeiht. Welche Stärkung die Reichspolitik aus den thüringischen und den sonstigen Kleinstaaten erfährt, wird zur Genüge aus dem folgenden Tableau erhellen, welches alle deutschen Kleinstaaten (mit Ausnahme der Königreiche, der Großherzogtümer Baven und Hessen und der beiden Mccklenburge) umfaßt. Die übrig bleibenden Staaten wurden in der vorigen ReichStagSsesston von 17 Fortschrittlern, 6 Nationalliberalen, 3 Sozialdemokraten, einem Zentrumsangehörigen und einem Freikonservaliven vertreten, und sie werden jetzt von 13 Fortschrittlern, 8 Nationalliberalen, 6 Sozialdemokraten und einem Zentrumsmitglied repräsentiert. So lasten diese Staaten vor der Hand mehr als ein Bleigewicht auf einer gesunden Reformpolitik, als daß sie ihr ebenmäßige Förderung zu teil werden ließen, und eS wird sehr ernster Anstrengungen der konservativen Elemente speziell in Thüringen, wo die Verhältniffe noch nicht hoffnungslos iltegen, bedürfen, um dieses Tableau in wünschenswerter Weise zu korrigieren.
, Bochum, aus Hessen-Nassau Rin-
hauffen), aus Westfalen < Duisburg, Kreuznach
lein, ferner in der Rheinp.. °^n (abgesehen von der und Saarbrücken und aus Bay. Rothenburg für die Pfalz) München I., Bayreuth und o.
Nationalüberalen notieren. 'n dem Ge
eilte« enorm reichen Mannes stattfand, deffen größte Freude darin bestand, eine unsinnige Verschwendung, einen unerhörten Luxus zu entfalten, .... man mußte geschmückt wie zu einem Hoffest erscheinen, wollte man nicht eine klägliche Rolle spielen. Mein Vater, der eS liebte, sein Licht leuchten zu taffen, hatte mir eigens zu diesem Abend eine kostbare Toilette bestellt, und dieser Toilette zu Liebe mußte ich das Fest besuchen. —
Ich fürchte, ich werde ihn, der mir dort begegnete, nicht gut schildern können, eS ist da« auch meisten« ein vergeb- liche« Bemühen: dmn wer schildert den Blick beS Auge«, den Ton der Stimme, die Macht eine« Lächeln«, und wer sagt, warum uns all' da« gerade bei diesem und keinem anderen Menschen so unwiderstehlich ergreift? Warum unS Dinge wichtig scheinen, die wir sonst unbeachtet lassen, und unser Herzschlag un« plötzlich bei einem Ereignis zu ersticken droht, da« un« unzähltgemÄe vorher ganz kalt gelaffen hat?
Er fiel mir übrigen« sofort auf, und daS war eben kein Wunder, eS ging fast allen so, er war eine ganz fremdartige Erscheinung: ein Gesicht wie ein Creole, Haar und Bart tiefschwarz, nur die Anaen dunkelblau. Sein Vater war ein bedeutender öst rreichischer Staatsmann gewesen und hatte eine Armenierin geheiratet, die blendend schön gewesen sein soll, — wenn man dm Sohn ansah, glaubte man tB auf« Wort. Er war viel auf Reisen gewesen und sollte ein ereignisreiches Leben hinter sich haben, — zuletzt war er der österreichischen Botschaft in Konstantinopel beigegeben worden, und von dort war er direkt nach Brem» gekommen, wo ein kinderloser Onkel gestorben uns sein persönliche« Erscheinen behni« Regulierung der übrigen« unbedeutenden Erbschaft unerläßlich war. —
(Fortsetzung folgt.)
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, ioroie d.Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung m Frankfurt a.M-; Hermann- icheBuchhandlung buftlbfij Adolf Steiner i. Hamburg; - Invalidendank in Berlin;
A Dresden und Leipzig; ▼ -> Barck u. Eo. in Halle, W. Thiene« in Elberfeld.
__________________ ———— .Katt« durch die Expedition (Koch'sche
den Werltagen nach Sonn- und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen »eilagt(fta die gespaltene Zeile 10 Vf«-
Wogen 2'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr.) - J"erbm M «i» berechnet. „---
Reklamen die Zeile 25 Pf«. Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen weroen 4a Pfg.